Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal06: Unterschied zwischen den Versionen

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Kap. 6 ('''1''') Alle Gläubigen, welche im Geiste wandeln. - ('''2''') Wenngleich die Gläubigen durch die Taufe Christus einverleibt sind, ist doch die böse Lust noch nicht in ihnen gänzlich erstorben, so dass es geschehen kann, dass Jemand dem Heil. Geiste nicht folgend einer plötzlichen Versuchung nachgibt und vom rechten Wege abweicht. Auch dann hat er noch ein Anrecht auf unsere Liebe. Er ist mit Sanftmut zu behandeln, damit er sich bekehre. Niemals also dürfen wir einen anderen zurechtweisen, mahnt der heil. Augustin, ohne uns zuvor vor Gott geprüft zu haben, ob die Liebe uns treibt. Wenn der, welchen du so zurechtweisest, dich beschimpft, dir droht, dich verfolgt, so antworte ihm nichts, bis deine Wunde geheilt ist, damit deine Zunge nicht der Sünde diene und du nicht Böses mit Bösem vergeltest. Denn was du mit erbittertem Herzen sagst, gibt die Aufregung des Rasenden ein, nicht die Liebe der Bessernden. Liebe und sage was du willst. Glaubst du in Schärfe des Wortes Gottes den Irrenden von der Belagerung der Laster befreien zu sollen, tue es, es wird kein Fluch sein. Wenn du aber zwar mit Liebe beginnst, du aber dann, wenn der Widerstand entgegentritt, nicht sowohl dem Fehler entgegentrittst als dem Menschen Feind wirst, so musst du diesen Staub nachher mit Tränen abwaschen. Ach, wie viel öfter macht uns der Zorn der Zurechtgewiesenen zornig als sein Elend barmherzig! Anders freilich sind die zu behandeln, welche im Bösen beharren. - ('''3''') Nichts bricht die Härte bei der Bestrafung so wie die Furcht eigenen Falles (Thom.). - ('''4''') Du hast diesen Fehler, jenen nicht, ein anderer hat zwar den, von dem du frei bist, aber er hat deinen Fehler nicht. Trage sein Gebrechen und er das deine (Theod.). Es ist von solchen Unvollkommenheiten die Rede, welche sich nach außen kundtun. - ('''5''') Das Gebot der Liebe wird voll erfüllt, wenn die Liebe auch die Sünder umfasst. - ('''6''') Wenn Jemand sich für etwas Großes hält, täuscht er sich selbst, weil er nichts ist (Hier.) und aus sich nur Lüge und Sünde hat. (2. Araus. Konzil K. 22) - ('''7''') Sein gesamtes Verhalten prüfe jeder selbst. - ('''8''') Dieser Teil des Satzes hat ironischen Sinn: Dann wird er nicht in Versuchung kommen, andere gering zu schätzen, wohl aber sich gering achten, da er sich mit so zahlreichen Unvollkommenheiten belastet sieht. - ('''9''') Die eigenen Fehler und Sünden, mit denen sein Gewissen beschwert ist. Es wird dies vor dem Gerichte Gottes geschehen, wo Niemand mehr für uns eintreten kann (Hier.,  Chrys., Aug.). - ('''10''') Er teile von dem zum Leben notwendigen Gütern mit (Chrys., Theod., Aug., Hier.). Die Galater waren wohl nicht besonders eifrig im Geben. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal02|Gal 2,10]]''] und [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor16|1Kor 16,1]]'']. - ('''11''') Wenngleich der heil. Paulus zunächst die Pflicht der Gläubigen im Auge hat, die Lehrer zu erhalten, gilt seine Mahnung sicher allen, dass sie freigebig und wohltätig seien. Gott zeigt nicht sofort, dass die Entschuldigungen, welche die kargen Geber vor anderen und dem eigenen Gewissen vorbringen, eitel und nichtig sind, sondern erwartet die Zeit der Ernte, um die Spreu von dem Weizen zu trennen und jene verbrennen zu lassen. - ('''12''') Der Apostel empfiehlt die Freigebigkeit. (Vergl. Anm. 11) Je nach der Art des Samens wird auch die Ernte sein. Wer Unkraut säet, kann von seinem Acker keinen Weizen als Frucht erwarten. Übrigens ist auch die Natur des Ackers zu erwägen, ob derselbe ein guter oder schlechter ist. Was wir denken, sagen, tun, wird auf einem von zwei Äckern gesäet, dem Fleische oder dem Geiste. Was Gutes aus dem Herzen oder Munde hervorgeht oder von uns getan wird, ist auf den Geist gesäet und wird reiche Frucht tragen für das ewige Leben; was böse ist, fällt auf den Acker des Fleisches und wird die Ernte des Verderbens tragen (Hier.). Paulus spricht nicht in gleicher Weise von beiden Äckern: Das Böse wird „auf sein Fleisch“ gesäet, das Gute „auf den Geist“. So ist also der erstgenannte Acker in Wahrheit des Menschen, der andere vielmehr Gottes. - ('''13''') Wohlzutun und alles Gute zu tun empfiehlt der Apostel. Darf man aber einen mehr lieben als den andern? Die Liebe kann größer sein ebenso ihrem Gegenstande, wie ihrem eigenen Grade nach. Jemanden lieben heißt ihm Gutes wünschen. Wir lieben also den einen mehr als den andern, ebenso wenn wir ihm ein größeres Gut wünschen wie wenn wir ihn inniger lieben.  