Kategorie:Das goldene Buch:Weihe-1

Aus Vulgata
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Erster Zeitabschnitt


Zwölf Tage, um sich vom Geist der Welt zu befreien. Tägliche Gebete: Komm Schöpfer Geist und Ave maris stella Lesung und Betrachtung der angegebenen Texte


1. Tag – Aufruf zur Nachfolge Christi

Unser Herr Jesus Christus ruft uns. Die Ganzhingabe an ihn durch Maria ist der beste und sicherste Weg, um ihm nachzufolgen. Betrachte: Goldenes Buch: Die vier Kennzeichen (Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes / 6.) Heilige Schrift: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und so folge er mir! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei seine Seele verliert? Denn der Menschensohn wird kommen mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters und dann einem jeden vergelten nach seinen Werken.“ (Mt 16,14-27) Nachfolge Christi – Buch I, Kapitel 1:


Von der Nachfolge Christi und von der Verachtung aller Eitelkeiten der Welt.
1. Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis, sagt der Herr. Dies sind Worte Christi, durch welche wir erinnert werden, Ihm in Seinem Leben und in Seinem Wandel nachzufolgen, wenn wir verlangen, wahrhaft erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens befreit zu werden. Wir müssen also allen Fleiß anwenden, das Leben Jesu Christi zu betrachten.
2. Die Lehre Jesu Christi übertrifft alle Lehren der Heiligen; und wer den wahren Geist hätte, der würde da ein verborgenes Himmelsbrot finden. Es geschieht aber, dass viele auch aus der öfteren Anhörung des Evangeliums eine geringe Begierde nach demselben in sich empfinden, weil sie den Geist Christi nicht haben. Wer aber die Worte Christi vollkommen verstehen und einen Geschmack darin finden will muss sich befleißen, sein ganzes Leben nach dem Leben Jesu Christi einzurichten.
3. Was nützt es dir, dass du von der Dreieinigkeit Gottes hohe Dinge vorzubringen weißt, wenn es dir dabei an Demut mangelt und du deswegen dem lieben Gott missfällst? In der Tat, die hohen Worte machen weder heilig, noch gerecht; nur durch ein tugendhaftes Leben wird man Gott angenehm. Lieber ist mir, Zerknirschung des Herzens empfinden, als ihre Beschreibung wissen. Wenn du die ganze Heilige Schrift auswendig wüsstest, und wenn dir die Sprüche aller Weltweisen bekannt wären, was würde dir dieses alles ohne die Liebe Gottes und ohne die Gnade nützen? Eitelkeit über Eitelkeit, und alles ist Eitelkeit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen. Die höchste Weisheit besteht darin, dass man die Welt verachtet und nach dem Himmel strebt.
4. Es ist also Eitelkeit, wenn man vergängliche Reichtümer sucht und auf diese seine Hoffnung setzt. Es ist Eitelkeit, wenn man nach Ehren strebt und sich zu einem hohen Stande zu erschwingen trachtet. Es ist Eitelkeit, wenn man den Begierden des Fleisches folgt und ein Verlangen nach jenen Dingen trägt, welche schwere Strafen nach sich ziehen. Es ist Eitelkeit, wenn man ein langes Leben wünscht, aber nicht daran denkt, gut zu leben. Es ist Eitelkeit, wenn man nur auf das gegenwärtige Leben acht gibt und nicht für das zukünftige sorgt. Es ist Eitelkeit, wenn man Dinge liebt, welche schnell vorübergehen, und nicht dahin eilt, wo die Freude ewig dauert.
5. Denke oft an jenen Ausspruch: „Das Auge wird nicht satt vom Sehen und das Ohr nicht satt vom Hören.“ Befleiße dich also, dein Herz von der Liebe sichtbarer Dinge abzuziehen und dich an das Unsichtbare zu gewöhnen; denn jene, welche ihrer Sinnlichkeit folgen, verunreinigen ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes. Gebet O Maria, lehre mich, deinen göttlichen Sohn zu erkennen und ihm treu nachzufolgen.


2. Tag – Die beiden Parteien

Wir müssen uns entscheiden entweder für das Heerlager Jesu Christi oder für das Lager Luzifers. Es gibt keine dritte Möglichkeit. Betrachte: Goldenes Buch: Die beiden Parteien (Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes / 4.) Heilige Schrift:
„Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24) „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ (Mt 12,30) „Die Werke des Fleisches sind: Unzucht, Unkeuschheit, Schamlosigkeit, Wollust, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zwietracht, Spaltungen, Parteiungen, Mord, Trunksucht, Schwelgerei und dergleichen. Die solches treiben, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Früchte des Geistes aber sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit. Die Jesus angehören, haben ihr Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden ans Kreuz geschlagen.“ (Gal 5,19-24) Nachfolge Christi – Buch II, Kapitel 11:


Von der kleinen Zahl der Liebhaber des Kreuzes Jesu Christi.
1. Jesus hat jetzt viele, welche Sein himmlisches Reich lieben, aber wenige, welche Sein Kreuz tragen. Er hat viele, welche Trost verlangen, aber wenige, welche Trübsal leiden wollen. Er findet viele, die sich Ihm bei Tische zugesellen, aber wenige, die mit Ihm fasten. Alle verlangen, sich mit Ihm zu erfreuen, nur wenige wollen für Ihn etwas leiden. Viele folgen Jesus bis zur Brechung des Brotes, aber wenige trinken mit Ihm den Kelch des Leidens. Viele verehren Seine Wunden, wenige folgen Ihm bis zur Schmach des Kreuzes nach. Viele lieben Jesus, solange sie keine Widerwärtigkeit zu ertragen haben. Viele loben und preisen Ihn, solange sie von Ihm Trost empfangen. Wenn sich aber Jesus verbirgt und sie einen Augenblick verlässt, so fangen sie an zu klagen oder fallen in die größte Kleinmütigkeit. 2. Die Jesus um Jesu willen lieben und nicht wegen ihres eigenen Trostes, diese preisen Ihn in allen Trübsalen und Bedrängnissen ihres Herzens ebenso wie in den Stunden der höchsten Tröstung. Und wenn Er ihnen auch nie Trost geben würde, so würden sie Ihn doch immer loben und Ihm danken. 3. O wie viel vermag die reine Liebe zu Jesus, die von allem Eigennutz und von aller Eigenliebe frei ist! Muss man nicht alle die für Mietlinge halten, welche beständig nach Tröstungen trachten? Ist es nicht offenbar, dass die mehr sich selbst, als Jesus lieben, welche immer nur ihren eigenen Vorteil und Gewinn suchen? Wo wird man wohl einen Menschen finden, welcher bereit wäre, Gott ohne allen Lohn zu dienen? 4. Selten findet man einen Menschen, der im geistlichen Leben so weit gekommen ist, dass er sich von allem losgemacht hat. Denn wer wird einen wahrhaft im Geiste armen und von allen Geschöpfen entblößten Menschen antreffen? Er ist schätzbarer, als Perlen und Edelsteine aus den entferntesten Ländern. Wenn der Mensch auch sein ganzes Vermögen dahin gibt, so ist es doch noch nichts. Und wenn er noch so strenge Buße wirkt, so ist es doch für gering zu achten. Und wenn er auch alle Wissenschaften innehat, so ist er noch weit entfernt. Und wenn er zu einer hohen Tugend gelangt und von der inbrünstigsten Andacht entzündet ist, so mangelt ihm noch vieles, nämlich das einzige, das ihm höchst notwendig ist. Was ist aber dieses? Dass er nun, nachdem er alles verlassen hat, auch sich selbst verlässt, gleichsam aus sich selbst herausgeht und sich aller Eigenliebe entledigt. Und nachdem er alles getan hat, was er zu tun für seine Pflicht hielt, so soll er doch dafür halten, dass er noch nichts getan hat. 5. Er sehe nichts für groß an, was man für groß halten könnte, sondern gebe sich in der Tat für einen unnützen Knecht aus, wie die ewige Wahrheit sagt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch aufgetragen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte.“ Dann wird er wahrhaft arm im Geiste und von allen Dingen entblößt sein und mit dem Propheten sagen können: „Ich bin einsam und arm.“ Und doch ist niemand reicher, niemand mächtiger, genießt niemand eine größere Freiheit als jener, der sich selbst und alles übrige zu verleugnen und sich an die unterste Stelle zu setzen weiß. Gebet O Maria, lehre mich, dem höchsten Herrn und König Jesus Christus allein zu dienen.


