Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Obadja01

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Prophetia Abdiæ. Caput

Prophezeiung des Abdias. Einziges Kapitel


Einleitung 1. Die Niederlage der Edomiter. (V. 9) 2. Die Unbilden der Edomiter gegen die Juden. (V. 16) 3. In Sion Heil.

1. VISIO Abdiæ. Hæc dicit Dominus Deus ad Edom: Auditum audivimus a Domino, et legatum ad gentes misit: Surgite, et consurgamus adversus eum in prœlium.

2. Ecce parvulum dedi te in gentibus: contemptibilis tu es valde.
3. Superbia cordis tui extulit te, habitantem in scissuris petrarum, exaltantem solium tuum: qui dicis in corde tuo: Quis detrahet me in terram?

4. Si exaltatus fueris ut Aquila, et si inter sidera posueris nidum tuum: inde detraham te, dicit Dominus.

5. Si fures introissent ad te, si latrones per noctem, quomodo conticuisses? Nonne furati essent sufficientia sibi? Si vindemiatores introissent ad te, numquid saltem racemum reliquissent tibi?

6. Quomodo scrutati sunt Esau, investigaverunt abscondita ejus?
7. Usque ad terminum emiserunt te: omnes viri fœderis tui illuserunt tibi: invaluerunt adversum te viri pacis tuæ: qui comedunt tecum, ponent insidias subter te: non est prudentia in eo.

8. Numquid non in die illa, dicit Dominus, perdam sapientes de Idumæa, et prudentiam de monte Esau?

9. Et timebunt fortes tui a meridie, ut intereat vir de monte Esau.

10. Propter interfectionem, et propter iniquitatem in fratrem tuum Jacob, operiet te confusio, et peribis in æternum.
11. In die cum stares adversus eum, quando capiebant alieni exercitum ejus, et extranei ingrediebantur portas ejus, et super Jerusalem mittebant sortem: tu quoque eras quasi unus ex eis.
12. Et non despicies in die fratris tui, in die peregrinationis ejus: et non lætaberis super filios Juda in die perditionis eorum: et non magnificabis os tuum in die angustiæ.

13. Neque ingredieris portam populi mei in die ruinæ eorum: neque despicies et tu in malis ejus in die vastitatis illius: et non emitteris adversus exercitum ejus in die vastitatis illius.
14. Neque stabis in exitibus ut interficias eos qui fugerint: et non concludes reliquos ejus in die tribulationis.

15. Quoniam juxta est dies Domini super omnes gentes: sicut fecisti, fiet tibi: retributionem tuam convertet in caput tuum.
16. Quomodo enim bibistis super montem sanctum meum, bibent omnes gentes jugiter: et bibent, et absorbebunt, et erunt quasi non sint.

17. Et in monte Sion erit salvatio, et erit sanctus: et possidebit domus Jacob eos qui se possederant.

18. Et erit domus Jacob ignis, et domus Joseph flamma, et domus Esau stipula: et succendentur in eis, et devorabunt eos: et non erunt reliquiæ domus Esau, quia Dominus locutus est.

19. Et hereditabunt hi, qui ad austrum sunt, montem Esau, et qui in campestribus Philisthiim: et possidebunt regionem Ephraim, et regionem Samariæ: et Benjamin possidebit Galaad.
20. Et transmigratio exercitus hujus filiorum Israel, omnia loca Chananæorum usque ad Sareptam: et transmigratio Jerusalem, quæ in Bosphoro est, possidebit civitates austri.


