Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh14: Unterschied zwischen den Versionen

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Kap. 14 ('''1''') Die Trauer der Jünger hat durch die Vorhersagung der Verleugnung des hl. Petrus zugenommen (Chrys., Cyr., Theod.). Banget nicht, denn ihr glaubet ja. Oder: Banget nicht, sondern vertraut. Ihr glaubt an Gott, der nicht irren noch euch täuschen kann, so glaubet auch an mich, da ich nur rede, was ich von Gott gehört. Die griech. Form des Zeitwortes wird von einigen Vätern auch in der ersten Satzhälfte als Befehl aufgefasst (Chrys., Cyr. v. Alex., Hil.). - ('''2''') Glaubet an mich, der ich euch sage, dass in meines Vaters Hause viele Wohnungen sind, also auch für euch. Der Heiland sagt nicht: Wohnungen für viele, sondern viele Wohnungen. Mit Recht schließen viele Väter daraus, dass die Seligkeit verschiedene Stufen hat. - ('''3''') Gäbe es im Himmel keine Stätte für euch und keine Wiedervereinigung, ich hätte euch auch diese schmerzliche Wahrheit mitgeteilt, damit ihr euch keine eitle Hoffnung machet. Also glaubet gewiss: Sehet ihr auch den Weg noch nicht, den Gott euch durch dieses Leben führen wird, er führt euch dennoch sicher in die Heimat. - ('''4''') Aber es ist keine eitle Hoffnung, denn ich gehe ja hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wendet also euren Blick auf den Himmel. Die Wohnungen sind von Ewigkeit her bestimmt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt25|Mt 25,34]]'']; der Heiland geht, den Eingang in den Himmel durch sein Leiden und die Himmelfahrt zu öffnen und die Teilnahme an der Seligkeit zu sichern. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,24]]''] - ('''5''') Der Herr kommt bei dem Tode jedes Einzelnen und kommt am Ende der Tage, wo die Gerechten auch dem Leibe nach im Himmel ihre Stätte finden. - ('''6''') Ihr wisset, dass ich von euch gehe und zwar auf dem Wege des schmerzlichen Todes, so beherzigt auch zu eurem Troste, wohin ich gehe: in den Himmel, zu dem auch euer Weg führt. - ('''7''') Der hl. Thomas hat in seiner Betrübnis das Wort „in meines Vaters Hause“ überhört. Ihm erscheint alles trüb und dunkel. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh11|Joh 11,16]]'']. Er weiß nicht, wohin der Herr geht, noch viel weniger kennt er den Weg, auf dem er ihm folgen soll. - ('''8''') Ich bin ja selbst der Weg zum Vater, zur Heimat; schließe dich an mich an in Glaube und Liebe, und du gelangst zum Himmel. Ich bin der Weg, weil ich die göttliche Wahrheit bin, die gekommen ist, jeden Menschen zu erleuchten und zum Vater zu führen; ich bin das göttliche Leben, welches das Leben der Gnade und der Herrlichkeit verleiht. Wie oft im Leben stellen auch wir die Frage: Wo will das hinaus? Wie soll das enden? Wir schauen nur auf den Weg, den Gott uns auf Erden führt und dieser scheint sich in´s Dunkle zu verlieren, bleiben wir in Glaube und Liebe mit Christus vereint, dann sind wir stets auf dem rechten Wege, denn Christus ist der Weg: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! - ('''9''') Das gemeinsame Ziel für mich und für euch ist der Vater. Ohne Weg kann man nicht gehen, ohne Wahrheit und Leben nicht zur Vereinigung mit Gott gelangen, der die Wahrheit und das Leben selber ist. Sofern nun der Herr sein Amt als Mittler durch die Kirche fortsetzt, ist auch diese der alleinige Weg, auf dem der Mensch das Heil erlangt. Mit Recht also heißt sie alleinseligmachend, denn außerhalb derselben ist so wenig Heil zu finden wie außer Christus. Wer also in keiner Weise, nicht einmal dem Verlangen nach, zur Kirche gehört, oder wer von derselben abfällt, muss des Heiles verlustig gehen. - ('''10''') Der Heiland antwortet auf den zweiten Teil der Frage des hl. Thomas: Wie können wir den Weg wissen? Antwort: Ihr konntet ihn nicht wissen, weil ihr mich, den wahren Weg, nicht vollkommen erkannt habt; doch wie derjenige, welcher den Weg kennt, zum Ziele gelangt, so kommt derjenige zur Erkenntnis des Vaters, der mich kennt. – ('''11''') Von dieser Stunde an kommt euch die rechte Erkenntnis, tiefer als je werdet ihr heute Abend mein Wesen schauen und damit den Vater. So helle Lichtstrahlen der Offenbarung wie an diesem Abende hat der Heiland den Aposteln noch nicht gespendet, so bereit dieselben aufzunehmen wie heute ist ihr Herz noch nie gewesen. Was heute in ihnen beginnt, wird die Auferstehung des Herrn und die Sendung des Heil. Geistes vollenden. – ('''12''') Ähnlich sprach einst Moses. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos33|2Mos 33,11.18]]''] Philippus wünscht, der Heiland soll durch ein Wunder den Himmel öffnen und die Apostel einen Blick tun lassen in seine Herrlichkeit. Wenn solches Licht in diese trübe Stunde fallen könnte, so sind wir zufrieden. - ('''13''') Im griech. Texte: Du hast mich noch nicht erkannt, Philippus. Da von einem Schauen der göttlichen Natur keine Rede sein kann, ist an ein Schauen zu denken, wie es im Erdenleben möglich ist. Es war aber den Aposteln einzig möglich, den Herrn in seiner heiligsten Menschheit und seinem Wirken zu sehen, woraus sie freilich auf die ihm innewohnende Gottheit schließen konnten. Der Sinn ist also: Ich und der Vater sind derart eines, dass es dasselbe ist, mich oder den Vater zu sehen, denn in nichts würde er anders handeln als ich, wäre er als Mensch unter euch erschienen. - ('''14''') Oder glaubst du das nicht, dass es genügt, mich zu sehen, um auch den Vater zu sehen? Da müsstest du zweifeln, dass ich und der Vater vollkommen eines sind durch dieselbe Natur und die gegenseitige Durchdringung. Sind wir also so eines, so denke, rede und tue ich nur das, was ich vom Vater überkommen empfange. - ('''15''') Griech.: Glaubet mir. - ('''16''') Eine Steigerung des Beweises. So sehr gibt mir der Vater durch die Werke Zeugnis, dass er nicht nur mich, sondern auch meine Gläubigen dieselben und noch größere vollbringen lassen wird. - ('''17''') Beim Vater werde ich erwirken, dass er euch diese Macht gebe. Oder: Ihr meine Nachfolger müsst solche Werke vollbringen, da ich nicht mehr sichtbar auf Erden wandeln werde. - ('''18''') Damit die Jünger Großes wirken können, müssen sie mit Jesus in Verbindung bleiben. Die Jünger werden ihre Gebete zu ihm emporsenden, er ihnen durch Erhörung und Erfüllung antworten. Aber was ist „im Namen Jesu bitten“? Der Name bedeutet die Person, sofern sie uns kund geworden. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,6.26]]''] ebenso [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,11], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh20|Joh 20,31]]''] u. a. Jesus ist uns kund geworden als Sohn Gottes und Erlöser, als Lehrer der Wahrheit und Beispiel der Tugend usw. „In seinem Namen“ beten heißt also: Im Vertrauen auf seine Würde, Verdienste, Liebe, und auch in seiner Gesinnung beten, denn auch in dieser ist er uns geoffenbart worden. Der Vater wird durch die Erhörung verherrlicht in  seiner Güte, aber durch den Sohn, weil eben das im Namen des Sohnes verrichtete Gebet sich so wirksam zeigt. - ('''19''') Der Heiland wiederholt die Verheißung und legt den Jüngern nahe, dass sie nach seiner Erhöhung ebenso zu ihm beten werden wie zu dem Vater. Bisher haben sie ihn gebeten, aber nicht zu ihm gebetet. - ('''20''') Nicht nur im Wirken werden die Jünger mit dem Herrn vereint bleiben, nicht nur seine Hilfe wird ihnen nahe sein, er selbst fügt einen neuen Trostgrund hinzu (V. 16): Die Sendung des Hl. Geistes. Damit sie aber sich auf seine Ankunft würdig vorbereiten, sollen sie Christus lieben und diese Liebe durch die Beobachtung seiner Vorschriften, insbesondere der heute gegebenen, beweisen (Thom.). - ('''21''') Als Gott sendet er den Hl. Geist selbst, als Mensch erfleht er ihn vom Vater, nachdem er durch sein Leiden die Sendung für uns verdient hat. - ('''22''') Der Hl. Geist wird anstatt des die Erde verlassenden Heilandes ein anderer Beistand und insofern Tröster sein, weil auch der Heiland selbst Beistand ist. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Joh02|1Joh 2,1]]'']. Der Hl. Geist ist Tröster, weil er in das volle Verständnis der Lehre Jesu einführt (V. 17), weil er den Jüngern in allen Gefahren beisteht [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt10|Mt 10,19ff]]''], weil er, in uns wohnend, uns heiligt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor06|1Kor 6,19]]''], uns zu Kindern Gottes macht und diese Gotteskindschaft bezeugt; endlich weil er uns verbürgt, dass wir das himmlische Erbe erlangen werden [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Eph01|Eph 1,14]]''], und so die Gläubigen ganz besonders tröstet und ermutigt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Petr01|1Petr 1,3]]'']. Der Hl. Geist ist ein anderer Tröster, also ist er vom Sohne verschieden. Er wird vom Vater gesendet, also ist er auch vom Vater verschieden. Andererseits wird er hier und an anderen Orten als Gott gekennzeichnet. So sind also drei verschiedene göttliche Personen. - ('''23''') Der Hl. Geist wird den Aposteln und ihren Nachfolgern verheißen, jenen, welche der Heiland aussendet, alle Völker zu lehren, alles zu halten, was er ihnen befohlen. -[''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt28|Mt 28,20]]''] - ('''24''') Die im Argen liegende Welt kann den Hl. Geist nicht empfangen, weil ihr das geistige Auge fehlt, ihn zu schauen und die innere Empfänglichkeit, ihn aufzunehmen und an seinen Wirkungen zu erkennen. - ('''25''') Der Heiland will wiederkommen, vorübergehend nach der Auferstehung (Chrys.), für immer im Kommen des Hl. Geistes (Cyr.). - ('''26''') Der Heiland ist das Leben. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh05|Joh 5,26]]''] Darum geht ihm das Leben auch im Tode nicht verloren, sondern triumphiert über denselben, die menschliche Natur des Herrn zur Auferstehung und zum ewigen Leben bringend. Die Verheißung: „Ihr werdet leben“ kann sich unmöglich nur auf das natürliche Leben beziehen, denn dieses hat auch die Welt und doch „sieht“, d. i. erkennt sie weder Christus noch den Hl. Geist. Es ist also das übernatürliche, gotterleuchtete Leben zu verstehen. Mit dem Leben des Herrn ist das durch den Hl. Geist in den Jüngern begründete Leben eng verbunden. - ('''27''') In der Zeit, welche mit der Auferstehung beginnt und in der Sendung des Hl. Geistes ihren Höhepunkt findet, werdet ihr erkennen, dass ich mit dem Vater wesensgleich bin (V. 11), und zwischen mir und euch die engste Lebensgemeinschaft besteht. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh15|Joh 15,4.5]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh06|Joh 6,57]]'']. Wäre ich nicht mit dem lebendigen Gotte eines, so könnte ich nicht aus dem Tode zum Leben zurückkehren. Die zweite Wahrheit erkannten die Apostel besonders aus den wunderbaren Wirkungen, welche die Herabkunft des Hl. Geistes hervorbrachte: Christus wirkte durch den Hl. Geist in ihnen, sie zu seiner Ähnlichkeit umwandelnd. - ('''28''') Es wird vorangestellt, was von Seite des Menschen zu geschehen hat, damit der Lebensbund sich schließe. Dem Glauben muss sich Gehorsam und Liebe zugesellen. - ('''29''') Wer den Heiland liebt, wird vom Vater und von Christus geliebt, innere Offenbarungen Gottes werden ihm zu Teil. - ('''30''') Über Judas siehe [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk06|Lk 6,16]]'']. Nicht Iskariot: Dies Wort soll die Leser aufmerksam machen, dass der andere Judas (Thaddäus) gemeint ist. Er nahm den Ausdruck „Welt“ V. 17, V. 19 zu allgemein von allen Menschen, oder doch vom ganzen Volke, und wundert sich nun, dass der Welterlöser, vergl. -[''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh01|Joh 1,29]]''] sich nur einer kleinen Schar offenbarte. - ('''31''') Der Heiland antwortet nicht direkt, aber doch so, dass man die eigentliche Antwort herausfinden kann: Ich offenbare mich nur denen, die mich lieben und mein Wort halten, dies tun aber die Weltlichgesinnten nicht. Wie einst Gott im Tempel von Jerusalem, so will die hl. Dreifaltigkeit in höherem und innigerem Sinne in dem wohnen, der seine Seele durch Gehorsam und Liebe ihr zur Wohnung anbietet. Die äußere Offenbarung der Herrlichkeit ist für die Wiederkunft des Herrn aufbewahrt. - ('''32''') Ergänze: und zu dem werden wir nicht kommen. In dem Folgenden: „Und das Wort“ usw. liegt die Begründung des Nichtkommens! Ein solcher verachtet nicht Menschen-, sondern Gotteswort, so können also die göttlichen Personen nicht bei ihm einkehren. - ('''33''') Diese Stelle wird verschieden erklärt. Mit Rücksicht auf V. 16: „Ich will den Vater bitten“ ist als Sinn wohl dieser anzunehmen: Wegen meiner Verdienste und Bitten. Oder: Der Geist kommt im Namen Christi, weil er Christi Geist ist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Roem08|Roem 8,9]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal04|Gal 4,6]]''], wie der Sohn im Namen des Vaters kommt. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh05|Joh 5,44]]''], weil er der Sohn des Vaters ist (Thom.). So oft der Heiland in dieser Rede von dem Hl. Geist spricht, ebenso oft erwähnt er sich und den Vater. Jeder Sendung wesentlich ist der Ausgangspunkt: hier Gott der Vater und die gesandte Person: der Hl. Geist, der mithin als Person vom Vater unterschieden ist; das Ziel der Sendung: die Apostel, in deren Seelen er auf neue Weise zugegen sein will; endlich das Verhältnis zwischen dem Sendenden und dem Gesandten: Gewöhnlich hat der Sendende eine Autorität über den Gesandten. Da aber in der hl. Dreifaltigkeit nichts größer und nichts kleiner ist, liegt der Grund, warum gerade der Hl. Geist gesendet wird, darin, dass er die göttliche Wesenheit vom Vater und Sohn empfängt, aber sendet auch, weil er mit dem Vater dem Hl. Geist die göttliche Wesenheit mitteilt. Da es sich um eine Wirksamkeit Gottes nach außen handelt, ist diese der ganzen hl. Dreifaltigkeit eigen und wird dem Hl. Geist nur zugeschrieben. - ('''34''') Die volle Kraft des Trostes konnte in den Jüngern nicht zur Geltung kommen, da sie die Worte des Herrn teils nicht verstanden, teils zweifelnd an denselben haften blieben. Deshalb befreit Jesus sie von aller Beängstigung, indem er sagt: Der Hl. Geist wird euch alles lehren (Chrys.), so dass alsdann kein Fragen mehr notwendig ist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh16|Joh 16,23]]'']. Die Lehre des Hl. Geistes enthält indes nichts, was Christus nicht selbst mittelbar bereits offenbart hätte. Ein besonderer Punkt des Lehramtes des Hl. Geistes ist, dass er die Jünger auch an alles erinnert, was Jesus gesagt. Dies gibt uns die Bürgschaft, dass alles wahr ist, was die Apostel über das Leben und die Lehre des Heilandes aufgezeichnet haben. - ('''35''') Die Wiederholung: „Frieden, meinen Frieden“ bekräftigt die Verheißung und macht auf den hohen Wert der Gabe aufmerksam. Friede ist Ruhe, welche aus der Ordnung entspringt. Die Apostel stehen zu Gott und den Menschen im rechten Verhältnisse; sie bekennen Gott als ihren Herrn, sich als Diener und Freunde, die Mitmenschen als Brüder, welche sie zu retten haben, die Geschöpfe als Mittel. Seinen Frieden nennt der Herr diesen Frieden, weil er allein ihn besitzt und geben kann im Gegensatze zur Welt. Mit dem Friedensgruße der Engel war Jesus in die Welt eingetreten [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk02|Lk 2,14]]''], mit dem Vermächtnisse des Friedens verlässt er dieselbe. Was der Herr gibt, ist nicht bloße Trost- oder Beruhigungsformel [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos43|1Mos 43,23]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Rich06|Rich 6,23]]''], sondern das Wort mit der Tat. - ('''36''') Die Welt wünscht nur den Frieden, gibt ihn aber nicht; sie gibt keinen dauernden Frieden, weil die Weltmenschen durch die hervorbrechenden Leidenschaften sich gegenseitig beunruhigen, keinen wahren Frieden, denn sie glaubt im Frieden zu sein, wenn ihre Wünsche erfüllt sind, wenn sie keine Abtötung zu üben, keine Verfolgung zu leiden braucht, während der wahre Friede aus der Selbstverleugnung, aus Kampf und Geduld entspringt. - ('''37''') Der Gedanke an den Heimgang des Herrn darf den Frieden nicht stören. Denken die Apostel an sich, so muss sie das Wort trösten: Ich komme zu euch. Denken sie an den Heiland, und dies fordert die vollkommene Liebe, welche sich selbst verleugnet [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh10|Joh 10,11]]''], so muss Freude an die Stelle des Schmerzes treten. - ('''38''') Der Vater ist größer als der Sohn im Stande seiner Erniedrigung, seiner hl. Menschheit nach ist. Diese soll nunmehr glorreich der höchsten Verherrlichung teilhaftig werden (Cyr., Athanas., Aug.). Einige Väter übertragen das Wort „größer als ich“ im uneigentlichen Sinne auf das Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit, sofern der Sohn vom Vater gezeugt wird, während der Vater Ursprung ohne Ursprung ist, d. h. von seiner göttlichen Person die Wesenheit mitgeteilt erhält (Athanas., Bas., Greg. Naz., Epiph., u. a.). - ('''39''') Diese Worte beziehen sich auf das Hingehen des Herrn, besonders wie er V. 28 verkündet hat. Satan naht dem Heilande feindlich, um zu sehen, ob er kein Recht über ihn geltend machen kann. Er steht an der Spitze der Feinde. - ('''40''') Zwar hat er kein Recht über mich [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh12|Joh 12,31]]''] aber ich lasse seine Gewalt über mich ergehen, damit die Menschen erkennen, dass ich den Vater liebe und aus Liebe gehorche. Zum Zeichen dieser Gesinnung erhebt er sich mit den Seinen. Da aber erst [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh18|Joh 18,1]]''] berichtet wird, dass Jesus hinausging (doch wohl aus dem Speisesaale), so sind die von 15 – 17 mitgeteilten Reden wohl auch noch im Speisesaale zu Jerusalem vom Herrn stehend gehalten worden. Viele angesehene Lehrer indes glauben, der Heiland sei jetzt wirklich fortgegangen und habe die übrigen Reden außerhalb der Stadt an einem einsamen Orte gehalten.  