3.Tag – Innere Lösung von Geld und Besitz

Der Jünger Christi hängt sein Herz nicht an irdische Güter, denn er weiß um ihre Vergänglichkeit und ihren Trug. Betrachte: Goldenes Buch: 14. Sich freiwillig abtöten. (Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes / 15. / 14.) Heilige Schrift: „Wie schwer ist es für die Reichen, in das Reich Gottes einzugehen!“ (Mt 10,23) „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie vernichten, wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie vernichten, wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,19-21) „Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wer von euch vermag, mit seinen Sorgen seine Lebenszeit auch nur um eine Spanne zu verlängern? Und was seid ihr so ängstlich besorgt um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch: Selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Seid also nicht ängstlich besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr dies alles nötig habt. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.“ (Mt 2533) Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 31:

Vom Verlassen aller Geschöpfe, um desto eher den Schöpfer zu finden.
1. O Herr! Ich habe eine noch größere Gnade nötig, wenn ich dahin gelangen soll, wo mich kein Mensch und kein anderes Geschöpf vor Dir wird abhalten können. Denn solange mich noch etwas zurückhält, kann ich mich nicht frei zu Dir emporschwingen. Jener wünschte frei fliegen zu können, welcher sagte: „Wer wird mir Taubenflügel geben, damit ich mich in die Höhe schwinge und Ruhe finde?“ Was ist ruhiger als ein aufrichtiges Auge? Und was genießt eine vollkommenere Freude als ein Herz, welches nichts auf Erden verlangt? Man muss sich also über alle Geschöpfe erheben, sich selbst vollkommen verlassen und gleichsam in einer Entäußerung des Gemüts leben und sehen, dass Du, der Schöpfer aller Dinge, nichts mit den Geschöpfen gemein hast. Wer sich nicht von allen Geschöpfen losmacht, der kann nicht mit der gehörigen Freiheit auf das Göttliche bedacht sein. Darum findet man auch so wenige, welche ein beschauliches Leben führen, weil sich so wenige von vergänglichen Dingen und von den Geschöpfen ganz loszumachen wissen.
2. Dazu wird eine hohe Gnade erfordert, dass sie die Seele erhebe und über sich selbst hinaufführe. Und wenn der Mensch nicht im Geiste erhoben, von allen Geschöpfen frei und ganz mit Gott vereinigt wird, so ist alles, was er auch weiß und haben mag, nicht von großem Wert. Wer etwas anderes hoch achtet als das einzige, unermessliche und ewige Gut, der wird lange klein sein und am Staube kleben. Denn was immer nicht Gott ist, ist nichts und muss für nichts gehalten werden. Es ist ein großer Unterschied zwischen der Weisheit eines andächtigen, gotterleuchteten Mannes und zwischen der Wissenschaft eines gelehrten und studierten Geistlichen. Jene Gelehrsamkeit, welche aus göttlichem Einflusse von oben herabkommt, ist viel vortrefflicher als jene, welche sich der menschliche Verstand mühsam erwirbt.
3. Man trifft viele an, welche eine Begierde nach dem beschaulichen Leben haben, aber sie sind nicht besorgt, im Werke auszuüben, was dazu erfordert wird. Es ist auch ein großes Hindernis auf dem Wege der Vollkommenheit, dass man bei äußerlichen Zeichen und sinnlichen Dingen stehenbleibt und sich in vollkommener Abtötung wenig übt. Ich weiß nicht, was es ist, oder was für ein Geist uns leitet, die wir ein innerliches geistliches Leben zu führen scheinen, oder was wir zu unserer Entschuldigung werden vorbringen können, da wir auf vergängliche und schlechte Dinge so viele Mühe verwenden und so große Sorge dafür tragen, während wir doch nur selten unsere Sinne vollkommen sammeln, um über unser Inneres nachzudenken.
4. Und wenn wir uns auch ein wenig gesammelt haben, so beschäftigen wir uns doch gleich wieder mit äußerlichen Dingen und untersuchen unsere Handlungen eben nicht genau. Wir geben nicht acht, auf was unsere Neigungen gerichtet sind, und so unrein auch in unsrem Herzen alles ist, so beweinen wir es doch nicht. Denn alle Menschen hatten ihren Weg verfehlt, deswegen erfolgte die große Sündflut. Da also unser innerlicher Trieb verdorben ist, so muss auch die daraus hervorgehende Handlung, welche ein Zeichen des Mangels an innerer Kraft ist, auch verdorben sein. Aus einem reinen Herzen entspringt die Frucht eines guten Lebens.
5. Man fragt, wieviel dieser oder jener getan hat; man erforscht aber nicht so sorgfältig, wie gut er es getan hat. Man erkundigt sich; ob jemand tapfer, reich, schön, geschickt ist; ob er schön schreiben, gut singen oder trefflich arbeiten kann; aber wie arm am Geiste, wie geduldig und sanftmütig, wie andächtig und gottselig er ist, davon spricht niemand. Die Natur sieht nur auf das Äußere des Menschen; aber die Gnade wendet sich zum Inneren. Die Natur wird oft betrogen, aber die Gnade hofft auf Gott, damit sie nicht betrogen werde. Gebet O Maria, lehre mich die Armut im Geiste und die innere Losschälung von allem Irdischen, damit ich ganz frei werde für Jesus Christus.

