Kategorie:Stundenbuch:Lesung/Lesehore08Sonntag

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Sonntag 08. WOCHE IM JAHRESKREIS

JAHRESREIHE I:

ERSTE LESUNG


Aus dem ersten Brief an die Korinther (14,20-40)
Brüder, seid nicht Kinder im Verstehen, wohl aber unerfahren in Bosheit; im Verstehen jedoch sollt ihr vollkommen sein. Im Gesetze ist geschrieben: »Durch Anderssprechende und durch die Lippen von Fremden werde ich reden zu diesem Volk; doch nicht einmal so werden sie herhören auf mich, spricht der Herr« (Jes 28,11). So sind also die Zungen zum Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ist nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
Praktische Anweisungen
Wenn nun die ganze Gemeinde am gleichen Ort zusammenkommt, und es reden alle in Zungen, werden da Unkundige oder Ungläubige, die eintreten, nicht sagen: »Ihr seid von Sinnen«? Wenn aber alle prophetisch reden, und es tritt ein Ungläubiger oder ein Unkundiger ein, so wird er zurechtgewiesen von allen und von allen ins Gericht genommen; das Verborgene seines Herzens wird offenbar und er wird niederfallen auf sein Angesicht und Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaft in euch ist. Was folgt nun daraus, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, und der einzelne hat einen Lobgesang, eine Lehre oder eine Offenbarung oder eine Zungenrede oder eine Auslegung, so geschehe alles zur Erbauung. Redet jemand in Zungen, so seien es ihrer zwei, höchstens drei, und zwar nacheinander, und einer lege es aus. Ist aber niemand zum Auslegen da, so schweige man in der Versammlung; man spreche zu sich selbst und zu Gott.
Als Propheten sollen ihrer zwei oder drei reden, und die übrigen mögen es prüfen. Wird aber einem andern, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil, so soll der erste schweigen. Denn ihr könnt alle, einer nach dem andern, prophetisch reden, damit alle lernen und alle ermahnt werden. Auch Geister von Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Wie bei allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es sagt. Wollen sie aber Auskunft in etwas, so mögen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es steht der Frau nicht gut an, in der Versammlung zu reden. Oder ist etwa Gottes Wort von euch ausgegangen? Oder kam es allein zu euch? Glaubt jemand, ein Prophet zu sein oder ein Geistbegabter, der anerkenne, was ich euch schreibe, als ein Gebot des Herrn! Wer es missachtet, wird missachtet werden. Darum, Brüder, bemüht euch um prophetisches Reden, und verhindert das Zungenreden nicht! Alles aber geschehe in Würde und Ordnung.


(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Löscht den Geist nicht aus. Verachtet prophetische Worte nicht. * Prüft alles und behaltet das Gute.
V. Strebt nach den Gaben des Geistes. * Prüft alles und behaltet das Gute.


Zweite Lesung

Augustinus († 430) zugeschrieben

Aus der Schrift „Über die Liebe zu Gott“.

Die große Liebe Gottes zu den Menschen

Da unser ganzes Heil auf die Liebe beruht, müssen wir eindringlich darüber nachdenken, warum und wie unser Herr von uns geliebt werden muss. Um die Gottesliebe in uns zu entfachen, zu nähren und zu mehren, taugt nichts so sehr als eine häufige und eingehende Betrachtung über seine Wohltaten: Er hat uns so großes geschenkt und vergolten, dass unsere Seele verzagt, ganz und gar verzagt, wenn sie seine Wohltaten bedenkt.
Wenn es nun auch nicht möglich ist, ihm mit so großer Liebe so große Ergebenheit und Dankbarkeit zu erweisen, wie er es verdient, so müssen wir ihn doch wenigstens so lieben und ihm so danken, wie wir es vermögen.
Seht, warum wir unsern Herrn sehr lieben müssen – wegen der Wohltaten, die er uns aus seiner großen Vaterliebe, seiner ungeschuldeten Güte ohne unser Verdienst geschenkt hat.
Wie aber Gott von uns zu lieben ist, zeigt jenes Gebot, das er mehr als deutlich gegeben hat und dessen Beachtung er dringend verlangt1. Höre also, du Mensch, das erste und höchste Gebot, höre es aufmerksam, präge es dem Gedächtnis ein, denke immer darüber nach und erfülle es nach Kräften inständig, anhaltend, beharrlich. Dies ist das Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen“, das heißt mit deinem ganzen Verstand, „mit ganzer Seele“, das heißt mit deinem ganzen Willen, „und mit all deinen Gedanken“, das heißt mit deinem ganzen Gedächtnis2, damit du all deine Gedanken, dein ganzes Leben und deinen ganzen Verstand ihm anheimgibst.
Aber vielleicht scheust du dich nicht, Gott nur wenig Liebe zu geben, weil du meinst, Gott liebe auch dich nicht sehr. So erforsche doch und bedenke in deinem Herzen, welche Gaben und Wohltaten er dir erwiesen und verheißen hat. Dann wirst du erkennen, wie sehr du ihn lieben musst.

