Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Weish07

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Liber primus Sapientiæ. Caput VII.

Das Buch der Weisheit Kap. 7


1. Wie hat Salomon selbst die Weisheit erlangt? (7,1 – 9,19) a. Ein Mensch ist dem anderen gleich, also hat Salomon die Weisheit nicht von Natur (V. 6), sondern erflehte sie als eine über alles begehrenswerte Sache von Gott und erlangte mit ihr alles. (V. 10) b. Bitte an Gott um die Gnade, würdig von der Weisheit reden zu können (V. 21), und Beschreibung derselben nach ihren Eigenschaften und Früchten. [Weish 8,1]

1. Sum quidem et ego mortalis homo, similis omnibus, et ex genere terreni illius, qui prior factus est, et in ventre matris figuratus sum caro.
2. Decem mensium tempore coagulatus sum in sanguine ex semine hominis, et delectamento somni conveniente.
3. Et ego natus accepi communem aërem, et in similiter factam decidi terram, et primam vocem similem omnibus emisi plorans:

4. In involumentis nutritus sum, et curis magnis.
5. Nemo enim ex regibus aliud habuit nativitatis initium.
6. Unus ergo introitus est omnis ad vitam, et similis exitus.

7. Propter hoc optavi, et datus est mihi sensus: et invocavi, et venit in me spiritus sapientiæ:
8. Et præposui illam regnis, et sedibus, et divitias nihil esse duxi in comparatione illius:
9. Nec comparavi illi lapidem pretiosum: quoniam omne aurum in comparatione illius, arena est exigua, et tamquam lutum æstimabitur argentum in conspectu illius.
10. Super salutem et speciem dilexi illam, et proposui pro luce habere illam: quoniam inexstinguibile est lumen illius.

11. Venerunt autem mihi omnia bona pariter cum illa, et innumerabilis honestas per manus illius,
12. Et lætatus sum in omnibus: quoniam antecedebat me ista sapientia, et ignorabam quoniam horum omnium mater est.
13. Quam sine fictione didici, et sine invidia communico, et honestatem illius non abscondo.
14. Infinitus enim thesaurus est hominibus: quo qui usi sunt, participes facti sunt amicitiæ Dei, propter disciplinæ dona commendati.
15. Mihi autem dedit Deus dicere ex sententia, et præsumere digna horum, quæ mihi dantur: quoniam ipse sapientiæ dux est, et sapientium emendator:

16. In manu enim illius et nos, et sermones nostri, et omnis sapientia, et operum scientia et disciplina.
17. Ipse enim dedit mihi horum, quæ sunt, scientiam veram: ut sciam dispositionem orbis terrarum, et virtutes elementorum.
18. Initium, et consummationem, et medietatem temporum, vicissitudinum permutationes, et commutationes temporum,
19. Anni cursus, et stellarum dispositiones,
20. Naturas animalium, et iras bestiarum, vim ventorum, et cogitationes hominum, differentias virgultorum, et virtutes radicum,

21. Et quæcumque sunt absconsa et improvisa, didici: omnium enim artifex docuit me sapientia:

22. Est enim in illa spiritus intelligentiæ, sanctus, unicus, multiplex, subtilis, disertus, mobilis, incoinquinatus, certus, suavis, amans bonum, acutus, quem nihil vetat, benefaciens,

23. Humanus, benignus, stabilis, certus, securus, omnem habens virtutem, omnia prospiciens, et qui capiat omnes spiritus: intelligibilis, mundus, subtilis.
24. Omnibus enim mobilibus mobilior est sapientia: attingit autem ubique propter suam munditiam.
25. Vapor est enim virtutis Dei, et emanatio quædam est claritatis omnipotentis Dei sincera: et ideo nihil inquinatum in eam incurrit.
26. Candor est enim lucis æternæ, et speculum sine macula Dei majestatis, et imago bonitatis illius.
27. Et cum sit una, omnia potest: et in se permanens omnia innovat, et per nationes in animas sanctas se transfert, amicos Dei et prophetas constituit.

28. Neminem enim diligit Deus, nisi eum, qui cum sapientia inhabitat.
29. Est enim hæc speciosior sole, et super omnem dispositionem stellarum, luci comparata invenitur prior.

