Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Koh01

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Ecclesiastes, Qui ab Hebræis Coheleth appellatur. Caput I.

Ekklesiastes oder Prediger. Von den Hebräern Koheleth genannt. Kap. 1


Eingang. (1,1-11) 1. Aufschrift des Buches. (V. 1) 2. Eingang. (V. 2-11) A. Erster Teil. (V. 2-7) Thema: Alles ist Eitelkeit. (V. 2) Während die anderen Geschöpfe beharren, muss der Mensch sterben. (V. 7) B. Nicht vermag der menschliche Verstand die Natur und ihre Gesetze zu begreifen: so hat auch das Leben der Menschen nicht Ruhm noch Weisheit. (V. 11) I. Eitelkeit des Privatlebens. (1,12 – 3,15) 1. Eitel ist die Weisheit. (1,12-18) A. Eitel ist die Erkenntnis der Weisheit. (V. 15) B. Eitel ist die erkannte Sache.

1. VERBA Ecclesiastæ, filii David, regis Jerusalem.
2. Vanitas vanitatum, dixit Ecclesiastes: vanitas vanitatum, et omnia vanitas.
3. Quid habet amplius homo de universo labore suo, quo laborat sub sole?

4. Generatio præterit, et generatio advenit: terra autem in æternum stat.

5. Oritur sol, et occidit, et ad locum suum revertitur: ibique renascens.

6. Gyrat per meridiem, et flectitur ad aquilonem: lustrans universa in circuitu pergit spiritus, et in circulos suos revertitur.
7. Omnia flumina intrant in mare, et mare non redundat: ad locum, unde exeunt flumina, revertuntur ut iterum fluant.
8. Cunctæ res difficiles: non potest eas homo explicare sermone. Non saturatur oculus visu, nec auris auditu impletur.
9. Quid est quod fuit? ipsum quod futurum est. Quid est quod factum est? ipsum quod faciendum est.

10. Nihil sub sole novum, nec valet quisquam dicere: Ecce hoc recens est: jam enim præcessit in sæculis, quæ fuerunt ante nos.
11. Non est priorum memoria: sed nec eorum quidem, quæ postea futura sunt, erit recordatio apud eos, qui futuri sunt in novissimo.
12. Ego Ecclesiastes fui rex Israel in Jerusalem,
13. Et proposui in animo meo quærere et investigare sapienter de omnibus, quæ fiunt sub sole. Hanc occupationem pessimam dedit Deus filiis hominum, ut occuparentur in ea.

14. Vidi cuncta, quæ fiunt sub sole, et ecce universa vanitas, et afflictio spiritus.
15. Perversi difficile corriguntur, et stultorum infinitus est numerus.
16. Locutus sum in corde meo, dicens: Ecce magnus effectus sum, et præcessi omnes sapientia, qui fuerunt ante me in Jerusalem: et mens mea contemplata est multa sapienter, et didici.
17. Dedique cor meum ut scirem prudentiam, atque doctrinam, erroresque et stultitiam: et agnovi quod in his quoque esset labor, et afflictio spiritus.
18. Eo quod in multa sapientia multa sit indignatio et qui addit scientiam, addit et laborem.


