Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Sam01

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Liber secundus Samuelis. Quem nos Primum Regum dicimus. Caput I.

Das zweite Buch Samuels oder der Könige Kap. 1


III. Gründung und Bestätigung des ewigen Thrones im Hause David. (Kap. 1,1 – 20,26) 1. David streitet, nachdem er König von Juda geworden, in langwierigem Kampfe mit dem Hause Sauls um die Herrschaft über die nördlichen Stämme. (1,1 – 4,12) 1. David wird in Hebron als König von Juda aufgestellt. (1,1 – 2,7) A. Auf die Nachricht von dem Tode Sauls und Jonathas (V. 10) befiehlt er den sich als den Mörder Sauls Bekennenden zu töten (V. 16) und beklagt den Tod Sauls und Jonathas.

1. Factum est autem, postquam mortuus est Saul, ut David reverteretur a cæde Amalec, et maneret in Siceleg duos dies.
2. In die autem tertia apparuit homo veniens de castris Saul veste conscissa, et pulvere conspersus caput: et ut venit ad David, cecidit super faciem suam, et adoravit.
3. Dixitque ad eum David: Unde venis? Qui ait ad eum: De castris Israel fugi.
4. Et dixit ad eum David: Quod est verbum quod factum est? indica mihi. Qui ait: Fugit populus ex prœlio, et multi corruentes e populo mortui sunt: sed et Saul et Jonathas filius ejus interierunt.
5. Dixitque David ad adolescentem, qui nuntiabat ei: Unde scis quia mortuus est Saul, et Jonathas filius ejus?
6. Et ait adolescens, qui nuntiabat ei: Casu veni in montem Gelboe, et Saul incumbebat super hastam suam: porro currus et equites appropinquabant ei,
7. Et conversus post tergum suum, vidensque me vocavit. Cui cum respondissem: Adsum:
8. Dixit mihi: Quisnam es tu? Et aio ad eum: Amalecites ego sum.
9. Et locutus est mihi: Sta super me, et interfice me: quoniam tenent me angustiæ, et adhuc tota anima mea in me est.
10. Stansque super eum, occidi illum: sciebam enim quod vivere non poterat post ruinam: et tuli diadema quod erat in capite ejus, et armillam de brachio illius, et attuli ad te dominum meum huc.
11. Apprehendens autem David vestimenta sua scidit, omnesque viri, qui erant cum eo.
12. Et planxerunt, et fleverunt, et jejunaverunt usque ad vesperam super Saul, et super Jonathan filium ejus, et super populum Domini, et super domum Israel, eo quod corruissent gladio.
13. Dixitque David ad juvenem qui nuntiaverat ei: Unde es tu? Qui respondit: Filius hominis advenæ Amalecitæ ego sum.
14. Et ait ad eum David: Quare non timuisti mittere manum tuam ut occideres christum Domini?
15. Vocansque David unum de pueris suis, ait: Accedens irrue in eum. Qui percussit illum, et mortuus est.
16. Et ait ad eum David: Sanguis tuus super caput tuum: os enim tuum locutum est adversum te, dicens: Ego interfeci christum Domini.
17. Planxit autem David planctum hujuscemodi super Saul, et super Jonathan filium ejus,
18. (Et præcepit ut docerent filios Juda arcum, sicut scriptum est in Libro justorum.) Et ait: Considera Israel pro iis, qui mortui sunt super excelsa tua vulnerati.
19. Inclyti, Israel, super montes tuos interfecti sunt: quo modo ceciderunt fortes?
20. Nolite annuntiare in Geth, neque annuntietis in compitis Ascalonis: ne forte lætentur filiæ Philisthiim, ne exsultent filiæ incircumcisorum.
21. Montes Gelboe, nec ros, nec pluvia veniant super vos, neque sint agri primitiarum: quia ibi abjectus est clypeus fortium, clypeus Saul, quasi non esset unctus oleo.
22. A sanguine interfectorum, ab adipe fortium, sagitta Jonathæ nunquam rediit retrorsum, et gladius Saul non est reversus inanis.
23. Saul et Jonathas amabiles, et decori in vita sua, in morte quoque non sunt divisi: aquilis velociores, leonibus fortiores.
24. Filiæ Israel super Saul flete, qui vestiebat vos coccino in deliciis, qui præbebat ornamenta aurea cultui vestro.
25. Quo modo ceciderunt fortes in prœlio! Jonathas in excelsis tuis occisus est!
26. Doleo super te frater mi Jonatha decore nimis, et amabilis super amorem mulierum. Sicut mater unicum amat filium suum, ita ego te diligebam.
27. Quo modo ceciderunt robusti, et perierunt arma bellica?


