Kategorie:Stundenbuch:Lesung/Lesehore11Samstag

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Samstag 11. WOCHE IM JAHRESKREIS

JAHRESREIHE I:

ERSTE LESUNG


Aus dem Buch der Richter (11,1-10.29-40)

Der Gileadit Jephte war ein tapferer Held, aber der Sohn einer Buhlerin. Gilead war Jephtes Vater. Auch seine Ehefrau gebar dem Gilead Söhne. Die Söhne der Frau wuchsen heran und vertrieben den Jephte. Sie sprachen zu ihm: »Du darfst in unserer Familie nicht miterben; denn du bist der Sohn eines anderen Weibes.« So floh denn Jephte vor seinen Brüdern und siedelte sich im Lande Tob an. Es scharten sich nun um Jephte haltlose Leute und zogen mit ihm auf Abenteuer aus. Einige Zeit verging, da begannen die Ammoniter mit Israel Krieg zu führen. Als aber die Ammoniter den Kampf mit Israel eröffneten, machten sich die Ältesten Gileads auf den Weg, um Jephte aus dem Lande Tob zu holen. Sie sprachen zu Jephte: »Komm, werde unser Anführer, dann wollen wir gegen die Ammoniter kämpfen!« Jephte entgegnete den Ältesten Gileads: »Habt ihr mich denn nicht gehasst und mich aus meiner Familie vertrieben? Warum kommt ihr jetzt zu mir, da ihr in Not seid?« Darauf erwiderten die Ältesten Gileads dem Jephte: »Eben darum haben wir uns jetzt wieder an dich gewandt; komm mit uns, kämpfe gegen die Ammoniter und werde Oberhaupt von uns, nämlich von allen Bewohnern Gileads!« Jephte antwortete den Ältesten Gileads: »Ihr wollt mich also zurückholen, damit ich den Kampf gegen die Ammoniter eröffne. Wenn der Herr sie nun mir preisgibt, werde ich dann wirklich euer Oberhaupt?« Da beteuerten die Ältesten Gileads dem Jephte: »Der Herr ist Ohrenzeuge zwischen uns; wir schwören, dass wir nach deinem Verlangen tun!« 
Da kam der Geist des Herrn über Jephte. Dieser zog durch Gilead und Manasse und dann nach Mizpa in Gilead, und von Mizpa in Gilead rückte er vor gegen die Ammoniter.
Jephtes Gelübde und Sieg
Nun tat Jephte dem Herrn gegenüber ein Gelübde und sprach: »Wenn du die Ammoniter in meine Hand auslieferst, so gehöre, wer immer aus der Türe meines Hauses kommt, wenn ich wohlbehalten von den Ammonitern heimkehre, dem Herrn! Ich bringe ihn als Brandopfer dar.« Jephte zog also gegen die Ammoniter, um mit ihnen zu kämpfen. Der Herr überlieferte sie seiner Hand. Er warf sie von Aroer bis nach Minnit - es waren zwanzig Städte - und bis nach Abel-Keramim in heftigem Schlage nieder. Die Ammoniter mussten sich vor den Israeliten demütigen.
Jephtes Tochter
Jephte kehrte zu seinem Haus in Mizpa zurück; siehe, da kam ihm seine Tochter mit Paukenschlägen und Reigentänzen entgegen. Sie war sein einziges Kind, außer ihr hatte er weder Sohn noch Tochter. Kaum hatte er sie erblickt, da zerriss er seine Kleider und sprach: »Wehe, meine Tochter! Du beugst mich völlig nieder! Dass du es bist, die mich ins Unglück bringt! Habe ich doch meinen Mund vor dem Herrn aufgetan und kann nicht mehr zurück!« Sie entgegnete ihm: »Mein Vater, hast du deinen Mund dem Herrn gegenüber geöffnet, so handle mit mir, wie es aus deinem Munde kam, nachdem der Herr dir Rache an deinen Feinden, den Ammonitern, gewährt hat!« Dann sprach sie zu ihrem Vater: »Dies eine gewähre man mir noch: Lass noch zwei Monate von mir ab; ich will hingehen und über die Berge streifen. Beweinen will ich meine Jungfrauschaft mit meinen Gefährtinnen!« Er antwortete: »Gehe hin!« Für zwei Monate ließ er sie fort. Sie zog also mit ihren Gefährtinnen hin und beweinte auf den Bergen ihre Jungfrauschaft. Zwei Monate später kehrte sie zu ihrem Vater heim; er vollzog an ihr das Gelübde, das er getan. Sie hatte noch keinen Mann berührt. Von daher stammt der Brauch in Israel: Alljährlich ziehen Israels Töchter hin, die Tochter Jephtes aus Gilead zu besingen, in jedem Jahr vier Tage lang.