30. Illi enim succedit nox, sapientiam autem non vincit malitia.


1. Auch ich bin zwar ein sterblicher Mensch, gleich allen, und aus dem Geschlechte jenes erstgeschaffenen Erdensohnes,1 und ward im Mutterleibe zu Fleisch2 gestaltet, [Job 10,10]
2. als ich in zehnmonatlicher Frist3 im Blute aus Mannessamen zusammenrann,4 und unter der Lust des Beischlafes.5
3. Auch ich atmete bei meiner Geburt die gemeinsame6 Luft ein, fiel auf die wesensgleiche7 Erde und der erste Laut, den ich hören ließ, war, wie bei allen anderen, Weinen.8
4. In Windeln ward ich auferzogen9 und mit vieler Sorgfalt genährt.
5. Denn kein König hat einen andern Ursprung seines Werdens gehabt.
6. Für alle also ist derselbe Eingang ins Leben und der Ausgang der gleiche. [Job 1,21, 1Tim 6,7]
7. Darum betete ich10 und es ward mir Einsicht gegeben, ich rief und der Geist der Weisheit11 kam über mich.
8. Und ich gab ihr den Vorzug vor Königreichen12 und Thronen und Reichtum hielt ich für nichts im Vergleich mit ihr.
9. Auch stellte ich ihr nicht kostbares Gestein gleich, denn alles Gold ist im Vergleich mit ihr wie ein wenig Sand und wie Kot wird das Silber neben ihr geachtet. [Job 28,15]
10. Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie und zog es vor, sie zum Lichte zu haben, denn ihr Glanz ist unauslöschlich.
11. Es kam mir aber alles Gute zugleich mit ihr13 und unzählbarer Wohlstand durch ihre Hand.
12. Und ich erfreute mich an allem, denn diese Weisheit ging vor mir her14 und ich wusste nicht,15 dass sie von allem dem die Mutter ist.
13. Arglos16 habe ich sie erlernt und neidlos teile ich sie mit und ihren Reichtum verberge ich nicht.17
14. Denn sie ist ein unerschöpflicher Schatz18 für die Menschen; wer ihn benützt, wird der Freundschaft Gottes19 teilhaftig und um der Gaben der Zucht willen empfohlen.
15. Mir aber verlieh20 Gott, mit Einsicht zu reden und zu beherzigen, was der mir zuteil gewordenen Gaben würdig ist; denn er ist der Führer zur Weisheit und der Lenker der Weisen,21
16. denn in seiner Hand sind wir und unsere Reden und alle Weisheit und Geschicklichkeit und Zucht.
17. Er gab mir ja die wahre Erkenntnis von dem, was ist, so dass ich die Anordnung der Welt und die Kräfte der Elemente verstehe,22
18. Anfang, Ende und Mitte der Zeiten, des Umlaufes Veränderungen und den Wechsel der Zeitabschnitte,
19. des Jahres Lauf und den Stand der Gestirne,23
20. die Natur der Tiere und die Wut der wilden Tiere,24 die Gewalt der Winde25 und die Gedanken der Menschen, die Verschiedenheiten der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln;26
21. und alles, was irgend verborgen und unsichtbar ist,27 habe ich kennen gelernt, denn die Weisheit, die Künstlerin von allem, lehrte es mich.28
22. Denn in ihr29 ist ein Geist des Verstandes,30 ein heiliger, einzigartiger, mannigfaltiger,31 feiner,32 beredter,33 beweglicher,34 unbefleckter,35 zuverlässiger,36 lieblicher,37 Gutes liebender,38 scharfsinniger, unhemmbarer, wohltuender,
23. menschenfreundlicher,39 gütiger, fester,40 sorgenfreier,41 sicherer, allvermögender, alles vorhersehender,42 alle Geister durchdringender,43 einsichtsvoller, reiner, feiner Geist.
24. Denn beweglicher als alles Bewegliche ist die Weisheit, sie dringt überall hin kraft ihrer Reinheit.
25. Denn44 sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und gleichsam ein reiner Ausfluss der Herrlichkeit des allmächtigen Gottes, deshalb kommt nichts Unreines zu ihr.
26. Denn sie ist der Abglanz des ewigen Lichtes und der makellose Spiegel der Majestät Gottes und das Abbild seiner Güte.45
27. Und da sie einig46 ist, vermag sie alles; und obgleich in sich bleibend, macht sie alles neu47 und tritt von Volk zu Volk48 in die heiligen Seelen ein und macht sie zu Freunden Gottes und zu Propheten.49
28. Denn Gott liebt niemanden50 außer den, der mit der Weisheit51 wohnt.
29. Denn52 sie ist herrlicher als die Sonne und übertrifft alle Ordnungen der Gestirne und mit dem Lichte verglichen, wird sie vorzüglicher erfunden.
30. Denn auf dieses folgt die Nacht, aber gegen die Weisheit53 vermag die Bosheit nichts.