21. Et ascendent salvatores in montem Sion judicare montem Esau: et erit Domino regnum.

1. Gesicht1 des Abdias. So spricht der Herr, Gott, über Edom: Eine Kunde haben wir vom Herrn vernommen2 und einen Boten hat er unter die Völker entsendet:3 Auf, lasset uns zusammen wider Edom uns zum Kampfe erheben!4
2. Siehe, ich habe dich klein gemacht unter den Völkern, verachtet bist du gar sehr.5
3. In Vermessenheit deines Herzens hast du dich überhoben, weil du in Felsenklüften wohnst und deinen Sitz hoch baust,6 und du sprichst in deinem Herzen: Wer könnte mich zur Erde niederzwingen?7
4. Aber wärest du auch hoch erhoben gleich dem Adler8 und setztest du dein Nest zwischen die Sterne, so werde ich dich doch von da niederzwingen, spricht der Herr.
5. Wenn Diebe zu dir eindrängen, wenn Räuber des Nachts, wie würdest du verstummen!9 Würden sie nicht rauben, bis es ihnen genügt? Wenn Weinleser über dich kämen, würden sie dir nicht doch eine Traube übriglassen?10
6. Wie ist aber Esau durchforscht, seine verborgensten Orte durchsucht!11
7. Bis zu deiner Grenze haben sie dich getrieben; alle, die deine Bundesgenossen waren, spotteten dein, die deine Freunde waren, haben dich überwältigt; deine früheren Tischgenossen legen dir Hinterhalt; keine Einsicht ist in ihm!12
8. Werde ich an jenem Tage, spricht der Herr, nicht die Weisen aus Edom13 vertilgen und die Einsicht aus dem Gebirge Esau?14
9. Deine Helden aus dem Lande gegen Mittag sollen zagen,15 dass alle vom Gebirge Esau vernichtet werden.
10. Ob des Mordens,16 ob der Gewalttat gegen deinen Bruder Jakob wird dich Schande bedecken17 und du wirst auf immer ausgerottet werden.18 [1Mos 27,42]
11. Am Tage, da du ihm entgegentratest, da Fremde sein Heer gefangen nahmen19 und Ausländer in seine Tore eindrangen und über Jerusalem das Los warfen,20 da warst21 auch du wie einer von ihnen.
12. Aber sieh nicht schadenfroh auf den Tag deines Bruders, den Tag seiner Wegführung, und freue dich nicht über die Kinder Juda am Tage ihres Verderbens und überhebe deinen Mund22 nicht am Tage der Bedrängnis;
13. auch dringe nicht in die Tore meines Volkes am Tage ihres Untergangs, schaue nicht schadenfroh auf sein Unglück am Tage seiner Not, ziehe nicht aus wider sein Heer am Tage seiner Drangsal,23
14. stelle dich nicht auf an den Scheidewegen, seine Flüchtlinge niederzumachen, und schließe seine Übriggebliebenen am Tage der Drangsal nicht ein.24
15. Denn25 nahe26 ist der Tag des Herrn über alle Völker; wie du gehandelt, also wird dir geschehen, den er wird Vergeltung auf dein Haupt zurückfallen lassen.27
16. Denn wie ihr28 auf meinen heiligen Berge getrunken,29 so werden alle Völker unablässig30 trinken, ja trinken und schlürfen, und werden sein, als wären sie nicht.
17. Auf dem Berge Sion aber soll eine Zuflucht sein,31 er soll heilig sein32 und das Haus Jakob33 wird in Besitz nehmen, die es besessen.34
18. Das Haus Jakob wird ein Feuer werden,35 das Haus Joseph36 Flamme37 und das Haus Esau Stoppeln; jene werden sie anzünden und verzehren, so dass vom Hause Esau kein Überrest bleibt, denn der Herr hat gesprochen.
19. Die Bewohner des Landes gegen Mittag werden das Gebirge Esau erben und die in den Ebenen die Philister, sie werden das Gefilde von Ephraim in Besitz nehmen und das Gefilde Samarias und Benjamin wird Galaad erhalten.38
20. Und die Weggeführten dieser Schar der Söhne Israel39 werden alle Orte der Kanaaniter bis nach Sarepta40 hin in Besitz nehmen und die von Jerusalem Weggeführten; die in Bosphorus41 sind, werden die Städte gegen Mittag in Besitz nehmen.42
21. Und43 Retter44 werden auf den Berg Sion hinaufziehen, um das Gebirge Esau zu richten, und das Königtum wird des Herrn sein.45

