Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Job12

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Liber Job Caput XII.

Das Buch Job. Kap. 12


b. Job antwortet auf die Anschuldigung nichts, sondern setzt in einer langen Rede seine Beantwortung des ersten Wechselgespräches fort, seine Freunde tadelnd und Gottes Barmherzigkeit anflehend. (12,1-14,22) Sich an die Freunde wendend, tadelt er sie, dass sie ihn anmaßend schelten (V. 5.), und entgegnet, es sei eine bekannte Tatsache, dass die Gottlosen oft im Glücke leben. (V. 10) Deshalb kann man den Ausspruch der alten Weisen, auf welche die Freunde sich berufen, nicht blind annehmen, da nur Gott Weisheit besitzt (V. 13) und seiner Weisheit und Macht gemäß nicht alles einzig nach seiner strafenden Gerechtigkeit ordnet, wie dies zahlreiche Beispiele zeigen. (V. 25)

1. Respondens autem Job, dixit:
2. Ergo vos estis soli homines, et vobiscum morietur sapientia?
3. Et mihi est cor sicut et vobis, nec inferior vestri sum: quis enim hæc, quæ nostis, ignorat:
4. Qui deridetur ab amico suo sicut ego, invocabit Deum et exaudiet eum: deridetur enim justi simplicitas.

5. Lampas contempta apud cogitationes divitum, parata ad tempus statutum.

6. Abundant tabernacula prædonum, et audacter provocant Deum, cum ipse dederit omnia in manus eorum.
7. Nimirum interroga jumenta, et docebunt te: et volatilia cœli, et indicabunt tibi.
8. Loquere terræ, et respondebit tibi, et narrabunt pisces maris.

9. Quis ignorat quod omnia hæc manus Domini fecerit?
10. In cujus manu anima omnis viventis, et spiritus universæ carnis hominis.

11. Nonne auris verba dijudicat, et fauces comedentis saporem?

12. In antiquis est sapientia, et in multo tempore prudentia.
13. Apud ipsum est sapientia et fortitudo, ipse habet consilium et intelligentiam.
14. Si destruxerit, nemo est qui ædificet: si incluserit hominem, nullus est qui aperiat.
15. Si continuerit aquas, omnia siccabuntur: et si emiserit eas, subvertent terram.
16. Apud ipsum est fortitudo et sapientia: ipse novit et decipientem, et eum qui decipitur.
17. Adducit consiliarios in stultum finem, et judices in stuporem.
18. Balteum regum dissolvit, et præcingit fune renes eorum.
19. Ducit sacerdotes inglorios, et optimates supplantat:
20. Commutans labium veracium, et doctrinam senum auferens.

21. Effundit despectionem super principes, eos, qui oppressi fuerant, relevans.
22. Qui revelat profunda de tenebris, et producit in lucem umbram mortis.

23. Qui multiplicat gentes et perdit eas, et subversas in integrum restituit.

24. Qui immutat cor principum populi terræ, et decipit eos ut frustra incedant per invium:
25. Palpabunt quasi in tenebris, et non in luce, et errare eos faciet quasi ebrios.


1. Job antwortete und sprach:1
2. Seid ihr denn allein Menschen2 und wird mit euch die Weisheit aussterben?
3. Auch ich habe Einsicht, so gut wie ihr und stehe nicht zurück gegen euch; wer wüsste denn das nicht, was ihr wisst?3 [Job 13,2]
4. Wer von seinem Freunde verspottet wird wie ich, ruft Gott an und dieser wird ihn erhören; denn des Gerechten Redlichkeit wird verlacht.4 [Spr 14,2]
5. Sie ist eine Leuchte, verachtet in der Meinung der Reichen, aber aufbewahrt für die bestimmte Zeit.5
6. Die Zelte der Räuber haben Überfluss und keck fordern sie Gott heraus, der doch selbst alles in ihre Hände gegeben hat.6
7. Frage doch die Tiere7 und sie werden es dich lehren, und die Vögel des Himmels und sie werden es dir kundtun.
8. Rede zu der Erde und sie wird dir antworten, und die Fische des Meeres werden es erzählen.
9. Wer weiß nicht, dass die Hand des Herrn alles dies8 gemacht hat?
10. In seiner Hand ist die Seele alles Lebenden und der Geist jedes Menschenleibes.9
11. Unterscheidet nicht das Ohr die Worte und10 des Essenden Gaumen den Geschmack? [Job 34,3]
12. Bei den Alten ist Weisheit und bei langer Lebenszeit Klugheit.
13. Bei ihm ist Weisheit und Stärke, er besitzt Rat und Einsicht.11