1. Es geschah aber, nachdem Saul tot war, dass David von dem Siege über die Amalekiter zurückkam und zwei Tage in Sikeleg blieb.1
2. Da erschien am dritten Tage ein Mann, der vom Lager Sauls kam, mit zerrissenem Kleide und das Haupt mit Asche bestreut. Als dieser zu David kam, warf er sich ehrerbietig auf sein Angesicht nieder.
3. David sprach zu ihm: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich bin aus dem Heerlager Israels geflohen.
4. Da sprach David zu ihm: Wie ist es dort ergangen? Gib mir Kunde. Er sprach: Das Volk ist aus der Schlacht geflohen und viele aus dem Volke sind gefallen und umgekommen, aber auch Saul und sein Sohn Jonathas sind tot.2
5. David sprach zu dem Boten: Woher weißt du, dass Saul und sein Sohn Jonathas tot sind?
6. Der Bote antwortete: Ich kam zufällig auf das Gebirge Gelboe, dort lehnte Saul sich auf seinen Speer, während die Wagen und Reiter auf ihn eindrangen,3
7. und indem er sich umschaute, erblickte er mich und rief mir zu. Als ich ihm antwortete: Hier bin ich!
8. sprach er zu mir: Wer bist du? Ich antwortete ihm: Ich bin ein Amalekiter.4
9. Da sprach er zu mir: Komm her zu mir und töte mich, denn Angst hat mich erfasst und das Leben ist noch ganz in mir.
10. Da trat ich zu ihm heran und tötete ihn, denn ich wusste wohl, dass er seinen Fall nicht überleben konnte;5 und ich nahm die Krone, die auf seinem Haupte war, und die Spange von seinem Arm und bringe sie hierher zu dir, meinem Herrn.
11. Da fasste David seine Kleider und zerriss sie und alle Männer, die bei ihm waren,
12. und sie klagten und weinten6 und fasteten bis zum Abend um Saul und um seinen Sohn Jonathas und um das Volk des Herrn und um das Haus Israel, dass sie durch das Schwert gefallen waren.7
13. Und sprach David zu dem Boten: Woher bist du? Er antwortete: Ich bin der Sohn eines Fremdlings, eines Amalekiters.8
14. Da sprach David zu ihm: Warum hast du dich nicht gescheut, deine Hand auszustrecken, um den Gesalbten des Herrn zu töten? [Ps 105,15]
15. Und David rief einen von seinen Leuten und sprach: Auf! Und stoße ihn nieder! Und er schlug und tötete ihn.9
16. David aber sprach zu ihm: Dein Blut komme über dein Haupt! Denn dein eigener Mund hat gegen dich Zeugnis abgelegt, da du sagtest: Ich habe den Gesalbten des Herrn getötet.10
17. Und David sang diesen Klagegesang11 über Saul und über seinen Sohn Jonathas
18. (und befahl, die Söhne Judas das Lied vom Bogen zu lehren, wie geschrieben12 steht im Buche der Gerechten). Und er lautet: Gedenke derer, Israel, die auf deinen Höhen ihren Wunden erlegen sind!13
19. Die Herrlichsten, o Israel! sind auf deinen Bergen erschlagen. Wie sind sie gefallen, die Helden!14
20. Erzählet es nicht in Geth, verkündet es nicht auf den Straßen von Askalon,15 dass sich die Töchter der Philister nicht etwa freuen, dass die Töchter der Unbeschnittenen nicht frohlocken!
21. Berge von Gelboe! nicht Tau, nicht Regen falle auf euch, noch mögen die Äcker Erstlinge16 tragen; denn dort ward weggeworfen der Schild der Helden, der Schild Sauls, als wäre er nicht mit Öl gesalbt!17
22. Ohne Blut der Erschlagenen, ohne Fett der Helden kehrte der Pfeil Jonathas niemals zurück und nicht kam das Schwert Sauls ohne Streich zurück.
23. Saul und Jonathas, liebenswürdig und staatlich in ihrem Leben, sind auch im Tode nicht getrennt; sie, schneller als Adler, stärker als Löwen.18
24. Töchter Israels, weinet um Saul, der euch mit Purpur kleidete in Wonne, der euch goldene Kleinode gab zu eurem Schmucke.19
25. Wie sind die Helden gefallen im Kampfe! Jonathas auf deinen Höhen erschlagen!