Fußnote

Kap. 1 (1) Der Name bedeutet allgemein Offenbarung, also den Ursprung derselben von Gott und die klare, dadurch vermittelte Wissenschaft, welche von diesem dem Propheten mitgeteilt ist. - (2) Nach der Sept.: habe ich vom Herrn vernommen. (Vergl. [Jer 49,14]) Der Plural ist von der Mehrzahl der Propheten zu erklären, welche wie Amos die Niederlage der Edomiter vorausgesagt. - (3) Hebr.: Ein Bote ward unter die Völker entsandt. Im Gesichte sah der Prophet, dass Gott gleichsam durch die Entsendung eines Boten die Völker zum Kampfe aufstachelt. - (4) Der Bote bietet sich selbst als Kampfgenossen an. - (5) Durch den Krieg, den Gott über Edom kommen lassen will. (Theod., Theod. Gr.) - (6) Hebr.: dein vermessener Sinn hat dich betört. Als einen, der an Felsenhängen wohnt, auf seinem hohen Sitze. – Edom war durch steile Berge und feste Burgen geschützt und reich an Höhlen, weshalb die Edomiter sich gegen jeden feindlichen Angriff gesichert glaubten. - (7) Mit denselben Worten, mit denen sie sich rühmen, folgt die Drohung Gottes. - (8) Hebr.: Wenn du auch hortetest hoch wie der Adler. - (9) Doch Schlimmeres noch soll dir widerfahren. Hebr.: Wie wardst du verwüstet! Vorwegnehmender Ausruf über das Schicksal Edoms. - (10) Die Diebe hätten nur soviel fortgetragen als sie fanden oder als ihnen genug war, und so wäre etwas durch Übersehen oder durch Überfluss zurückgeblieben; auch solche, welche die Trauben lesen, können dies nicht so sorgfältig tun, dass nicht wo eine zurückbliebe. - (11) Nichts haben die Feinde unberührt gelassen, alles rauben sie, alles zerstören sie, alle ihre Verstecke durchmustern sie. Der Prophet stellt das Unglück so dar, wie er es im Gesicht gesehen, als schon geschehen. - (12) Das erste Glied ist dunkel. Wohl: dich und die aus deinem Lande Flüchtigen treiben sie von ihren Grenzen, wo jene eine Zuflucht suchen, zurück und treiben dich so aus deinem Lande. Die Bundesgenossen spotteten Edoms, indem sie zuvor im Kriege seine Hilfe brachten und bei der Flucht eine Stätte versagten; die zuvor Freunde Edoms waren, verbünden sich mit seinen Feinden, Edom neue Niederlage beibringend oder es nach seiner Besiegung plündernd. Die du dir auf das innigste verbunden glaubtest, bereiten dir hinterlistig Nachstellungen. Warum dies alles? Weil Gott sie verderben will. Dieser Wille Gottes sucht auch die Edomiter mit Verblendung heim und beraubt seine Weisen der Einsicht. - (13) Die Edomiter waren wegen ihrer Weisheit berühmt. Vergl. [Job 2,11, Baru 3,22, Jer 49,7]. - (14) Besonders bei denen, die an der Spitze des Reiches stehen. - (15) Hebr.: Deine Helden, Theman, sollen verzagen. - (16) Der masoretische Text zieht dies Wort zum vorhergehenden Vers, doch weniger gut. - (17) Gleichsam ganz einhüllen. - (18) Vergl. [Mal 1,4]. Die Ursache des Unterganges wird im folgenden in ihren einzelnen Teilen aufgezeigt. - (19) Hebr.: seine Heerkraft wegführten. - (20) Vereint mit den Feinden Jerusalems hast du gegen die Juden gekämpft und mit ihnen nach Kriegsrecht Gefangene und Beute geteilt. - (21) Dies fehlt im Hebr. Der Prophet stellt sich im Gegenteil die Vergangenheit wie gegenwärtig vor, wie das Folgende zeigt. - (22) Hebr.: Sperre den Mund nicht so weit auf. – Ausdruck der Verhöhnung. - (23) Hebr.: Strecke nicht deine Hand nach seinem Gute an seinem Unglückstage. - (24) Wenn sie die Schlupfwinkel in der Wüste aufsuchen wollen, töte sie nicht und mache sie nicht zu Gefangenen. - (25) Diese Feindschaft gegen die Juden wird den Edomitern selbst Verderben bringen. Dies weist der Prophet nach aus der von Joel bereits vorgestellten [Joe 3,2] und zum Teil von Amos wiederholten Wahrheit [Amos 1,3] über das Gericht, das Gott über die Feinde Israels halten wird. Alle Israel feindliche Gewalt muss zu Falle kommen, damit Gottes Reich erstehe. Dies hatte Balaam bereits