Was das erste angeht, müssen wir alle Menschen gleichmäßig lieben, denn allen müssen wir das ewige Leben wünschen, indes die Stärke des inneren Aktes muss nicht allen gegenüber die gleiche sein. Der Grund der intensiveren Handlung ist die Vereinigung und die Ähnlichkeit, mithin müssen wir jene stärker und inniger lieben, welche uns ähnlicher und inniger vereint sind (Thom.). Ist nicht aber unsere Ähnlichkeit und Vereinigung größer mit denen, welche mit uns durch die taufe Christus vereint und seine Glieder geworden sind? - ('''14''') Der Apostel schreibt mit eigener Hand und mit größeren Buchstaben einige Mahnungen unter das, was er einem anderer diktiert hat. Ich habe geschrieben: Die Alten versetzten sich in den Briefen in die Zeit, wo der Empfänger den Brief erhielt. Die Worte beziehen sich also auf das Folgende (Hier., Mopf.) - ('''15''') D. i. alle, die in äußeren Dingen schön erscheinen und anderen gefallen wollen, ohne auf die Beschaffenheit ihres Herzens zu achten. Die äußeren Dinge sind die Beschneidung und andere fleischliche Beobachtungen (Thom.).  Sie sind Heuchler, da bei der Einführung des Mosaischen Gesetzes kein gutes Ziel haben. Indem sie die Galater zur Beschneidung zu bringen suchen, wollen sie sich den durch das Kreuz Christi hervorgerufenen Verfolgungen entziehen. Die römischen Kaiser hatten den Juden im ganzen römischen Reiche freie Religionsübung gestattet; so wurden die Christen, welche beschnitten waren, von den Heiden für Juden gehalten, während die Unbeschnittenen von Heiden und Juden zugleich angefochten und verfolgt wurden. Dieser doppelten Verfolgung suchten die falschen Apostel durch die Empfehlung der Beschneidung zu entgehen. - ('''16''') Die falschen Apostel wollen, um den Verfolgungen zu entgehen, die Priviligien der Juden genießen und suchen sich als wahre Juden zu erweisen, nicht etwa durch Beobachtung des Gesetzes, sondern indem sie sich rühmen, dass sie das Gesetz unter den Heidenchristen verbreitet hätten. - ('''17''') Der Apostel sagt nicht: Ich rühme mich nicht, sondern: Das sei fern von mir, dass ich mich rühme! Doch einer Sache wünscht er sich zu rühmen, des Kreuzes des Herrn. Die Kreuzesstrafe war bei den Juden selbst nicht eine Todesart, sondern eine Schmach, welche Hingerichteten angetan ward. Wohl ist alles, was Christus getan, Grund, uns dessen zu rühmen und es zu preisen, doch das Kreuz Christi ist der höchste Gegenstand unseres Rühmens (Cyr. v. Jerus.). - ('''18''') Die Welt sind alle zeitlichen Dinge, soweit sie von Gott abgewendet sind und dem Fleische dienen. - ('''19''') Der Apostel findet nichts in der Welt, was er nicht verabscheute, wie die Welt das Kreuz Christi verabscheut. - ('''20''') Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal03|Gal 3,27ff]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal05|Gal 5,6]]'']. Nur eines hat Wert vor Gott, der Stand der übernatürlichen Gnade, der Mensch im durch die Liebe tätigen Glauben, Christi Miterbe. So lebt und urteilt Paulus, so müssen alle urteilen, welche auf Christus getauft, den alten Menschen ausgezogen und sich nach dem Bilde ihres Schöpfers erneuert haben. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Kol03|Kol 3,9ff]]''] - ('''21''') Diese Richtschnur des Glaubens und Handelns: Die V. 15 aufgestellte. - ('''22''') Er wünscht ihnen den Frieden, den die Vereinigung mit Christus gewährt, und die göttliche Barmherzigkeit, welche alle Glieder Christi erfahren, worin immer sie derselben bedürfen, und ganz besonders am Tage des Gerichtes. - ('''23''') Das Israel Gottes steht im Gegensatze zu dem Israel nach dem Fleische. Es sind dies alle Gläubigen, sei es heidnischer, sei es jüdischer Herkunft (Chrys., Ök., Hier., Thom.). Das Wörtchen und hat mithin erklärenden Sinn. - ('''24''') Durch sein Ansehen will der Apostel den Streitigkeiten ein Ende machen, und zum Beweise seines Ansehens fügt er diese Worte bei. Die Sklaven trugen im Morgenlande ein Zeichen eingebrannt, welches kundtat, wem sie gehörten, so will der heil. Paulus als wahrer Diener Christi und als Apostel an dem Zeichen Christi erkannt werden, welches er an seinem Leibe trägt. Es sind die Narben der Schläge und Wunden, welche Paulus für Christus gelitten und die Spuren der Verfolgungen und Trübsale, die ihm sein Apostelamt zugezogen. Schön sagt der Apostel: Ich trage, gleichsam im Triumphe, nicht einfach: ich habe (Chrys.). Ich schreibe euch nichts weiter, statt der Buchstaben zeige ich euch die Spuren meiner Wunden, diese sind das Zeugnis, dass meine Predigt wahr ist, da ich solches für dieselbe gern getragen (Theod.). - ('''25''') Der Apostel wünscht die Gnade dem Geiste, weil dieselbe im Geiste und vom Geiste empfangen wird und auf den Geist ihre Kraft übt.
