Kategorie:Stundenbuch:Lesung/Lesehore34Mittwoch

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Mittwoch, 34. WOCHE IM JAHRESKREIS

JAHRESREIHE I:

ERSTE LESUNG


Aus dem Buch Ezechiel (37,15-28)

Das Wort des Herrn erging an mich: »Du aber, Menschensohn, nimm dir ein Stück Holz und schreibe darauf: ›Juda und die mit ihm verbündeten Söhne Israels‹; dann nimm ein anderes Holzstück und schreibe darauf: ›Joseph, Holzstab Ephraims, und das ganze mit ihm verbündete Haus Israel‹! Dann lege sie aneinander, dass sie zu einem einzigen Holze werden, so dass sie ein Ganzes bilden in deiner Hand!
Erkundigen sich dann die Söhne deines Volkes bei dir: ›Willst du uns nicht mitteilen, was das bedeutet?‹, so antworte ihnen: So spricht der Gebieter und Herr: Siehe, ich nehme das Holzstück Josephs, das Ephraim und den mit ihm verbündeten Stämmen Israels zugehört, füge es zum Holzstück Judas hinzu und lasse sie zu einem einzigen Holz zusammenwachsen, so dass sie ein Ganzes bilden in meiner Hand. Die beiden Holzstücke, worauf du geschrieben, sollen in deiner Hand für sie sichtbar sein. Dann sprich zu ihnen: So spricht der Gebieter und Herr: Fürwahr, ich hole die Söhne Israels aus den Völkern heraus, zu denen sie ziehen mussten, und schare sie von überallher zusammen; ich bringe sie in ihre Heimat zurück. Ich mache sie zu einem einzigen Volk in meinem Lande und auf den Bergen Israels; ein einziger König soll über sie alle herrschen; sie sollen nicht mehr zwei Völker sein und sich künftig nicht mehr in zwei Königreiche spalten.
Dann sollen sie sich nicht mehr mit ihren Götzen und ihren Scheusalen und all ihren Vergehungen verunreinigen. Ich mache sie frei von all ihren Treulosigkeiten, durch die sie sich versündigt haben, und reinige sie; sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Mein Knecht David soll als König über sie herrschen; nur einen einzigen Hirten werden sie insgesamt haben. Sie werden in meinen Vorschriften wandeln, meine Gebote beobachten und sie vollbringen.
Sie werden dann in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben, und wo ihre Väter gewohnt haben. Sie werden für dauernd darin wohnen, sie selbst, ihre Kinder und Kindeskinder. David, mein Knecht, wird ihr Fürst auf ewig sein. Ich schließe mit ihnen einen Heilsbund, ein immerwährender Bund mit ihnen soll es sein. Ich erweise mich gnädig an ihnen, mache sie zahlreich und stelle mein Heiligtum in ihrer Mitte für ewig auf. Meine Wohnstätte wird bei ihnen sein. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann erkennen die Heidenvölker, dass ich, der Herr, es bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum für ewig in ihrer Mitte steht.« 

(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Ich hole die Kinder Israels und sammle sie von allen Seiten. Ich mache sie zu einem einzigen Volk. * Sie werden alle einen einzigen Hirten haben.
V. Die einst in der Ferne waren, sind durch das Blut Christi in die Nähe gekommen. * Sie werden alle einen einzigen Hirten haben.


Zweite Lesung

Augustinus († 430)

Aus dem „Handbüchlein“.'

