Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jes61

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Prophetia Isaiiæ. Caput LXI.

Prophezeiung des Isaias Kap. 61


D. Vierte Rede. (Kap. 61) a. Das Wort der Erlösung durch den Messias. (V. 3) b. Die Wiederherstellung und die Herrlichkeit des Gottesreiches. (V. 4) c. Jubel des theokratischen Volkes.

1. Spiritus Domini super me, eo quod unxerit Dominus me: ad annuntiandum mansuetis misit me, ut mederer contritis corde, et prædicarem captivis indulgentiam, et clausis apertionem:


2. Ut prædicarem annum placabilem Domino, et diem ultionis Deo nostro: ut consolarer omnes lugentes:

3. Ut ponerem lugentibus Sion: et darem eis coronam pro cinere, oleum gaudii pro luctu, pallium laudis pro spiritu mœroris: et vocabuntur in ea fortes justitiæ, plantatio Domini ad glorificandum.

4. Et ædificabunt deserta a sæculo, et ruinas antiquas erigent, et instaurabunt civitates desertas, dissipatas in generationem, et generationem.


5. Et stabunt alieni, et pascent pecora vestra: et filii peregrinorum agricolæ et vinitores vestri erunt.
6. Vos autem Sacerdotes Domini vocabimini: Ministri Dei nostri, dicetur vobis: Fortitudinem gentium comedetis, et in gloria earum superbietis.

7. Pro confusione vestra duplici, et rubore, laudabunt partem suam: propter hoc in terra sua duplicia possidebunt, lætitia sempiterna erit eis.
8. Quia ego Dominus diligens judicium, et odio habens rapinam in holocausto: et dabo opus eorum in veritate, et fœdus perpetuum feriam eis.
9. Et scient in gentibus semen eorum, et germen eorum in medio populorum: omnes, qui viderint eos, cognoscent illos, quia isti sunt semen, cui benedixit Dominus.
10. Gaudens gaudebo in Domino, et exsultabit anima mea in Deo meo: quia induit me vestimentis salutis: et indumento justitiæ circumdedit me, quasi sponsum decoratum corona, et quasi sponsam ornatam monilibus suis.

11. Sicut enim terra profert germen suum, et sicut hortus semen suum germinat, sic Dominus Deus germinabit justitiam, et laudem coram universis gentibus.


1. Der Geist des Herrn1 ist über mir,2 weil der Herr mich gesalbt hat;3 um Botschaft den Sanftmütigen4 zu bringen, sandte er mich, um zu heilen, die zerknirschten Herzens5 sind, um den Gefangenen Nachlass, den Eingeschlossenen Befreiung zu verkünden;
2. anzukünden ein dem Herrn genehmes Jahr6 und den Tag der Rache für unsern Gott7 und zu trösten alle Trauernden;8 [Mt 5,5]
3. um zu geben den Trauernden Sions und ihnen darzureichen eine Krone9 statt der Asche,10 Freudenöl11 statt der Trauer, ein Festgewand statt der Trübsal des Geistes;12 und sie werden daselbst13 heißen Starke14 in der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des Herrn zur Verherrlichung.15
4. Und sie werden das, was von alters her wüste gelegen, aufbauen und aufrichten, was vor Zeiten in Trümmer zerfallen; und die verlassenen Städte wiederherstellen, die von Geschlecht zu Geschlecht wüste gelegen.16 [Jes 58,12]
5. Fremde werden dastehen und eure Herden weiden und die Söhne der Fremden werden eure Ackerleute und Winzer sein.17
6. Ihr aber werdet Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener unseres Gottes nennen; den Reichtum der Heiden werdet ihr genießen und in ihrer Herrlichkeit prangen.18
7. Für eure zweifache Schande und Schmach19 preisen sie ihren Anteil. Daher20 sollen sie in ihrem Lande Doppeltes besitzen und ewige Freude soll ihr Teil werden.
8. Denn ich, der Herr, liebe das recht, und hasse den Raub am Brandopfer21 und ich gründe ihr Werk in der Wahrheit und schließe einen ewigen Bund mit ihnen.22
9. Man wird unter den Völkern ihr Geschlecht erkennen und ihre Sprossen in der Mitte der Nationen; alle, die sie sehen, werden sie kennen, denn sie sind das Geschlecht, das der Herr gesegnet hat.23
10. Ich freue mich und bin fröhlich in dem Herrn und meine Seele frohlockt in meinem Gott,24 denn er hat mich mit den Gewändern des Heiles bekleidet und mich angetan mit dem Gewande der Gerechtigkeit,25 wie einen Bräutigam mit der Krone geziert,26 wie eine Braut mit Geschmeide geschmückt.
11. Denn wie die Erde ihre Keime hervorbringt und der Garten seinen Samen aufgehen lässt, so wird Gott, der Herr, Gerechtigkeit und Lobpreisung vor allen Völkern hervorsprossen lassen.27


