Kategorie:Das goldene Buch:3-1

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Rebekka und Jakob


Anm. – Der hl. Montfort schließt sich in dieser Erklärung dem hl. Augustinus und anderen Kirchenvätern an, welche Jakob und Rebekka von dem Vorwurf des Betruges und der Lüge zu reinigen suchen, weil sie in ihrem Vorgehen einen geheimnisvollen Hinweis auf eine höhere Wahrheit erblicken. Notwendig und befriedigend ist eine solche Deutung nicht. Gott kann auch sündhafte Handlungen der Menschen, die er zulässt und geziemend bestraft, der Verwirklichung seiner Absichten dienstbar machen. Die vorbildliche Bedeutung des Ereignisses, die auch vom hl. Paulus (Roem 9,19-23) bestätigt wird, braucht indes keineswegs abgeschwächt zu werden. In Gleichnissen sollen und dürfen nicht alle Züge genau und erschöpfend auf die verglichenen Gegenstände übertragen werden, was besonders auch an dem Gleichnis Jesu vom ungerechten Verwalter zu erkennen ist.

Das biblische Vorbild der vollkommenen Andacht zu Maria
Für alle Wahrheiten, die ich bisher über das gegenseitige Verhältnis der allerseligsten Jungfrau und ihrer Kinder und Diener dargelegt habe, bietet uns der Heilige Geist in der Heiligen Schrift ein wunderbares Vorbild in der Geschichte Jakobs, der durch die Sorgfalt und die Bemühungen seiner Mutter Rebekka den Segen seines Vaters Isaak empfing. Erst lasse ich den Bericht der Heiligen Schrift folgen, um dann einige Bemerkungen daran zu knüpfen.

1. Geschichte Jakobs

Esau hatte das Recht seiner Erstgeburt an Jakob verkauft. Rebekka, die Mutter dieser beiden Brüder, welche den Jakob zärtlich liebte, sicherte ihm mehrere Jahre später die mit der Erstgeburt verbundenen Rechte durch eine geheimnisvolle List. Als nämlich Isaak fühlte, dass er alt geworden sei, und daher seinen Kindern vor seinem Tode den väterlichen Segen erteilen wollte, rief er seinen Sohn Esau, den er besonders liebte, zu sich und trug ihm auf, ein Wildbret zu erjagen, es zuzubereiten und ihm vorzusetzen, damit er ihn dann segne. Schleunigst hinterbrachte Rebekka ihrem Sohne Jakob diesen Vorgang und befahl ihm, zwei Zicklein aus seiner Herde zu holen. Sobald er sie seiner Mutter übergeben hatte, bereitete sie davon ein Lieblingsgericht für Isaak. Sodann zog sie dem Jakob die Gewänder des Esau an, die sie zu Hause aufbewahrte; seine Hände aber und seinen Hals umhüllte sie mit dem Felle der Zicklein, damit sein erblindeter Vater, trotz der zarteren Stimme Jakobs, seiner rauhen Hände wegen glauben möchte, es sei dessen Bruder Esau. Und wirklich hieß Isaak, überrascht von der Stimme, die er für jene Jakobs hielt, ihn näher treten. Nachdem er das Haar der Felle, womit Jakobs Hände bedeckt waren, betastet hatte, sprach er: „Die Stimme ist wohl Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände.“ Als er dann gegessen und beim Kusse Jakobs den Duft seiner Kleider gerochen hatte, segnete er ihn und wünschte ihm den Tau des Himmels und die Fruchtbarkeit der Erde, setzte ihn zum Herrn ein über alle seine Brüder und beschloss seinen Segen mit den Worten: „Wer dir flucht, sei selbst verflucht, und wer dich segnet, sei überreichlich gesegnet.“ Kaum hatte Isaak diese Worte beendigt, als Esau eintrat und sein Wildbret vorsetzte, damit der Vater ihn dafür segne. Der heilige Patriarch war von unglaublichem Staunen ergriffen, als er erkannte, was geschehen war; allein weit entfernt zu widerrufen, was er getan, bestätigte er vielmehr seine Segenswort, weil er in diesem Vorfall deutlich den Finger Gottes erblickte. Da brach Esau, wie die heilige Schrift berichtete, in wilde Klagen aus, und, indem er seinen Bruder offen des Betruges beschuldigte, fragte er seinen Vater, ob er denn nur einen einzigen Segen habe. Wie die heiligen Väter bemerken, war Esau hierin so recht ein Vorbild derer, die Gott und der Welt dienen und so zugleich die Tröstungen des Himmels und der Erde genießen wollen. Isaak, gerührt durch Esaus Klagerufe, segnete ihn endlich, aber mit dem Segen der Erde, indem er ihn unter die Dienstbarkeit seines Bruders Jakob stellte. Deshalb fasst Esau einen so erbitterten Hass gegen Jakob, dass er nur noch auf den Tod seines Vaters wartete, um ihn zu töten; und Jakob hätte dem Tod nicht entgehen könne, wenn ihn nicht seine treue Mutter Rebekka durch ihre Sorgfalt und ihre klugen Ratschläge, die sie ihm gab und die er befolgte, davor beschützt hätte.

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