Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Weish16

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Liber primus Sapientiæ. Caput XVI.

Das Buch der Weisheit Kap. 16


d. Rückkehr zum Gegenstande: Aus dem verschiedenartigen Schicksal der Israeliten und der Ägypter erhellt die Frucht der Weisheit und der Torheit. (16,1 – 19,20) 1. Die Ägypter, welche Tiere anbeteten, werden gestraft; den Israeliten brachten die Tiere Nutzen, und als die Schlangen sie bissen, ließ Gott ihnen Hilfe zuteil werden. (V. 14) 2. Die Ägypter wurden durch Regen und Eis gestraft, den Israeliten kam Manna vom Himmel zu.

1. Propter hæc, et per his similia passi sunt digne tormenta, et per multitudinem bestiarum exterminati sunt.

2. Pro quibus tormentis bene disposuisti populum tuum, quibus dedisti concupiscentiam delectamenti sui novum saporem, escam parans eis ortygometram:
3. Ut illi quidem concupiscentes escam propter ea, quæ illis ostensa et missa sunt, etiam a necessaria concupiscentia averterentur. Hi autem in brevi inopes facti, novam gustaverunt escam.
4. Oportebat enim illis sine excusatione quidem supervenire interitum exercentibus tyrannidem: his autem tantum ostendere quemadmodum inimici eorum exterminabantur.
5. Etenim cum illis supervenit sæva bestiarum ira, morsibus perversorum colubrorum exterminabantur.

6. Sed non in perpetuum ira tua permansit, sed ad correptionem in brevi turbati sunt, signum habentes salutis ad commemorationem mandati legis tuæ.


7. Qui enim conversus est, non per hoc, quod videbat, sanabatur, sed per te omnium salvatorem:
8. In hoc autem ostendisti inimicis nostris, quia tu es, qui liberas ab omni malo.
9. Illos enim locustarum, et muscarum occiderunt morsus, et non est inventa sanitas animæ illorum: quia digni erant ab hujusmodi exterminari.

10. Filios autem tuos, nec draconum venenatorum vicerunt dentes: misericordia enim tua adveniens sanabat illos.

11. In memoria enim sermonum tuorum examinabantur, et velociter salvabantur, ne in altam incidentes oblivionem, non possent tuo uti adjutorio.

12. Etenim neque herba, neque malagma sanavit eos, sed tuus, Domine, sermo, qui sanat omnia.
13. Tu es enim, Domine, qui vitæ et mortis habes potestatem, et deducis ad portas mortis, et reducis:

14. Homo autem occidit quidem per malitiam, et cum exierit spiritus, non revertetur, nec revocabit animam quæ recepta est:

15. Sed tuam manum effugere impossibile est.
16. Negantes enim te nosse impii, per fortitudinem brachii tui flagellati sunt: novis aquis, et grandinibus, et pluviis persecutionem passi, et per ignem consumpti.
17. Quod enim mirabile erat, in aqua, quæ omnia exstinguit, plus ignis valebat: vindex est enim orbis justorum.

18. Quodam enim tempore, mansuetabatur ignis, ne comburerentur quæ ad impios missa erant animalia: sed ut ipsi videntes scirent, quoniam Dei judicio patiuntur persecutionem.

19. Et quodam tempore in aqua supra virtutem ignis exardescebat undique, ut iniquæ terræ nationem exterminaret.

20. Pro quibus Angelorum esca nutrivisti populum tuum, et paratum panem de cœlo præstitisti illis sine labore, omne delectamentum in se habentem, et omnis saporis suavitatem.

21. Substantia enim tua dulcedinem tuam, quam in filios habes, ostendebat: et deserviens uniuscujusque voluntati, ad quod quisque volebat, convertebatur.
22. Nix autem et glacies sustinebant vim ignis, et non tabescebant: ut scirent quoniam fructus inimicorum exterminabat ignis ardens in grandine et pluvia coruscans.
23. Hic autem iterum ut nutrirentur justi, etiam suæ virtutis oblitus est.

24. Creatura enim tibi Factori deserviens, exardescit in tormentum adversus injustos: et lenior fit ad benefaciendum pro his, qui in te confidunt.

25. Propter hoc et tunc in omnia transfigurata omnium nutrici gratiæ tuæ deserviebat, ad voluntatem eorum, qui a te desiderabant:
26. Ut scirent filii tui, quos dilexisti Domine, quoniam non nativitatis fructus pascunt homines, sed sermo tuus hos, qui in te crediderint, conservat.

27. Quod enim ab igne non poterat exterminari, statim ab exiguo radio solis calefactum tabescebat:
28. Ut notum omnibus esset, quoniam oportet prævenire solem ad benedictionem tuam, et ad ortum lucis te adorare.
29. Ingrati enim spes tamquam hibernalis glacies tabescet, et disperiet tamquam aqua supervacua.