Die Einheit der himmlischen und irdischen Kirche

Betrachten wir die Stadt Gottes in ihrer Gesamtheit nicht bloß in dem Teil, in dem sie auf der irdischen Pilgerfahrt vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang den Namen des Herrn lobpreist und nach Ablauf ihrer alten Gefangenschaft ihr neues Lied singt1, sondern auch in dem Teil, der im Himmel allezeit mit Gott, seinem Schöpfer, verbunden blieb und niemals an sich erfahren musste, dass ein Glied von ihm zu Fall kam. Dieser Teil lebt in den heiligen Engeln in ewiger Seligkeit und kommt, wie es nur recht ist, dem andern, noch auf Erden pilgernden Teil zu Hilfe. Diese beiden Teile, die Streitende und die Triumphierende Kirche, werden einstmals auch eins sein im gemeinsamen Genuss der Ewigkeit, ja sie sind bereits eins durch das Band der Liebe, eine Vereinigung, die keinen andern Zweck hat als die Verehrung Gottes. Darum will weder die ganze Kirche noch eines ihrer Teile an Gottes Stelle verehrt werden; auch will sie nicht, dass jemand, der zum Tempel Gottes gehört, selber Gott sei. Sagt ja doch der Apostel Paulus: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“2 Gott also wohnt in seinem Tempel, das heißt nicht bloß der Heilige Geist, sondern auch der Vater und der Sohn.
Der Tempel Gottes, der Tempel der allerhöchsten Dreifaltigkeit ist die heilige Kirche, die Kirche in ihrer Gesamtheit im Himmel und auf Erden. Soweit demnach die Kirche die heiligen Engel und Herrschaften Gottes in sich begreift, wird sie uns erst dann in ihrem Wesen klarwerden, wenn wir am Ende unseres Lebens mit ihnen vereinigt sein werden, um in ihrer Gemeinschaft die ewige Seligkeit zu genießen. Der andere Teil der Kirche aber, der noch auf Erden pilgert, ist uns deshalb bekannt, weil wir ja selber noch auf Erden leben und weil er eine Kirche von Menschen ist. Diese Kirche ist durch das Blut Christi von jeglicher Sünde erlöst worden und ihre Stimme ist es, die sagt: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben.“3 Denn nicht für die Engel ist Christus gestorben. Das, was im Himmel ist, wird dann erneuert, wenn die Lücke; die durch den Fall der Engel entstand, aus der Zahl der Menschen wieder ausgefüllt wird; was aber auf Erden ist, wird erneuert, wenn die Menschen, die zum ewigen Leben vorbestimmt sind, nach ihrer alten Verderbnis neu wiederhergestellt werden.

(1) Vgl. Offenb 14,3. (2) 1Kor 3,16. (3) Röm 8,31.32.


RESPONSORIUM
R. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? * Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.
V. Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. * Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.


ORATION
Gott, unser Vater, erwecke deine Gläubigen zu neuem Eifer, damit das Werk deines Erbarmens in unserem Leben reiche Frucht trägt und wir einst die Fülle des Heils empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Jahreskreis II

ERSTE LESUNG

Aus dem Buch Daniel (8,1-26)