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Kap. 6 ('''1''') Alle Gläubigen, welche im Geiste wandeln. - ('''2''') Wenngleich die Gläubigen durch die Taufe Christus einverleibt sind, ist doch die böse Lust noch nicht in ihnen gänzlich erstorben, so dass es geschehen kann, dass Jemand dem Heil. Geiste nicht folgend einer plötzlichen Versuchung nachgibt und vom rechten Wege abweicht. Auch dann hat er noch ein Anrecht auf unsere Liebe. Er ist mit Sanftmut zu behandeln, damit er sich bekehre. Niemals also dürfen wir einen anderen zurechtweisen, mahnt der heil. Augustin, ohne uns zuvor vor Gott geprüft zu haben, ob die Liebe uns treibt. Wenn der, welchen du so zurechtweisest, dich beschimpft, dir droht, dich verfolgt, so antworte ihm nichts, bis deine Wunde geheilt ist, damit deine Zunge nicht der Sünde diene und du nicht Böses mit Bösem vergeltest. Denn was du mit erbittertem Herzen sagst, gibt die Aufregung des Rasenden ein, nicht die Liebe der Bessernden. Liebe und sage was du willst. Glaubst du in Schärfe des Wortes Gottes den Irrenden von der Belagerung der Laster befreien zu sollen, tue es, es wird kein Fluch sein. Wenn du aber zwar mit Liebe beginnst, du aber dann, wenn der Widerstand entgegentritt, nicht sowohl dem Fehler entgegentrittst als dem Menschen Feind wirst, so musst du diesen Staub nachher mit Tränen abwaschen. Ach, wie viel öfter macht uns der Zorn der Zurechtgewiesenen zornig als sein Elend barmherzig! Anders freilich sind die zu behandeln, welche im Bösen beharren. - ('''3''') Nichts bricht die Härte bei der Bestrafung so wie die Furcht eigenen Falles (Thom.). - ('''4''') Du hast diesen Fehler, jenen nicht, ein anderer hat zwar den, von dem du frei bist, aber er hat deinen Fehler nicht. Trage sein Gebrechen und er das deine (Theod.). Es ist von solchen Unvollkommenheiten die Rede, welche sich nach außen kundtun. - ('''5''') Das Gebot der Liebe wird voll erfüllt, wenn die Liebe auch die Sünder umfasst. - ('''6''') Wenn Jemand sich für etwas Großes hält, täuscht er sich selbst, weil er nichts ist (Hier.) und aus sich nur Lüge und Sünde hat. (2. Araus. Konzil K. 22) - ('''7''') Sein gesamtes Verhalten prüfe jeder selbst. - ('''8''') Dieser Teil des Satzes hat ironischen Sinn: Dann wird er nicht in Versuchung kommen, andere gering zu schätzen, wohl aber sich gering achten, da er sich mit so zahlreichen Unvollkommenheiten belastet sieht. - ('''9''') Die eigenen Fehler und Sünden, mit denen sein Gewissen beschwert ist. Es wird dies vor dem Gerichte Gottes geschehen, wo Niemand mehr für uns eintreten kann (Hier.,  Chrys., Aug.). - ('''10''') Er teile von dem zum Leben notwendigen Gütern mit (Chrys., Theod., Aug., Hier.). Die Galater waren wohl nicht besonders eifrig im Geben. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal02|Gal 2,10]]''] und [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor16|1Kor 16,1]]'']. - ('''11''') Wenngleich der heil. Paulus zunächst die Pflicht der Gläubigen im Auge hat, die Lehrer zu erhalten, gilt seine Mahnung sicher allen, dass sie freigebig und wohltätig seien. Gott zeigt nicht sofort, dass die Entschuldigungen, welche die kargen Geber vor anderen und dem eigenen Gewissen vorbringen, eitel und nichtig sind, sondern erwartet die Zeit der Ernte, um die Spreu von dem Weizen zu trennen und jene verbrennen zu lassen. - ('''12''') Der Apostel empfiehlt die Freigebigkeit. (Vergl. Anm. 11) Je nach der Art des Samens wird auch die Ernte sein. Wer Unkraut säet, kann von seinem Acker keinen Weizen als Frucht erwarten. Übrigens ist auch die Natur des Ackers zu erwägen, ob derselbe ein guter oder schlechter ist. Was wir denken, sagen, tun, wird auf einem von zwei Äckern gesäet, dem Fleische oder dem Geiste. Was Gutes aus dem Herzen oder Munde hervorgeht oder von uns getan wird, ist auf den Geist gesäet und wird reiche Frucht tragen für das ewige Leben; was böse ist, fällt auf den Acker des Fleisches und wird die Ernte des Verderbens tragen (Hier.). Paulus spricht nicht in gleicher Weise von beiden Äckern: Das Böse wird „auf sein Fleisch“ gesäet, das Gute „auf den Geist“. So ist also der erstgenannte Acker in Wahrheit des Menschen, der andere vielmehr Gottes. - ('''13''') Wohlzutun und alles Gute zu tun empfiehlt der Apostel. Darf man aber einen mehr lieben als den andern? Die Liebe kann größer sein ebenso ihrem Gegenstande, wie ihrem eigenen Grade nach. Jemanden lieben heißt ihm Gutes wünschen. Wir lieben also den einen mehr als den andern, ebenso wenn wir ihm ein größeres Gut wünschen wie wenn wir ihn inniger lieben.  