Kategorie:Stundenbuch:Lesung/LesehoreKarwoche-Dienstag

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V. Wenn ich von der Erde erhöht bin.
R. Werde ich alle an mich ziehen.


JAHRESREIHE I:

ERSTE LESUNG

Aus den Klageliedern. 1,1-12.18-20


Erstes Lied: Das verlassene Jerusalem

Weh, wie einsam sitzt da die einst so volkreiche Stadt! Einer Witwe wurde gleich die Große unter den Völkern. Die Fürstin über die Länder ist zur Fron erniedrigt. Sie weint und weint des Nachts, Tränen auf ihren Wangen. Keinen hat sie als Tröster von all ihren Geliebten. Untreu sind all ihre Freunde, sie sind ihr zu Feinden geworden.Gefangen ist Juda im Elend, in harter Knechtschaft. Nun weilt sie unter den Völkern und findet nicht Ruhe. All ihre Verfolger holten sie ein mitten in der Bedrängnis. Die Wege nach Zion trauern, niemand pilgert zum Fest, verödet sind all ihre Tore. Ihre Priester seufzen, ihre Jungfrauen sind voll Gram, sie selbst trägt Weh und Kummer.
Ihre Bedränger sind an der Macht, ihre Feinde im Glück. Denn Trübsal hat der Herr ihr gesandt wegen ihrer vielen Sünden. Ihre Kinder zogen fort, gefangen von dem Bedränger. Gewichen ist von der Tochter Zion all ihre Pracht. Ihre Fürsten sind wie Hirsche geworden, die keine Weide finden. Kraftlos zogen sie dahin vor ihren Verfolgern. Jerusalem denkt an die Tage ihres Elends, ihrer Unrast, an all ihre Kostbarkeiten, die sie einst besessen, als ihr Volk in Feindeshand fiel und keiner ihr beistand. Die Feinde sahen sie an, lachten über ihre Vernichtung. Schwer gesündigt hatte Jerusalem, deshalb ist sie zum Abscheu geworden. All ihre Verehrer verachten sie, weil sie ihre Blöße gesehen. Sie selbst aber seufzt und wendet sich ab (von ihnen). Ihre Unreinheit klebt an ihrer Schleppe, ihr Ende bedachte sie nicht. Entsetzlich ist sie gesunken, keinen hat sie als Tröster. Sieh doch mein Elend, o Herr, denn die Feinde prahlen! Der Bedränger streckte die Hand aus nach all ihren Schätzen. Zusehen mußten sie, wie Heiden in ihr Heiligtum drangen; ihnen hattest du doch verboten, sich dir zu nahen in der Gemeinde. All ihre Bewohner seufzen, verlangen nach Brot. Sie geben ihre Schätze für Nahrung, nur um am Leben zu bleiben. Herr, sieh doch und schau, wie sehr ich verachtet bin! Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz, den man mir angetan, mit dem der Herr mich geschlagen hat am Tag seines glühenden Zornes. Er, der Herr, ist im Recht.
Ich habe seinem Wort getrotzt. Hört doch, alle ihr Völker, und seht meinen Schmerz: Meine Mädchen, meine jungen Männer zogen in die Gefangenschaft. Ich rief nach meinen Geliebten; doch sie betrogen mich. Meine Priester, meine Ältesten sind in der Stadt verschmachtet, als sie Nahrung suchten, um am Leben zu bleiben. Herr, sieh an, wie mir angst ist. Es glüht mir in der Brust; mir dreht sich das Herz im Leibe, weil ich so trotzig war. Draußen raubte das Schwert die Kinder, drinnen raffte die Pest sie dahin.


RESPONSORIUM
R. Seht, so haben wir ihn geschaut: Er hatte weder Gestalt noch Schönheit, und jeder wandte den Blick von ihm ab. Er hat unsere Sünden getragen und leidet für uns. Um unsrer Missetaten willen wurde er verwundet; * durch seine Wunden sind wir geheilt.
V. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud sich unsere Schmerzen auf. * Durch seine Wunden sind wir geheilt.


ZWEITE LESUNG

John Henry Kardinal Newman (+ 1890)

Aus dem „Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes".