4. Tag – Macht und Ruhm

Die Weltmenschen streben nach Ehren und Macht. Sie schrecken selbst vor Niedertracht nicht zurück, um zu irdischem Ruhm zu gelangen, der doch vergänglich ist. Jesus lehrt uns, dass weltliche Ehren nichts sind im Vergleich zur ewigen Herrlichkeit.
Betrachte: Goldenes Buch: Das Verhalten der Auserwählten (Abhandlung von der Wahren Andacht zu allerseligsten Jungfrau Maria / Zweiter Teil / Drittes Kapitel / 2. Artikel / 1.) Heilige Schrift: „Da er bemerkte, wie die Geladenen sich die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: ‚Wenn du von jemand zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du geladen sein, und dein und sein Gastgeber könnte kommen und zu dir sagen: Mach diesem Platz! Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Nein, wenn du geladen bist, so geh und setz dich an den letzten Platz. Dann mag dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir zur Ehre gereichen vor allen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden‘“ Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 4:

Man muss in Wahrheit und mit Demut vor Gott wandeln.
1. Mein Sohn! Wandle vor Mir in Wahrheit und suche Mich immer in der Einfalt deines Herzens. Wer in Wahrheit vor Mir wandelt, wird gegen feindliche Anfälle beschützt werde, und die Wahrheit wird ihn von den Verführern und von den Verleumdungen der Gottlosen befreien. Wenn dich die Wahrheit befreit, dann wirst du in der Tat frei sein und dich wegen eitler Reden der Menschen nicht kümmern.
2. Herr! Dein Wort ist Wahrheit. Mir geschehe also, wie Du sagst. Deine Wahrheit lehre mich, sie beschütze mich und erhalte mich zum seligen Ende. Sie befreie mich von aller bösen Neigung und unordentlichen Liebe, dann werde ich in großer Freiheit des Herzens mit Dir wandeln.
3. Ich will dich lehren, spricht die Wahrheit, was Mir recht und wohlgefällig ist. Denke mit großem Missfallen und inniger Betrübnis an deine Sünden und glaube ja nie, dass du um deiner guten Werke willen etwas seist. Du bist in Wahrheit ein Sünder und vielen bösen Neigungen unterworfen und von ihnen gefesselt. Aus dir selbst neigst du dich immer neu zu dem Nichtigen, du fällst schnell, wirst leicht überwunden und gerätst bald in Verwirrung und Ausschweifung. Du hast nichts, wegen dessen du dich rühmen könntest, aber vieles, wegen dessen du dich gering schätzen sollst, denn deine Schwachheit ist viel größer, als du fassen kannst.
4. Deswegen sollst du von allem, was du tust nichts für groß halten, nichts soll dir erhaben, nichts kostbar oder wunderbar, nichts der Hochschätzung würdig scheinen. Denn nichts ist hoch, nichts wahrhaft lobenswürdig und erwünschlich, als was ewig ist. Über alles soll dir die ewige Wahrheit gefallen, an deiner großen Nichtswürdigkeit aber sollt du immer Missfallen haben. Nichts musst du so sehr fürchten, missbilligen und fliehen, als deine Laster und Sünden, diese müssen dir weit mehr zuwider sein als jeder Verlust irdischer Dinge. Einige wandeln nicht aufrichtig vor Mir, sondern wollen aus Vorwitz und Hochmut Meine Geheimnisse wissen und die Tiefen der Gottheit ergründen, während sie sich selbst und ihr Heil vernachlässigen. Solche Leute fallen oft in schwere Versuchungen und Sünden wegen ihrer Hoffart und ihres Vorwitzes, weil Ich ihnen widerstrebe.
5. Fürchte die Urteile Gottes; erzittere vor dem Zorn des Allmächtigen. Erforsche aber nicht die Werke des Allerhöchsten, sondern führe dir deine Bosheiten zu Gemüte und bedenke, wie oft du gesündigt und wieviel Gutes du unterlassen hast. Bei einigen besteht ihre ganze Andacht in Büchern, bei anderen in Bildern, und wieder bei anderen in äußerlichen Zeichen und Vorstellungen. Einige haben Mich im Munde, aber nicht im Herzen. Es gibt auch andere, deren Verstand erleuchtet ist, sie sind auch von bösen Anmutungen gereinigt und trachten immer mit der größten Begierde nach dem Ewigen, es fällt ihnen schwer, Reden von irdischen Dingen anzuhören, sie geben den natürlichen Bedürfnissen nur mit Unlust nach: und diese vernehmen, was der Geist der Wahrheit in ihnen redet. Denn er lehrt sie das Irdische verachten und das Himmlische lieben, die Welt vergessen und Tag und Nacht mit innigster Begierde nach dem Himmel trachten. Gebet O Maria, Magd des Herrn, lehre mich, dass die Größe des Menschen im Dienen besteht.

5. Tag – Sinnlichkeit

Überall weht uns die Pestluft der Unkeuschheit entgegen. Selbst das Edelste wird in den Schmutz gezerrt. Die wahre Liebe und das wahre Glück kommt von Gott und ist rein und heilig. „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ (Mt 5,8) Betrachte: Goldenes Buch: Fünfte Wahrheit – Unsere geistigen Güter sind in unseren Händen dem Verluste ausgesetzt (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Erster Teil / Zweites Kapitel / 1. Artikel / 5.) Heilige Schrift: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn also dein rechtes Auge dir zum Ärgernis wird, so reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir zum Ärgernis wird, so hau sie ab und wirf sie weg. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ (Mt 5,27-30) Jesus über das Leben nach der Auferstehung (zu deren Leugnern): „Ihr seid im Irrtum! Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn bei der Auferstehung nehmen sie nicht mehr zur Ehe und werden nicht mehr zur Ehe genommen, sondern sie leben wie die Engel Gottes im Himmel.“ (Mt 22,29-30) Nachfolge Christi – Buch I, Kapitel 6:

Von den Leidenschaften.
1. Sobald der Mensch auf eine unordentliche Weise nach einer Sache trachtet, wird er sogleich in seinem Herzen unruhig werden. Der Hoffärtige und Geizige hat niemals Ruhe; der Arme im Geiste und der Demütige aber wandelt in einem vollkommenen Frieden. Ein Mensch, welcher sich selbst noch nicht ganz abgestorben ist, wird gar leicht versucht und in geringfügigen und unbedeutenden Dingen überwunden. Ein im Geiste schwacher und einigermaßen noch fleischlicher und zur Sinnlichkeit geneigter Mensch kann sich hart von allen irdischen Begierden gänzlich losmachen. Deswegen verfällt er oft in Traurigkeit, wenn er sich davon enthalten will; er wird auch leicht unwillig, wenn ihm jemand widerspricht.
2. Wenn er aber erlangt hat, was er begehrte, so wird ihn auch sogleich sein schuldiges Gewissen ängstigen, weil er seiner bösen Neigung folgte. Den wahren Frieden des Herzens also findet man, wenn man den bösen Neigungen widersteht, nicht aber, wenn man ihnen nachgibt. Der Friede ist also nicht in dem Herzen eines fleischlichen Menschen, nicht im Gemüte dessen, der am Äußern hängt, sondern nur bei eifrigen und geistreichen Seelen. Gebet O Maria, durch deine Unbefleckte Empfängnis bewahre rein meinen Leib und heilig meine Seele.

