Kategorie:Vulgata:NT:Kol01

Aus Vulgata
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Brief an die Kolosser

Kapitel 1

Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Christi Jesu, und der Bruder Timotheus 2 an die Heiligen und Gläubigen, die Brüder in Christus zu Kolossä. Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater [und dem Herrn Jesus Christus].
3 Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus allezeit in unserem Beten für euch; 4 denn wir hörten von eurem Glauben in Christus Jesus und von der Liebe, die ihr hegt zu allen Heiligen 5 um der Hoffnung willen, die für euch hinterlegt ist im Himmel. Von ihr habt ihr schon vorher gehört im Wort der Wahrheit des Evangeliums, 6 das bei euch Zugang fand und auch bei euch, wie in der ganzen Welt, Frucht trägt und heranwächst seit dem Tag, da ihr es vernommen und in Wahrheit die Gnade Gottes erkannt habt. 7 Ihr lerntet sie kennen von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der getreu an unsrer Statt ein Diener Christi ist. 8 Er war es auch, der uns Kunde brachte von eurer Liebe im Geiste.
9 Und so hören auch wir seit dem Tage, da wir dies vernahmen, nicht auf, für euch zu beten und darum zu bitten, daß ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geisterfüllten Weisheit und Einsicht 10 und so euer Wandel würdig sei des Herrn, ganz ihm zu Gefallen, und ihr Frucht bringt in jedem guten Werk und voranschreitet in der Erkenntnis Gottes. 11 Gestärkt mit aller Kraft - gemäß seiner machtvollen Herrlichkeit - zu aller Ausdauer und Geduld, 12 möget ihr in Freude Dank sagen dem Vater, der uns befähigt hat, Anteil zu erhalten am Erbe seiner Heiligen im Lichte.

Von der erhabenen Stellung Christi

13 Er entriß uns der Gewalt der Finsternis und versetzte uns in das Reich des Sohnes seiner Liebe, 14 in dem wir die Erlösung haben [durch sein Blut], die Vergebung der Sünden. 15 Er ist das Bild Gottes, des Unsichtbaren, Erstgeborener aller Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles erschaffen, was im Himmel ist und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, ob Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten: alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. 17 Er ist vor allem, und alles hat in ihm seinen Bestand.
18 Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche. Er ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit in allem er den Vorrang habe. 19 Denn es war Gottes Ratschluß, in ihm alle Vollkommenheit wohnen zu lassen 20 und durch ihn alles mit sich zu versöhnen, da er den Frieden wirkte durch sein Blut am Kreuze -, alles durch ihn, ob es auf Erden ist oder im Himmel.
21 Auch euch, die ihr ehedem entfremdet wäret und feindlich gesinnt in euren bösen Werken, 22 hat er nunmehr versöhnt durch den Tod im Leibe seines Fleisches, um euch als Heilige, Fehlerlose und Makellose hintreten zu lassen vor sein Angesicht, 23 wenn ihr nur feststeht und unverrückbar bleibt auf dem Grund des Glaubens und nicht wankend werdet in der Hoffnung des Evangeliums, das ihr vernommen habt, das in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, verkündet wurde und dessen Diener ich, Paulus, geworden bin.

Paulus als Apostel Jesu Christi

24 Nun freue ich mich der Leiden für euch und will das, was an Christi Drangsalen noch aussteht, ergänzen an meinem Fleisch zum Besten seines Leibes, das ist die Kirche. 25 Deren Diener bin ich geworden kraft des Amtes, das mir von Gott verliehen wurde, um an euch die Botschaft Gottes auszurichten: 26 das Geheimnis, das seit Anfang der Zeiten und Generationen verborgen war, jetzt aber kundgetan wurde seinen Heiligen. 27 Ihnen wollte Gott zu wissen tun, was es um den herrlichen Reichtum dieses Geheimnisses ist unter den Heidenvölkern: das ist Christus in euch, die Hoffnung auf die Herrlichkeit. 28 Ihn verkünden wir, indem wir jedermann anrufen und jedermann in aller Weisheit lehren und so jeden Menschen zur Vollkommenheit führen in Christus. 29 Ja, dafür arbeite und ringe ich unter dem Antrieb seiner Kraft, die machtvoll in mir tätig ist.


Fußnote

1,1-12: Beachte, wie Paulus schon in der Einleitung indirekt an die Glaubenstreue der Leser appelliert mit Hinweis auf die Erlösungsgnaden. Im Hinblick auf die Irrlehrer hebt er die von ihnen propagierten Begriffe »Erkenntnis« und »Weisheit« gerade als Kennzeichen christlicher Glaubensoffenbarung hervor. Dabei sieht man, wie Paulus in seinem Sendungsbewußtsein als Heidenapostel sich auch verantwortlich fühlt für die nicht von ihm persönlich gegründeten Gemeinden. So auch im Römerbrief. Die Gemeinde von Kolossä ist von Epaphras, dem  »geliebten Mitknecht« (1,7) wohl in jenen Jahren missioniert worden, als Paulus längere Zeit in Ephesus tätig war (Apg 19,10). • 13-17: Der Gottmensch Jesus Christus ist Mitte der ganzen Schöpfung und Mittler alles Heils. Vgl. das Christusbild im Johannesprolog, Joh 1,1-18. Die Irrlehrer scheinen das Heil an eine Weihe an Engel geknüpft zu haben sowie an die Beobachtung bestimmter Riten und Enthaltungen. Paulus zeigt, wie alles Heil von Christus kommt, dem auch die Geisterwelt unterworfen ist. • 18-23: In der inneren Lebensverbindung mit Christus bildet die Kirche als Gemeinschaft der Christgläubigen den geheimnisvollen Leib Christi. Aus Christus, als dem Haupt dieses Leibes, strömt der Lebenskreis des übernatürlichen Lebens. • 24: Die Kirche, als der in Zeit und Raum fortlebende Christus, nimmt teil am Leidensweg Christi, mag Christus auch schon mit seinem Opfertod den Gerechtigkeitsanspruch Gottes voll erfüllt haben. Im Mitleiden für den Leib Christi, die Kirche, dürfen wir nach einem geheimnisvollen Lebensgesetz des Gottesreiches mitwirken am Heil aller. Das meint Paulus, wenn er vom »Ergänzen« der Drangsale Christi spricht. - Weitere Kapitel: 02 | 03 | 04 |

Diese Kategorie enthält zurzeit keine Seiten oder Medien.