Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jos09

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Liber Josue, Hebraice Jehosua. Caput IX.

Das Buch Josue Kap. 9


3. Die Gabaoniten unterwerfen sich und die Könige der Amorrhiter werden besiegt. (9,1 – 10,27) A. Auf die Kunde von allem, was Gott durch Josue getan, verbinden sich die Könige der Chananiter, um Israel anzugreifen. (V. 2) B. Die Gabaoniter bringen, aus Furcht, sie möchten das Schicksal von Jericho und Hai erleiden, Josue durch List dazu, mit ihnen ein Bündnis einzugehen. (V. 15) Nachdem die List entdeckt ist, werden sie zu Sklaven des Volkes und des Altares des Herrn gemacht.

1. Quibus auditis, cuncti reges trans Jordanem, qui versabantur in montanis et campestribus, in maritimis ac littore magni maris, hi quoque qui habitabant juxta Libanum, Hethæus et Amorrhæus, Chananæus, Pherezæus, et Hevæus, et Jebusæus,
2. Congregati sunt pariter, ut pugnarent contra Josue et Israel uno animo, eademque sententia.
3. At hi, qui habitabant in Gabaon, audientes cuncta quæ fecerat Josue, Jericho et Hai:
4. Et callide cogitantes tulerunt sibi cibaria, saccos veteres asinis imponentes, et utres vinarios scissos atque consutos,
5. Calceamentaque perantiqua quæ ad indicium vetustatis pittaciis consuta erant, induti veteribus vestimentis: panes quoque, quos portabant ob viaticum, duri erant, et in frusta comminuti:
6. Perrexeruntque ad Josue, qui tunc morabatur in castris Galgalæ, et dixerunt ei, atque simul omni Israeli: De terra longinqua venimus, pacem vobiscum facere cupientes. Responderuntque viri Israel ad eos, atque dixerunt:
7. Ne forte in terra, quæ nobis sorte debetur, habitetis, et non possimus fœdus inire vobiscum.
8. At illi ad Josue, Servi, inquiunt, tui sumus. Quibus Josue ait: Quinam estis vos? et unde venistis?
9. Responderunt: De terra longinqua valde venerunt servi tui in nomine Domini Dei tui. Audivimus enim famam potentiæ ejus, cuncta quæ fecit in Ægypto,
10. Et duobus regibus Amorrhæorum qui fuerunt trans Jordanem, Sehon regi Hesebon, et Og regi Basan, qui erat in Astaroth:
11. Dixeruntque nobis seniores, et omnes habitatores terræ nostræ: Tollite in manibus cibaria ob longissimam viam, et occurrite eis, et dicite: Servi vestri sumus, fœdus inite nobiscum.
12. En, panes quando egressi sumus de domibus nostris, ut veniremus ad vos, calidos sumpsimus, nunc sicci facti sunt, et vetustate nimia comminuti.
13. Utres vini novos implevimus, nunc rupti sunt et soluti: vestes et calceamenta quibus induimur, et quæ habemus in pedibus, ob longitudinem longioris viæ trita sunt, et pene consumpta.
14. Susceperunt igitur de cibariis eorum, et os Domini non interrogaverunt.

15. Fecitque Josue cum eis pacem, et inito fœdere pollicitus est quod non occiderentur: principes quoque multitudinis juraverunt eis.

16. Post dies autem tres initi fœderis, audierunt quod in vicino habitarent, et inter eos futuri essent.
17. Moveruntque castra filii Israel, et venerunt in civitates eorum die tertio, quarum hæc vocabula sunt, Gabaon, et Caphira, et Beroth, et Cariathiarim.
18. Et non percusserunt eos, eo quod jurassent eis principes multitudinis in nomine Domini Dei Israel. Murmuravit itaque omne vulgus contra principes.

19. Qui responderunt eis: Juravimus illis in nomine Domini Dei Israel, et idcirco non possumus eos contingere.

20. Sed hoc faciemus eis: Reserventur quidem ut vivant, ne contra nos ira Domini concitetur, si pejeraverimus:

21. Sed sic vivant, ut in usus universæ multitudinis ligna cædant, aquasque comportent. Quibus hæc loquentibus:
22. Vocavit Gabaonitas Josue, et dixit eis: Cur nos decipere fraude voluistis, ut diceretis: Procul valde habitamus a vobis, cum in medio nostri sitis?

