Kategorie:Ordenskatechismus:13.Kapitel:IV-247

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247. Worüber müssen wir besonders wachen?


Wir müssen besonders wachen,
1. dass die verkehrten Neigungen und der böse Feind uns nicht täuschen,
2. dass die schlechten Beispiele uns nicht mitreißen,
3. dass wir die göttlichen Einsprechungen nicht überhören.

Wir müssen lernen, die göttlichen Eingebungen von den Neigungen unserer Natur und den Einflüsterungen des Teufels sicher zu unterscheiden. Diese Kunst heißt Unterscheidung der Geister.

Die wichtigsten Regeln für die Unterscheidung der Geister sind nach dem hl. Leonhard von Porto Maurizio folgende:
a) die Natur wünscht, dass alle ihre Werke bekannt werden. Die Gnade bemüht sich, sie zu verbergen.
b) Die Natur verlegt sich mit großer Sorge auf zeitliche Dinge, sucht sie mit Begier, erfreut sich des Überflusses, betrübt sich bei Dürftigkeit und Mangel.
Die Gnade legt gar kein Gewicht auf die zeitlichen Dinge. Sie will nur das höchste Gut, in ihm allein sucht und findet sie den Frieden.
c) Die Natur ist unbeständig in den guten Werken. Bei jeder kleinen Schwierigkeit lässt sie davon ab.
Die Gnade aber sieht auf Gott allein und ist standhaft im Glück und Unglück.
d) Die Natur hat Freude und Lust an sich selbst, sucht Befriedigung der Neugierde und Zeitvertreib und ist immer in Furcht, dem eigenen Leib weh zu tun, da sie zu ängstlich um die Gesundheit besorgt ist.
Die Gnade sucht einzig das Wohlgefallen Gottes und behandelt den Leib wie ein unvernünftiges, widerspenstiges Tier.
e) Die Natur möchte gern immer innerlich Tröstungen genießen und wissen, dass sie vor Gott etwas Großes sei. Die Gnade macht den Menschen demütig, geduldig und gerecht, ohne dass er sich dessen bewusst ist, und dient Gott mutig auch in Dürre und Trockenheit.
f) Die Natur wirft sich immer auf das Maßlose und überschreitet die Grenzen der Klugheit. Die Gnade weiß die goldene Mittelstraße einzuhalten, auf dass nicht mehr und nicht weniger geschieht, als was sich geziemt und der Gehorsam gestattet.
g) Die Natur sucht immer Lust und will von Abtötung nichts wissen. Die Gnade sucht Verachtung, Entblößung, Leiden und alles, was zu Gott hinneigt. Sie bestrebt sich, ihn auf alle Weise und in jeglicher Lage zu lieben, um in allem seinen heiligsten Willen zu erfüllen.
h) Die Natur treibt unwillkürlich zu allen sieben Hauptsünden an, besonders zu Stolz und Sinnlichkeit. Die Gnade widersteht jeder Aufblähung des Herzens, jedem Eigendünkel des Geistes und jeder sinnlichen Süßigkeit und neigt sich immer zur Demut, Selbstverleugnung, Keuschheit, geistiger Losschälung und Einfalt. Jede besonders große Zu- oder Abneigung, jede plötzlich hervorbrechende Lust oder Unlust ist verdächtig.
Die Aufmerksamkeit auf uns selbst darf nicht in Ängstlichkeit ausarten noch die Kopfnerven ermüden.

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