Was das erste angeht, müssen wir alle Menschen gleichmäßig lieben, denn allen müssen wir das ewige Leben wünschen, indes die Stärke des inneren Aktes muss nicht allen gegenüber die gleiche sein. Der Grund der intensiveren Handlung ist die Vereinigung und die Ähnlichkeit, mithin müssen wir jene stärker und inniger lieben, welche uns ähnlicher und inniger vereint sind (Thom.). Ist nicht aber unsere Ähnlichkeit und Vereinigung größer mit denen, welche mit uns durch die taufe Christus vereint und seine Glieder geworden sind? - ('''14''') Der Apostel schreibt mit eigener Hand und mit größeren Buchstaben einige Mahnungen unter das, was er einem anderer diktiert hat. Ich habe geschrieben: Die Alten versetzten sich in den Briefen in die Zeit, wo der Empfänger den Brief erhielt. Die Worte beziehen sich also auf das Folgende (Hier., Mops.) - ('''15''') D. i. alle, die in äußeren Dingen schön erscheinen und anderen gefallen wollen, ohne auf die Beschaffenheit ihres Herzens zu achten. Die äußeren Dinge sind die Beschneidung und andere fleischliche Beobachtungen (Thom.).  Sie sind Heuchler, da bei der Einführung des Mosaischen Gesetzes kein gutes Ziel haben. Indem sie die Galater zur Beschneidung zu bringen suchen, wollen sie sich den durch das Kreuz Christi hervorgerufenen Verfolgungen entziehen. Die römischen Kaiser hatten den Juden im ganzen römischen Reiche freie Religionsübung gestattet; so wurden die Christen, welche beschnitten waren, von den Heiden für Juden gehalten, während die Unbeschnittenen von Heiden und Juden zugleich angefochten und verfolgt wurden. Dieser doppelten Verfolgung suchten die falschen Apostel durch die Empfehlung der Beschneidung zu entgehen. - ('''16''') Die falschen Apostel wollen, um den Verfolgungen zu entgehen, die Priviligien der Juden genießen und suchen sich als wahre Juden zu erweisen, nicht etwa durch Beobachtung des Gesetzes, sondern indem sie sich rühmen, dass sie das Gesetz unter den Heidenchristen verbreitet hätten. - ('''17''') Der Apostel sagt nicht: Ich rühme mich nicht, sondern: Das sei fern von mir, dass ich mich rühme! Doch einer Sache wünscht er sich zu rühmen, des Kreuzes des Herrn. Die Kreuzesstrafe war bei den Juden selbst nicht eine Todesart, sondern eine Schmach, welche Hingerichteten angetan ward. Wohl ist alles, was Christus getan, Grund, uns dessen zu rühmen und es zu preisen, doch das Kreuz Christi ist der höchste Gegenstand unseres Rühmens (Cyr. v. Jerus.). - ('''18''') Die Welt sind alle zeitlichen Dinge, soweit sie von Gott abgewendet sind und dem Fleische dienen. - ('''19''') Der Apostel findet nichts in der Welt, was er nicht verabscheute, wie die Welt das Kreuz Christi verabscheut. - ('''20''') Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal03|Gal 3,27ff]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal05|Gal 5,6]]'']. Nur eines hat Wert vor Gott, der Stand der übernatürlichen Gnade, der Mensch im durch die Liebe tätigen Glauben, Christi Miterbe. So lebt und urteilt Paulus, so müssen alle urteilen, welche auf Christus getauft, den alten Menschen ausgezogen und sich nach dem Bilde ihres Schöpfers erneuert haben. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Kol03|Kol 3,9ff]]''] - ('''21''') Diese Richtschnur des Glaubens und Handelns: Die V. 15 aufgestellte. - ('''22''') Er wünscht ihnen den Frieden, den die Vereinigung mit Christus gewährt, und die göttliche Barmherzigkeit, welche alle Glieder Christi erfahren, worin immer sie derselben bedürfen, und ganz besonders am Tage des Gerichtes. - ('''23''') Das Israel Gottes steht im Gegensatze zu dem Israel nach dem Fleische. Es sind dies alle Gläubigen, sei es heidnischer, sei es jüdischer Herkunft (Chrys., Ök., Hier., Thom.). Das Wörtchen und hat mithin erklärenden Sinn. - ('''24''') Durch sein Ansehen will der Apostel den Streitigkeiten ein Ende machen, und zum Beweise seines Ansehens fügt er diese Worte bei. Die Sklaven trugen im Morgenlande ein Zeichen eingebrannt, welches kundtat, wem sie gehörten, so will der heil. Paulus als wahrer Diener Christi und als Apostel an dem Zeichen Christi erkannt werden, welches er an seinem Leibe trägt. Es sind die Narben der Schläge und Wunden, welche Paulus für Christus gelitten und die Spuren der Verfolgungen und Trübsale, die ihm sein Apostelamt zugezogen. Schön sagt der Apostel: Ich trage, gleichsam im Triumphe, nicht einfach: ich habe (Chrys.). Ich schreibe euch nichts weiter, statt der Buchstaben zeige ich euch die Spuren meiner Wunden, diese sind das Zeugnis, dass meine Predigt wahr ist, da ich solches für dieselbe gern getragen (Theod.). - ('''25''') Der Apostel wünscht die Gnade dem Geiste, weil dieselbe im Geiste und vom Geiste empfangen wird und auf den Geist ihre Kraft übt.
  