23. Itaque sub maledictione eritis, et non deficiet de stirpe vestra ligna cædens, aquasque comportans in domum Dei mei.
24. Qui responderunt: Nuntiatum est nobis servis tuis, quod promisisset Dominus Deus tuus Moysi servo suo ut traderet vobis omnem terram, et disperderet cunctos habitatores ejus. Timuimus igitur valde, et providimus animabus nostris, vestro terrore compulsi, et hoc consilium inivimus.
25. Nunc autem in manu tua sumus: quod tibi bonum et rectum videtur, fac nobis.
26. Fecit ergo Josue ut dixerat, et liberavit eos de manu filiorum Israel, ut non occiderentur.
27. Decrevitque in illo die eos esse in ministerio cuncti populi, et altaris Domini, cædentes ligna, et aquas comportantes, usque in præsens tempus, in loco, quem Dominus elegisset.


1. Als nun alle Könige jenseits des Jordans, welche im Berglande lebten und in der Ebene, an den Küstengegenden und am Ufer des großen Meeres, sowie die, welche am Libanon wohnten,1 davon hörten, der Hethiter, Amorrhiter, Chananiter, Phereziter, Heviter und Jebusiter,
2. vereinigten sie sich allzumal, um gegen Josue und Israel einmütig und einhellig zu kämpfen.
3. Da aber die Bewohner von Gabaon2 alles vernahmen, was Josue Jericho und Kai getan,3
4. ersannen sie sich eine List, nahmen Lebensmittel zu sich, luden alte Säcke und zerrissene und geflickte Weinschläuche auf Esel,
5. legten alte Schuhe an, welche zum Zeichen des Alters mit Flecken besetzt waren, und zogen alte Kleider an; und auch die Brote, welche sie als Reisezehrung mit sich nahmen, waren hart und zerbröckelt.4
6. So begaben sie sich zu Josue, welcher damals im Lager zu Galgala5 weilte, und sprachen zu ihm und zu ganz Israel zugleich:6 Aus fernem Lande sind wir gekommen und wünschen, Frieden mit euch zu schließen. Da antworteten ihnen die Männer Israels und sprachen:7
7. Vielleicht wohnt ihr in einem Lande, das uns als unser Anteil gebührt,8 und wir können mit euch keinen Bund schließen.
8. Sie aber sprachen zu Josue: Wir sind deine Knechte.9 Josue antwortete ihnen: Wer seid ihr? und woher seid ihr gekommen?
9. Sie erwiderten: Aus einem sehr fernen Lande sind deine Knechte im10 Namen des Herrn, deines Gottes, gekommen; denn wir haben den Ruf von seiner Macht vernommen, alles, was er in Ägypten getan hat,
10. und an den beiden Königen der Amorrhiter, welche jenseits des Jordans waren, an Sehon, dem Könige von Hesebon, und an Og, dem Könige von Basan, der in Astaroth wohnte.11 [4Mos 21,24ff]
11. Da sprachen die Ältesten und alle Bewohner unseres Landes zu uns: nehmet Zehrung mit euch, da der Weg sehr weit ist, und ziehet ihnen entgegen, und sprechet zu ihnen: Wir sind eure Knechte, schließet einen Bund mit uns!
12. Sehet, als wir aus unsern Häusern auszogen, um zu euch zu kommen, nahmen wir diese Brote warm mit, und dann sind sie trocken geworden und zerbröckelt vor Alter.
13. Die Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten, jetzt sind sie zerrissen und zerborsten; die Kleider und die Schuhe, mit denen wir angetan sind und die wir an unsern Füßen haben, sind bei der großen Länge der reise abgetragen und fast verbraucht.
14. Sie12 nahmen also etwas von ihrem Speisevorrat, aber befragten den Herrn nicht um seine Entscheidung.13
15. Und Josue machte mit ihnen ein Friedensbündnis, indem er ihnen versprach, dass sie nicht getötet werden sollten;14 auch die Fürsten des Volkes leisteten ihnen einen Eid. [2Sam 21,2]
16. Drei Tage aber nach Abschluss des Bundes erfuhren sie, dass jene in der Nähe wohnten und unter ihnen sein würden.
17. Da brachen die Söhne Israels auf und kamen am dritten Tage15 zu ihren Städten, deren Namen diese sind: Gabaon, Kaphira, Beroth und Kariathiarim.
18. Und sie schlugen sie nicht, weil die Fürsten des Volkes ihnen im Namen des Herrn des Gottes Israels, geschworen hatten.16 Da murrte das ganze Volk gegen die Fürsten.17
19. Diese aber antworteten ihnen: Wir haben ihnen im Namen des Herrn, des Gottes Israels, geschworen, und darum können wir sie nicht antasten;
20. aber dies wollen wir ihnen tun: Sie sollen zwar am Leben bleiben, damit der Zorn des Herrn nicht wider uns erregt werde, wenn wir meineidig würden;
21. aber dazu sollen sie leben, dass sie zum Gebrauche des ganzen Volkes Holz fällen und Wasser tragen.18 Als sie so gesprochen,
22. berief Josue die Gabaoniter und sprach zu ihnen: Warum habt ihr uns mit List hintergangen, dass ihr sagtet: Wir wohnen sehr weit von euch entfernt, während ihr doch mitten unter uns seid?
23. darum sollt ihr verflucht sein19 und euer Stamm nicht aufhören, Holz zu fällen, und Wasser in das Haus meines Gottes zu tragen.20
24. Sie antworteten: Es wurde uns, deinen Knechten, kundgetan, dass der Herr, sein Gott, seinem Knechte Moses verheißen habe, euch das ganze Land zu geben und alle seine Bewohner zu vertilgen. Darum fürchteten wir uns sehr und waren für unser Leben besorgt, aus Schrecken vor euch, und fassten diesen Entschluss.21
25. Nun aber sind wir in deiner Hand; was dir gut und recht scheint, tue uns!