1. Worte1 des Predigers,2 des Sohnes Davids, des Königs von3 Jerusalem.
2. O Eitelkeit über Eitelkeit! spricht der Prediger,4 o Eitelkeit über Eitelkeit,5 alles ist Eitelkeit!
3. Was hat der Mensch mehr6 von all seiner Arbeit, mit der er sich unter der Sonne7 abmüht?
4. Ein Geschlecht geht dahin und ein anderes kommt,8 die Erde aber steht allezeit fest.9
5. Die Sonne geht auf und10 geht unter und kehrt11 an ihren Ort zurück, von wo sie wiederum aufgeht,12
6. nach dem Süden geht und nach Norden sich wendet.13 Alles ringsum umkreisend bewegt sich der Wind fort und kehrt wieder zu seinem Kreislaufe zurück.
7. Alle Ströme fließen in das Meer und das Meer läuft nicht über;14 an den Ort, woher die Flüsse kommen, kehren sie zurück,15 um wieder zu fließen.
8. Alle Dinge mühen sich ab;16 der Mensch vermag es nicht, es auszusprechen, das Auge kann sich nicht satt sehen und das Ohr nicht genug hören.17
9. Was ist das, was gewesen ist? Eben das, was wieder sein wird! Was ist das, was geschehen ist?18 Eben das, was wieder geschehen wird!
10. Es gibt nichts Neues unter der Sonne und niemand kann sagen: Siehe, das ist neu! Denn es ist schon da gewesen in den Zeiten, die vor uns waren.
11. Man erinnert sich nicht mehr an das Frühere; aber auch das Künftige, was erst geschehen wird, wird bei den künftigen Geschlechtern keine Erinnerung mehr finden.19
12. Ich, der Prediger,20 war21 König über Israel in Jerusalem22
13. und nahm mir in meinem Herzen vor,23 nach allem weislich zu forschen und alles zu ergründen, was unter der Sonne geschieht.24 Diese leidige Beschäftigung hat Gott den Menschenkindern zugeteilt, dass sie sich damit abmühen.25
14. Ich sah alles, was unter der Sonne geschieht,26 und siehe, alles ist Eitelkeit und Geistesplage!
15. Schwer werden Verkehrte gebessert und der Toren sind unzählbar viele.27
16. Ich sprach in meinem Herzen und sagte: Siehe, ich bin groß geworden und habe alle, die vor mir in Jerusalem gewesen, an Weisheit übertroffen28 und mein Geist hat vieles weislich erwogen und erlernt.29
17. Da richtete ich mein Herz darauf, Klugheit und Lehre, Irrtum und Torheit zu erforschen, und ich ward inne, dass auch darin Mühe und Geistesplage ist;
18. denn bei vieler Weisheit ist viel Missmut und wer die Kenntnis mehrt, mehrt auch das Leid.30