(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. * Ich sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel noch bei der Erde.
V. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. * Ich sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel noch bei der Erde.


Zweite Lesung

Cyprian von Karthago († 258)

Aus dem Buch über das Gebet des Herrn.

Wir sind Kinder Gottes – lasst uns im Frieden Gottes bleiben

Der Bitte um Vergebung unserer Schuld hat der Herr ein Gesetz beigegeben, durch das er uns auf eine bestimmte Bedingung und Zusage verpflichtet: Wir sollen bitten, dass uns unsere Schuld in dem Maß vergeben wird, in dem wir selbst unsern Schuldigern verzeihen. Wir sollen wissen, dass wir nicht erhalten können, was wir im Hinblick auf unsere Sünden erbitten, wenn wir denen, die an uns sündigen, nicht das Gleiche gewähren. Darum sagt der Herr an anderer Stelle: „Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.“1 Wenn der Knecht, dem der Herr seine ganze Schuld erlassen hat, selbst seinem Mitknecht nichts erlassen will, wird er ins Gefängnis geworfen. Weil er mit seinem Mitknecht kein Erbarmen hat, verliert er das Erbarmen, das er von seinem Herrn erfahren hatte2.
Christus hat uns das in seinen Geboten mit aller Strenge noch nachdrücklicher vor Augen gestellt: „Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, dann wird euch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“3 Am Tag des Gerichts bleibt dir keine Entschuldigung.
Gott hat geboten, dass wir friedfertig und einmütig in seinem Hause wohnen4. Er will, dass wir als Kinder Gottes in Gottes Frieden bleiben; da wir den einen Geist haben, sollen wir ein Herz und eine Seele sein5.

(1) Mt 7,2. (2) Vgl. Mt 18,34. (3) Mk 11,25.26. (4) Vgl. Ps 68,7 (Vg.). (5) Vgl. Apg 4,32.



RESPONSORIUM
R. Ich ermahne euch, ein Leben zu führen, würdig des Rufes, der an euch erging; bemüht euch, die Einheit des Geistes durch den Frieden zu wahren, * denn eine gemeinsame Hoffnung ist euch gegeben.
V. Gott schenke euch Einmütigkeit, damit ihr ihn einträchtig mit einem Munde rühmt. * Denn eine gemeinsame Hoffnung ist euch gegeben.


ORATION
Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.



Jahreskreis II

ERSTE LESUNG

Aus dem Buch Sacharja. (2,5-17)

Darauf erhob ich meine Augen und schaute ein Gesicht: Siehe, da war ein Mann, der eine Meßschnur in seiner Hand hielt. Ich fragte: »Wohin gehst du?« Er antwortete mir: »Jerusalem will ich ausmessen und sehen, wie breit und wie lang es ist.« Und siehe, der Engel, der mit mir redete, trat hervor, und ein anderer Engel kam ihm entgegen. Da sprach er zu ihm: »Lauf, sage zu dem jungen Mann dort: ›0ffen soll Jerusalem daliegen wegen der Menge von Menschen und Vieh in ihm. Ich selbst - Spruch des Herrn - will ihm ringsum eine Feuermauer bilden und in seiner Mitte zum herrlichen Lichtglanz werden!‹« 
Heimkehr
»Auf, auf! Flieht aus dem Nordland!« - Spruch des Herrn. »Denn nach den vier Himmelsrichtungen hatte ich euch zerstreut« - Spruch des Herrn. »Auf! Nach Sion rettet euch, die ihr bei der Tochter Babel wohnt!« Denn so spricht der Herr der Heerscharen, dessen Herrlichkeit mich gesandt hat, über die Völker, die euch ausgeraubt haben: »Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an. Fürwahr, ich schwinge meine Hand wider sie, und sie fallen ihren Knechten als Beute zu.« So werdet ihr erkennen, dass der Herr der Heerscharen mich gesandt hat.
Jerusalem, die Gottesstadt
»Juble und freue dich, Tochter Sion! Denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte« - Spruch des Herrn. Viele Völker werden an jenem Tage dem Herrn anhangen und ihm als Volk gehören. Sie werden in deiner Mitte wohnen und du wirst erkennen, dass der Herr der Heerscharen mich zu dir gesandt hat. Dann nimmt der Herr Juda in Erbbesitz als seinen Anteil im Heiligen Land und erwählt Jerusalem weiterhin. Still, alle Welt, vor dem Herrn! Denn schon bricht er auf aus seiner heiligen Wohnstatt.