 
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Version vom 14. August 2019, 11:51 Uhr

Epistola beati Pauli Apostoli ad Galatas.

Der Brief des heiligen Apostels Paulus an die Galater Kap. 6


2. Verschiedene Mahnungen. (V. 10) Schlußwort des Briefes (6,11 – 18)

1. Fratres, et si præoccupatus fuerit homo in aliquo delicto, vos, qui spirituales estis, hujusmodi instruite in spiritu lenitatis, considerans te ipsum, ne et tu tenteris.

2. Alter alterius onera portate, et sic adimplebitis legem Christi.
3. Nam si quis existimat se aliquid esse, cum nihil sit, ipse se seducit.

4. Opus autem suum probet unusquisque, et sic in semetipso tantum gloriam habebit, et non in altero.
5. Unusquisque enim onus suum portabit.
6. Communicet autem is, qui catechizatur verbo, ei, qui se catechizat, in omnibus bonis.
7. Nolite errare: Deus non irridetur.

8. Quæ enim seminaverit homo, hæc et metet. Quoniam qui seminat in carne sua, de carne et metet corruptionem: qui autem seminat in spiritu, de spiritu metet vitam æternam.
9. Bonum autem facientes, non deficiamus: tempore enim suo metemus non deficientes.
10. Ergo dum tempus habemus, operemur bonum ad omnes, maxime autem ad domesticos fidei.
11. Videte qualibus litteris scripsi vobis mea manu.
12. Quicumque enim volunt placere in carne, hi cogunt vos circumcidi, tantum ut crucis Christi persecutionem non patiantur.