Im dritten Jahr der Regierung des Königs Belschazzar wurde mir, Daniel, ein Gesicht zuteil nach jenem, das mir früher erschienen war. Ich schaute im Gesicht und befand mich bei meiner Vision in der Burg Susa in der Provinz Elam. Als ich das Gesicht empfing, war ich am Ulaj-Kanal. Ich erhob meine Augen und schaute; da sah ich einen Widder am Kanal stehen. Er hatte zwei Hörner, und die beiden Hörner waren sehr hoch. Das eine Horn übertraf das andere an Höhe, das höhere aber wuchs zuletzt empor. Ich beobachtete, wie der Widder nach Westen, Norden und Süden vorstieß. Kein Tier konnte ihm Widerstand leisten, und niemand befreite aus seiner Gewalt. Er tat nach seinem Belieben und wurde groß. Ich folgte aufmerksam, und siehe, da kam ein Ziegenbock vom Westen her über die ganze Erde, ohne den Boden zu berühren. Der Ziegenbock hatte ein einziges Horn zwischen seinen Augen. Er lief zu dem zweihörnigen Widder, den ich am Kanal stehen sah, und stürzte auf ihn zu mit wütender Gewalt. Ich schaute, wie er den Widder erreichte; er ergrimmte gegen ihn, stieß den Widder und zerbrach ihm die beiden Hörner; der Widder war nicht stark genug, ihm standzuhalten. Jener warf ihn zu Boden und zertrat ihn. Niemand fand sich, der den Widder aus seiner Gewalt befreite. Der Ziegenbock wurde über die Maßen groß. Als er aber auf der Höhe seiner Kraft war, brach das große Hörn entzwei, und vier andere wuchsen an seiner Stelle nach den vier Himmelsrichtungen hervor.
Kleines Horn
Aus einem von ihnen ging ein anderes, kleines Horn hervor; nach Süden, nach Osten und nach dem prachtvollen Heiligen Land wurde es über die Maßen groß. Seine Größe erstreckte sich bis zum Heer des Himmels. Von dem Himmelsheere und von den Sternen warf es gar manche zur Erde nieder und zertrat sie. Ja, bis zum Fürsten des Himmelsheeres wagte es sich empor und entzog ihm das tägliche Opfer; die Stätte seines prachtvollen Heiligtums wurde gestürzt. Und auf das tägliche Opfer wurde der Frevel gelegt. Es warf die Wahrheit zu Boden, und was es tat, gelang ihm. Da hörte ich einen Heiligen (Engel) sprechen. Ihn, der da sprach, fragte nun ein anderer Heiliger: »Auf wie lange Zeit erstreckt sich das Gesicht über das tägliche Opfer, über den zugefügten Frevel des Verwüsters und über die Zertretung des prachtvollen Heiligtums?« Er entgegnete ihm: »Bis auf zweitausenddreihundert Abende und Morgen; dann kommt das Heiligtum wieder zu seinem Recht.« 
Was bedeuten Widder und Bock?
Es begab sich aber, als ich, Daniel, die Erscheinung betrachtete und mich anstrengte, sie zu verstehen, da stand vor mir jemand, der aussah wie ein Mann. Außerdem hörte ich eine menschliche Stimme, die über dem Ulaj rief und sprach: »Gabriel, erkläre diesem da die Erscheinung!« Nun näherte er sich meinem Standort, und während er herankam, erschrak ich und fiel auf mein Angesicht nieder. Er sprach zu mir: »Begreife, o Mensch, daß dieses Gesicht auf die Endzeit geht!« Als er mich anredete, stürzte ich ohnmächtig auf mein Antlitz zu Boden. Er berührte mich und stellte mich aufrecht auf meinen Platz. Er redete weiter: »Siehe, ich teile dir mit, was in der letzten Zeit des Zornes eintreten wird; denn das Gesicht geht auf die Endzeit. Der zweihörnige Widder, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. Der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland; das große Horn zwischen seinen Augen stellt den ersten König dar. Dass es entzweibrach und vier andere an seine Stelle traten, bedeutet: Vier Königreiche werden aus seinem Volk erstehen, sind aber nicht so stark wie er. Am Ende ihrer Herrschaft, wenn die Frevler aufs Ganze gehen, wird sich ein König erheben mit frechem Gesicht und voll Hinterlist. Gewaltig ist seine Kraft, und ungeheures Verderben stiftet er an. Mit Erfolg vollführt er es; Mächtige richtet er zugrunde, sogar das Volk der Heiligen. Wegen seiner Schlauheit hat er Erfolg mit seinen Täuschungsversuchen. Hochmütig wird er in seinem Sinn und richtet unversehens viele zugrunde. Gegen den Fürsten der Fürsten erhebt er sich, aber ohne menschliches Zutun wird er zerschmettert. Auch das Gesicht von den Abenden und Morgen, wie mitgeteilt, ist Wahrheit. Du aber verbirg die Schauung; denn sie gilt fernen Tagen.« 


(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Da stand vor mir einer, der aussah wie ein Mann. Er sprach zu mir: * Mensch, versteh: Die Vision betrifft die Zeit des Endes.
V. Ich künde dir an, was in der letzten Zeit geschieht. * Mensch, versteh: Die Vision betrifft die Zeit des Endes.