(1) Vgl. Ps 119,4. (2) Vgl. Mt 22,37.


RESPONSORIUM
R. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken, * damit du ihm alles anheimgibst.
V. Dein Geist preise die Größe Gottes, und deine Seele frohlocke über Gott, deinen Retter. * Damit du ihm alles anheimgibst.


ORATION
Allmächtiger Gott, deine Vorsehung bestimmt den Lauf der Dinge und das Schicksal der Menschen. Lenke die Welt in den Bahnen deiner Ordnung, damit die Kirche in Frieden deinen Auftrag erfüllen kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus.



Jahreskreis II

ERSTE LESUNG

Aus dem zweiten Brief an die Korinther. (7,2-16)
Freude über den empfangenen Trost Gebt uns Raum! Wir haben niemand unrecht getan, niemand zugrunde gerichtet, niemand hintergangen. Nicht um euch anzuklagen, sage ich das; denn soeben habe ich erklärt, dass ihr in unserem Herzen seid auf Sterben und Leben mit euch. Groß ist meine Zuversicht zu euch, groß mein Rühmen um euretwillen; ich bin des Trostes voll, überreich an Freude bei all unserer Drangsal. Denn auch als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern alle Drangsal kam über uns, von außen her Kämpfe, von innen her Angst und Sorge. Gott aber, der die Gebeugten tröstet, tröstete uns durch die Ankunft des Titus; doch nicht allein durch sein Kommen, sondern auch durch den Trost, mit dem er getröstet wurde bei euch; er berichtete uns von eurer Sehnsucht, von eurem Schmerz und von eurem Eifer für mich, so dass ich noch mehr mich freute.
Denn wenn ich euch auch betrübte durch den Brief, so gereut es mich nicht, und sollte es mich auch gereuen - da ich sehe, dass jener Brief, wenn auch nur vorübergehend, euch betrübte -, so freue ich mich jetzt, nicht weil ihr betrübt wurdet, sondern weil eure Betrübnis zur Umkehr führte. Denn ihr wurdet im Sinne Gottes betrübt, so dass ihr in keiner Weise Schaden littet durch uns. Denn die Betrübnis im Sinne Gottes bewirkt Umkehr zum Heile, die nicht gereut; die Betrübnis der Welt aber bewirkt Tod. Seht doch, wieviel Streben bewirkte gerade dieses Betrübtwerden im Sinne Gottes für euch; ja, auch Entschuldigung und Bedauern und Furcht und Sehnsucht, sogar Eifer und Bestrafung; in jeder Hinsicht habt ihr bewiesen, dass ihr schuldlos seid in dieser Sache. So erfolgte denn auch mein Schreiben an euch nicht dessentwegen, der Unrecht tat, noch auch dessentwegen, der Unrecht litt, sondern damit euer Eifer für uns an den Tag komme unter euch vor Gott.
Darum sind wir getröstet worden. Zu unserem Troste hinzu freuten wir uns besonders über des Titus Freude, weil sein Geist erquickt wurde von euch allen. Denn wenn ich mich vor ihm gerühmt hatte über euch, so bin ich nun nicht beschämt worden, sondern wie wir alles in Wahrheit vor euch sagten, so erwies sich auch unser Rühmen vor Titus als Wahrheit. Sein Herz gehört euch nun noch viel mehr, wenn er des Gehorsams gedenkt von euch allen, wie ihr mit Furcht und Zittern ihn aufgenommen habt. Ich freue mich, dass ich mich in allem verlassen kann auf euch.