14. Wenn er zerstört,12 so baut niemand auf; wenn er jemanden einkerkert, ist niemand, der auftut.13 [Jes 22,22, Job 3,7]
15. Wenn er die Wasser hemmt, dorrt alles aus; und wenn er sie loslässt, so verwüsten sie das Land.14
16. Bei ihm ist Stärke und Weisheit, er kennt den Betrüger wie den Betrogenen.15
17. Er führt die Ratsherren zu törichtem Ende und die Richter zu Ratlosigkeit.16
18. Er löst den Gürtel der Könige17 und schlingt Fesseln um ihre Lenden.
19. Er führt die Priester bar der Ehre18 hinweg und stürzt die Mächtigen.
20. Er wandelt die Lippen der Wahrhaftigen um und nimmt Greisen die Lehrweisheit.
21. Er gießt Verachtung auf die Fürsten aus und hebt die empor, die unterdrückt waren.19
22. Er enthüllt das Tiefverborgene aus der Finsternis heraus und führt den Schatten des Todes ans Licht.20
23. Er macht die Völker groß und vernichtet sie, und die Gestürzten setzt er wieder in den vorigen Stand ein.21
24. Er nimmt den Fürsten des Volkes die Einsicht und führt sie irre, dass sie ratlos in unwegsamer Öde dahingehen;
25. sie tappen wie in der Finsternis und fern vom Lichte und er lässt sie irre gehen wie Trunkene.22