Fußnote

Kap. 61 (1) Zur Vollbringung des Werkes ist dem redenden die Ausrüstung mit dem Geiste Gottes gegeben. Es liegt in den Worten eine Hinweisung auf [Jes 11,2; Jes 42,2]. - (2) Diese Rede ist eine Vervollständigung der vorhergehenden und schließt sich eng an dieselbe an. Der redende ist der Messias. Auf ihn allein weisen alle Aussagen hin, ebenso wie [Jes 49,1]. (Cyr., Theod., Hier.) - (3) Die Ausrüstung wird als eine vom Herrn geschehene Salbung bezeichnet. Die Salbung fand bei der Einsetzung des aaronitischen Priestertums, bei dem Hohenpriester, bei den einfachen Priestern, bei den Königen statt. Sie wird auch bei den Propheten erwähnt [1Koe 19,16]. Sie bezeichnet die Mitteilung des Geistes Gottes. Vergl. [1Sam 10,10] und [1Sam 16,13; Sach 4,6]. Die Salbung hat diese symbolische Bedeutung, weil das Öl, welches Licht verbreitet, den Körper belebt und kräftigt du selbst die Toten vor Verwesung bewahrt, den Geist Jahves, das Prinzip alles Lichtes und Lebens, und das salben selbst die Mitteilung des göttlichen Geistes passend versinnbildet. Die Idee der Mitteilung einer heiligen Weihe spricht sich auch in der Salbung heiliger Gefäße und dergl. aus und erscheint gleicherweise im Neuen Testamente. Ganz eigenartig ist die Menschheit Christi gesalbt durch die Gottheit, durch die hypostatische Vereinigung. Christus als die Vollendung der gesalbten des Alten Bundes, des Königtums, des Priester- und Prophetentums ist, „der Gesalbte“ ausschließlich. - (4) Den Gebeugten und demütig Duldenden. - (5) Hebr.: Die Gebrochenen des Herzens, die Betrübten, Mutlosen, Verzagten zu trösten und aufzurichten. Er soll also so handeln, wie es [Jes 40,11; Jes 41,10.14; Jes 42,3; Jes 43,1; Jes 44,2ff] teils von Gott, teils vom Messias ausgesagt wird. Ganz besonders aber weist auf den Messias hin die Befreiung der Gefangenen, vergl. [Jes 42,7; Jes 49,9; Jes 51,14], die er durch sein Werk vollbringt. - (6) Der hebr. Ausdruck und der ganze Begriff weist auf den Inhalt des zweiten Abschnittes: Gesühnt ist ihre Missetat, besonders auf [Jes 53] und die daselbst geleistete Sühne. - (7) Schon oft hat der Prophet betont, dass der Messias zum Falle und zum Aufstehen vieler erscheinen wird. - (8) Er kommt, um die Trauernden Sions zu trösten und Sion selbst aus dem Stande der Erniedrigung, aus Leiden und Betrübnis zu Ehre, Freude und Jubel zu erhöhen. - (9) Vergl. [Jes 28,5]. - (10) Asche ist Zeichen der Trauer. Hinweis auf die Erniedrigung: das Sitzen am Boden. - (11) Die Salbung mit Öl ist Zeichen der Freude. [Ps 44,8] Diese gibt sich auch im geistigen Jubelkleid oder Prachtgewand kund, das Sion jetzt statt des verzagten, dem Erlöschen nahen Geistes anzieht. - (12) Bedeutungsvoll ist, dass dieses Heil den Trauernden versprochen ist, d.i. denen, welchen das geistige Elend des Volkes, die Strafe des Bundesbruches usw. zu Herzen geht, denen es deshalb in der heidnischen Umgebung nicht heimisch ist. - (13) In Sion. - (14) Hebr.: Terebinthen der Gerechtigkeit. - (15) Sie werden blühen und gedeihen als Gerechte und mit dem Schmucke und der Fruchtbarkeit wahrer Gerechtigkeit begabt sein. Sie sind sodann keine entartete, unfruchtbare Pflanzung mehr (Kap. 5 – 17,10), sondern eine Pflanzung des Herrn, die ihm zur Verherrlichung gereicht. [Jes 27,2-6] - (16) Der Seher sieht die chaldäische Katastrophe und das Elend des Exils sowie die mit demselben unvermeidliche Verödung des Landes voraus. Aber die äußere Zerstörung ist nur ein Abbild und eine Folge des inneren Abfalles. Dieses Doppelverhältnis ist auch bei der Wiederherstellung zu beachten. Das geistige Element, der Anschluss an Gott wird in das Bild der wiederhergestellten