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Kap. 14 ('''1''') Die Trauer der Jünger hat durch die Vorhersagung der Verleugnung des hl. Petrus zugenommen (Chrys., Cyr., Theod.). Banget nicht, denn ihr glaubet ja. Oder: Banget nicht, sondern vertraut. Ihr glaubt an Gott, der nicht irren noch euch täuschen kann, so glaubet auch an mich, da ich nur rede, was ich von Gott gehört. Die griech. Form des Zeitwortes wird von einigen Vätern auch in der ersten Satzhälfte als Befehl aufgefasst (Chrys., Cyr. v. Alex., Hil.). - ('''2''') Glaubet an mich, der ich euch sage, dass in meines Vaters Hause viele Wohnungen sind, also auch für euch. Der Heiland sagt nicht: Wohnungen für viele, sondern viele Wohnungen. Mit Recht schließen viele Väter daraus, dass die Seligkeit verschiedene Stufen hat. - ('''3''') Gäbe es im Himmel keine Stätte für euch und keine Wiedervereinigung, ich hätte euch auch diese schmerzliche Wahrheit mitgeteilt, damit ihr euch keine eitle Hoffnung machet. Also glaubet gewiss: Sehet ihr auch den Weg noch nicht, den Gott euch durch dieses Leben führen wird, er führt euch dennoch sicher in die Heimat. - ('''4''') Aber es ist keine eitle Hoffnung, denn ich gehe ja hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wendet also euren Blick auf den Himmel. Die Wohnungen sind von Ewigkeit her bestimmt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt25|Mt 25,34]]'']; der Heiland geht, den Eingang in den Himmel durch sein Leiden und die Himmelfahrt zu öffnen und die Teilnahme an der Seligkeit zu sichern. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,24]]''] - ('''5''') Der Herr kommt bei dem Tode jedes Einzelnen und kommt am Ende der Tage, wo die Gerechten auch dem Leibe nach im Himmel ihre Stätte finden. - ('''6''') Ihr wisset, dass ich von euch gehe und zwar auf dem Wege des schmerzlichen Todes, so beherzigt auch zu eurem Troste, wohin ich gehe: in den Himmel, zu dem auch euer Weg führt. - ('''7''') Der hl. Thomas hat in seiner Betrübnis das Wort „in meines Vaters Hause“ überhört. Ihm erscheint alles trüb und dunkel. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh11|Joh 11,16]]'']. Er weiß nicht, wohin der Herr geht, noch viel weniger kennt er den Weg, auf dem er ihm folgen soll. - ('''8''') Ich bin ja selbst der Weg zum Vater, zur Heimat; schließe dich an mich an in Glaube und Liebe, und du gelangst zum Himmel. Ich bin der Weg, weil ich die göttliche Wahrheit bin, die gekommen ist, jeden Menschen zu erleuchten und zum Vater zu führen; ich bin das göttliche Leben, welches das Leben der Gnade und der Herrlichkeit verleiht. Wie oft im Leben stellen auch wir die Frage: Wo will das hinaus? Wie soll das enden? Wir schauen nur auf den Weg, den Gott uns auf Erden führt und dieser scheint sich in´s Dunkle zu verlieren, bleiben wir in Glaube und Liebe mit Christus vereint, dann sind wir stets auf dem rechten Wege, denn Christus ist der Weg: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! - ('''9''') Das gemeinsame Ziel für mich und für euch ist der Vater. Ohne Weg kann man nicht gehen, ohne Wahrheit und Leben nicht zur Vereinigung mit Gott gelangen, der die Wahrheit und das Leben selber ist. Sofern nun der Herr sein Amt als Mittler durch die Kirche fortsetzt, ist auch diese der alleinige Weg, auf dem der Mensch das Heil erlangt. Mit Recht also heißt sie alleinseligmachend, denn außerhalb derselben ist so wenig Heil zu finden wie außer Christus. Wer also in keiner Weise, nicht einmal dem Verlangen nach, zur Kirche gehört, oder wer von derselben abfällt, muss des Heiles verlustig gehen. - ('''10''') Der Heiland antwortet auf den zweiten Teil der Frage des hl. Thomas: Wie können wir den Weg wissen? Antwort: Ihr konntet ihn nicht wissen, weil ihr mich, den wahren Weg, nicht vollkommen erkannt habt; doch wie derjenige, welcher den Weg kennt, zum Ziele gelangt, so kommt derjenige zur Erkenntnis des Vaters, der mich kennt. – ('''11''') Von dieser Stunde an kommt euch die rechte Erkenntnis, tiefer als je werdet ihr heute Abend mein Wesen schauen und damit den Vater. So helle Lichtstrahlen der Offenbarung wie an diesem Abende hat der Heiland den Aposteln noch nicht gespendet, so bereit dieselben aufzunehmen wie heute ist ihr Herz noch nie gewesen. Was heute in ihnen beginnt, wird die Auferstehung des Herrn und die Sendung des Heil. Geistes vollenden. – ('''12''') Ähnlich sprach einst Moses. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos33|2Mos 33,11.18]]''] Philippus wünscht, der Heiland soll durch ein Wunder den Himmel öffnen und die Apostel einen Blick tun lassen in seine Herrlichkeit. Wenn solches Licht in diese trübe Stunde fallen könnte, so sind wir zufrieden. - ('''13''') Im griech. Texte: Du hast mich noch nicht erkannt, Philippus. Da von einem Schauen der göttlichen Natur keine Rede sein kann, ist an ein Schauen zu denken, wie es im Erdenleben möglich ist. Es war aber den Aposteln einzig möglich, den Herrn in seiner heiligsten Menschheit und seinem Wirken zu sehen, woraus sie freilich auf die ihm innewohnende Gottheit schließen konnten. Der Sinn ist also: Ich und der Vater sind derart eines, dass es dasselbe ist, mich oder den Vater zu sehen, denn in nichts würde er anders handeln als ich, wäre er als Mensch unter euch erschienen. - ('''14''') Oder glaubst du das nicht, dass es genügt, mich zu sehen, um auch den Vater zu sehen? Da müsstest du zweifeln, dass ich und der Vater vollkommen eines sind durch dieselbe Natur und die gegenseitige Durchdringung. Sind wir also so eines, so denke, rede und tue ich nur das, was ich vom Vater überkommen empfange. - ('''15''') Griech.: Glaubet mir. - ('''16''') Eine Steigerung des Beweises. So sehr gibt mir der Vater durch die Werke Zeugnis, dass er nicht nur mich, sondern auch meine Gläubigen dieselben und noch größere vollbringen lassen wird. - ('''17''') Beim Vater werde ich erwirken, dass er euch diese Macht gebe. Oder: Ihr meine Nachfolger müsst solche Werke vollbringen, da ich nicht mehr sichtbar auf Erden wandeln werde. - ('''18''') Damit die Jünger Großes wirken können, müssen sie mit Jesus in Verbindung bleiben. Die Jünger werden ihre Gebete zu ihm emporsenden, er ihnen durch Erhörung und Erfüllung antworten. Aber was ist „im Namen Jesu bitten“? Der Name bedeutet die Person, sofern sie uns kund geworden. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,6.26]]''] ebenso [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh17|Joh 17,11]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh20|Joh 20,31]]''] u. a. Jesus ist uns kund geworden als Sohn Gottes und Erlöser, als Lehrer der Wahrheit und Beispiel der Tugend usw. „In seinem Namen“ beten heißt also: Im Vertrauen auf seine Würde, Verdienste, Liebe, und auch in seiner Gesinnung beten, denn auch in dieser ist er uns geoffenbart worden. Der Vater wird durch die Erhörung verherrlicht in  seiner Güte, aber durch den Sohn, weil eben das im Namen des Sohnes verrichtete Gebet sich so wirksam zeigt. - ('''19''') Der Heiland wiederholt die Verheißung und legt den Jüngern nahe, dass sie nach seiner Erhöhung ebenso zu ihm beten werden wie zu dem Vater. Bisher haben sie ihn gebeten, aber nicht zu ihm gebetet. - ('''20''') Nicht nur im Wirken werden die Jünger mit dem Herrn vereint bleiben, nicht nur seine Hilfe wird ihnen nahe sein, er selbst fügt einen neuen Trostgrund hinzu (V. 16): Die Sendung des Hl. Geistes. Damit sie aber sich auf seine Ankunft würdig vorbereiten, sollen sie Christus lieben und diese Liebe durch die Beobachtung seiner Vorschriften, insbesondere der heute gegebenen, beweisen (Thom.). - ('''21''') Als Gott sendet er den Hl. Geist selbst, als Mensch erfleht er ihn vom Vater, nachdem er durch sein Leiden die Sendung für uns verdient hat. - ('''22''') Der Hl. Geist wird anstatt des die Erde verlassenden Heilandes ein anderer Beistand und insofern Tröster sein, weil auch der Heiland selbst Beistand ist. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Joh02|1Joh 2,1]]'']. Der Hl. Geist ist Tröster, weil er in das volle Verständnis der Lehre Jesu einführt (V. 17), weil er den Jüngern in allen Gefahren beisteht [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt10|Mt 10,19ff]]''], weil er, in uns wohnend, uns heiligt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor06|1Kor 6,19]]''], uns zu Kindern Gottes macht und diese Gotteskindschaft bezeugt; endlich weil er uns verbürgt, dass wir das himmlische Erbe erlangen werden [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Eph01|Eph 1,14]]''], und so die Gläubigen ganz besonders tröstet und ermutigt [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Petr01|1Petr 1,3]]'']. Der Hl. Geist ist ein anderer Tröster, also ist er vom Sohne verschieden. Er wird vom Vater gesendet, also ist er auch vom Vater verschieden. Andererseits wird er hier und an anderen Orten als Gott gekennzeichnet. So sind also drei verschiedene göttliche Personen. - ('''23''') Der Hl. Geist wird den Aposteln und ihren Nachfolgern verheißen, jenen, welche der Heiland aussendet, alle Völker zu lehren, alles zu halten, was er ihnen befohlen. -[''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt28|Mt 28,20]]''] - ('''24''') Die im Argen liegende Welt kann den Hl. Geist nicht empfangen, weil ihr das geistige Auge fehlt, ihn zu schauen und die innere Empfänglichkeit, ihn aufzunehmen und an seinen Wirkungen zu erkennen. - ('''25''') Der Heiland will wiederkommen, vorübergehend nach der Auferstehung (Chrys.), für immer im Kommen des Hl. Geistes (Cyr.). - ('''26''') Der Heiland ist das Leben. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh05|Joh 5,26]]''] Darum geht ihm das Leben auch im Tode nicht verloren, sondern triumphiert über denselben, die menschliche Natur des Herrn zur Auferstehung und zum ewigen Leben bringend. Die Verheißung: „Ihr werdet leben“ kann sich unmöglich nur auf das natürliche Leben beziehen, denn dieses hat auch die Welt und doch „sieht“, d. i. erkennt sie weder Christus noch den Hl. Geist. Es ist also das übernatürliche, gotterleuchtete Leben zu verstehen. Mit dem Leben des Herrn ist das durch den Hl. Geist in den Jüngern begründete Leben eng verbunden. - ('''27''') In der Zeit, welche mit der Auferstehung beginnt und in der Sendung des Hl. Geistes ihren Höhepunkt findet, werdet ihr erkennen, dass ich mit dem Vater wesensgleich bin (V. 11), und zwischen mir und euch die engste Lebensgemeinschaft besteht. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh15|Joh 15,4.5]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh06|Joh 6,57]]'']. Wäre ich nicht mit dem lebendigen Gotte eines, so könnte ich nicht aus dem Tode zum Leben zurückkehren. Die zweite Wahrheit erkannten die Apostel besonders aus den wunderbaren Wirkungen, welche die Herabkunft des Hl. Geistes hervorbrachte: Christus wirkte durch den Hl. Geist in ihnen, sie zu seiner Ähnlichkeit umwandelnd. - ('''28''') Es wird vorangestellt, was von Seite des Menschen zu geschehen hat, damit der Lebensbund sich schließe. Dem Glauben muss sich Gehorsam und Liebe zugesellen. - ('''29''') Wer den Heiland liebt, wird vom Vater und von Christus geliebt, innere Offenbarungen Gottes werden ihm zu Teil. - ('''30''') Über Judas siehe [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk06|Lk 6,16]]'']. Nicht Iskariot: Dies Wort soll die Leser aufmerksam machen, dass der andere Judas (Thaddäus) gemeint ist. Er nahm den Ausdruck „Welt“ V. 17, V. 19 zu allgemein von allen Menschen, oder doch vom ganzen Volke, und wundert sich nun, dass der Welterlöser, vergl. -[''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh01|Joh 1,29]]''] sich nur einer kleinen Schar offenbarte. - ('''31''') Der Heiland antwortet nicht direkt, aber doch so, dass man die eigentliche Antwort herausfinden kann: Ich offenbare mich nur denen, die mich lieben und mein Wort halten, dies tun aber die Weltlichgesinnten nicht. Wie einst Gott im Tempel von Jerusalem, so will die hl. Dreifaltigkeit in höherem und innigerem Sinne in dem wohnen, der seine Seele durch Gehorsam und Liebe ihr zur Wohnung anbietet. Die äußere Offenbarung der Herrlichkeit ist für die Wiederkunft des Herrn aufbewahrt. - ('''32''') Ergänze: und zu dem werden wir nicht kommen. In dem Folgenden: „Und das Wort“ usw. liegt die Begründung des Nichtkommens! Ein solcher verachtet nicht Menschen-, sondern Gotteswort, so können also die göttlichen Personen nicht bei ihm einkehren. - ('''33''') Diese Stelle wird verschieden erklärt. Mit Rücksicht auf V. 16: „Ich will den Vater bitten“ ist als Sinn wohl dieser anzunehmen: Wegen meiner Verdienste und Bitten. Oder: Der Geist kommt im Namen Christi, weil er Christi Geist ist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Roem08|Roem 8,9]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal04|Gal 4,6]]''], wie der Sohn im Namen des Vaters kommt. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh05|Joh 5,44]]''], weil er der Sohn des Vaters ist (Thom.). So oft der Heiland in dieser Rede von dem Hl. Geist spricht, ebenso oft erwähnt er sich und den Vater. Jeder Sendung wesentlich ist der Ausgangspunkt: hier Gott der Vater und die gesandte Person: der Hl. Geist, der mithin als Person vom Vater unterschieden ist; das Ziel der Sendung: die Apostel, in deren Seelen er auf neue Weise zugegen sein will; endlich das Verhältnis zwischen dem Sendenden und dem Gesandten: Gewöhnlich hat der Sendende eine Autorität über den Gesandten. Da aber in der hl. Dreifaltigkeit nichts größer und nichts kleiner ist, liegt der Grund, warum gerade der Hl. Geist gesendet wird, darin, dass er die göttliche Wesenheit vom Vater und Sohn empfängt, aber sendet auch, weil er mit dem Vater dem Hl. Geist die göttliche Wesenheit mitteilt. Da es sich um eine Wirksamkeit Gottes nach außen handelt, ist diese der ganzen hl. Dreifaltigkeit eigen und wird dem Hl. Geist nur zugeschrieben. - ('''34''') Die volle Kraft des Trostes konnte in den Jüngern nicht zur Geltung kommen, da sie die Worte des Herrn teils nicht verstanden, teils zweifelnd an denselben haften blieben. Deshalb befreit Jesus sie von aller Beängstigung, indem er sagt: Der Hl. Geist wird euch alles lehren (Chrys.), so dass alsdann kein Fragen mehr notwendig ist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh16|Joh 16,23]]'']. Die Lehre des Hl. Geistes enthält indes nichts, was Christus nicht selbst mittelbar bereits offenbart hätte. Ein besonderer Punkt des Lehramtes des Hl. Geistes ist, dass er die Jünger auch an alles erinnert, was Jesus gesagt. Dies gibt uns die Bürgschaft, dass alles wahr ist, was die Apostel über das Leben und die Lehre des Heilandes aufgezeichnet haben. - ('''35''') Die Wiederholung: „Frieden, meinen Frieden“ bekräftigt die Verheißung und macht auf den hohen Wert der Gabe aufmerksam. Friede ist Ruhe, welche aus der Ordnung entspringt. Die Apostel stehen zu Gott und den Menschen im rechten Verhältnisse; sie bekennen Gott als ihren Herrn, sich als Diener und Freunde, die Mitmenschen als Brüder, welche sie zu retten haben, die Geschöpfe als Mittel. Seinen Frieden nennt der Herr diesen Frieden, weil er allein ihn besitzt und geben kann im Gegensatze zur Welt. Mit dem Friedensgruße der Engel war Jesus in die Welt eingetreten [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk02|Lk 2,14]]''], mit dem Vermächtnisse des Friedens verlässt er dieselbe. Was der Herr gibt, ist nicht bloße Trost- oder Beruhigungsformel [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos43|1Mos 43,23]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Rich06|Rich 6,23]]''], sondern das Wort mit der Tat. - ('''36''') Die Welt wünscht nur den Frieden, gibt ihn aber nicht; sie gibt keinen dauernden Frieden, weil die Weltmenschen durch die hervorbrechenden Leidenschaften sich gegenseitig beunruhigen, keinen wahren Frieden, denn sie glaubt im Frieden zu sein, wenn ihre Wünsche erfüllt sind, wenn sie keine Abtötung zu üben, keine Verfolgung zu leiden braucht, während der wahre Friede aus der Selbstverleugnung, aus Kampf und Geduld entspringt. - ('''37''') Der Gedanke an den Heimgang des Herrn darf den Frieden nicht stören. Denken die Apostel an sich, so muss sie das Wort trösten: Ich komme zu euch. Denken sie an den Heiland, und dies fordert die vollkommene Liebe, welche sich selbst verleugnet [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh10|Joh 10,11]]''], so muss Freude an die Stelle des Schmerzes treten. - ('''38''') Der Vater ist größer als der Sohn im Stande seiner Erniedrigung, seiner hl. Menschheit nach ist. Diese soll nunmehr glorreich der höchsten Verherrlichung teilhaftig werden (Cyr., Athanas., Aug.). Einige Väter übertragen das Wort „größer als ich“ im uneigentlichen Sinne auf das Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit, sofern der Sohn vom Vater gezeugt wird, während der Vater Ursprung ohne Ursprung ist, d. h. von seiner göttlichen Person die Wesenheit mitgeteilt erhält (Athanas., Bas., Greg. Naz., Epiph., u. a.). - ('''39''') Diese Worte beziehen sich auf das Hingehen des Herrn, besonders wie er V. 28 verkündet hat. Satan naht dem Heilande feindlich, um zu sehen, ob er kein Recht über ihn geltend machen kann. Er steht an der Spitze der Feinde. - ('''40''') Zwar hat er kein Recht über mich [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh12|Joh 12,31]]''] aber ich lasse seine Gewalt über mich ergehen, damit die Menschen erkennen, dass ich den Vater liebe und aus Liebe gehorche. Zum Zeichen dieser Gesinnung erhebt er sich mit den Seinen. Da aber erst [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh18|Joh 18,1]]''] berichtet wird, dass Jesus hinausging (doch wohl aus dem Speisesaale), so sind die von 15 – 17 mitgeteilten Reden wohl auch noch im Speisesaale zu Jerusalem vom Herrn stehend gehalten worden. Viele angesehene Lehrer indes glauben, der Heiland sei jetzt wirklich fortgegangen und habe die übrigen Reden außerhalb der Stadt an einem einsamen Orte gehalten.  
 