6. Tag – Geistesstolz

Vor Gott ist der Mensch ein Nichts. Wer Gottes Größe, Allmacht und Weisheit betrachtet, erkennt die Armseligkeit des Menschen. Betrachte: Goldenes Buch: Erste Wahrheit – Jesus Christus ist unser letztes Ziel, ab: „Ich wende mich hier einen Augenblick an Dich, o süßer Jesus...“ Seite 12 (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Erster Teil / Zweites Kapitel / 1. Artikel / 1.) Der kritisierende Verehrer (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Erster Teil / Zweites Kapitel / 2. Artikel / 1.) Heilige Schrift: „Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit erwiesen? Weil nämlich die Welt mit ihrer Weisheit Gott in seiner göttlichen Weisheit nicht erkannt hat, hat es Gott gefallen, durch die Torheit der Predigt (von Jesu Leiden und Sterben am Kreuz) die zu retten, die daran glauben… Denn das ‚Törichte‘, das von Gott kommt, ist weiser als die Menschen, und das ‚Schwache‘, das von Gott kommt, ist stärker als die Menschen. Seht nur auf eure Berufung, Brüder. Da sind nicht viele Gebildete im Sinne der Welt, nicht viele Einflussreiche, nicht viele Vornehme. Nein, was der Welt töricht erscheint, hat Gott auserwählt, um die Gebildeten zu beschämen. Was der Welt niedrig und verächtlich erscheint, ja, was ihr nichts gilt, hat Gott erwählt, um das, was etwas gilt, zunichte zu machen. So soll sich niemand vor Gott rühmen können. Durch ihn seid ihr in Gemeinschaft mit Christus Jesus. Dieser ist uns von Gott her zur Weisheit, zur Rechtfertigung, Heiligung und Erlösung geworden.“ (1Kor 1,12-20;24-30) Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 43:

Wider die eitle Wissenschaft der Welt.
1. Mein Sohn! Lass dich von den zierlichen und spitzfindigen Reden der Menschen nicht betören, denn das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft. Merke auf Meine Worte, welche das Herz entzünden und den Verstand erleuchten, zur Reue bewegen und vielfältigen Trost bringen. Lies nie auch nur ein einziges Wort bloß darum, damit du für gelehrter oder weiser gehalten wirst. Übe dich in der Abtötung und bestrebe dich, deine sündhaften Gewohnheiten auszurotten, denn diese wird dir viel nützlicher sein, als wenn du viele schweren Fragen zu beantworten wüsstest.
2. Nachdem du vieles gelesen und gelernt hast, musst du doch immer wieder auf den nämlichen Ursprung zurückkehren. Ich lehre die Menschen Wissenschaft und gebe den Kleinen eine viel deutlichere und hellere Kenntnis als ihnen von den Menschen beigebracht werden könnte. Zu welchem Ich rede, der wird bald weise sein und große geistige Fortschritte machen. Wehe denen, welche sich um viele unnütze Dinge aus Vorwitz bei den Menschen erkundigen und dagegen wenig besorgt sind, wie sie Mir dienen sollen. Es wird eine Zeit kommen, wo Christus, der Lehrmeister aller Lehrmeister, der Herr der Engel erscheinen wird, um zu vernehmen, was jeder gelernt hat, das ist, um das Gewissen eines jeden zu prüfen. Und da wird Er Jerusalem mit hellem Lichte durchsuchen; was in Finsternissen verborgen lag, wird an den Tag kommen, und alle Beredsamkeit wird dann verstummen.
3. Eine demütige Seele erleuchte Ich in einem Augenblicke so vollkommen, dass sie von den ewigen Wahrheiten mehr versteht, als wenn sie sich zehn Jahre in den Schulen auf die Wissenschaften verlegt hätte. Ich lehre ohne Geräusch der Worte, ohne Verwirrung der Meinungen, ohne Stolz und Ehrgeiz, ohne Zank und Wortwechsel. Ich lehre das Irdische verachten, Ekel an dem Gegenwärtigen haben, das Ewige suche, an dem Unvergänglichen Vergnügen finden, die Ehren fliehen, die Ärgernisse geduldig ertragen, alle Hoffnung auf Mich setzen, außer Mir nichts verlangen, und Mich inbrünstig über alles lieben.
4. Wer Mich innig liebt, der wird göttliche Geheimnisse erfahren und wunderbare Dinge reden. Er wird einen besseren Fortgang machen, wenn er allem Irdischen entsagt, als wenn er sich mit leeren Spitzfindigkeiten beschäftigt. Zu einigen rede Ich Allgemeines, zu anderen Besonderes; einige erquicke Ich, da Ich ihnen in Zeichen und Bildern erscheine, anderen aber offenbare Ich Geheimnisse in hellem Lichte. Nur eine Stimme redet in den Büchern, aber sie unterrichtet nicht alle auf gleich Weise, weil Ich innerlich die Wahrheit lehre, das Herz erforsche, die Gedanken einsehe, die guten Werke befördere, und allen Meine Gnaden so austeile, wie Ich es für billig erachte. Gebet O Maria, lehre mich die Tugend der Demut, denn Gott widersteht den Stolzen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade.

7. Tag – Massenmenschentum

Das Christentum will Persönlichkeiten formen, die den Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen. Betrachte: Goldenes Buch: I. Selbstvertrauen; II. Verweltlichung (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Zweiter Teil / Drittes Kapitel / 1. Artikel / 2. / I & II) Heilige Schrift: „… sie (die Pharisäer) sind blind und Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.“ (Mt 15,14) Der Apostel Petrus ermahnt uns: „… so wappnet euch mit der gleichen Gesinnung (wie Christus)… Lange genug habt ihr in der vergangenen Zeit den Willen der Heiden erfüllt und in Ausschweifungen, Lüsten und in frevelhaftem Götzendienst dahingelebt. Nun kommt es ihnen sonderbar vor, dass ihr euch nicht mehr in denselben Strudel der Sittenlosigkeit stürzt. Deswegen lästern sie euch. Aber sie werden dem Rechenschaft geben müssen, der bereit ist, die Lebendigen und die Toten zu richten.“ (1Petr 4,1-5) Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 36:

Wider die eitlen Urteile der Menschen.
1. Mein Sohn! Setze dein ganzes Vertrauen unbeweglich auf den Herrn, und fürchte die Urteile der Menschen nicht, wenn du nach dem Zeugnisse deines Gewissens unsträflich und schuldfrei bist. Auf diese Weise leiden ist gut und wird einem demütigen Herzen, das mehr auf Gott, als auf sich selbst vertraut, nicht schwer fallen. Viele Leute reden vieles, und deswegen muss man nicht leicht glauben. Es ist aber auch nicht möglich, allen Genüge zu leisten. Obwohl sich der hl. Paulus Mühe gab, allen in dem Herrn zu gefallen, und obwohl er allen Alles geworden ist, achtete er es doch sehr wenig, dass er von den Menschen beurteilt wurde.
2. Dieser heilige Apostel hat zur Erbauung anderer und für ihr Heil genug gearbeitet, indem er alle seine Kräfte und alle mögliche Mühe darauf verwendet hat, aber dessen ungeachtet konnte er doch nicht hindern, dass er nicht bisweilen von anderen gerichtet und getadelt wurde. Deswegen überließ er alles Gott, dem alles bekannt war, und verteidigte sich nur mit Geduld und Demut wider jene boshaften Menschen, welche böse von ihm redeten, ungegründet und irrig von ihm dachten und nach ihrem Mutwillen allerlei lügenhafte Sagen wider ihn ausstreuten. Bisweilen antwortete er doch auf derlei Verleumdungen, damit den Schwachen durch sein Stillschweigen kein Ärgernis gegeben werde.
3. Wer bist du, dass du dich vor einem sterblichen Menschen fürchtest? Heute ist er, und morgen erscheint er nicht mehr. Fürchte Gott, und die Menschen werden dir keinen Schrecken einjagen. Was vermag ein Mensch wider dich mit Worten oder Unrecht? Er schadet vielmehr sich selbst als dir, und wer es auch immer sein mag, so wird er dem Urteile Gottes nicht entfliehen. Habe Gott vor Augen und beklage dich nicht so sehr. Wenn es schon jetzt das Ansehen hat als unterliegest und leidest du eine unverdiente Schmach, so musst du deswegen doch nicht unwillig werden und deinen Lohn nicht durch Ungeduld verringern, sondern vielmehr deine Augen zu Mir in den Himmel erheben. Ich bin mächtig genug, dich aller Beschämung und allen Unrechts zu entreißen und jedem nach seinen Werken zu vergelten. Gebet O Maria, lehre mich, nicht auf die Welt zu achten, sondern Gottes Ehre zu suchen und ihm allein zu gefallen.

8. Tag – Vergnügungssucht

Der Christ verachtet die echte Freude nicht; aber seine Freude kommt aus dem Innern. Darum hat er es nicht nötig, sich durch immer neue Reize zu betäuben. Betrachte: Goldenes Buch: III. Sie üben keine besondere Andacht zu Maria; IV. Sinnlichkeit; V. Verfolgung der Kinder Mariens (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Zweiter Teil / Drittes Kapitel / 1. Artikel / 2. / III-V) Heilige Schrift: „Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und hielt alle Tage glänzende Gelage. Vor seiner Tür lag ein Armer mit Namen Lazarus… Gern hätte er sich mit den Brosamen gesättigt, die vom Tisch des Reichen fielen… Da starb der Arme. Er wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen. Auch der Reiche starb… Als er in der Hölle inmitten seiner Qualen seine Augen erhob, sah er ferne Abraham und in seinem Schoße Lazarus. Da rief er: ‚Vater Abraham! Erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er seine Fingerspitze ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide große Qual in dieser Feuersglut.‘ Abraham erwiderte: ‚Gedenke, mein Sohn, dir ist es in deinem Leben gut ergangen, Lazarus dagegen schlecht. Jetzt wird er hier getröstet, du aber wirst gepeinigt.‘“ (Lk 16,19-26) „Wohlan, ihr Reichen, weint und wehklagt über die Drangsale, die über euch kommen! Euer Reichtum vermodert! Eure Gewänder werden von Motten zerfressen! Euer Gold und Silber verrostet! Ihr Rost wird gegen euch zeugen und wie Feuer euer Fleisch verzehren.“ (Jak 5,1-5) Nachfolge Christi – Buch I, Kapitel 24:

Von dem Gerichte und von den Strafen der Sünden.
1. In allen Dingen schaue auf das Ende und bedenke, wie du vor jenem strengen Richter bestehen wirst, welchem nichts verborgen ist, der weder durch Geschenke besänftigt wird noch eine Entschuldigung annimmt, sondern nach Gerechtigkeit richten wird. O höchst elender und törichter Sünder! Was wirst du Gott antworten, welchem alle deine Laster bekannt sind, da du bisweilen sogar das Angesicht eines erzürnten Menschen fürchtest? Warum bereitest du dich nicht auf den Tag des Gerichts, wo niemand durch einen anderen wird entschuldigt oder verteidigt werden können, sondern ein jeder sorgen muss, wie er für sich selbst bestehe? Jetzt ist deine Bemühung nützlich, jetzt, sind deine Tränen angenehm, dein Seufzen wird erhört, und durch Reue kannst du für deine Sünden genug tun und deine Seele reinigen.
2. Ein geduldiger Mensch hat ein schmerzliches aber heilsames Fegfeuer, wenn er die Beleidigungen erträgt und ihm dabei mehr die Bosheit des anderen, als die widerfahrene Kränkung zu Herzen geht; wenn er für seine Widersacher gerne betet und ihnen ihr Unrecht von Herzen verzeiht; wenn er sich nicht weigert, andere um Verzeihung zu bitten; wenn er zur Barmherzigkeit geneigter ist, als zum Zorn; wenn er sich selbst oft Gewalt antut und sich bemüht, das Fleisch dem Geiste vollkommen zu unterwerfen. Es ist besser, jetzt die Seele von Sünden zu reinigen und die Laster abzulegen, als sie für die Reinigung in jener Welt aufzubehalten. Durch die unordentliche Liebe, welche wir zu uns selbst haben, betrügen wir in der Tat uns selbst.
3. Was anderes wird jenes Feuer aufzehren, als deine Sünden? Je mehr du jetzt dich selbst schonst und der Sinnlichkeit folgst, desto härter wirst du es einst büßen und desto mehr Ursache zur Pein wirst du mit hinübernehmen. Was der Mensch gesündigt hat, das wird an ihm gestraft werden. Dort werden die Trägen mit glühenden Stacheln angetrieben und die Unmäßigen von einem grausamen Hunger und Durst gequält werden. Dort werden die Unzüchtigen und die das Wohlleben liebten mit brennendem Pech und stinkendem Schwefel übergossen werden und die Neidigen vor Schmerzen gleich wütenden Hunden heulen.
4. Es wird kein Laster sein, welches nicht seine eigene Qual haben wird. Dort werden die Hoffärtigen mit aller Schande erfüllt werden und die Geizigen die bitterste Armut leiden müssen. Dort wird eine Stunde Qual härter sein, als hier hundert Jahre der strengsten Buße. Hier ruht man doch wenigsten bisweilen von den Arbeiten aus und genießt einen Trost von seinen Freunden; dort aber ist keine Ruhe, kein Trost für die Verdammten. Sei also jetzt bekümmert und bereue deine Sünden, damit du am Tage des Gerichtes mit den Auserwählten in Sicherheit sein mögest. Denn dann werden die Gerechten mit großer Zuversicht wider diejenigen dastehen, von welchen sie zuvor geängstigt und unterdrückt wurden. Dann wird derjenige, welcher sich jetzt den Urteilen der Menschen demütig unterwirft, als Richter bestellt werden. Dann wird der Arme und Demütige ein großes Vertrauen haben, den Hoffärtigen hingegen wird Furcht und Schrecken von allen Seiten überfallen.
5. Dann wird man erkennen, dass jener in dieser Welt weise gewesen ist, welcher gelernt hat, um Christi willen töricht und verachtet zu sein. Dann wird jede geduldig überstandene Trübsal Freude bringen, die Ungerechtigkeit aber ihren Mund verschließen. Dann werden sich alle Frommen freuen und alle Gottlosen trauern. Dann werden jene, welche ihr Fleisch abgetötet haben, mehr frohlocken, als wenn sie immer in Vergnügungen gelebt hätten. Dann wird die schlechte Kleidung herrlich glänzen, das kostbare Gewand aber seinen Glanz verlieren. Dann wird die arme Wohnung mehr gepriesen werden, als der vergoldete Palast. Dann wird die standhafte Geduld mehr helfen, als alle Macht der Welt. Dann wird der einfältige Gehorsam mehr erhöht werden, als alle Schlauheit der Weltkinder.
6. Dann wird ein reines und gutes Gewissen größere Freude bringen, als die Wissenschaft der Weltweisen. Dann wird die Verachtung der Reichtümer ein größeres Gewicht haben, als alle Schätze der Erde. Dann wirst du mehr getröstet werden wegen des andächtigen Gebetes, als wegen niedlicher Speisen. Dann wirst du dich mehr freuen wegen des beobachteten Schweigens, als wegen langer unnützer Unterredungen. Dann werden die guten Werke mehr gelten, als viele zierlichen Worte. Dann wird ein strenges Leben und eine raue Buße mehr gefallen, als alle irdischen Ergötzlichkeiten. Lerne jetzt das Leichtere mit Geduld ertragen, damit du dann von dem Schwereren befreit werden mögest. Versuche hier zuerst, was du dann vermögen wirst. Wenn du jetzt so wenig ertragen kannst, wie wirst du die ewigen Peinen ausstehen können? Wenn du jetzt wegen einer geringen Widerwärtigkeit in solche Ungeduld ausbrichst, was wirst du dann in der Hölle tun? Glaube sicher, du kannst nicht zweierlei Freuden haben, hier die Weltfreuden genießen und dort mit Christus herrschen.
7. Wenn du auch bis auf den heutigen Tag immer in Ehren und Freuden gelebt hättest, was würde dir dies alles nützen, wenn du jetzt augenblicklich sterben müsstest? Es ist also alles lauter Eitelkeit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen. Denn wer Gott aus ganzem Herzen liebt, der fürchtet weder Tod, noch Peinen, noch Gericht, noch Hölle, weil die vollkommene Liebe einen sicheren Zutritt zu Gott verschafft. Wer aber noch Freude am Sündigen hat, der darf sich nicht wundern, wenn er Tod und Gericht fürchtet. Doch ist es gut, dass dich wenigstens die Furcht vor der Hölle in Schranken halte, wenn auch die Liebe noch nicht so stark bei dir ist, dass sie dich vom Sündigen abhalten könnte. Wer aber die Furcht Gottes hintansetzt, der wird nicht lange im Guten verharren können, sondern sehr bald in die Fallstricke des höllischen Feindes fallen. Gebet O Maria, du Ursache unserer Freude, lehre mich, die wahre Freude in Gott zu suchen.