13. Neque enim qui circumciduntur, legem custodiunt: sed volunt vos circumcidi, ut in carne vestra glorientur.

14. Mihi autem absit gloriari, nisi in cruce Domini nostri Jesu Christi: per quem mihi mundus crucifixus est, est ego mundo.
15. In Christo enim Jesu neque circumcisio aliquid valet, neque præputium, sed nova creatura.
16. Et quicumque hanc regulam secuti fuerint, pax super illos, et misericordia, et super Israel Dei.
17. De cetero nemo mihi molestus sit: ego enim stigmata Domini Jesu in corpore meo porto.
18. Gratia Domini nostri Jesu Christi, cum spiritu vestro, fratres. Amen.

1. Brüder! wenn einmal ein Mensch von irgend einer Sünde übereilt worden ist, so sollt ihr, die ihr geistig gesinnt seid,1 einen solchen im Geiste der Sanftmut zurechtweisen;2 auch habe acht auf dich selbst, damit nicht auch du versucht weirdest.3
2. Traget einer des andern Last,4 und so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.5
3. Denn wenn Jemand etwas zu sein glaubt, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.6
4. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Tun,7 und so wird er nur in sich selbst Ruhm haben, und nicht in dem andern;8
5. den ein jeder wird seine eigene Last9 tragen. [1Kor 3,8]
6. Wer aber unterwiesen wird in Worte, teile dem, der ihn unterweist, von allem Guten mit.10
7. Täuschet euch nicht! Gott lässt seiner nicht spotten.11
8. Denn was der Mensch säet, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch säet, wird von dem Fleische auch Verderben ernten; wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geiste ewiges Leben ernten.12
9. Lasset uns also Gutes tun und nicht ermüden; denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht nachlassen. [2Thes 3,13]
10. Darum, so lange wir Zeit haben, lasset uns Gutes tun an allen, besonders aber an den Glaubensgenossen.13
11. Sehet, mit welchen Buchstaben ich euch mit eigener Hand geschrieben habe!14
12. Denn alle, die dem Fleische nach gefallen wollen, diese nötigen euch, euch beschneiden zu lassen, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen Verfolgung zu leiden haben.15
13. Denn auch die, welche sich beschneiden lassen, halten das Gesetz nicht;16 aber sie wollen, dass ihr euch beschneiden lasset, damit sie sich eures Fleisches rühmen können.
14, Von mir aber sei es fern mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesus Christus,17 durch welchen mir die Welt18 gekreuzigt ist, und ich der Welt.19
15. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung etwas, noch Unbeschnittensein, sondern ein neues Geschöpf.20
16. Und alle, welche dieser Richtschnur21 folgen, Friede über sie und Barmherzigkeit,22 und über das Israel Gottes!23
17. Fernerhin falle mir Niemand lästig; denn ich trage die Wundmale des Herrn Jesus an meinem Leibe.24
18. Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geiste, Brüder! Amen.25