ZWEITE LESUNG

Thomas von Kempen († 1471)

Aus dem Buch „Nachfolge Christi“.

Der Tag der Ewigkeit

Seliger Aufenthalt in der Stadt des Himmels! Heller Tag der Ewigkeit, den keine Nacht verdunkelt, sondern die höchste Wahrheit allzeit durchleuchtet, Tag, immer heiter, immer sicher, niemals umschlagend ins Gegenteil! Wäre doch dieser Tag schon angebrochen und dieses Zeitliche zu Ende! Wohl leuchtet er den Heiligen in ewig strahlender Klarheit, den Pilgern auf Erden aber nur von ferne und wie in einem Spiegel.
Die Bürger des Himmels wissen, wie freudvoll dieser Tag ist. Die verbannten Kinder Evas aber seufzen, dass ihr Tag so bitter und voller Mühe ist. Die Tage dieser Zeit sind kurz und schlimm, voll leid und Bedrängnis. Solange die Zeit dauert, wird der Mensch von Sünden befleckt, von Leidenschaften bedrängt, von Furcht gepackt, von Sorgen geplagt, durch Eitelkeiten abgelenkt, in Torheiten verwickelt, von Irrtümern umlagert, von Mühen aufgerieben, durch Versuchungen bedrängt, durch Begierden entkräftet, durch Mangel gepeinigt.
Wann wird das Ende dieser Leiden sein? Wann werde ich von der elenden Sklaverei der Laster erlöst? Wann, Herr, werde ich allein an dich denken? Wann mich ganz in dir freuen? Wann werde ich wahrhaft frei ohne alle Hemmnisse ohne Belastung von Seele und Leib? Wann wird dauernder Friede, unzerstörbarer, sicherer Friede sein, Friede von innen und außen, von allen Seiten festgegründeter Friede? Guter Jesus, wann werde ich vor dir stehen und dich schauen dürfen? Wann werde ich die Herrlichkeit deines Reiches sehen? Wann werde ich bei dir in deinem Reich sein, das du denen, die dich lieben, von Ewigkeit bereithältst? Ich bin verlassen und verbannt in feindlichem Land, wo jeden Tag Krieg herrscht und großes Unglück.
Tröste mich in meiner Verbannung, lindre einen Schmerz; denn nach dir verlangt all meine Sehnsucht! Was diese Welt mir zum Trost bietet, das alles ist mir nur Last. Ich verlange inständig danach, dich zu genießen, aber ich vermag es nicht zu erreichen. Dem Überirdischen möchte ich anhangen; aber irdische Dinge und Leidenschaften, die noch nicht erstorben sind, drücken mich nieder. Mit meinem Geist möchte ich mich über alle Dinge erheben; aber das Fleisch zwingt mich wider Willen, ihnen untertan zu sein. So streite ich unglücklicher Mensch mit mir und bin mir selbst zur Last1, da der Geist nach oben, das Fleisch aber nach unten strebt.
Aber selig ist der Mensch, der um deinetwillen alles Geschaffene lässt, der die Natur beherrscht und durch den Eifer des Geistes die Begierden des Fleisches kreuzigt, um dir so mit geläutertem Gewissen ein reines Gebet darzubringen und, nachdem er äußerlich und innerlich alles Irdische ausgeschlossen hat, würdig zu sein, unter den Chören der Engel zu weilen.

(1) Vgl. Ijob 7,20 (Vg.).


RESPONSORIUM
R. Strebt nach dem, was im Himmel ist, * wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
V. Richtet euren Sinn auf das Himmlische. * Wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.


ORATION
Gott, unser Vater, erwecke deine Gläubigen zu neuem Eifer, damit das Werk deines Erbarmens in unserem Leben reiche Frucht trägt und wir einst die Fülle des Heils empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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