Der menschgewordene Sohn, sein Leiden und sein Opfer

Wir nähern uns jetzt dem höchst heiligen Tag, an dem wir des Leidens und des Todes Christi gedenken. Versuchen wir, unsern Geist bei diesem großen Gedanken festzuhalten. Versuchen wir, was so sehr schwierig ist, andere Gedanken wegzuschieben, unsern Geist von vergänglichen, zeitlichen Dingen zu reinigen und ihn mit der Anschauung des Ewigen Priesters und seines immerwährenden Opfers zu beschäftigen - jenes Opfers, das, wiewohl ein für allemal auf dem Kalvarienberg vollendet, doch immer bleibt und in seiner Kraft und seiner Gnade unter uns immer gegenwärtig ist und dessen zu allen Zeiten dankbar und ehrfürchtig zu gedenken ist, jetzt aber besonders, da die Zeit im Jahre gekommen ist, zu der es vollbracht wurde. Blicken wir auf ihn, der erhoben wurde, damit er uns zu sich ziehen möge; und dadurch, daß wir einzeln und alle zu ihm gezogen werden, lasset uns auch zueinander gezogen werden, so daß wir verstehen und fühlen, daß er uns einzeln und alle losgekauft hat und daß, wofern wir einander nicht lieben, wir nicht in Wirklichkeit Liebe zu ihm haben können, der sein Leben für uns gelassen hat.
Dieses, sage ich, muß an erster Stelle erinnert werden, daß der Tod Christi nicht ein bloßes Märtyrertum war. Ein Märtyrer ist einer, der für die Kirche stirbt, der zu Tode gebracht wird, weil er die Wahrheit predigt und festhält. Christus freilich wurde zu Tode gebracht, weil er das Evangelium predigte; indes, er war kein Märtyrer, sondern er war viel mehr als ein Märtyrer. Wäre er ein bloßer Mensch gewesen, so würde er mit Recht ein Märtyrer genannt werden, aber da er kein bloßer Mensch war, so war er nicht ein bloßer Märtyrer. Der Mensch stirbt als Märtyrer, aber der Sohn Gottes stirbt als ein Sühnopfer. Hier also werden wir zu einem sehr geheimnisvollen Gegenstand geführt, wenn auch zu einem, der uns höchst nahe angeht. Da war eine Kraft in seinem Tod, die in keinem anderen sein konnte, denn er war Gott.


RESPONSORIUM
R. Blicken wir auf Christus, der erhoben wurde. * So werden wir einzeln und alle zu ihm gezogen werden.
V. Sein Leben hat er für uns gelassen. * So werden wir einzeln und alle zu ihm gezogen werden.


JAHRESREIHE II:

ERSTE LESUNG

Aus dem Buch Jeremia. 3,13-9,8


Drohworte gegen Juda

Will ich bei ihnen ernten - Spruch des Herrn -, so sind keine Trauben am Weinstock, keine Feigen am Feigenbaum, und das Laub ist verwelkt. Darum habe ich für sie Verwüster bestellt. Warum sitzen wir da? Sammelt euch!
Hinein in die befestigten Städte! Dort werden wir umkommen; denn der Herr, unser Gott, läßt uns umkommen. Er läßt uns Giftwasser trinken, weil wir gesündigt haben gegen den Herrn. Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken! Man hört von Dan her das Schnauben der Rosse, vom Wiehern seiner Hengste bebt das ganze Land. Sie kommen und fressen das Land und seinen Ertrag, die Stadt und ihre Bewohner. Denn seht, ich sende giftige Schlangen unter euch, gegen die es keine Beschwörung gibt; sie werden euch beißen, - Spruch des Herrn - und es gibt keine Heilung.

