Kategorie:Ordenskatechismus:Anhang:B-I

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I. Was die gottliebende Seele jeden Tag tun soll.


1. Am Morgen, gleich nach dem Erwachen, erhebe sie ihren Geist zu Gott und erwecke einen innern Akt der Anbetung oder der Reue oder eine andere Anmutung, wozu sie gerade die eigene Andacht antreibt, wenn nur der Geist mit einem heiligen Gedanken beschäftigt wird.
2. Sie stehe zur rechten Zeit auf und mache zuerst das heilige Kreuzzeichen. Während des Ankleidens bete sie die fünf Psalmen, deren Anfangsbuchstaben den heiligen Namen Mariens bilden.
3. Nach dem Ankleiden ziehe sie sich an einen abgelegenen Ort zurück und bete dort die heiligste Dreifaltigkeit an. Wenn sie nicht gesehen wird, verneige sie sich bis auf die Erde und spreche: „Ich bete dich an, heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist; ich erkenne dich an als meinen Gott und Herrn und den Beschützer meiner Seele.“
4. Darauf sage sie Dank und erwecke Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue. Aber sie gebe sich dabei Mühe, es ruhigen Geistes und andächtigen Herzens zu tun.
5. Eine noch größere Andacht verlangt jedoch folgender Akt der Aufopferung, der all die reinsten Meinungen enthält. Diesen Akt der Aufopferung unterlasse sie nie, auch wenn sie das übrige auslassen müsste. Denn dieser Akt muß die Seele aller Handlungen des Tages sein. Daher gebe sie sich Mühe, ihn mit Eifer des Geistes vorzunehmen. Sie bete:
„Ewiger Gott, siehe mich niedergeworfen vor deiner unendlichen Majestät. Ich bete dich in Demut an. Ich opfere dir alle meine Gedanken, Worte und Werke dieses Tages auf. Ich mache die Meinung, alles zu tun aus Liebe zu dir, zu deiner Ehre, um deinen Willen zu erfüllen, dir zu dienen, dich zu loben und zu preisen, um erleuchtet zu werden in den Geheimnissen des heiligen Glaubens, um mein ewiges Heil sicherzustellen und auf deine Barmherzigkeit zu hoffen, um deiner Gerechtigkeit genugzutun für meine so vielen und schweren Sünden, um den armen Seelen des Fegefeuers zu Hilfe zu kommen und um allen Sündern die Gnade einer wahren Bekehrung zu erflehen. Kurz, ich mache die Meinung, heute alles in Vereinigung mit jenen reinsten Absichten zu tun, die in ihrem Leben Jesus und Maria und alle Heiligen des Himmels und alle Gerechten auf Erden gehabt haben. Ich wollte, ich könnte diese Meinung mit meinem Blute unterschreiben und sie jeden Augenblick sooft wiederholen, als es Augenblicke in der ganzen Ewigkeit geben wird. Nimm an, lieber Gott, diesen meinen guten Willen und gib mir deinen Segen und die wirksame Gnade, an diesem Tage und an allen Tagen meines Lebens keine schwere Sünde zu begehen.“
6. Darauf bete die drei Ave Maria zu Ehren der Reinheit der allerseligsten Jungfrau Maria und opfere gänzlich sich selbst, ihren Leib, ihre Seele, ihre Sinne und Fähigkeiten und alle ihre Angelegenheiten dieser großen Herrin auf. Ihr weihe sie ihr ganzes Sein. Dann bitte sie um ihren Segen mit den Worten: „Heiligste Jungfrau, Mutter Gottes Maria, ich bitte um deinen heiligen Segen.“
7. An Festtagen oder zu einer Zeit, in der sie keine großen Beschäftigungen hat, kann sie ihre Betrachtungen lesen und eine viertel oder halbe Stunde lang betrachten und ihre Sünden beweinen. Wenn aber die Arbeiten ihr nicht gestatten, soviel Zeit darauf zu verwenden, nehme sie das Büchlein „Seelenspeise“ oder die „Geistlichen Übungen“ des hl. Ignatius von P. Johannes Petrus Pinamonti (Siehe S. 253, Anmerkung) zur Hand, gehe zur Messe und lese während der Messe ein wenig darin. Sie denke dann über diese Wahrheiten nach und erwecke in ihrem Herzen Akte der Reue, des Dankes und der Liebe zu Gott. Zum Schluss fasse sie einen besondern Vorsatz. Vor allem nehme sie sich vor, nicht mehr in den Fehler zu fallen, der in ihr vorherrscht. O wunderbare Übung! Sie wird das Licht ihrer Seele sein. Gegen Ende der Messe bete sie fünf Vaterunser und Ave Maria zu den Wunden des Herrn. Dann gehe sie an ihre Arbeiten mit dem Entschluss, lieber das Leben zu verlieren, als eine schwere Sünde zu begehen.
8. Vor der Mahlzeit werfe sie sich vor ihrem Kurzifix nieder, bleibe dort eine ganz kurze Zeit, bete ein Ave Maria zum leiderfüllten Herzen der allerseligsten Jungfrau, erwecke einen Akt der Reue über alle seit dem Morgen bis zu dieser Stunde begangenen Sünden und begebe sich dann zu Tisch.
9. Am Abend vor dem Abendessen versammle sie ihre ganze Familie, den Ehegatten, die Kinder und Dienstboten, in ihrem Zimmer. Alle beten dann zusammen fünf Gesetzchen vom Rosenkranz und die Litanei und am Schluss die Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue. Dies tue sie unweigerlich, auch wenn es schon sehr spät wäre. Bei ihrem Tode ermahne sie in ihrem Testament ihre Kinder, dasselbe zu tun. Von keinem nehme sie eine Entschuldigung an, alle lasse sie zusammenkommen. Sie wird dann sehen, dass tausendfacher Segen sich über ihr Haus ergießt.
10. Nach dem Abendessen verrichte sie die Danksagung und die übrigen gewohnten Gebete. Vor allem empfehle sie ihre Seele dem Herrn, wie sie es in der Stunde des Todes gern tun würde, indem sie dreimal spricht: „In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist!“ Dann bete sie einmal den Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich“, in der Meinung, dass er nach ihrem Tode ihrer Seele zugute komme. Darauf besprenge sie ihr Bett mit Weihwasser, das sie stets in ihrem Zimmer haben soll. Hierauf empfehle sie sich ihrem Schutzengel mit den Worten: „Engel Gottes, der du mein Beschützer bist, bewahre mich diese Nacht, leite und regiere mich. Amen.“ Dann gehe sie zur Ruhe.

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