9. Tag – Unwahrhaftigkeit

Der Herr spricht. „Ich bin die Wahrheit.“ Der Christ muss Lüge, Verstellung und Heuchelei verabscheuen und wahrhaftig und echt sein in Wort und Haltung. Betrachte: Goldenes Buch: 3. Befreiung von Skrupel (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Zweiter Teil / Viertes Kapitel / 3.) Heilige Schrift: „Eure Rede sei: Ja, ja – nein, nein. Alles Weitere ist vom Übel.“ (Mt 5,37)
„Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen… Warum versteht ihr meine Redeweise nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt nach den Gelüsten eures Vaters tun. Er war ein Menschenmörder von Anbeginn und steht nicht in der Wahrheit, weil in ihm keine Wahrheit ist. Wenn er lügt, spricht er nach seinem eigenen Wesen. Denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Joh 8,42-44) Nachfolge Christi – Buch II, Kapitel 4:

Von der Einfalt und Lauterkeit.
1. Mit zwei Flügeln schwingt sich der Mensch über das Irdische empor, sie heißen: Einfalt und Lauterkeit. Einfalt muss seinen Absichten zugrundeliegen, Lauterkeit seinen Neigungen. Die Einfalt sucht Gott, die Lauterkeit findet und genießt Ihn. Wenn du in deinem Innern von allen unordentlichen Neigungen frei bist, so wird keine gute Handlung deinen Aufschwung zu Gott hindern. Wenn du nichts anderes suchst, als das Wohlgefallen Gottes und den Nutzen des Nebenmenschen, so wirst du wahre Geistesfreiheit genießen. Wenn dein Herz rein wäre, so würde jedes Geschöpf ein Lebensspiegel und ein Buch voll heiliger Lehren für dich sein. Denn es ist ja kein Geschöpf so gering und so schlecht, dass nicht die Güte Gottes rein aus ihm hervorleuchtete.
2. Wäre dein Inneres gut und rein, so würdest du alles ohne Hindernis einsehen und ohne Mühe begreifen. Ein reines Herz durchdringt Himmel und Hölle. Wie jeder innerlich beschaffen ist, so urteilt er auch äußerlich. Wenn je eine Freude auf der Welt zu finden ist, so genießt sie gewiss ein Mensch, der ein reines Herz hat. Und wenn es irgendwo eine Trübsal und Angst gibt, so erfährt dieselbe ein böses Gewissen am meisten. Gleich wie das Eisen im Feuer den Rost verliert und ganz glühend wird, ebenso wird der Mensch, welcher sich gänzlich zu Gott bekehrt, von seiner Schlafsucht befreit und in einen neuen Menschen umgewandelt.
3. Wenn der Mensch anfängt lau zu werden, so fürchtet er eine geringe Beschwerde und nimmt gern äußeren Trost an. Aber wenn er anfängt, sich vollkommen zu überwinden und beherzt auf dem Wege Gottes zu wandeln, so achtet er jene Dinge nicht mehr, die ihm zuvor hart zu sein scheinen. Gebet O Maria, du Spiegel der Gerechtigkeit, mache mich aufrichtig und wahrhaftig.

10. Tag – Ungeordneter Freiheitsdrang

Für den Menschen gibt es keine absolute Freiheit, weil er als Geschöpf ganz von Gott, seinem Ursprung und Ziel abhängig ist. Betrachte: Goldenes Buch: 6. Beweggrund – Diese Andacht verleiht große innere Freiheit (Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria / Zweiter Teil / Zweites Kapitel / Sechster Beweggrund) Heilige Schrift: „Wenn ihr in meiner Lehre verharrt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen… Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, ist der Sünde Sklave.“ (Joh 8,31.32.34)

Paulus lehrt Freiheit in Christus: „Zur Freiheit hat uns Christus geführt. So steht denn fest und lasst euch nicht aufs neue das Joch der Knechtschaft aufbürden… Brüder, ihr seid zur Freiheit berufen, aber missbraucht die Freiheit nicht zum Dienst des Fleisches.“ (Gal 5,1.6.13) Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 32:

Von der Selbstverleugnung und Unterdrückung aller Begierlichkeit.
1. Mein Sohn! Du kannst die vollkommene Freiheit nicht genießen, wenn du dich selbst nicht ganz verleugnest. Alle, welche nach Reichtum streben, sich selbst lieben, lüstern, vorwitzig, genusssüchtig sind, welche immer nur nach einem weichlichem Leben und nicht nach dem, was Jesu Christi ist, trachten, sich in ihren Gedanken und Einbildungen oft mit Dingen beschäftigen, die keinen Bestand haben, alle diese sind gleichsam mit Banden verstrickt. Denn alles, was nicht von Gott entspringt, wird zugrunde gehen. Merke dir nur diese wenigen Worte, welche alles in sich begreifen: „Verlass alles, und du wirst alles finden, verlass die Begierde, und du wirst die Ruhe finden.“ Nimm dieses wohl zu Herzen, und wenn du danach handelst, dann wirst du alles vollkommen verstehen.
2. Herr! Dies ist nicht das Werk eines Tages, es ist auch kein Kinderspiel, sondern in diesen wenigen Worten ist die ganze Vollkommenheit derer, die Gott suchen, enthalten.
3. Mein Sohn! Du musst dich nicht abwendig machen lassen oder sogleich den Mut verlieren, wenn du von dem Wege der Vollkommenheit hörst, sondern dich desto mehr zu höherer Vollkommenheit angetrieben fühlen, wenigstens sollst du mit ganzer Begierde danach seufzen. Stände es doch so mit dir, und wärest du einmal so weit gekommen, dass du, frei von Eigenliebe, nur auf Meinen Wink und auf den Wink jenes Vorgesetzten, welchen Ich dir gegeben habe, bereit ständest, dann würde Ich das größte Wohlgefallen an dir haben, und dein ganzes Leben würde in Freude und Frieden vorübergehen. Du musst noch vieles verlassen und wenn du es nicht ganz Mir übergibst, so wirst du nicht erhalten, was du begehrst. Ich rate dir, dass du bewährtes Gold von Mir kaufest, damit du reich werdest, das ist himmlische Weisheit, welche alles Irdische mit Füßen tritt. Dieser setze die weltliche Weisheit und alles menschliche und eigene Wohlgefallen nach.
4. Ich sagte, du müsstest das in den Augen der Menschen Schlechtere für das Kostbare und Hohe einkaufen. Denn die wahre himmlische Weisheit, welche nicht hoch von sich denkt, und nicht verlangt auf dieser Welt gepriesen zu werden, wird für sehr schlecht und gering gehalten und scheint fast in gänzlicher Vergessenheit zu sein. Viele rühmen sie zwar mit dem Munde, aber in ihrem Leben weichen sie weit von ihr ab, sie ist aber doch eine kostbare Perle, welche vielen verborgen ist. Gebet O Maria, lehre mich, dass die wahre Freiheit darin besteht, Gott zu lieben und mich mit ganzem Herzen ihm hinzugeben.

11. Tag – Lebensangst

Nur in Gott ist Geborgenheit und Sicherheit. Die Hl. Schrift sagt: „Verflucht der Mensch, der auf Menschen baut und dessen Herz vom Herrn abweicht.“
Betrachte: Goldenes Buch: Vorteile dieser Weihe; ab „5. Vermöge dieser Andacht bringt man auch seine Gnaden, Verdienste und Tugenden in Sicherheit…“ (Das Geheimnis Mariä / Zweites Kapitel / Vorteile dieser Weihe) Heilige Schrift: „Ein reicher Mann hatte einen Acker, der ihm reichlichen Ertrag brachte. Da dachte er bei sich: Was soll ich tun? Ich habe nicht Platz, wo ich meine Früchte unterbringen kann. So will ich’s machen, sagte er: Ich breche meine Scheunen ab und baue größere. Darin kann ich all meinen Ertrag und alle meine Güter unterbringen. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Meine Seele, du hast großen Vorrat an Gütern auf viele Jahre. Setz dich zur Ruhe. Iss und trink und lass dir‘s wohl sein. Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern! Wem wird dann das gehören, was du aufgespeichert hast? So geht es dem, der für sich Schätze aufhäuft, statt reich zu werden bei Gott“.“ (Lk 12,16-21) Nachfolge Christi – Buch III, Kapitel 17:

Man muss alle Sorge Gott überlassen.
1. Mein Sohn! Lass Mich mit dir machen, was Ich will; Ich weiß, was dir nützlich ist. Du denkst wie ein Mensch und urteilst in vielen Dingen, wie es dir die menschliche Neigung eingibt.
2. Herr! Es ist wahr, was Du sagst. Du trägst für mich eine viel größere Sorge, als ich für mich selbst tragen könnte. Wer daher nicht alle seine Sorge Dir anheimstellt, der ist in beständiger Gefahr, zu fallen. O Herr! Wenn nur mein Wille aufrichtig und unveränderlich in Dir verharrt, dann mache mit mir, was Dir immer wohlgefällt. Denn was du immer mit mir tun wirst, kann nicht anders als gut sein. Wenn Du mich in Finsternis leben lassen willst, so sei gepriesen, und wenn Du mich mit Deinem Lichte erleuchten willst, so sei wieder gepriesen. Wenn Du Dich würdigst, mich zu trösten, so sei gepriesen, und wenn du willst, dass ich mit Trübsalen geprüft werde, so sei allzeit auf gleiche Weise gepriesen.
3. Mein Sohn! Wenn du mit Mir zu wandeln verlangst, so musst du so beschaffen sein: du musst ebenso bereitwillig sein zum Leiden, wie zur Freude. Du musst ebenso gern dürftig und arm sein, als begütert und reich.
4. Herr! Ich will gerne für dich leiden, was Du immer über mich kommen lassen willst. Ich will ohne Unterschied das Gute und das Böse, das Süße und das Bittere, das Freudige und das Traurige von Deiner Hand annehmen und für alles was mir begegnet, Dank sagen. Bewahre mich nur vor aller Sünde, so werde ich weder den Tod noch die Hölle fürchten. Wenn Du mich nur nicht ewig verstößt und meinen Namen nicht aus dem Buche des Lebens tilgst, so werden mir alle Trübsale, welche immer über mich kommen mögen, nicht schaden. Gebet O Maria, lehre mich, in allen Wechselfällen des Lebens immer mit ganzem Herzen auf Gott zu vertrauen.