Stadt gekleidet wegen der tatsächlichen Vorbereitung wie wegen des Symbols. Jene trat bei der Befreiung aus Babel ein und konzentrierte sich in dem wirklichen Aufbau, das Symbol greift auf die Idee und die messianische Bestimmung Sions zurück, und so ist Sions Aufbau der Bau des Messiasreiches. In den Öden und materiellen Trümmerhaufen Sions ist also auch zugleich der sittliche Zustand des alten Sion geschildert. - (17) Israel hat einen Gnadenvorzug. Vergl. [Roem 11]. - (18) Insofern Israel Lehrer der Heiden und deren Vermittler zu Gott hin ist. Vergl. [Joh 4,22]. Diesen Beruf übt Israel tatsächlich aus durch die Apostel. Um diese und ähnliche Prophezeiungen recht zu verstehen, sind auch die anderen zu berücksichtigen, in denen Israel auf gleiche Stufe mit den Heiden gesetzt wird oder nur von einem Rest, der sich bekehrt, die Rede ist und Priester und Leviten auch aus den Heiden berufen werden. [Jes 66,21] - (19) Die zweifache Schmach ist die von den Feinden dem Volke Gottes wiederholt und in großem Maße zugefügte Unbill. Das Hebräische kann auch gefasst werden: Für eure Schmach (werdet ihr einen) doppelten (Lohn erlangen). - (20) Wegen der ausgestandenen Schmach, gleichsam zum Ersatz dafür. Oder ist die im Jubel über den Segensanteil liegende Dankbarkeit der Grund, weshalb ihnen noch größere Güter und dauernde Freude gespendet werden? - (21) Gott will nicht, dass irgendein Teil jenes Israel zugesagten Rechtes oder Heiles unerfüllt bleibe, weil er überhaupt jede Schädigung, jede Verminderung und Entziehung einer heiligen Sache hasst. - (22) Ihr Werk ist das ihnen zugesagte und daher gebührende. Oder Werk wird als Lohn, Vergeltung für ausgestandene Schmach gefasst, doch ist alsdann [Jes 53,11; Jes 49,6-8; Jes 49,9.11; Jes 43,23.24; Jes 64,8-12] vor Augen zu haben, damit der richtige Sinn gefunden werde. Die Erhöhung ist eine Tröstung für die ausgestandene Schmach, verdient durch die stellvertretende Erniedrigung des Messias, also ein Lohn für ihn und dann durch Mitteilung und Anteilnahme für sein Volk. Für letzteres ist sie reine Gnade, freilich verbürgt und gesichert durch Gottes Treue, und nur so hat Israel einen Rechtsanspruch. - (23) Das neue Israel ist kennbar unter den Nationen; es ist also ein fruchtbarer, blühender Spross unter den Völkern, und der an ihm sichtbar gewordene Segen ist wirksame Einladung für die Heiden. Wie Gottes Fluch am alten Israel sichtbar wurde, vergl. [Jer 22,8; 5Mos 29,23; 1Koe 9,8], so sein Segen am neuen, am messianischen Israel, dem Israel Gottes. [Gal 6,16] - (24) Worte Jerusalems. Das Gottesvolk ist angesichts des großen Werkes des Messias und der Herrlichkeit und Gnade nicht teilnahmslos. - (25) Für das heilige Volk des Messias ist Grund der Freude und des Ruhmes nicht irdischer Glanz und Erdenglück, sondern die Heilsgüter. - (26) Hebräisch: Wie der Bräutigam, der priesterlich macht den Kopfbund – d.i. diesen so formt und anlegt, wie der Priester sich mit priesterlichem Schmuck ziert. Die von Gott verliehenen Gnaden sind das Brautgeschmeide, mit dem er seine auserkorene Braut schmückt. So ist denn der einsame Witwenstand Sions, [Jes 50,1] u.a., glänzend gehoben. - (27) Folge und Frucht des neuen Bundes ist, dass Gerechtigkeit und Lobpreis überall aufsprosst. Israel ist kein undankbares Erdreich, kein unfruchtbarer Weinberg mehr, er nimmt in sich die “Gerechtigkeit” auf und bringt entsprechende Früchte derselben, zu denen auch der Lobpreis, die dankbar freudige Anerkennung des Heiles, zählt. Damit ist die fortdauernde Heiligkeit der Kirche von neuem. Vergl. den Schluss der vorigen Rede [Jes 60,3].


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