26. Josue tat also, wie er gesprochen, und rettete sie aus der Hand der Söhne Israels, dass sie nicht getötet wurden.
27. Und er bestimmte sie an diesem Tage zum Dienste für das ganze Volk22 und für den Altar des Herrn, um Holz zu hauen, und Wasser zu tragen, wie es bis zum heutigen Tage ist, an dem Orte, den der Herr erwählen würde.23

Fußnote

Kap. 9 (1) Hebr.: Und überall längs dem Gestade des großen Meeres bis zum Libanon hin wohnten. - (2) Höhe, zwei Stunden westlich von Jerusalem. Die Einwohner galten als sehr gute Krieger. - (3) Gottes Barmherzigkeit ist denen nahe, welche ihre Sünden bereuen. - (4) Nach andern zu übersetzen: schimmelig. - (5) Im Jordantale. - (6) Ihre an Josue im Besonderen gerichteten Worte folgen V. 8. - (7) Im Hebr.: Zu den Hevitern, d.i. den Gabaonitern, denn Gabaon war die Hauptstadt der Heviter. - (8) Das uns von Gott zugewiesen ist. - (9) Die Gabaoniter antworten nicht auf den Einwurf, sondern sagen nur scheinbar demütig: Wir sind deine Knechte. Dies war keine eigentliche Unterwürfigkeitserklärung, sondern nur Höflichkeitsformel, wie [1Mos 50,18, 1Mos 32,5] die aber hier sehr berechnet ist und schlau angewendet wird. - (10) Hebr.: wegen, also um unter die Verehrer Jahves aufgenommen zu werden. - (11) Schlauerweise erwähnen sie Jericho und Hai nicht, von deren Eroberung das Gerücht noch nicht in ihre angeblich ferne Heimat gedrungen sein konnte, sondern nur das, was Gott den Amorrhiterkönigen jenseits des Jordans, also in der Ferne, getan, ja sogar, was er in Ägypten vollbracht. - (12) Die Fürsten, die Stammeshäupter, wie V. 18, V. 21 zeigen und Sept. ausdrücklich hat. - (13) Die Annahme der Speise ist Zeichen der Freundschaft, der Geneigtheit, ein Bündnis mit den Gabaonitern zu schließen. Das Brot in die Hand nehmen und Augen und Zunge trauen steht im Gegensatze zu: den Herrn befragen. Gott hatte für alle wichtigen Angelegenheit die Offenbarung seines Willens verheißen, und befragt, hätte er wohl die um Frieden Nachsuchenden nicht verstoßen. – Ob Josue den Gabaonitern allzu leicht Glauben schenkte? Die Folgen der Ereignisse hingen zwar von Gottes Vorsehung ab, doch deren Ursachen auch von den Menschen. Gott hatte die Gabaoniter zum niedrigsten Dienste in seinem Hause bestimmt, durch ihre List erschleichen sie sich das Bündnis mit den Israeliten, doch die Entdeckung derselben bringt sie in Dienstbarkeit. - (14) Zwei Bedingungen musste Josue wahren: dass das verheißene Land den Israeliten zu Teil wurde, denen es Gott selbst zugesprochen, und dass das Volk nicht in Gefahr des Götzendienstes kam. [2Mos 22, 2Mos 32, 2Mos 33, 5Mos 7,4] Ward die Gefahr der Abgötterei gehoben, so stand wohl der Schonung nichts entgegen, denn das Gebot [5Mos 20,10] galt wohl an sich auch den Chananitern gegenüber, die an dieser Stelle in dem 5. Buch Moses folgenden Bestimmungen galten nach Ansicht der Juden nur den Städten gegenüber, welche den Frieden zurückwiesen. Demnach beziehen sich V. 15 und 18 die Worte „töten, schlagen“ auf die Vorschriften für den Kampf: Bei den Chananitern sind alle Einwohner zu töten, bei anderen Völkern Frauen und Kinder zu schonen. Warum aber nahmen die Gabaoniter zur List