Fußnote

Kap. 12 (1) Was Job bereits [Job 9,22-24] erwähnt, legt er jetzt ausführlicher dar und zeigt durch die Erfahrung, dass die Behauptungen seiner Freunde auf einem falschen Fundamente ruhen. Zugleich wächst seine Erbitterung gegen seine lästigen Tröster. [Job 12,2, Job 13,3-12] Zwar wiederholt er wie zuvor die Behauptung seiner Unschuld, ja hofft diese vor Gottes Richterstuhl erweisen zu können, indes glaubt er sich nicht frei von jedem Fehler. Er vermutet, dass ihm wegen der in der Jugend begangenen Sünden diese Strafen auferlegt werden [Job 13,26], und beweint den Makel, welcher aus der Erbsünde auf alle Menschen übergegangen ist. [Job 14,4] Erkennt er ferner auch ein Leben nach dem Tode (wie [Job 3,17-19] so [Job 14,21.22]), so sucht er dennoch keinen Trost in der Hoffnung eines anderer Lebens und des Lohnes in demselben. Er bleibt bei dem Satze stehen: Man könnte die Mühsale des Lebens ertragen, wenn der Mensch nur wieder in das Leben zurückkehrte, um für alle Übel Gutes und neue Gunstbezeigungen Gottes zu erlangen. Da dies aber nicht möglich ist, ist ihm dies Veranlassung, Gott von neuem um Erbarmen und Befreiung zu bitten. Indes, was er im Herzen erwägt [Job 14,13-15], ist gleichsam das Vorspiel zu der höchsten Hoffnung, die er weiter unten [Job 19,26] aussprechen wird. Damit er zum Bewusstsein derselben gelange, dazu müssen die Vorwürfe und Anklagen der Freunde helfen. An Job selbst zeigt sich, dass die göttliche Belohnung erst im anderen leben zu erwarten ist. Der Streit der Freunde bewirkt, dass Job selbst bekennen muss, dass erst im anderen leben eine wahre und volle Lösung aller Schwierigkeiten sich findet. - (2) Mit Einsicht begabt. Hebr.: Ihr seid die Menschheit. So macht er ihren Stolz [Job 11,3] lächerlich, der Jobs Versicherungen jeder Beachtung für unwert hielt. - (3) Wem sind denn solche Dinge nicht bekannt, wie ihr sie vorgebracht? - (4) Gerade durch ihr Verhalten beweisen die Freunde, dass der Schuldlose bedrängt und verfolgt wird. - (5) Hebr.: dem Unglücke ziemt Verachtung nach des Sicheren Meinung, bereitet ist sie jedem, dessen Füße wanken. - (6) Gegensatz. Oft erfreuen sich die gewalttätigen großer Ruhe; (hebr.) jene, die göttliche und menschliche Gesetze verachten, und Gott selbst ist es, der ihnen dies Glück schenkt. [Job 9,22-24] - (7) Wisst ihr dies nicht, so werden die Tiere es euch lehren. Gott sendet Glück und Unglück Frommen und Gottlosen ohne Rücksicht auf Verdienst. - (8) Das in V. 6 Gesagte. - (9) Da Gott alles gibt und jedes Leben erhält, hat er auch die höchste Herrschaft, braucht also nicht notwendig sich an eine einzige Richtschnur zu halten. Die Freunde mögen also alles betrachten, was auf Erden geschieht, denn auch was die alten Weisen von Gottes Gerechtigkeit gesagt, ist nicht ohne Prüfung anzunehmen, da sie nicht alles erforscht haben. Auf Gott selbst also muss man zurückgehen (V. 13). - (10) Gleichwie. - (11) Ohne Grenzen. Gehen wir also von der Weisheit der Alten, die sie uns in Worten hinterlassen haben, zu Gottes mannigfachen Werken und seiner verschiedenen Art der Regierung empor, so werden wir ein vollständiges Urteil über den Lauf der Dinge erlangen. - (12) Job beginnt mit der Macht, die aber (V. 16: und Weisheit) nicht willkürlich handelt noch einzig die Gerechtigkeit im Auge hat. Mithin ist auch bei der Verhängung von Unglück Macht und Weisheit in Anschlag zu bringen. Gottes Leitung kennt keinen Widerstand. - (13) Die Kerker der Hebräer waren nach Art der ´Zisternen. [1Mos 37,20.22, Jer 38,6], vergl. [Dan 6,14, Dan 14,30] die Löwengrube. - (14) Ohne einen Unterschied zu machen zwischen Guten und Bösen. - (15) Gott ist kein Tyrann. Auch der Betrüger kann nicht weiter gehen als Gottes Weisheit es gestattet. - (16) Job zählt eine Reihe von Unglücksfällen auf, deren Ursache kein Mensch anzugeben vermag. Wollen seine Freunde also auf diese ihre Lehre von der ausschließlichen Gerechtigkeit Gottes anwenden? Gott zeigt, dass den Ratgebern Weisheit fehlt, indem er ihre klügsten Anschläge ein klägliches Ende finden lässt. Die Richter sind die Führer des Volkes. Hat dies seine Ursache im Verbrechen? Worin also? - (17) Ihren Kriegsgurt, das Zeichen ihrer königlichen Würde, nimmt er ihnen und lässt sie als Sklaven fortführen. - (18) Ihrer Würde beraubt. Vergl. [Jes 43,28]. - (19) Hebr.: und macht den Gürtel auch der Starken schlaff. - (20) Geheime Pläne und das Licht scheuende Missetäter. Oder: diese Weise zu handeln, welche sich in verschiedenen Ständen und in den Losen der Menschen zeigt, ist so wunderbar, als ob er zum Staunen aller plötzlich ans Licht zöge, was in beständige Finsternis gehüllt war. Auch hierdurch also will Gott die Menschen über die Ratschlüsse seiner Vorsehung belehren, die für sie unbekannt sind wie jene Tiefen. - (21) Was Job von den verschiedenen Ständen der Menschen gesagt, wiederholt er nun von den Völkern. Der nächste Vers zeigt den Weg zu diesem Ziele. - (22) Diese Regierung der Welt ist auf Gottes Macht und Weisheit zugleich zurückzuführen, also nicht alles nur nach dem Maßstabe der Gerechtigkeit zu messen.

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