Fußnote

Kap. 6 (1) Alle Gläubigen, welche im Geiste wandeln. - (2) Wenngleich die Gläubigen durch die Taufe Christus einverleibt sind, ist doch die böse Lust noch nicht in ihnen gänzlich erstorben, so dass es geschehen kann, dass Jemand dem Heil. Geiste nicht folgend einer plötzlichen Versuchung nachgibt und vom rechten Wege abweicht. Auch dann hat er noch ein Anrecht auf unsere Liebe. Er ist mit Sanftmut zu behandeln, damit er sich bekehre. Niemals also dürfen wir einen anderen zurechtweisen, mahnt der heil. Augustin, ohne uns zuvor vor Gott geprüft zu haben, ob die Liebe uns treibt. Wenn der, welchen du so zurechtweisest, dich beschimpft, dir droht, dich verfolgt, so antworte ihm nichts, bis deine Wunde geheilt ist, damit deine Zunge nicht der Sünde diene und du nicht Böses mit Bösem vergeltest. Denn was du mit erbittertem Herzen sagst, gibt die Aufregung des Rasenden ein, nicht die Liebe der Bessernden. Liebe und sage was du willst. Glaubst du in Schärfe des Wortes Gottes den Irrenden von der Belagerung der Laster befreien zu sollen, tue es, es wird kein Fluch sein. Wenn du aber zwar mit Liebe beginnst, du aber dann, wenn der Widerstand entgegentritt, nicht sowohl dem Fehler entgegentrittst als dem Menschen Feind wirst, so musst du diesen Staub nachher mit Tränen abwaschen. Ach, wie viel öfter macht uns der Zorn der Zurechtgewiesenen zornig als sein Elend barmherzig! Anders freilich sind die zu behandeln, welche im Bösen beharren. - (3) Nichts bricht die Härte bei der Bestrafung so wie die Furcht eigenen Falles (Thom.). - (4) Du hast diesen Fehler, jenen nicht, ein anderer hat zwar den, von dem du frei bist, aber er hat deinen Fehler nicht. Trage sein Gebrechen und er das deine (Theod.). Es ist von solchen Unvollkommenheiten die Rede, welche sich nach außen kundtun. - (5) Das Gebot der Liebe wird voll erfüllt, wenn die Liebe auch die Sünder umfasst. - (6) Wenn Jemand sich für etwas Großes hält, täuscht er sich selbst, weil er nichts ist (Hier.) und aus sich nur Lüge und Sünde hat. (2. Araus. Konzil K. 22) - (7) Sein gesamtes Verhalten prüfe jeder selbst. - (8) Dieser Teil des Satzes hat ironischen Sinn: Dann wird er nicht in Versuchung kommen, andere gering zu schätzen, wohl aber sich gering achten, da er sich mit so zahlreichen Unvollkommenheiten belastet sieht. - (9) Die eigenen Fehler und Sünden, mit denen sein Gewissen beschwert ist. Es wird dies vor dem Gerichte Gottes geschehen, wo Niemand mehr für uns eintreten kann (Hier., Chrys., Aug.). - (10) Er teile von dem zum Leben notwendigen Gütern mit (Chrys., Theod., Aug., Hier.). Die Galater waren wohl nicht besonders eifrig im Geben. Vergl. [Gal 2,10] und [1Kor 16,1]. - (11) Wenngleich der heil. Paulus zunächst die Pflicht der Gläubigen im Auge hat, die Lehrer zu erhalten, gilt seine Mahnung sicher allen, dass sie freigebig und wohltätig seien. Gott zeigt nicht sofort, dass die Entschuldigungen, welche die kargen Geber vor anderen und dem eigenen Gewissen vorbringen, eitel und nichtig sind, sondern erwartet die Zeit der Ernte, um die Spreu von dem Weizen zu trennen und jene verbrennen zu lassen. - (12) Der Apostel empfiehlt die Freigebigkeit. (Vergl. Anm. 11) Je nach der Art des Samens wird auch die Ernte sein. Wer Unkraut säet, kann von seinem Acker keinen Weizen als Frucht erwarten. Übrigens ist auch die Natur des Ackers zu erwägen, ob derselbe ein guter oder schlechter ist. Was wir denken, sagen, tun, wird auf einem von zwei Äckern gesäet, dem Fleische oder dem Geiste. Was Gutes aus dem Herzen oder Munde hervorgeht oder von uns getan wird, ist auf den Geist gesäet und wird reiche Frucht tragen für das ewige Leben; was böse ist, fällt auf den Acker des Fleisches und wird die Ernte des Verderbens tragen (Hier.). Paulus spricht nicht in gleicher Weise von beiden Äckern: Das Böse wird „auf sein Fleisch“ gesäet, das Gute „auf den Geist“. So ist also der erstgenannte Acker in Wahrheit des Menschen, der andere vielmehr Gottes. - (13) Wohlzutun und alles Gute zu tun empfiehlt der Apostel. Darf man aber einen mehr lieben als den andern? Die Liebe kann größer sein ebenso ihrem Gegenstande, wie ihrem eigenen Grade nach. Jemanden lieben heißt ihm Gutes wünschen. Wir lieben also den einen mehr als den andern, ebenso wenn wir ihm ein größeres Gut wünschen wie wenn wir ihn inniger lieben. Was das erste angeht, müssen wir alle Menschen gleichmäßig lieben, denn allen müssen wir das ewige Leben