1. Deshalb1 haben sie durch dergleichen Dinge verdiente Züchtigung erlitten und sind durch eine Menge von Tieren gepeinigt worden.
2. Statt solcher Züchtigung erzeigtest du deinem Volke Gutes und gabst ihnen nach ihren lüsternen Verlangen eine neue Speise voll Wohlgeschmack und bereitetest ihnen die Wachteln;2 [4Mos 11,31]
3. damit jene, die nach Speise lüstern waren, durch das, was ihnen gezeigt und gesandt wurde,3 selbst die natürliche Esslust verlören; diese aber, nachdem sie kurze Zeit Mangel gelitten, genossen eine neue Speise.
4. Denn über jene, welche Unterdrückung übten, sollte unabwendbarer Untergang4 hereinbrechen; diesen aber sollte nur gezeigt werden, wie ihre Feinde vertilgt wurden.

5. Wohl kam auch über diese die grimmige Wut wilder Tiere, so dass sie durch den Biss geringelter Schlangen umkamen; [4Mos 21,6]
6. aber dein Zorn dauerte nicht immer fort, sondern zur strafenden Mahnung wurden sie eine kurze Zeit in Schrecken gesetzt, indem sie ein Zeichen des Heils5 erhielten zur Erinnerung an die Gebote deines Gesetzes.
7. Denn wer sich zu ihm hinwendete, wurde gesund, nicht durch das, was er sah, sondern durch dich, den Retter aller.
8. dadurch aber zeigtest du unsern Feinden,6 dass du es bist, der von allem Übel erlöst.
9. Denn jene tötete der Biss der Heuschrecken und Fliegen,7 ohne dass sich ein Rettungsmittel für ihr Leben fand; weil sie verdienten, von solchen Tieren vertilgt zu werden. [2Mos 8,24, 2Mos 10,4, Offenb 9,7]
10. Deine Kinder hingegen konnten auch von den Zähnen giftiger Drachen nicht überwältigt werden, denn deine Erbarmung kam ihnen zu Hilfe und heilte sie.
11. Denn sie wurden nur gezüchtigt,8 um an deine Satzungen erinnert zu werden, und schnell wieder geheilt, damit sie nicht in tiefe Vergessenheit fallend, unempfänglich würden für deine Hilfe.
12. Denn weder Kraut noch Pflaster heilte sie, sondern dein Wort.9 o Herr! welches alles heilt.
13. Du, o Herr! hast ja Gewalt über Leben und Tod, du führst zu den Pforten des Todes10 hinab und führst auch wieder hinauf. [5Mos 32,39, 1Sam 2,6, Tob 13,2]
14. Ein Mensch dagegen tötet aus Bosheit; doch wenn der Geist entwichen, kann er ihn nicht mehr zurückführen und vermag die Seele, welche hingenommen ist, nicht zurückzurufen;
15. deiner Hand aber zu entfliehen, ist unmöglich.11
16. Denn jene Gottlosen, welche dich nicht kennen wollten,12 wurden durch deinen mächtigen Arm gezüchtigt, durch unerhörte Regengüsse, Hagel und Platzregen geplagt und durch Feuer verzehrt. [2Mos 9,23]
17. Und was das Wunderbarste, im Wasser, das sonst alles löscht, wuchs des Feuers Stärke noch weit mehr; denn der Erdkreis ist der Rächer für die Gerechten.
18. Zeitweise zwar ließ das Feuer nach, damit die gegen die Gottlosen gesandten Tiere nicht verbrannten,13 sondern damit jene durch den Augenschein erkennen sollten, dass sie durch Gottes Gericht solche Verfolgung litten.
19. Zuweilen aber loderte das Feuer mitten im Wasser überall stärker empor, als es sonst zu brennen pflegt, damit es den Ertrag eines gottlosen Landes vertilgte.
20. Dagegen nährtest du dein Volk mit Engelspeise14 und verliehest ihnen Brot vom Himmel, bereitet ohne Arbeit, das jegliche Annehmlichkeit und die Lieblichkeit jedes Geschmackes in sich enthielt. [2Mos 16,14, 4Mos 11,7, Ps 77,25, Joh 6,31]
21. Denn dein Wesen15 machte offenbar, wie gütig du gegen deine Kinder bist; und eines jeden Begehren sich fügend, wandelte sie sich in das, was jeder wollte.16
22. Schnee aber und Eis hielten die Gewalt des Feuers aus und schmolzen nicht, damit sie inne würden, dass ein Feuer, das im Hagel brannte und im Regen durchblitzte, der Feinde Früchte vernichtete. [2Mos 9,24]
23. Und abermals vergaß, damit die Gerechten ernährt würden, das Feuer die ihm eigene Kraft.17
24. Denn das Geschaffene dient dir als seinem Schöpfer und erhöht seine Wut zur Züchtigung gegen die Ungerechten und mildert sich zum Wohle derer, die auf dich vertrauen.
25. Darum nahm es18 auch damals alle Gestalten an und diente deiner allnährenden Gnade19 nach dem Willen derer, die von dir es begehrten,
26. damit deine Söhne, die du, Herr! lieb hast, inne würden, dass nicht nur die erzeugten Früchte den Menschen nähren, sondern dass dein Wort diejenigen erhält, welche an dich glauben.20
27. Denn was vom Feuer nicht vernichtet werden konnte, schmolz alsbald, von einem schwachen Sonnenstrahl erwärmt,
28. damit allen kund würde,21 dass man, ehe die Sonne aufgeht, dir Lob und Dank sagen und bei Tagesanbruch dich anbeten soll.22
29. Denn die Hoffnung des Undankbaren zerschmilzt wie winterliches Eis und verrinnt gleich unbrauchbarem Wasser.