(Quelle: Vulgata nach Hamp, Stenzel und Kürzinger )


RESPONSORIUM
R. Juble und freue dich, Tochter Zion, * denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte.
V. An jenem Tag werden sich viele Völker dem Herrn anschließen, und sie werden mein Volk sein. * Denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte.


ZWEITE LESUNG

Hieronymus († 419/420)

Aus einer Auslegung zum Buch Sacharja

Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben
„Auf, auf! Flieht aus dem Land des Nordens – Wort des Herrn. Denn wie die vier Winde des Himmels habe ich euch zerstreut – Wort des Herrn. Auf, Zion, die du in Babel wohnst, rette dich. Denn so spricht der Herr der Heere – er hat mich mit Herrlichkeit zu den Völkern gesandt, die euch ausgeplündert haben.“1
Der Heilige Geist sagt durch Jeremia: „Geh hin und rufe diese Worte gegen Norden hin und sprich: Kehre zurück, Israel, du Abtrünnige! – Wort des Herrn.“2
Wir wohnen „im Norden“ und haben die Wärme der Gottesliebe verloren. Wir sind über die ganze Erde zerstreut. Von uns verkündigt das Evangelium, dass der Herr seine Engel in die vier Windrichtungen senden und uns versammeln wird3. Wir leben in den Sünden und Wirren dieser Welt. Darum wird uns geboten, wir sollen nach Zion flüchten, zu der Kirche des Herrn. Wir sollen die Niederungen verlassen und uns auf seine Warte, die Erhabenheit der Glaubenswahrheiten, stellen.
Wenn es aber heißt: „Wort des Herrn. Er hat mich mit Herrlichkeit gesandt“, so wir damit der Erlöser redend eingeführt. Er ist der allmächtige Gott und sagt, er sei vom allmächtigen Gott gesandt, nicht in der Natur, in der er mit Herrlichkeit gesandt wurde. „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst, wurde wie ein Sklave, war dem Vater gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“4
Es ist nicht erstaunlich, dass Christus allmächtig genannt wird. In Psalm 23 (Vg) lesen wir: „Erhebt eure Tore, ihr Fürsten, nach oben, erhebt euch, ihr uralten Pforten, dass einziehe der König der Herrlichkeit.“ Andere, die das Mysterium von der Erhöhung des Leibes noch nicht kennen, fragen: „Wer ist der König der Herrlichkeit“5, und sie beziehen es auf Christus. Wo wir lesen „Herr der Mächte“, heißt es im Hebräischen „Zebaot“, was in der Septuaginta mit „allmächtig“ wiedergegen wird. Daraus erkennen wir, dass überall da, wo Christus „Herr der Mächte“ genannt wird, seine Allmacht gemeint ist.
So ist er denn mit der Herrlichkeit der göttlichen Majestät zu den Völkern gesandt worden, die einst das Volk Gottes beraubten. Die Völker, von denen sie einst zur Beute genommen wurden, sollen seinen Dienern Beute sein, und die ganze Schar derer, die einst Sklaven waren, soll erkennen, dass der allmächtige Gott ihn gesandt hat.

(1) Sach 2,10-12. (2) Jer 3,12. (3) Vgl. Mt 24,31. (4) Phil 2,6.7.8. (5) Vgl. Ps 24,7-10.


RESPONSORIUM
R. Mir ist alle Macht gegeben * im Himmel und auf der Erde.
V. Vater, alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein. * Im Himmel und auf der Erde.


ORATION
Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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