wünschen, indes die Stärke des inneren Aktes muss nicht allen gegenüber die gleiche sein. Der Grund der intensiveren Handlung ist die Vereinigung und die Ähnlichkeit, mithin müssen wir jene stärker und inniger lieben, welche uns ähnlicher und inniger vereint sind (Thom.). Ist nicht aber unsere Ähnlichkeit und Vereinigung größer mit denen, welche mit uns durch die taufe Christus vereint und seine Glieder geworden sind? - (14) Der Apostel schreibt mit eigener Hand und mit größeren Buchstaben einige Mahnungen unter das, was er einem anderer diktiert hat. Ich habe geschrieben: Die Alten versetzten sich in den Briefen in die Zeit, wo der Empfänger den Brief erhielt. Die Worte beziehen sich also auf das Folgende (Hier., Mops.) - (15) D. i. alle, die in äußeren Dingen schön erscheinen und anderen gefallen wollen, ohne auf die Beschaffenheit ihres Herzens zu achten. Die äußeren Dinge sind die Beschneidung und andere fleischliche Beobachtungen (Thom.). Sie sind Heuchler, da bei der Einführung des Mosaischen Gesetzes kein gutes Ziel haben. Indem sie die Galater zur Beschneidung zu bringen suchen, wollen sie sich den durch das Kreuz Christi hervorgerufenen Verfolgungen entziehen. Die römischen Kaiser hatten den Juden im ganzen römischen Reiche freie Religionsübung gestattet; so wurden die Christen, welche beschnitten waren, von den Heiden für Juden gehalten, während die Unbeschnittenen von Heiden und Juden zugleich angefochten und verfolgt wurden. Dieser doppelten Verfolgung suchten die falschen Apostel durch die Empfehlung der Beschneidung zu entgehen. - (16) Die falschen Apostel wollen, um den Verfolgungen zu entgehen, die Priviligien der Juden genießen und suchen sich als wahre Juden zu erweisen, nicht etwa durch Beobachtung des Gesetzes, sondern indem sie sich rühmen, dass sie das Gesetz unter den Heidenchristen verbreitet hätten. - (17) Der Apostel sagt nicht: Ich rühme mich nicht, sondern: Das sei fern von mir, dass ich mich rühme! Doch einer Sache wünscht er sich zu rühmen, des Kreuzes des Herrn. Die Kreuzesstrafe war bei den Juden selbst nicht eine Todesart, sondern eine Schmach, welche Hingerichteten angetan ward. Wohl ist alles, was Christus getan, Grund, uns dessen zu rühmen und es zu preisen, doch das Kreuz Christi ist der höchste Gegenstand unseres Rühmens (Cyr. v. Jerus.). - (18) Die Welt sind alle zeitlichen Dinge, soweit sie von Gott abgewendet sind und dem Fleische dienen. - (19) Der Apostel findet nichts in der Welt, was er nicht verabscheute, wie die Welt das Kreuz Christi verabscheut. - (20) Vergl. [Gal 3,27ff, Gal 5,6]. Nur eines hat Wert vor Gott, der Stand der übernatürlichen Gnade, der Mensch im durch die Liebe tätigen Glauben, Christi Miterbe. So lebt und urteilt Paulus, so müssen alle urteilen, welche auf Christus getauft, den alten Menschen ausgezogen und sich nach dem Bilde ihres Schöpfers erneuert haben. [Kol 3,9ff] - (21) Diese Richtschnur des Glaubens und Handelns: Die V. 15 aufgestellte. - (22) Er wünscht ihnen den Frieden, den die Vereinigung mit Christus gewährt, und die göttliche Barmherzigkeit, welche alle Glieder Christi erfahren, worin immer sie derselben bedürfen, und ganz besonders am Tage des Gerichtes. - (23) Das Israel Gottes steht im Gegensatze zu dem Israel nach dem Fleische. Es sind dies alle Gläubigen, sei es heidnischer, sei es jüdischer Herkunft (Chrys., Ök., Hier., Thom.). Das Wörtchen und hat mithin erklärenden Sinn. - (24) Durch sein Ansehen will der Apostel den Streitigkeiten ein Ende machen, und zum Beweise seines Ansehens fügt er diese Worte bei. Die Sklaven trugen im Morgenlande ein Zeichen eingebrannt, welches kundtat, wem sie gehörten, so will der heil. Paulus als wahrer Diener Christi und als Apostel an dem Zeichen Christi erkannt werden, welches er an seinem Leibe trägt. Es sind die Narben der Schläge und Wunden, welche Paulus für Christus gelitten und die Spuren der Verfolgungen und Trübsale, die ihm sein Apostelamt zugezogen. Schön sagt der Apostel: Ich trage, gleichsam im Triumphe, nicht einfach: ich habe (Chrys.). Ich schreibe euch nichts weiter, statt der Buchstaben zeige ich euch die Spuren meiner Wunden, diese sind das Zeugnis, dass meine Predigt wahr ist, da ich solches für dieselbe gern getragen (Theod.). - (25) Der Apostel wünscht die Gnade dem Geiste, weil dieselbe im Geiste und vom Geiste empfangen wird und auf den Geist ihre Kraft übt.

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