Fußnote

Kap. 16 (1) Rückkehr zum [Weish 11] begonnenen Gegenstande. – Wegen der Verehrung der Tiere. - (2) Die Wachteln wurden den Israeliten zweimal zuteil, das eine Mal in der Wüste Sin [2Mos 16,13ff], das zweite Mal in der Wüste Pharan. [4Mos 11,31ff] Trotz des verkehrten Willens der Israeliten war die Sendung an sich und nach der Absicht Gottes eine große, wunderbare Wohltat. - (3) Die Frösche. [2Mos 8,3] - (4) Griech.: Mangel. - (5) Die eherne Schlange ist Vorbild des Heilandes durch die Kreuzigung der schädlichen Eigenschaften und die Erhöhung des heilenden Bildes vor den Augen aller. Die Beziehung auf den Heiland [Joh 3,14] war den Juden aus dem Protoevangelium einigermaßen bekannt. - (6) Die Ägypter hatten in ähnlicher Gefahr nicht bei Gott, sondern nur in natürlichen Mitteln und höchstens bei ihren falschen Götzen Hilfe gesucht. (V. 9) - (7) Die Ägypter kamen durch Tiere um, welche gewöhnlich keinem Menschen den Tod zu bringen vermögen, den Israeliten schadeten nicht einmal die giftigen Schlangen. - (8) Das Bild ist im Griech. (gezüchtigt) von dem Stachel entlehnt, mit dem man das Vieh auf dem rechten Wege hält. - (9) Damit ist wohl vom Verfasser zunächst nicht fast so die zweite Person der Gottheit, sondern der allmächtige Wille Gottes bezeichnet. Doch in diese Worte hat der Heilige Geist mehr Inhalt gelegt als die Gläubigen des Alten Bundes zu erkennen vermochten. - (10) Das Totenreich wird als eine feste Burg des Todes gedacht. - (11) Dein Arm dringt bis in die Unterwelt, du kannst beleben und strafen. - (12) [2Mos 5,2] - (13) Vergl. [2Mos 9,34]. – Wohl die Heuschrecken, deren man sich durch Feuer entledigen wollte. - (14) Vergl. [Ps 77,25]. - (15) Das Manna, die von Gott in besonderer Weise gesandte Substanz, das Symbol göttlicher Gedanken. Das Manna soll als etwas Festes, Reales bezeichnet werden, damit man es nicht wegen des wechselnden Geschmackes für eine Scheinspeise halte, sodann soll es gesagt werden, dass das Manna verblieb, was es in seiner natürlichen Wesenheit war, eine süße Speise, zunächst an die Süßigkeit Gottes erinnernd; dann aber auch nach Wunsch den Geschmack verändernd. - (16) Wie wurden aber die Israeliten alsdann des Mannas überdrüssig? [4Mos 21,5] Wir nicht ferner [2Mos 16,31, 4Mos 11,8] der Geschmack als der von Honig- oder Ölkuchen bezeichnet? – Die Tradition der Juden stimmt mit dem vorliegenden Texte überein. Wenn also im Mosaischen Berichte ein bestimmter Geschmack angegeben wird, war es der Grundgeschmack, der blieb, wenn jemand keinen anderen wünschte. Der Ekel rührte also von dem beständigen Anblick des Manna her. - (17) Das Manna, das tau- und eisartig war, schmolz nicht, sondern wurde durch das Feuer zur Speise für die Israeliten. Dies sollte die Juden erinnern, dass zur Züchtigung der Feinde das Feuer selbst im Eise brannte. - (18) Das Manna. - (19) Die ganze Schöpfung dürstet nach der Güte Gottes. - (20) Dies weckte die Erkenntnis, dass nicht die natürlichen Erzeugnisse, nämlich die Früchte, den Menschen nähren, sondern Gottes Macht und Wille. - (21) Dass eine übernatürliche Speise das höhere Wesen des Menschen erhält, ersieht man daraus, dass den Israeliten bei der Spendung des Manna, welches ihren Leib nährte, auch eine Belehrung über die Erhaltung des geistigen Lebens in Danksagung und Frühgebet gegeben wurde. - (22) Im bildlichen Sinne: Wie Dankbarkeit neuer Wohltaten würdig macht, so kann der Undankbare nichts mehr erwarten.


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