26. Wie bitter ist mein Schmerz um dich, mein Bruder Jonathas! voll Anmut warst du und liebenswürdiger als Frauenliebe!20 Wie eine Mutter ihren einzigen Sohn liebt, so habe ich dich geliebt!
27. Wie sind sie gefallen, die Starken, die Wehren des Krieges dahingeschwunden!21

Fußnote

Kap. 1 (1) Der Text ist nach Sept. so zu ordnen: Es geschah nach Sauls Tode (David aber war… zurückgekehrt und bereits zwei Tage in Sikeleg), da kam am dritten Tage. - (2) Jonathas war David der liebste und die letzte Stütze des Hauses Saul. - (3) Es ist wenig wahrscheinlich, was der Amalekiter sagt. - (4) Der Bote lügt in der Angabe seines Vaterlandes, also ist er auch im Übrigen nicht aufrichtig und wendet alles zu seinem Nutzen. Aus seiner Erzählung folgt also nichts gegen den Bericht [1Sam 31]. - (5) Saul konnte nicht leben, weil er den Philistern nicht zu entfliehen vermochte. Der Amalekiter hatte wohl nichts weiter getan, als dass er diese Gegenstände in der Nacht nach dem Kampfe stahl. Die Armspangen waren je nach Größe und Schönheit Zeichen des Ranges und diese gehörten also zu den königlichen Insignien. Die Eile des Amalekiters zeigt, dass er eine Belohnung erhofft. - (6) Die Trauerklage bestand in reden und Ausrufen. [Mic 1,8] - (7) Der Vers scheint in indirekter Rede die hauptsächlichen Ausrufe anzuführen. - (8) David wollte wissen, zu welchem Teile des Volkes er gehörte, ob zu dem, welcher außerhalb der Grenzen Judäas wohnend sich mit den Philistern verbündet und Saul in gerechtem Kampfe getötet hatte, oder zu dem, der als Ansiedler im Lande Israel wohnte und gehalten war, den König zu ehren. - (9) Jeder Hebräer hatte Recht und Pflicht, den Mord des Gesalbten des Herrn zu rächen. - (10) War der Amalekiter ein Feind, so büßte er seine Kühnheit, hierher zu kommen, war er ein Ansiedler, so war er sein eigener Ankläger in Kriegszeit. In jedem Falle musste er sich selbst seinen Tod zuschreiben. Vergl. [1Sam 26,9]. - (11) Ein Teil der Klage von V. 12 dauerte bis zum Abend. - (12) Das Wort: wie geschrieben bezieht sich entweder auf den Bogen oder auf die Klage oder auf beides. Das Buch der gerechten wird [Jos 10,13] erwähnt, nach einigen ist dasselbe eine Hymnensammlung. Aus der vorstehenden Anführung ist klar, dass das Buch der Könige aus mehreren prophetischen Büchern zusammengestellt ist. (Theodoret) Der Verfasser fand den Gesang wohl nicht in seinen Quellen und übernahm ihn aus dem angeführten Buche. Der Gesang beginnt V. 19. Bogen bezeichnet wohl den Titel des Liedes. – So ward Saul nach seinem Tode von dem am tiefsten betrauert, den er lebend am meisten gehasst. (Vergl. auch [Lk 19,41, Mt 23,37].) Man kann das Lied der Form nach in fünf Strophen zerlegen, dem Inhalte nach in drei Teile: Schmerz über Saul und Jonathas (V. 19 – 24), über Jonathas. (V. 25 – 26) Allgemeiner Nachhall der Klage. (V. 27 Vergl. [Klagel 1, Klagel 2, Klagel 4, Jes 14]) - (13) Überschrift: Ordne Trauerdienst an, o Israel, für die Toten, die auf deinen Höhen erschlagen liegen. Oder: Entbiete zur Trauerfeier, o Israel, wegen der Toten usw. Wie sind die Helden gefallen! - (14) Der zweite Teil des Verses ist eine Doppelübersetzung, welche aus