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Aktuelle Version vom 15. August 2019, 14:54 Uhr

Sanctum Jesu Christi Evangelium secundum Joannem

Das heilige Evangelium Jesu Christi nach Johannes - Kap. 14

2. Des Herrn Trost (K. 14): Verheißung der Wiederkehr des Heilandes (V. 3), Stärkung der Jünger im Glauben an seine Wesensgleichheit mit dem Vater, welche er durch seine Werke offenbart hat und die Gläubigen durch noch größere Werke offenbaren werden. (V. 12) Verheißung der Kraft von oben, der Sendung des hl Geistes und der Wiedervereinigung mit Jesus (V. 24).

1. Non turbetur cor vestrum. Creditis in Deum, et in me credite.
2. In domo Patris mei mansiones multæ sunt. Si quo minus dixissem vobis: Quia vado parare vobis locum.

3. Et si abiero, et præparavero vobis locum: iterum venio, et accipiam vos ad meipsum, ut ubi sum ego, et vos sitis.
4. Et quo ego vado scitis, et viam scitis.
5. Dicit ei Thomas: Domine, nescimus quo vadis: et quomodo possumus viam scire?
6. Dicit ei Jesus: Ego sum via, et veritas, et vita: nemo venit ad Patrem, nisi per me.
7. Si cognovissetis me, et Patrem meum utique cognovissetis: et amodo cognoscetis eum, et vidistis eum.

8. Dicit ei Philippus: Domine, ostende nobis Patrem, et sufficit nobis.
9. Dicit ei Jesus: Tanto tempore vobiscum sum: et non cognovistis me? Philippe, qui videt me, videt et Patrem. Quomodo tu dicis: Ostende nobis Patrem?

10. Non creditis quia ego in Patre, et Pater in me est? Verba, quæ ego loquor vobis, a me ipos non loquor. Pater autem in me manens, ipse facit opera.
11. Non creditis quia ego in Patre, et Pater in me est?
12. Alioquin propter opera ipsa credite. Amen, amen dico vobis, qui credit in me, opera quæ ego facio, et ipse faciet, et majora horum faciet: quia ego ad Patrem vado.