Fußnote

Kap. 7 (1) Also von geringer Herkunft. - (2) Fleisch bedeutet den ganzen Menschen mit der Nebenbedeutung der Schwäche und Niedrigkeit. - (3) Gewöhnliche Zeitbestimmung der Schwangerschaft. - (4) Nicht physiologische Erklärung, sondern bildliche Darstellung des unbegreiflichen Prozesses. - (5) Alle demütigenden Umstände der Geburt des Menschen waren auch bei mir vorhanden. - (6) Keine besondere Luft. - (7) Nach anderen: die von allen dasselbe leidet. Das Fallen auf die Erde ist Bild äußerster Hilflosigkeit. - (8) Als Ausdruck des gegenwärtigen Elendes und Vorbedeutung des zukünftigen. - (9) Kennzeichen der Hilflosigkeit und des demütigend niedrigen Zustandes des Kindes. - (10) Durch die Gabe der Natur hatte er keine Weisheit, als König bedurfte er derselben, darum bat er darum. - (11) Die Weisheit ist mehr als die Einsicht. Mein Geist dachte nun gleichsam nichts als Weisheit. – Vergl. [1Koe 3,6ff]. - (12) Griech. Zeptern. Salomon, der redend eingeführt wird, stellte die Weisheit höher als äußere Glücksgüter (Herrschaft V. 8, Reichtum V. 9), ja auch als Gesundheit und Schönheit und selbst als das Licht der Sonne (V. 10), diese Güter sind keine innerlichen und leicht verlierbar, sie dienen höchstens der Sinnenwelt, die Weisheit aber ist die höchste Vollendung der Seele. - (13) Vergl. [1Koe 3,11-13]. Auch die Güter, denen ich die Weisheit vorgezogen, kamen mit ihr. - (14) Grund meiner Freude. Deshalb griech.: Die Weisheit ging vor ihnen her, führte sie an und hatte sie im Gefolge. So bekam sie höheren Wert. Vulg.: Ich freute mich über diese Güter, weil ich im Besitze der Weisheit sie recht gebrauchen konnte. - (15) Als ich um Weisheit flehte. - (16) Ohne heimlichen Hintergedanken, dass auch die irdischen Güter kommen würden. So teile ich sie auch mit. - (17) Vergl. [Weish 6,25]. - (18) Weitere Erklärung des Wortes Reichtum. (V. 13) - (19) Freundschaft gibt der Liebe eine gegenseitige Wiederliebe mit wechselseitiger Mitteilung zu. (Thom.) - (20) Nach anderer Lesart: Möge Gott verleihen. Dies scheint vorzuziehen. - (21) Besonders in der Kunst, anderen die Weisheit mitzuteilen. - (22) Naturphilosophie. - (23) Chronologie und Astronomie. - (24) Zoologie. - (25) Nach einigen Meteorologie, nach anderen Theologie. Das Letztere ist wohl vorzuziehen: der Geister Gewalt. - (26) Psychologie, Pharmazie. - (27) Griech.: Alles, was verborgen und offenbar ist. Das Wort „alles“ ist dem hebr. Sprachgebrauche entsprechend nicht allzusehr zu urgieren. - (28) Gott hat es mich mittelst derselben Weisheit gelehrt, durch die er alles dieses geschaffen. Die göttliche und die geschaffene, menschliche Weisheit im Menschengeiste haben vieles gemeinsam. Indem Gott seine Wesenheit erkennt, erzeugt er die ihm wesensgleiche Weisheit, in der er alles Erkennbare als Nachahmung jener Wesenheit schaut. Nach dem Vorbilde des ewigen Wortes schafft Gott unsere Vernunft und nach den vorbildlichen Ideen die Wesenheit der Dinge. Diese reflektieren sich in unserer Vernunft und so erkennen wir gleichsam reflektiert die Urbilder. - (29) Die Worte können an sich von der Geistigkeit der göttlichen Weisheit verstanden werden. Doch eben weil der Geist in der Weisheit ist und was er hat, von ihr empfangen hat [Joh 16,13], sind alle Vorzüge des Geistes auch (V. 22, 23) zugleich Vorzüge der Weisheit. In diesen Versen soll nun das Wort „die Künstlerin von allem“, die