12. Tag – Die Letzten Dinge

„Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann folgt das Gericht.“ (Hebr 9,27) Es ist gut, an diese Dinge zu denken, damit man nicht unvorbereitet von ihnen überrascht wird.
Betrachte: Goldenes Buch: IV. Buße (Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes / 6. / IV.); 11. Worauf unser Blick fortwährend gerichtet sein muss; ab „Betrachtet schließlich die schöne Krone…“ (Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes / 15. / 11.) Heilige Schrift: „Wie in den Tagen Noes, so wird es sein bei der Wiederkunft des Menschensohnes. In den Tagen vor der Sintflut schmausten und tranken sie, nahmen zur Ehe und gaben zur Ehe bis zu dem Tage, da Noe in die Arche ging; und sie kamen nicht zur Einsicht, bis die Sintflut hereinbrach und alle hinwegraffte. Geradeso wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. Dann werden zwei auf dem Felde sein: der eine wird aufgenommen, der andere bleibt zurück. Zwei Frauen werden auf einer Mühle mahlen: die eine wird aufgenommen, die andere bleibt zurück. Seid also wachsam; denn ihr wisst nicht den Tag, an dem euer Herr kommt. Das aber beachtet: Wenn der Hausvater wüsste, zu welcher Stunde der Nacht der Dieb kommt, so würde er sicher wachen und ließe ihn nicht in sein Haus einbrechen. Darum haltet auch ihr euch bereit; denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet.“ (Mt 24,36-44) Nachfolge Christi – Buch I, Kapitel 23:

Von der Betrachtung des Todes.
1. Hier wird es sehr bald um dich geschehen sein, siehe also zu, wie es mit dir steht. Heute ist der Mensch, und morgen erscheint er nicht mehr. Wenn wir ihn aber nicht mehr sehen, werden wir auch bald nicht mehr an ihn denken. Wie kurzsichtig und hart ist doch das menschliche Herz, das allein das Gegenwärtige betrachtet und nicht sorgfältig auf das Zukünftige sieht! Du solltest dich bei allen Werken und Gedanken ebenso verhalten, als wenn du heute noch sterben müsstest. Wenn du ein gutes Gewissen hättest, würdest du den Tod nicht sehr fürchten. Es würde besser sein, sich vor Sünden zu hüten, als den Tod zu fliehen. Wenn du heute nicht bereit bist, wie wirst du es morgen sein? Der morgige Tag ist ungewiss, und wie weißt du, ob du ihn erleben wirst?
2. Was nützt es, lange zu leben, wenn wir uns so wenig bessern? Ach, bei einem langen Leben bessert man sich nicht immer, oft vergrößert man die Schuld nur noch mehr. O dass wir doch wenigstens einen einzigen Tag in dieser Welt gut zugebracht hätten! Viele zählen die Jahre seit ihrer Bekehrung, aber oft haben sie sich wenig gebessert. Wenn es fürchterlich ist, zu sterben, so wird es vielleicht noch gefährlicher sein, länger zu leben. Heil dem, der die Stunde seines Todes immer vor Augen hat und sich täglich zum Sterben bereitet. Wenn du einmal einen Menschen hast sterben sehen, so bedenke, dass auch du diesen Weg wandern werdest.
3. In der Frühe denke, dass du vielleicht den Abend nicht mehr erleben wirst. Ist aber der Abend angekommen, so versprich dir den morgigen Tag nicht mehr. Sei daher immer bereit und lebe so, dass dich der Tod nicht unvorbereitet antrifft. Viele sterben plötzlich und unversehens. Denn der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, da man es nicht vermutet. Wenn einmal diese letzte Stunde anbricht, so wirst du von deinem ganzen vergangenen Leben ganz anders zu denken anfangen und es sehr bedauern, dass du so nachlässig und träge gewesen bist.
4. Wie glückselig und weise ist derjenige, welcher sich befleißt, jetzt im Leben so zu sein, wie er wünscht, auf dem Totenbette gefunden zu werden! Denn wer die Welt vollkommen verachtet und ein inbrünstiges Verlangen hat, in den Tugenden zuzunehmen, wer die Zucht liebt und sich in Bußwerken übt, wer schnell gehorcht, sich selbst verleugnet und alle Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Jesus Christus erträgt, der wird große Zuversicht haben, selig zu sterben. Jetzt, da du gesund bist, kannst du viel Gutes tun; was du aber in deiner Krankheit wirst tun können, weiß ich nicht. Wenige werden durch Krankheit gebessert, so werden auch diejenigen, welche oft wallfahrten, selten heilig.
5. Verlass dich nicht auf Freunde und Anverwandte und verschiebe die Sorge für dein Heil nicht auf die ungewisse Zukunft, weil die Menschen dich viel schneller vergessen werden, als du dir einbildest. Es ist besser, jetzt zu rechter Zeit für die Zukunft zu sorgen und gute Werke vorauszuschicken, als auf die Hilfe anderer zu hoffen. Wenn du nicht jetzt für dich selbst besorgt bist, wer wird in Zukunft für dich sorgen? Jetzt ist die Zeit sehr kostbar. „Jetzt sind die Tage des Heiles, jetzt ist die erwünschte Zeit.“ Aber ach! Wie sehr ist es zu bedauern, dass du sie nicht nützlicher anwendest, da du dir doch Verdienste für das ewige Leben sammeln könntest? Es wird einmal eine Zeit kommen, da du einen einzigen Tag oder wohl auch nur eine einzige Stunde zur Besserung deines Lebens wünschen wirst; ob du sie aber erhalten wirst, weiß ich nicht.
6. Wohlan denn, mein geliebter Bruder! Siehe zu, aus welch großer Gefahr du dich befreien und welch großem Schrecken du dich entreißen kannst, wenn du jetzt immer in heiliger Furcht lebst und den Tod stets vor Augen hast. Befleiße dich, jetzt so zu leben, dass du dich in der Stunde des Todes mehr freuen könntest, als fürchten müsstest. Lerne jetzt der Welt absterben, damit du dann anfängst, mit Christus zu leben. Lerne jetzt alles verachten, damit du dann ungehindert zu Christus gelangen kannst. Züchtige jetzt deinen Leib durch Buße, damit du dann sichere Hoffnung haben mögest.
7. Ach, törichter Mensch, warum glaubst du, du wirst lange leben, da du doch keinen Tag vor dem Tode sicher bist? Wie viele wurden betrogen, da sie unvermutet von dieser Welt scheiden mussten! Wie oft hast du sagen hören: jener kam durch das Schwert um; dieser ertrank; jener fiel herab und brach sich das Genick; dieser starb unter dem Essen und jener endete sein Leben beim Spiele! Einer ist durch das Feuer, ein anderer durch das Schwert, einer durch Pest, ein anderer durch Mörder umgekommen; und so ist das Ende von allen der Tod; das Leben der Menschen geht eilends vorüber wie ein Schatten.
8. Wer wird nach dem Tode noch an dich denken? Wer wird für dich beten? Jetzt, mein geliebter Bruder, jetzt tue, so viel du immer kannst, weil du nicht weißt, wann du sterben wirst, noch auch, was nach dem Tode für dich geschehen wird. Sammle dir jetzt ewig dauernde Reichtümer, da du noch Zeit hast. Denke an nichts anderes, als an dein Heil; sorge allein für das Reich Gottes. Mache dir jetzt Freunde, damit du die Heiligen Gottes verehrst und ihren Beispiele nachfolgst, damit sie dich am Ende deines Lebens in die ewigen Wohnungen aufnehmen.
9. Betrachte dich auf Erden immer als einen Fremdling und Gast, welchen die Weltgeschäfte nichts angehen. Erhalte dein Herz frei und zu Gott gewendet, denn du hast hier keine bleibende Stätte. Dahin schicke täglich dein Gebet und deine Seufzer unter häufigen Tränen, damit deine Seele nach dem Tode glückselig zum Herrn gelangen möge. Amen. Gebet O Maria, hilf mir so zu leben, dass ich immer bereit bin, vor Gottes Gericht hinzutreten.

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