Fußnote

Kap. 1 (1) Aussprüche. - (2) Des Redners in zahlreicher Versammlung. Indes bedeutet der hebräische Name des Buches, Koheleth, eigentlich: rufende Stimme. An dieser Stelle wird der Name dem König Salomon gegeben, der um allen Zweifel fernzuhalten, alsbald weiter beschrieben wird. - (3) Hebr.: in. Salomon wird nicht König des Volkes Israel genannt, weil er alle Menschen anzureden im Begriffe ist und nicht andeuten will, dass seine Lehre aus der offenbarten Religion der Juden stammt. Seine Person und seine Lehre ist ein Typus der Person und der lehre Christi. Das erstere ist stetiger Glaube der Kirche, das andere folgt daraus. So sagt also der heilige Gregor v. Nyssa nicht ohne Berechtigung, der wahre Prediger sei Christus. – Das Ziel des Buches ist es, das Herz mit den dargelegten Wahrheiten zu erfüllen und zu bewegen. - (4) Diese Einfügung soll die Rede gewichtig und eindrucksvoll machen. Vergl. [5Mos 32,1]. - (5) Hebr.: Hauch, als Bild der Vergänglichkeit, des Scheines ohne Wesen. Der erste Ausruf ersetzt den Superlativ: Höchste Eitelkeit ohne Maß! Alles einzelne ist Eitelkeit und die Summe von allem Eitelkeit der Eitelkeiten (Hugo v. d. Viktor): Das ganze leben ist voll von Eitelkeit, von Streben nach nichtigen Gütern. Nichts von allem vermag den Menschen hier völlig bleibend glücklich zu machen. Der Dichter beklagt, doch klagt er nicht an. Wäre jemand dafür anzuklagen, so ist es der Mensch, dessen Sünde seine Beziehung zur Welt geändert und die Herrschaft des Todes herbeigeführt hat, nicht Gott. [Koh 7,30] Drei Eitelkeiten sind demnach insbesondere: Sterblichkeit, Begierlichkeit, neugierige Wissenssucht und in dem Wesen der Dinge: die Veränderlichkeit. Diese freilich gehört zur Natur der Dinge, jene aber sind zu beklagen. V. 2 umfasst vielleicht jede Art von Eitelkeit, in keinem Falle aber die folgenden Verse, die der Natur in gewissem Sinne eigen. - (6) Als Eitelkeit. - (7) In diesem Leben voller Wechsel. Andere Klagen siehe [Koh 1,13.15, Koh 2,11.14ff, Koh 5,11, Koh 7,9-11.22.24.30, Koh 8,16.17, Koh 9,1-3.11.12]. - (8) Jedes Geschlecht eilt beständig vorüber und tritt einem anderen seinen Platz und seine Güter ab und auch dieses eilt, anderen den Platz zu räumen. - (9) Die Erde, welche des Menschen willen geschaffen ist, bleibt, während der Herr der Erde, der Mensch, zu Staub wird (Hier.) – wenigstens der Leiblichkeit nach. - (10) Hebr.: die Sonne, dieselbe Sonne. - (11) Aber stets dieselbe bleibend eilt sie. - (12) Aufzugehen pflegt. Also auch bei der Sonne etwas Bleibendes gegenüber der Vergänglichkeit der Menschen. - (13) Im Hebr. werden die Prädikate dem Winde als Subjekte malerisch vorausgesendet: Es geht nach Süden und kreist nach Norden, immerfort kreisend geht der Wind usw. Die Vulgata bezieht den ersten Teil von V. 6 minder richtig auf die Sonne und ihren Kreislauf von einem Wendekreis zum anderen. - (14) Wird nie voll und ganz gesättigt. - (15) Hebr.: an den Ort, wohin die Flüsse gehen (in ihr Bett). Dahin gehen sie immer. – Unaufhörlich machen sie denselben Lauf. - (16) Sind unablässig tätig in ihrer Aufgabe. - (17) Dreifacher Gegensatz zu den Geschöpfen. Der erste Teil von V. 8 wird in V. 9, V. 10, der zweite in V. 11 weiter ausgeführt. V. 8 selbst entspricht V. 4, in umgekehrter Ordnung V. 9-11 dem V. 5-7. - (18) V. 9-11 hebr.: Was gewesen, ist das, was sein wird; und was geschehen, ist das, was geschehen wird, und es gibt nichts Neues unter der Sonne. Gibt es ein Ding, von dem jemand sagen möchte: „Siehe dies, das ist neu,“ längst war es in den Zeiträumen, die vor uns waren. Kein Gedenken gibt es an die Früheren und auch an die Späteren, welche künftig sein werden – kein Andenken wird ihnen werden bei denen, die noch später sein werden. – Wie eitel ist also menschliche Weisheit! Der Prediger selbst erklärt die Einleitung [Koh 3,1.11.14-15, Koh 6,10, Koh 7,14]; 6-8: Gott hat allen Dingen ihre Ordnung vorgeschrieben, die der Mensch nicht zu ändern vermag, damit der Mensch Gott zu verehren lerne. Unser Verstand leidet an einer gewissen Dunkelheit, so dass niemand alles Wirken Gottes aufzählen kann und dennoch ist alles von alters her, was durch den Willen dessen, der mächtiger ist als der Mensch oder durch seine Zulassung geschieht. Scheint manches schlimm und drückt die Erdenkinder nieder, wer kann es gegen Gottes Willen ändern? - (19) In der Natur, in der Welt, unter der Sonne. - (20) Zusatz, um das Gewicht des zu Sagenden zu vermehren. - (21) Salomon redet, schon alt geworden, im Rückblick auf jene Zeit, wo er das Folgende tat. - (22) Der erhabenen Königsstadt. - (23) Im Hebr. energischer: richtete mein Herz darauf. - (24) Getan wird. - (25) Hebr.: das ich eine leidige Mühe, die Gott den Menschenkindern gegeben, sich daran abzumühen. Es ist von allen Menschen die Rede. (Greg. Nyss.) Die Menschen haben viele Beschäftigungen außer dem, wozu Notwendigkeit oder Nutzen sie zwingen oder Gottes Wille. Gott hat dem Menschen nicht nach dem Sündenfalle eine mühevolle und vergebliche Arbeit zuerteilt, sondern sie nur zugelassen, da er durch die Gesetze, nach denen er die Welt regiert, bewirkt, dass alle ungeordneten Versuche des gewünschten Erfolges entbehren. Wie groß ist der Schmerz des Sehers über dieses Elend des Menschengeschlechtes! - (26) Gegensatz: die Beständigkeit der Natur. (V. 3) - (27) Hebr.: Krummes kann nicht gerade und nicht vorhandenes nicht gezählt werden. – Der eigentliche Sinn der Worte ist festzuhalten, nicht moralisch umzudeuten. Der Prediger kleidet seine Aussprüche in Bilder. Diese betreffen den Lauf der Dinge, welche von der Willkür des Menschen nicht abhängen und der nun gleichsam als Gegner des menschlichen Werkes betrachtet wird (also zuletzt Gott selbst [Koh 7,14]). Es ist alles das, was nicht zulässt, dass der Mensch Großes, Erhabenes, Dauerndes wirke, wie z.B. die Sterblichkeit, die Beschränktheit, die Unwissenheit. Diese und andere Ursachen der menschlichen Eitelkeit hat nicht die Sünde selbst, sondern Gott, der Rächer derselben, aufgerichtet. Krummes und Mangelndes sind von Gott, nach dem Sündenfall sind sie Mittel der göttlichen Züchtigung geworden und vereiteln viele Versuche der Menschen. - (28) Übersetzt man nach den Akzenten, so lautet das hebräische: Siehe ich habe große und immer größere Weisheit erworben über die, die vor mir waren in Jerusalem – die sich vor mir durch Weisheit daselbst ausgezeichnet. - (29) Hebr.: Mein Herz sah Weisheit und Erkenntnis in Fülle, ich erkenne usw. Vergl. [1Koe 10,23]. Salomon redet hier von sich als Privatmann, nicht wie zuvor in V. 12-15, in denen nichts Tadelnswertes im Streben nach Erkenntnis sich finden lässt, zumal ihm als König die Sorge für andere oblag. Salomon hat die ihm von Gott verliehene Weisheit nicht voll und ganz nach Gottes Willen angewendet, sei es, dass er über unnütze Dinge zu vorwitzig oder über erlaubte zu leidenschaftlich oder über verborgene (wie die Vorsehung Gottes) mit Überhebung forschte, oder sich besonders dadurch verfehlte, dass er die Vergeblichkeit seiner mühen nicht geduldig ertrug, sich gänzlich Gottes Willen unterwerfend. - (30) Die Erklärung des Buches muss drei Dinge vor Augen haben: die poetische, affektvolle Redeweise, die Herzensstimmung der früheren Zeiten, endlich die etwa im weiteren Verlauf gegebenen Einschränkungen und Erklärungen. Da Salomon [Koh 9,13], ebenso [Koh 8,1-5, Koh 10,1-3] die Weisheit empfiehlt, muss die oben geschilderte eine andere als diese sein. Die letzte Folge der Beschränkung menschlicher Erkenntnis enthält das Geständnis [Koh 7,24]. Dass der Prediger hier ein nicht von Fehlern freies Streben beschreibt, zeigt auch der Übergang auf den Gegenstand, den [Koh 2] darstellt.

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