Klage des Propheten

Kummer steigt in mir auf, mein Herz ist krank. Horch! Die Tochter meines Volkes schreit aus einem fernen Land: Ist denn der Herr nicht in Zion, oder ist sein König nicht dort? - Warum haben sie mich erzürnt mit ihren Götterbildern, mit den fremden Götzen? Die Ernte ist vorüber, der Herbst ist vorbei, uns aber ist nicht geholfen worden. Der Zusammenbruch der Tochter meines Volkes hat mich gebrochen, traurig bin ich, Entsetzen hat mich gepackt.
Gibt es denn keinen Balsam in Gilead, ist dort kein Wundarzt? Warum schließt sich denn nicht die Wunde der Tochter meines Volkes? Ach, wäre mein Haupt doch Wasser, mein Auge ein Tränenquell: Tag und Nacht beweinte ich die Erschlagenen der Tochter meines Volkes. Allgemeiner Sittenverfall in Juda Hätte ich doch eine Herberge in der Wüste! Dann könnte ich mein Volk verlassen und von ihm weggehen. Denn sie sind alle Ehebrecher, eine Rotte von Treulosen. Sie machen ihre Zunge zu einem gespannten Bogen; Lüge, nicht Wahrhaftigkeit herrscht im Land. Ja, sie schreiten von Verbrechen zu Verbrechen; mich aber kennen sie nicht - Spruch des Herrn. Nehmt euch in acht vor eurem Nächsten, keiner traue seinem Bruder. Denn jeder Bruder betrügt, und jeder Nächste verleumdet. Ein jeder täuscht seinen Nächsten, die Wahrheit reden sie nicht. Sie haben ihre Zunge ans Lügen gewöhnt, sie handeln verkehrt, zur Umkehr sind sie zu träge. Überall Unterdrückung, nichts als Betrug! Sie weigern sich, mich zu kennen - Spruch des Herrn. Darum - so spricht der Herr der Heere: Ja, ich werde sie schmelzen und prüfen; denn wie sollte ich sonst verfahren mit der Tochter meines Volkes? Ein tödlicher Pfeil ist ihre Zunge, trügerisch redet ihr Mund; „Friede" sagt man zum Nächsten, doch im Herzen plant man den Überfall. Sollte ich sie dafür nicht bestrafen – Spruch des Herrn – und an einem solchen Volk keine Rache nehmen?


RESPONSORIUM
R. Mein Volk, du auserwählter Weinberg, dich habe ich gepflanzt. Wie bist du mir zur Bitternis geworden! * Mich schlägst du ans Kreuz, Barabbas gibst du frei.
V. Ich habe einen Zaun um dich gelegt und in dir einen Turm gebaut. * Mich schlägst du ans Kreuz, Barabbas gibst du frei.


ZWEITE LESUNG

Augustinus (+ 430)

Aus einer Predigt über die Liebe Gottes zu den Menschen.

Gott hat sich unser erbarmt

Wir hatten keine guten Werke, sondern nur böse. Aber obwohl die Taten der Menschen so waren, verließ Gottes Barmherzigkeit die Menschen nicht. Er sandte seinen Sohn, damit er sie loskaufe, nicht mit Gold und Silber, sondern um den Preis seines vergossenen Blutes (1). Als unbeflecktes Lamm wurde er für die Befleckten - was sage ich: die Befleckten? - für die völlig verderbten Schafe! - zum Opfer geführt. Diese Gnade haben wir also empfangen. Wir müssen der empfangenen Gnade würdig leben, um so großer Gnade nicht Unrecht zu tun. Ein so großer Arzt kam zu uns und heilte alle unsere Sünden. Wollten wir wieder krank werden, dann schadeten wir uns selbst und wären überdies undankbar gegen den Arzt. Wir wollen dem Herrn also auf den Wegen folgen, die er uns gewiesen hat, vor allem auf dem der Demut, der er für uns geworden ist (2). In den Geboten zeigte er uns nämlich den Weg der Demut und ging ihn selbst durch sein Leiden für uns. Um für uns sterben zu können, ist das Wort, das nicht sterben konnte, für uns „Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (3). Der Unsterbliche nahm die Sterblichkeit auf sich, um für uns zu sterben und durch seinen Tod unsern Tod zu vernichten.
Das tat der Herr für uns, das schenkte er uns. Der Erhabene erniedrigt sich, der Erniedrigte wird getötet, der Getötete auf erweckt und erhöht, um uns Gestorbene nicht in der Welt des Todes zu lassen, sondern uns bei der Auferstehung der Toten in seiner eigenen Person zu erhöhen, uns, die er jetzt (schon) erhöht hat im Glauben und im Bekenntnis der Gerechten. So gab er uns denn als Weg die Demut. Wenn wir uns an sie halten, preisen wir den Herrn und singen nicht ohne Grund: „Wir preisen dich, Gott, und rufen deinen Namen an.“ (4)

1. Vgl. 1.Petr.1,18-19. 2. Vgl. Mt.11,29. 3. Joh.1,14. 4. Ps.75,2 (Vet.Lat.)


RESPONSORIUM
R. Ich will dir danken, Herr, mein Gott, aus ganzem Herzen, will deinen Namen ehren immer und ewig.* Denn groß ist über mir deine Huld.
V. Du bist mein Gott, dir will ich danken, mein Gott, dich will ich rühmen. * Denn groß ist über mir deine Huld.


ORATION
Allmächtiger, ewiger Gott, hilf uns, das Gedächtnis des Leidens Christi so zu begehen, daß wir von dir Verzeihung erlangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

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