vorausgesagt. [4Mos 24,17-24] Dies wird in dem Gesange Annas angedeutet, darauf weisen die letzten Worte Davids [2Koe 23,5-7], dies verheißen die Psalmen [Ps 2] und [Ps 109]. - (26) Nahe, insofern jede Niederwerfung einer Gott feindlichen Gewalt ein Teil jenes Gerichtes ist und jede Züchtigung stolzer Feinde ein Vorspiel desselben. - (27) Wer dem Volke Gottes feindlich entgegentritt, muss Gottes Zorngericht erdulden, gemäß dem, was Gott Abraham verheißen bei dem Abschlusse des Bündnisses: Ich will segnen, die dich segnen, und fluchen denen, die dir fluchen [1Mos 12,3] und dem Segen entsprechend, den Isaak gleichsam als Erbschaft Jakob übermittelt hat: Wer dir flucht, sei verflucht. [1Mos 27,29] - (28) Edom und die umliegenden Völker. (Vergl. V. 11; [2Chr 21,16]) - (29) Wie ihr nach Überwindung der Stadt auf dem heiligen Berge Jubel- und Festgelage gehalten habt. - (30) Gleichsam ohne Unterbrechung: jedes Volk zu seiner Zeit. - (31) Wie die Verheißung: Wer dir flucht, soll verflucht sein, in Erfüllung geht (V. 15, 16), so soll auch die Segensverheißung erfüllt werden: In dir sollen gesegnet sein alle Völker der Erde. - (32) Er wird Heiligtum sein. Von dort aus wird Gott seine Bundesgüter mitteilen. - (33) Juda und Benjamin. In diesem Hause Jakob ist das ewige Reich begründet, dem durch den Schilo der Gehorsam der Völker gehören soll. [1Mos 49,10] - (34) Hebr.: Das Haus Jakob wird seine früheren Besitztümer wieder einnehmen. - (35) Die anderen Völker werden entweder mit den Israeliten ein Volk, oder weisen sie dies zurück, werden sie vernichtet. Wie leicht und wie wirksam Israel in dem neuen Gottesreich seine Feinde niederwerfen wird, wird an Edoms Beispiel gezeigt. - (36) Die Trennung in Israel und Juda, welche der Anfang des Abfalls von Gott und Ursache so vielen Unheils war, hat aufgehört. - (37) Das Feuer ist das Bild des Eifers Gottes, mit dem er die Hindernisse entfernt: alle Anstrengungen der Edomiten werden umsonst sein. - (38) Die Ausdehnung des Gottesreiches, welche Isaias unter dem Bilde der Erweiterung des Zeltes [Jes 54,2] darstellt, führt Abdias durch seine einzelnen Teile durch. Die Aufzählung der hier genannten Länder ist auch um so passender, als zur Zeit der Makkabäer die Edomiter vollständig besiegt wurden und die Juden die anderen hier genannten Länder wenigstens teilweise besiegten. Vergl. [1Mak 5]. - (39) Auch die Weggeführten sollen dem Volke Gottes nicht fernbleiben. - (40) Zargath, südlich von Sidon, etwas landeinwärts. - (41) Hebr.: Sepharad. Die Juden nennen jetzt Spanien so, doch ist an dieses Land so wenig zu denken wie an Bosphorus. Vielmehr ist Sparda, Sardes zu vermuten. - (42) Siehe diese [Jos 15,21]. Die Gefangenen werden nach Jerusalem zurückkehren und von da den Negal erobern. - (43) Zusammenfassung der gesamten Prophezeiung. - (44) Wie einst die Richter; so Othoniel [Rich 3,9]; Aod. Ebenda V. 15. Vergl. [1Koe 13,5, Neh 9,27]. Solche Retter waren Zorobabel, Esdras, Nehemias, die Makkabäer. - (45) So schließt der Prophet mit der Verkündigung, dass das Heil für alle in Sion ist und von da über die ganze Erde die Heiligung ausgehen wird durch das heilbringende Kreuz. Das Reich wird des Herrn sein, das ist der Gipfelpunkt aller Prophezeiung, dies das Ziel aller Einrichtungen des Alten Bundes, dies das Glück, auf das alle Ereignisse vorbereiten. Dieses Reich Gottes soll auf jenem Gehorsam der Völker beruhen, den sie dem Zepter Judas darbringen [1Mos 49,10], das David versprochene ewige Reich sein. [2Koe 7,14] Dies hat Hosea verkündet [Hos 1,11, Hos 3,5, Hos 14,5-9], mit der Vorausverkündigung desselben schließt Joel seine Prophezeiung [Joel 3,17-21], mit dieser frohen Botschaft endet auch Amos [Amos 9,11-15]; mit derselben krönt Abdias seine an Worten winzige, an Inhalt reiche Verkündigung.

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