13. Et quodcumque petieritis Patrem in nomine meo, hoc faciam: ut glorificetur Pater in Filio.


14. Si quid petieritis me in nomine meo, hoc faciam.
15. Si diligitis me: mandata mea servate.
16. Et ego rogabo Patrem, et alium Paraclitum dabit vobis, ut maneat vobiscum in æternum,
17. Spiritum veritatis, quem mundus non potest accipere, quia non videt eum, nec scit eum: vos autem cognoscetis eum: quia apud vos manebit, et in vobis erit.
18. Non relinquam vos orphanos: veniam ad vos.
19. Adhuc modicum: et mundus me jam non videt. Vos autem videtis me: quia ego vivo, et vos vivetis.
20. In illo die vos cognoscetis quia ego sum in Patre meo, et vos in me, et ego in vobis.
21. Qui habet mandata mea, servat ea: ille est, qui diligit me. Qui autem diligit me, diligetur a Patre meo: et ego diligam eum, et manifestabo ei meipsum.
22. Dicit ei Judas, non ille Iscariotes: Domine, quid factum est, quia manifestaturus es nobis teipsum, et non mundo?
23. Respondit Jesus, et dixit ei: Si quis diligit me, sermonem meum servabit, et Pater meus diligit me, sermonem meum servabit, et Pater meus diliget eum, et ad eum veniemus, et mansionem apud eum faciemus:
24. Qui non diligit me, sermones meos non servat. Et sermonem, quem audistis, non est meus: sed ejus, qui misit me, Patris.
25. Hæc locutus sum vobis apud vos manens.
26. Paraclitus autem Spiritus sanctus, quem mittet Pater in nomine meo, ille vos docebit omnia, et suggeret vobis omnia, quæcumque dixero vobis.

27. Pacem relinquo vobis, pacem meam do vobis: non quomodo mundus dat, ego do vobis. Non turbetur cor vestrum, neque formidet.
28. Audistis quia ego dixi vobis: Vado, et venio ad vos. Si diligeretis me, gauderetis utique, quia vado ad Patrem: quia Pater major me est.

29. Et nunc dixi vobis priusquam fiat: ut cum factum fuerit, credatis.

30. Jam non multa loquar vobiscum: venit enim princeps mundi hujus, et in me non habet quidquam.
31. Sed ut cognoscat mundus quia diligo Patrem, et sicut mandatum dedit mihi Pater, sic facio. Surgite, eamus hinc.

1. Euer Herz bange nicht! Ihr glaubet an Gott; glaubet auch an mich!1
2. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.2 Wenn es nicht so wäre, so hätte ich es euch gesagt;3 denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten.4
3. Und wenn ich hingegangen bin, und euch eine Stätte bereitet habe, so komme ich wieder,5 und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seiet, wo ich bin.
4. Wohin ich gehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch.6
5. Da sprach Thomas zu ihm: Herr! wir wissen nicht, wohin du gehst; und wie können wir den Weg wissen?7
6. Jesus sprach zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.8 Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.9
7. Wenn ihr mich erkannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben;10 aber von nun an werdet ihr ihn erkennen, und ihr habt ihn gesehen.11
8. Philippus sprach zu ihm: Herr! zeige uns den Vater, und es genügt uns.12
9. Jesus sprach zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und ihr habt mich noch nicht erkannt? Philippus! wer mich sieht, sieht auch den Vater. Wie kannst du sagen: Zeige uns den Vater?13
10. Glaubet ihr nicht, dass ich im Vater bin, und der Vater in mir ist? Die Worte, welche ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, er tut die Werke.14
11. Glaubet ihr nicht,15 dass ich im Vater bin, und der Vater in mir ist?
12. Wo nicht, da glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue, auch tun, und noch größere, als diese tun;16 denn ich gehe zum Vater!17
13. Und um was immer ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater in dem Sohne verherrlicht werde.18 [Mt 7,7, Mt 21,22, Mk 11,24, Joh 16,23]
14. Wenn ihr mich um etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.19
15. Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote.20
16. Und ich werde den Vater bitten,21 und er wird euch einen anderen Tröster22 geben, damit er bei euch bleibe23 in Ewigkeit,
17. den Geist der Wahrheit, welchen die Welt24 nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, und ihn nicht kennt. Ihr aber werdet ihn kennen; denn er wird bei euch bleiben, und in euch sein.
18. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen; ich werde zu euch kommen.25
19. Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber werdet mich sehen, weil ich lebe, und ihr leben werdet.26
20. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch.27
21. Wer meine Gebote hat, und sie hält, der ist es, der mich liebt.28 Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben, und mich selbst ihm offenbaren.29
22. Da sprach Judas, nicht der Iskariot, zu ihm: Herr! was ist geschehen, dass du dich uns offenbaren willst,30 und nicht der Welt?
23. Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er meine Lehre halten, und mein Vater wird ihn lieben; und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm nehmen.31
24. Wer mich nicht liebt, der hält meine Lehre nicht;32 und die Lehre, welche ihr gehört habet, ist nicht meine, sondern dessen, der mich gesandt hat, des Vaters.
25. Dieses habe ich euch gesagt, da ich noch bei euch weile.
26. Der Tröster aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen,33 er wird euch alles lehren,34 und euch alles in Erinnerung bringen, was immer ich euch gesagt habe.
27. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch;35 nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.36 Euer Herz beunruhige sich nicht, und zage nicht!
28. Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch ja freuen, dass ich zum Vater hingehe;37 denn der Vater ist größer als ich.38
29. Auch jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubet, wenn es geschehen ist.
30. Nicht mehr vieles werde ich mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt,39 und an mir hat er keinen Teil.40
31. Aber damit die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe, und wie mir der Vater aufgetragen hat, also tue: Stehet auf, lasset uns von hinnen gehen!