auf Einsicht beruhende Tätigkeit Gottes, weiter erklärt werden. Diese Tätigkeit ist aber Ausdruck dreier Eigenschaften Gottes, seiner Macht, Weisheit und Güte. Je nachdem die eine oder die andere mehr in den Vordergrund tritt, wird das ordnende und schaffende Wirken Gottes in der Welt dem Vater oder dem Sohne oder dem Heiligen Geiste zugeschrieben. Nun wird uns die Weisheit nicht gegeben zu theoretischen Kenntnissen, sondern um unseren Willen zu größerer Liebe und Heiligkeit zu entflammen, darum kann die religiöse Erleuchtung und Belehrung auch dem Heiligen Geiste zugeschrieben werden. Ambrosius und andere heilige Väter verstehen deshalb hier den Ausdruck Geist vom Heiligen Geiste. Demselben werden im Griech. dreimal sieben Eigenschaften beigelegt. Nicht alle Eigenschaften sind wesenbestimmende, einige nur schmückende. - (30) Im Griechischen sind Adjektiva: einsichtsvoll. - (31) Vielfach in seinen Wirkungen. Vergl. [1Kor 12,4.12]. - (32) Und so in das Innerste der Dinge eindringender. - (33) Macht beredt. - (34) Durch nichts in der Tätigkeit behindert und vom Vollkommensten zum Niedrigsten herabsteigend. (Thom.) - (35) Unendlich erhaben bleibend über alles Geschaffene, in das er eindringt. - (36) Bestimmt, klar und deutlich. - (37) Von dem niemand etwas leidet, sondern nur Gutes empfängt. - (38) Und so die Geschöpfe machender. - (39) Spezialisierung des vorhergehenden Ausdruckes. - (40) In seinem Wirken und in seinen Wirkungen. - (41) Sich selbst genügender. - (42) Griech.: alles beaufsichtigender. - (43) Deshalb kann die Weisheit auch die undurchdringlichsten Wesen durchdringen, weil sie nicht nur in sich ruht, sondern auch nach außen tätig ist. Der Verfasser hat die göttlichen Vollkommenheiten, deren Ausdruck die Weisheit ist, in einzelne Attribute zerteilt. Der hl. Paulus zitiert V. 26 mit einiger Verkürzung [Hebr 1,3]. Die heiligen Väter gebrauchen das Bild „Abglanz des Lichtes“ häufig, um die Konsubstantialität des Sohnes mit dem Vater zu beweisen, wie sie (z.B. Ambros., Aug., Greg. Naz., Greg. d. Gr.) auch diese Stelle von der hypostatischen Weisheit, der zweiten Person der Gottheit, verstehen. - (44) Vers 25 und 26 sind beide V. 24 koordiniert und geben den Grund für die Reinheit der Weisheit (ihre Freiheit von aller Unvollkommenheit) an. - (45) Diese Ausdrücke bezeichnen die Weisheit als vollkommen Gott ebenbildlich. - (46) Die höchste Einheit. - (47) Kann das ganze Aussehen der Welt (erlösend) umgestalten. - (48) Besser: von Geschlecht zu Geschlecht. - (49) Die Wirksamkeit der Weisheit in den Seelen ist eine doppelte: sie macht (durch die heiligmachende Gnade) den Menschen zum Freunde Gottes und verleiht zum allgemeinen Wohle noch besondere Gaben. Ein Prophet ist, wer, von Gott erleuchtet, zu den Menschen von ihm in besonderer Weise gesendet wird. Das eine Beispiel steht für alle umsonst verliehenen Gnadengaben. Eine schöne Umschreibung dieser Stelle bietet die Kirche in der Präfation bei der Diakonatsweihe. - (50) Tritt zu niemanden in ein inniges Freundschaftsverhältnis. - (51) Der göttlichen Weisheit. - (52) Gott liebt die Weisheit wegen ihrer Schönheit und so auch die, welche gleichsam vom Reflexe ihres Strahlenkranzes getroffen werden. - (53) Wie gegen die göttliche nicht, so auch nicht gegen die dem Menschen mitgeteilte Weisheit (Heiligkeit. Bernh.)

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