ihre Zuflucht? Ein Schutz- und Trutzbündnis konnten die Israeliten nicht mit ihnen schließen, da Gott allein ihre Stärke sein sollte. - (15) Es war nicht, wie [Jos 10,9] ein Eilmarsch geboten. - (16) Zwar haben sie unüberlegt das Bündnis geschlossen, doch wollen sie nicht ebenso den Eid brechen. Beide Teile waren sich zwar bewusst, dass derselbe nicht volle Verbindlichkeit auferlegte, wie der Tadel der Israeliten zeigte, dass die Gabaoniter sich der List bedient, und deren Entschuldigung auf den Vorwurf. (V. 24, V. 25) Es ist den Ältesten ergangen, wie Isaak dem Jakob gegenüber. Doch wie jener den einmal erteilten Segen nicht zurücknahm, obgleich er bei der Spendung desselben Esau im Auge gehabt, so lässt Gott nicht zu, dass diejenigen, welche aufrichtig zu ihm ihre Zuflucht genommen haben, von seiner Erbarmung ausgeschlossen werden, und lenkt das Herz der Ältesten zur Milde. Die Ältesten mussten befürchten, den Namen ihres Gottes bei den Chananitern in Verachtung und Schmach zu bringen, wenn sie ihren Eid nicht hielten. Dass Gott wirklich selbst die Gabaoniten annahm, zeigt die Strafe für Sauls Verschuldung [2Sam 21,1]. Die List der Gabaoniten betraf zudem nach dem in Anm. 13 Gesagten nicht die Sache selbst (die Verschonung), sondern einen Umstand, die Entfernung, während sie ihren Besitz an Israel abtraten und dessen Religion annahmen. - (17) Von Leidenschaft verblendet, wie einst gegen Moses. [2Mos 15,24, 2Mos 16,2, 2Mos 17,3, 4Mos 14,2] - (18) Hebr.: Sie sollen am Leben bleiben! Und sie dienten der ganzen Gemeinde als Holzhauer und Wasserschöpfer, wie die Fürsten ihnen angekündigt hatten. - (19) In Knechtschaft sein. Noe hatte den Chananitern verkündet, dass sie Knechte ihrer Brüder sein würden [1Mos 9,25]; vielleicht erinnerten sich die Israeliten daran. - (20) Sie sollen solche Knechte sein, welche Holzhauer und Wasserschöpfer sind, also zur niedrigsten Volksklasse [5Mos 29,11] gerechnet werden. Dieser Dienst wurde indes dadurch, dass er bei dem Altare des Herrn zu leisten war, geadelt, die Gabaoniter den Leviten beigesellt und so ihre Anerkennung des wahren Gottes besiegelt. Sie trugen später mit Kriegsgefangenen zusammen, welche dem Heiligtume zum gleichen Zwecke übergeben wurden, den Namen Nathinäer, Gottgeschenkte. - (21) Sie glauben an die Wunder und an die Verheißungen Gottes und fürchten sich, zwar nicht mit der Furcht der Kinder, wie Rahab, doch mit der knechtlichen Furcht, welche hinreicht, ihnen den Weg des Heiles zu eröffnen, und sie von ihren väterlichen Aberglauben abwendend allmählich zur Hoffnung führt. Die ganze Antwort ist so gegeben, dass sie das Erbarmen wachruft. Sie nennen sich Diener des wahren Gottes, nennen diesen Josue Gott, führen Moses Autorität an und sagen von ihrem Vergehen nichts, als ob sie selbst die Erinnerung an dasselbe verabscheuen. - (22) Die gottesdienstliche Gemeinde, wie das hier im Hebräischen gebrauchte Wort nahe legt und die beigefügte Bestimmung „für den Altar des Herrn“ zeigt. - (23) Inzwischen bleiben sie im Dienste der Leviten. - Weitere Kapitel: 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 |

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