Fußnote

Kap. 14 (1) Die Trauer der Jünger hat durch die Vorhersagung der Verleugnung des hl. Petrus zugenommen (Chrys., Cyr., Theod.). Banget nicht, denn ihr glaubet ja. Oder: Banget nicht, sondern vertraut. Ihr glaubt an Gott, der nicht irren noch euch täuschen kann, so glaubet auch an mich, da ich nur rede, was ich von Gott gehört. Die griech. Form des Zeitwortes wird von einigen Vätern auch in der ersten Satzhälfte als Befehl aufgefasst (Chrys., Cyr. v. Alex., Hil.). - (2) Glaubet an mich, der ich euch sage, dass in meines Vaters Hause viele Wohnungen sind, also auch für euch. Der Heiland sagt nicht: Wohnungen für viele, sondern viele Wohnungen. Mit Recht schließen viele Väter daraus, dass die Seligkeit verschiedene Stufen hat. - (3) Gäbe es im Himmel keine Stätte für euch und keine Wiedervereinigung, ich hätte euch auch diese schmerzliche Wahrheit mitgeteilt, damit ihr euch keine eitle Hoffnung machet. Also glaubet gewiss: Sehet ihr auch den Weg noch nicht, den Gott euch durch dieses Leben führen wird, er führt euch dennoch sicher in die Heimat. - (4) Aber es ist keine eitle Hoffnung, denn ich gehe ja hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wendet also euren Blick auf den Himmel. Die Wohnungen sind von Ewigkeit her bestimmt [Mt 25,34]; der Heiland geht, den Eingang in den Himmel durch sein Leiden und die Himmelfahrt zu öffnen und die Teilnahme an der Seligkeit zu sichern. [Joh 17,24] - (5) Der Herr kommt bei dem Tode jedes Einzelnen und kommt am Ende der Tage, wo die Gerechten auch dem Leibe nach im Himmel ihre Stätte finden. - (6) Ihr wisset, dass ich von euch gehe und zwar auf dem Wege des schmerzlichen Todes, so beherzigt auch zu eurem Troste, wohin ich gehe: in den Himmel, zu dem auch euer Weg führt. - (7) Der hl. Thomas hat in seiner Betrübnis das Wort „in meines Vaters Hause“ überhört. Ihm erscheint alles trüb und dunkel. Vergl. [Joh 11,16]. Er weiß nicht, wohin der Herr geht, noch viel weniger kennt er den Weg, auf dem er ihm folgen soll. - (8) Ich bin ja selbst der Weg zum Vater, zur Heimat; schließe dich an mich an in Glaube und Liebe, und du gelangst zum Himmel. Ich bin der Weg, weil ich die göttliche Wahrheit bin, die gekommen ist, jeden Menschen zu erleuchten und zum Vater zu führen; ich bin das göttliche Leben, welches das Leben der Gnade und der Herrlichkeit verleiht. Wie oft im Leben stellen auch wir die Frage: Wo will das hinaus? Wie soll das enden? Wir schauen nur auf den Weg, den Gott uns auf Erden führt und dieser scheint sich in´s Dunkle zu verlieren, bleiben wir in Glaube und Liebe mit Christus vereint, dann sind wir stets auf dem rechten Wege, denn Christus ist der Weg: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! - (9) Das gemeinsame Ziel für mich und für euch ist der Vater. Ohne Weg kann man nicht gehen, ohne Wahrheit und Leben nicht zur Vereinigung mit Gott gelangen, der die Wahrheit und das Leben selber ist. Sofern nun der Herr sein Amt als Mittler durch die Kirche fortsetzt, ist auch diese der alleinige Weg, auf dem der Mensch das Heil erlangt. Mit Recht also heißt sie alleinseligmachend, denn außerhalb derselben ist so wenig Heil zu finden wie außer Christus. Wer also in keiner Weise, nicht einmal dem Verlangen nach, zur Kirche gehört, oder wer von derselben abfällt, muss des Heiles verlustig gehen. - (10) Der Heiland antwortet auf den zweiten Teil der Frage des hl. Thomas: Wie können wir den Weg wissen? Antwort: Ihr konntet ihn nicht wissen, weil ihr mich, den wahren Weg, nicht vollkommen erkannt habt; doch wie derjenige, welcher den Weg kennt, zum Ziele gelangt, so kommt derjenige zur Erkenntnis des Vaters, der mich kennt. – (11) Von dieser Stunde an kommt euch die rechte Erkenntnis, tiefer als je werdet ihr heute Abend mein Wesen schauen und damit den Vater. So helle Lichtstrahlen der Offenbarung wie an diesem Abende hat der Heiland den Aposteln noch nicht gespendet, so bereit dieselben aufzunehmen wie heute ist ihr Herz noch nie gewesen. Was heute in ihnen beginnt, wird die Auferstehung des Herrn und die Sendung des Heil. Geistes vollenden. – (12) Ähnlich sprach einst Moses. [2Mos 33,11.18] Philippus wünscht, der Heiland soll durch ein Wunder den Himmel öffnen und die Apostel einen Blick tun lassen in seine Herrlichkeit. Wenn solches Licht in diese trübe Stunde fallen könnte, so sind wir zufrieden. - (13) Im griech. Texte: Du hast mich noch nicht erkannt, Philippus. Da von einem Schauen der göttlichen Natur keine Rede sein kann, ist an ein Schauen zu denken, wie es im Erdenleben möglich ist. Es war aber den Aposteln einzig möglich, den Herrn in seiner heiligsten Menschheit und seinem Wirken zu sehen, woraus sie freilich auf die ihm innewohnende Gottheit schließen konnten. Der Sinn ist also: Ich und der Vater sind derart eines, dass es dasselbe ist, mich oder den Vater zu sehen, denn in nichts würde er anders handeln als ich, wäre er als Mensch unter euch erschienen. - (14) Oder glaubst du das nicht, dass es genügt, mich zu sehen, um auch den Vater zu sehen? Da müsstest du zweifeln, dass ich und der Vater vollkommen eines sind durch dieselbe Natur und die gegenseitige Durchdringung. Sind wir also so eines, so denke, rede und tue ich nur das, was ich vom Vater überkommen empfange. - (15) Griech.: Glaubet mir. - (16) Eine Steigerung des Beweises. So sehr gibt mir der Vater durch die Werke Zeugnis, dass er nicht nur mich, sondern auch meine Gläubigen dieselben und noch größere vollbringen lassen wird. - (17) Beim Vater werde ich erwirken, dass er euch diese Macht gebe. Oder: Ihr meine Nachfolger müsst solche Werke vollbringen, da ich nicht mehr sichtbar auf Erden wandeln werde. - (18) Damit die Jünger Großes wirken können, müssen sie mit Jesus in Verbindung bleiben. Die Jünger werden ihre Gebete zu ihm emporsenden, er ihnen durch Erhörung und Erfüllung antworten. Aber was ist „im Namen Jesu bitten“? Der Name bedeutet die Person, sofern sie uns kund geworden. Vergl. [Joh 17,6.26] ebenso [Joh 17,11, Joh 20,31] u. a. Jesus ist uns kund geworden als Sohn Gottes und Erlöser, als Lehrer der Wahrheit und Beispiel der Tugend usw. „In seinem Namen“ beten heißt also: Im Vertrauen auf seine Würde, Verdienste, Liebe, und auch in seiner Gesinnung beten, denn auch in dieser ist er uns geoffenbart worden. Der Vater wird durch die Erhörung verherrlicht in seiner Güte, aber durch den Sohn, weil eben das im Namen des Sohnes verrichtete Gebet sich so wirksam zeigt. - (19) Der Heiland wiederholt die Verheißung und legt den Jüngern nahe, dass sie nach seiner Erhöhung ebenso zu ihm beten werden wie zu dem Vater. Bisher haben sie ihn gebeten, aber nicht zu ihm gebetet. - (20) Nicht nur im Wirken werden die Jünger mit dem Herrn vereint bleiben, nicht nur seine Hilfe wird ihnen nahe sein, er selbst fügt einen neuen Trostgrund hinzu (V. 16): Die Sendung des Hl. Geistes. Damit sie aber sich auf seine Ankunft würdig vorbereiten, sollen sie Christus lieben und diese Liebe durch die Beobachtung seiner Vorschriften, insbesondere der heute gegebenen, beweisen (Thom.). - (21) Als Gott sendet er den Hl. Geist selbst, als Mensch erfleht er ihn vom Vater, nachdem er durch sein Leiden die Sendung für uns verdient hat. - (22) Der Hl. Geist wird anstatt des die Erde verlassenden Heilandes ein anderer Beistand und insofern Tröster sein, weil auch der Heiland selbst Beistand ist. [1Joh 2,1]. Der Hl. Geist ist Tröster, weil er in das volle Verständnis der Lehre Jesu einführt (V. 17), weil er den Jüngern in allen Gefahren beisteht [Mt 10,19ff], weil er, in uns wohnend, uns heiligt [1Kor 6,19], uns zu Kindern Gottes macht und diese Gotteskindschaft bezeugt; endlich weil er uns verbürgt, dass wir das himmlische Erbe erlangen werden [Eph 1,14], und so die Gläubigen ganz besonders tröstet und ermutigt [1Petr 1,3]. Der Hl. Geist ist ein anderer Tröster, also ist er vom Sohne verschieden. Er wird vom Vater gesendet, also ist er auch vom Vater verschieden. Andererseits wird er hier und an anderen Orten als Gott gekennzeichnet. So sind also drei verschiedene göttliche Personen. - (23) Der