(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Trotz aller Not bin ich von Trost erfüllt; * ich ströme über vor Freude.
V. Gott, der die Niedergeschlagenen tröstet, hat auch uns aufgerichtet. * Ich ströme über vor Freude.


ZWEITE LESUNG

Josef Andreas Jungmann († 1975)

Aus der Schrift „Seelsorge als Schlüssel der Liturgiegeschichte“.

Führung zu christlichem Beten

Das Höchste, worin die Kirche ihre Gläubigen zu unterweisen hatte, war und ist das Opfer des Neuen Bundes. Es ist etwas Großes, dass sich seit den Uranfängen der Kirche überall, wo katholische Christen sind, Sonntag für Sonntag Tausende und Millionen in den Gotteshäusern zusammenfinden, um dem heiligen Opfer beizuwohnen.
Die Liturgie der Kirche wollte die Gläubigen als „circumstantes“ – gewiss nicht im geometrischen, wohl aber im geistigen Sinn – um den Altar versammeln.
Überall dort, wo die Gläubigen eingingen auf das, was die Liturgie ihnen nahelegte, mussten sie inne werden, dass sie hier nicht bloß „Gäste und Fremdlinge“ waren, dass sie nicht nur berufen waren, Zeugen zu sein von dem, was Christus durch den Priester am Altar tat in geheimnisvollen Gebeten und Riten, dass hier nicht nur das Opfer Christi geschah, sondern das Opfer, das Christus mit seiner Kirche feiern wollte, das Opfer, das er als Hoherpriester darbringen wollte an der Spitze seines priesterlichen Volkes und in das er alle Gläubigen hineinnehmen wollte mit ihren Arbeiten und Sorgen, ihren Kämpfen und Leiden, das Opfer, mit dem er die Welt dem himmlischen Vater entgegenführen wollte -, bis der Tag komme, an dem Gott alles in allem ist1.
Ein heiliger Stolz musste so die Gläubigen erfüllen, die solcher Führung der Kirche gefolgt sind, das frohe Bewusstsein: wir sind schon jetzt hineingenommen in das Reich Gottes. Dieses Bewusstsein musste ihren Glauben mehr stärken als viele Worte rationaler Belehrung, weil es heilige Freude war, Vorgefühl himmlischen Besitzes.
Es ist gewiss der entscheidende Erfolg kirchlicher Seelsorge, wenn sie die Seelen rettet, wenn es ihr gelingt, die Menschen so zu führen, dass sie wenigstens in der Stunde des Todes den rechten Weg gefunden haben und so ihr Ziel erreichen. Aber es ist größer und der christlichen Berufung würdiger, je es ist die eigentliche Aufgabe der Kirche, das christliche Volk so zu führen, dass es sich schon hier auf Erden in heiliger Freude zusammenfindet, um Gott zu verherrlichen, um, wie der heilige Petrus den Beruf des Gottesvolkes umschreibt, „die Großtaten dessen zu verkünden, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“2. Das aber ist es, was die Liturgie zu allen Zeiten erstrebt hat.
Die lebendig gefeierte Liturgie ist durch Jahrhunderte die wichtigste Form der Seelsorge gewesen.

(1) Vgl. 1Kor 15,28. (2) 1Petr 2,9.


RESPONSORIUM
R. Ihr seid eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk; * ihr seid berufen, Gottes große Taten zu verkünden.
V. Jetzt seid ihr Gottes Volk, jetzt habt ihr Erbarmen gefunden. * Ihr seid berufen, Gottes große Taten zu verkünden.


ORATION
Allmächtiger Gott, deine Vorsehung bestimmt den Lauf der Dinge und das Schicksal der Menschen. Lenke die Welt in den Bahnen deiner Ordnung, damit die Kirche in Frieden deinen Auftrag erfüllen kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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