der Sept. durch die Itala in die Vulg. gedrungen ist. - (15) Diese zwei werden unter den Fünfstädten der Philister erwähnt, vielleicht weil sie David zunächst lagen. Die zu Haus zurückgelassenen Frauen waren um den Ausgang der Schlachten besorgt [Rich 5,28] und feierten die errungenen Siege. [1Sam 18,6] - (16) Die Äcker, welche Opfergaben hervorbringen, die Erstlinge. - (17) Nach anderen hebr.: Verdorre, Gelboe, nicht komme Tau, noch Regen über dich! Ihr Todesgefilde! Denn dort war besudelt ein Heldenschild und einer, noch nicht mit Öl gesalbt (Jonathas) mit dem Blute der Erschlagenen, mit dem Marke der Männer. - (18) Nach anderen: Jonathas Bogen kehrte nicht beutelos zurück und Sauls Schwert kam nicht leer heim. Saul und Jonathas, die Geliebten, die Trefflichen, bleiben im Leben und Tode vereint. Die Adlerschnellen, die Löwenstarken. (Refrain: Wie sind die Helden gefallen!) - (19) … Saul, der euch in Purpur und bunte Gewänder kleidete, der mit Goldschmuck eure Kleider zierte. Wie sind die Helden gefallen inmitten des Kampfes! - (20) Du warst mir hold gar sehr. Höher ging mir deine Liebe als Frauenliebe. – Die Gattenliebe ist in der natürlichen Ordnung eine der edelsten. Die folgenden Worte über die Mutter sind eine Glosse, welche durch die Unachtsamkeit der Abschreiber in den Text geraten ist. - (21) So war denn der König dahin, den Israel sich vom Herrn erzwungen. (Gabaa die Stadt des Fluches. [Rich 19]. Vergl. [1Sam 8,7.22]) Gott war gegen ihn als König streng, gegen Saul als Menschen voller Milde. [1Sam 13,13] Wohl werden Sauls Nachkommen von der Nachfolge ausgeschlossen, doch hat Gott den Nachfolger Saul gleichsam zum Schwiegersohn aufgedrängt. [1Sam 17,25, 1Sam 18,17.20] Es lag damals in Sauls Hand, sein ganzes Leben in Frieden zu verbringen und dann selbst das Reich seinem Schwiegersohn und dessen Nachkommen zu übergeben, während er seinen eigenen Kindern und Kindeskindern die höchsten Ehrenstellen an Davids Hofe vorbehielt. Dies erkannte Jonathas. [1Sam 23,17] Obgleich ferner Saul gesagt ward, dass er als König verworfen sei, herrschte er doch so lange wie David, 40 Jahre. ([Apg 13,21] Vergl. aber [Apg 13,Anm.1].) So streng Gottes Ausspruch auch war, so mild ward er doch ausgeführt. Doch Saul erkannte Gottes Langmut gegen ihn nicht und bemühte sich, David zu vernichten und seiner Familie die Königswürde zu erhalten. Obgleich er immer tiefer sank (vergl. [1Sam 16,14]), hatte er dennoch zwei Schutzwehren, den Propheten Samuel, der bei Gott für ihn bat [1Sam 15,35], und David, der äußere Feinde abhielt. Als der Prophet starb, sah Saul, dass ihm eine Grundsäule seines Thrones genommen. Deshalb seine Bemühungen, den Verstorbenen zu gewinnen, indem er Zauberer und Wahrsager verfolgte und selbst die Gabaoniten vertilgte. Da aber um diese Zeit seine Verfolgungen gegen David wieder begannen, verließ dieser das jüdische Land und wenige Monate darauf eilten die Philister herbei. Da versucht Saul Samuel durch Beschwörung zu sprechen und fällt dem Tode für dieses Verbrechen anheim. - Weitere Kapitel: 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 |

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