Hl. Geist wird den Aposteln und ihren Nachfolgern verheißen, jenen, welche der Heiland aussendet, alle Völker zu lehren, alles zu halten, was er ihnen befohlen. -[Mt 28,20] - (24) Die im Argen liegende Welt kann den Hl. Geist nicht empfangen, weil ihr das geistige Auge fehlt, ihn zu schauen und die innere Empfänglichkeit, ihn aufzunehmen und an seinen Wirkungen zu erkennen. - (25) Der Heiland will wiederkommen, vorübergehend nach der Auferstehung (Chrys.), für immer im Kommen des Hl. Geistes (Cyr.). - (26) Der Heiland ist das Leben. [Joh 5,26] Darum geht ihm das Leben auch im Tode nicht verloren, sondern triumphiert über denselben, die menschliche Natur des Herrn zur Auferstehung und zum ewigen Leben bringend. Die Verheißung: „Ihr werdet leben“ kann sich unmöglich nur auf das natürliche Leben beziehen, denn dieses hat auch die Welt und doch „sieht“, d. i. erkennt sie weder Christus noch den Hl. Geist. Es ist also das übernatürliche, gotterleuchtete Leben zu verstehen. Mit dem Leben des Herrn ist das durch den Hl. Geist in den Jüngern begründete Leben eng verbunden. - (27) In der Zeit, welche mit der Auferstehung beginnt und in der Sendung des Hl. Geistes ihren Höhepunkt findet, werdet ihr erkennen, dass ich mit dem Vater wesensgleich bin (V. 11), und zwischen mir und euch die engste Lebensgemeinschaft besteht. Vergl. [Joh 15,4.5, Joh 6,57]. Wäre ich nicht mit dem lebendigen Gotte eines, so könnte ich nicht aus dem Tode zum Leben zurückkehren. Die zweite Wahrheit erkannten die Apostel besonders aus den wunderbaren Wirkungen, welche die Herabkunft des Hl. Geistes hervorbrachte: Christus wirkte durch den Hl. Geist in ihnen, sie zu seiner Ähnlichkeit umwandelnd. - (28) Es wird vorangestellt, was von Seite des Menschen zu geschehen hat, damit der Lebensbund sich schließe. Dem Glauben muss sich Gehorsam und Liebe zugesellen. - (29) Wer den Heiland liebt, wird vom Vater und von Christus geliebt, innere Offenbarungen Gottes werden ihm zu Teil. - (30) Über Judas siehe [Lk 6,16]. Nicht Iskariot: Dies Wort soll die Leser aufmerksam machen, dass der andere Judas (Thaddäus) gemeint ist. Er nahm den Ausdruck „Welt“ V. 17, V. 19 zu allgemein von allen Menschen, oder doch vom ganzen Volke, und wundert sich nun, dass der Welterlöser, vergl. -[Joh 1,29] sich nur einer kleinen Schar offenbarte. - (31) Der Heiland antwortet nicht direkt, aber doch so, dass man die eigentliche Antwort herausfinden kann: Ich offenbare mich nur denen, die mich lieben und mein Wort halten, dies tun aber die Weltlichgesinnten nicht. Wie einst Gott im Tempel von Jerusalem, so will die hl. Dreifaltigkeit in höherem und innigerem Sinne in dem wohnen, der seine Seele durch Gehorsam und Liebe ihr zur Wohnung anbietet. Die äußere Offenbarung der Herrlichkeit ist für die Wiederkunft des Herrn aufbewahrt. - (32) Ergänze: und zu dem werden wir nicht kommen. In dem Folgenden: „Und das Wort“ usw. liegt die Begründung des Nichtkommens! Ein solcher verachtet nicht Menschen-, sondern Gotteswort, so können also die göttlichen Personen nicht bei ihm einkehren. - (33) Diese Stelle wird verschieden erklärt. Mit Rücksicht auf V. 16: „Ich will den Vater bitten“ ist als Sinn wohl dieser anzunehmen: Wegen meiner Verdienste und Bitten. Oder: Der Geist kommt im Namen Christi, weil er Christi Geist ist [Roem 8,9, Gal 4,6], wie der Sohn im Namen des Vaters kommt. [Joh 5,44], weil er der Sohn des Vaters ist (Thom.). So oft der Heiland in dieser Rede von dem Hl. Geist spricht, ebenso oft erwähnt er sich und den Vater. Jeder Sendung wesentlich ist der Ausgangspunkt: hier Gott der Vater und die gesandte Person: der Hl. Geist, der mithin als Person vom Vater unterschieden ist; das Ziel der Sendung: die Apostel, in deren Seelen er auf neue Weise zugegen sein will; endlich das Verhältnis zwischen dem Sendenden und dem Gesandten: Gewöhnlich hat der Sendende eine Autorität über den Gesandten. Da aber in der hl. Dreifaltigkeit nichts größer und nichts kleiner ist, liegt der Grund, warum gerade der Hl. Geist gesendet wird, darin, dass er die göttliche Wesenheit vom Vater und Sohn empfängt, aber sendet auch, weil er mit dem Vater dem Hl. Geist die göttliche Wesenheit mitteilt. Da es sich um eine Wirksamkeit Gottes nach außen handelt, ist diese der ganzen hl. Dreifaltigkeit eigen und wird dem Hl. Geist nur zugeschrieben. - (34) Die volle Kraft des Trostes konnte in den Jüngern nicht zur Geltung kommen, da sie die Worte des Herrn teils nicht verstanden, teils zweifelnd an denselben haften blieben. Deshalb befreit Jesus sie von aller Beängstigung, indem er sagt: Der Hl. Geist wird euch alles lehren (Chrys.), so dass alsdann kein Fragen mehr notwendig ist [Joh 16,23]. Die Lehre des Hl. Geistes enthält indes nichts, was Christus nicht selbst mittelbar bereits offenbart hätte. Ein besonderer Punkt des Lehramtes des Hl. Geistes ist, dass er die Jünger auch an alles erinnert, was Jesus gesagt. Dies gibt uns die Bürgschaft, dass alles wahr ist, was die Apostel über das Leben und die Lehre des Heilandes aufgezeichnet haben. - (35) Die Wiederholung: „Frieden, meinen Frieden“ bekräftigt die Verheißung und macht auf den hohen Wert der Gabe aufmerksam. Friede ist Ruhe, welche aus der Ordnung entspringt. Die Apostel stehen zu Gott und den Menschen im rechten Verhältnisse; sie bekennen Gott als ihren Herrn, sich als Diener und Freunde, die Mitmenschen als Brüder, welche sie zu retten haben, die Geschöpfe als Mittel. Seinen Frieden nennt der Herr diesen Frieden, weil er allein ihn besitzt und geben kann im Gegensatze zur Welt. Mit dem Friedensgruße der Engel war Jesus in die Welt eingetreten [Lk 2,14], mit dem Vermächtnisse des Friedens verlässt er dieselbe. Was der Herr gibt, ist nicht bloße Trost- oder Beruhigungsformel [1Mos 43,23, Rich 6,23], sondern das Wort mit der Tat. - (36) Die Welt wünscht nur den Frieden, gibt ihn aber nicht; sie gibt keinen dauernden Frieden, weil die Weltmenschen durch die hervorbrechenden Leidenschaften sich gegenseitig beunruhigen, keinen wahren Frieden, denn sie glaubt im Frieden zu sein, wenn ihre Wünsche erfüllt sind, wenn sie keine Abtötung zu üben, keine Verfolgung zu leiden braucht, während der wahre Friede aus der Selbstverleugnung, aus Kampf und Geduld entspringt. - (37) Der Gedanke an den Heimgang des Herrn darf den Frieden nicht stören. Denken die Apostel an sich, so muss sie das Wort trösten: Ich komme zu euch. Denken sie an den Heiland, und dies fordert die vollkommene Liebe, welche sich selbst verleugnet [Joh 10,11], so muss Freude an die Stelle des Schmerzes treten. - (38) Der Vater ist größer als der Sohn im Stande seiner Erniedrigung, seiner hl. Menschheit nach ist. Diese soll nunmehr glorreich der höchsten Verherrlichung teilhaftig werden (Cyr., Athanas., Aug.). Einige Väter übertragen das Wort „größer als ich“ im uneigentlichen Sinne auf das Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit, sofern der Sohn vom Vater gezeugt wird, während der Vater Ursprung ohne Ursprung ist, d. h. von seiner göttlichen Person die Wesenheit mitgeteilt erhält (Athanas., Bas., Greg. Naz., Epiph., u. a.). - (39) Diese Worte beziehen sich auf das Hingehen des Herrn, besonders wie er V. 28 verkündet hat. Satan naht dem Heilande feindlich, um zu sehen, ob er kein Recht über ihn geltend machen kann. Er steht an der Spitze der Feinde. - (40) Zwar hat er kein Recht über mich [Joh 12,31] aber ich lasse seine Gewalt über mich ergehen, damit die Menschen erkennen, dass ich den Vater liebe und aus Liebe gehorche. Zum Zeichen dieser Gesinnung erhebt er sich mit den Seinen. Da aber erst [Joh 18,1] berichtet wird, dass Jesus hinausging (doch wohl aus dem Speisesaale), so sind die von 15 – 17 mitgeteilten Reden wohl auch noch im Speisesaale zu Jerusalem vom Herrn stehend gehalten worden. Viele angesehene Lehrer indes glauben, der Heiland sei jetzt wirklich fortgegangen und habe die übrigen Reden außerhalb der Stadt an einem einsamen Orte gehalten. - Weitere Kapitel: 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |

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