Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Job08

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Liber Job Caput VIII.

Das Buch Job. Kap. 8


Streitgespräch zwischen Baldad und Job. (8,1 – 10,22) a. Baldads Vorwürfe gegen Job. (V. 1-22) Baldad greift Job heftig an, weil er mit seinen letzten Worten Gott der Ungerechtigkeit geziehen habe (V. 3), und behauptet, seine Söhne seien mit Recht umgekommen, er indes könne, wenn er Gott demütig anflehe, noch Erhörung finden und werde Gaben von Gott erhalten, welche die früheren weit übertreffen. (V. 7) Den gleichen irrigen Satz, auf den seine ersten Worte sich stützten, versucht Baldad aus dem Ansehen der älteren Weisen zu begründen (V. 10), welche durch ihre Aussprüche zeigen, dass das Wohlergehen des Gottlosen keinen Bestand hat. (V. 19) Die gleiche Lehre mit eigenen Worten wiederholend, verheißt er Job ein glücklicheres Los, wenn derselbe in sich gehe.

1. Respondens autem Baldad Suhites dixit:
2. Usquequo loqueris talia, et spiritus multiplex sermones oris tui?

3. Numquid Deus supplantat judicium? aut Omnipotens subvertit quod justum est?
4. Etiamsi filii tui peccaverunt ei, et dimisit eos in manu iniquitatis suæ:

5. Tu tamen si diluculo consurrexeris ad Deum, et omnipotentem fueris deprecatus:
6. Si mundus et rectus incesseris, statim evigilabit ad te, et pacatum reddet habitaculum justitiæ tuæ:

7. In tantum, ut si priora tua fuerint parva, et novissima tua multiplicentur nimis.
8. Interroga enim generationem pristinam, et diligenter investiga patrum memoriam:
9. (Hesterni quippe sumus, et ignoramus quoniam sicut umbra dies nostri sunt super terram.)
10. Et ipsi docebunt te: loquentur tibi, et de corde suo proferent eloquia.

11. Numquid virere potest scirpus absque humore? aut crescere carectum sine aqua?
12. Cum adhuc sit in flore, nec carpatur manu, ante omnes herbas arescit:

13. Sic viæ omnium, qui obliviscuntur Deum, et spes hypocritæ peribit:

14. Non ei placebit vecordia sua, et sicut tela aranearum fiducia ejus.

15. Innitetur super domum suam, et non stabit: fulciet eam, et non consurget:
16. Humectus videtur antequam veniat sol, et in ortu suo germen ejus egredietur,
17. Super acervum petrarum radices ejus densabuntur, et inter lapides commorabitur.
18. Si absorbuerit eum de loco suo, negabit eum, et dicet: Non novi te.

19. Hæc est enim lætitia viæ ejus, ut rursum de terra alii germinentur.

20. Deus non projiciet simplicem, nec porriget manum malignis:
21. Donec impleatur risu os tuum, et labia tua jubilo.
22. Qui oderunt te, induentur confusione: et tabernaculum impiorum non subsistet.


1. Da antwortete der Suhiter Baldad und sprach:1
2. Wie lange wirst du solches reden und werden die Reden deines Mundes wie ein heftiger Wind2 sein?
3. Beugt etwa Gott das Recht oder stößt der Allmächtige um, was Recht ist?3

4. Wenn auch deine Kinder sich gegen ihn versündigt haben und er sie der Gewalt ihrer Missetat überlassen hat,4
5. wenn du indes5 dich früh6 zu Gott aufmachst und zu dem Allmächtigen flehst,

6. wenn du lauter und recht wandelst, so wird er alsbald über dich wachen und der Wohnung deiner Gerechtigkeit Frieden verleihen;7
7. so wird, wenn auch dein Anfang klein gewesen, dein Nachmaliges überaus groß werden.8
8. Denn befrage nur das frühere Geschlecht und forsche fleißig im Andenken der Väter.9
9. (Wir sind ja von gestern und wissen nichts, weil unsere Tage auf Erden wie ein Schatten sind.)10 [Job 14,2, Ps 143,4]
10. Sie werden dich lehren und zu dir reden und Sinnsprüche aus ihrem Herzen bringen.11
11. Kann denn die Binse grünen ohne Feuchtigkeit oder das Riedgras wachsen ohne Wasser?12
12. Wenn es noch in Blüte steht und noch nicht von einer Hand gebrochen ist, verdorrt es vor allen Gräsern;
13. so sind die Wege aller, die Gottes vergessen, und die Hoffnung des Heuchlers geht zugrunde.13
14. Nicht frommt ihm seine törichte Hoffnung und einem Spinnengewebe ist sein Vertrauen gleich.14
15. Er baut auf sein Haus und es hält nicht stand, er stützt es15 und es will nicht aufrecht bleiben.
16. Er scheint saftig, ehe die Sonne kommt, und wenn sie aufgegangen ist, breiten sich seine Zweige aus;16
17. über den Felsen hin verflechten sich seine Wurzeln und zwischen steinigem Grunde weilt er.17
18. Aber reißt er ihn von seiner Stätte, so verleugnet diese ihn und spricht: Ich kenne dich nicht!18
19. Denn dies ist die Freude19 seines Weges, dass aus der Erde wieder andere sprossen.
20. Gott verwirft nicht den Aufrichtigen20 und reicht den Bösen nicht die Hand,
21. bis dein Mund mit Lachen erfüllt wird und deine Lippen mit Jubel.
22. Die dich hassen, werden mit Schande bedeckt werden und der Gottlosen Zelt wird verschwinden.21


Fußnote

Kap. 8 (1) Baldad irrt wie Eliphaz, indem er als einzige Ursache der Heimsuchungen Gottes die Strafe für Vergehen annimmt und deshalb in Jobs Worten einen Tadel gegen die göttliche Gerechtigkeit erblickt. Er beginnt ohne die schonende Einleitung des Eliphaz. - (2) Heftig und leer. - (3) Du leugnest Gottes Gerechtigkeit: Falsche Schlußfolgerung aus [Job 7,12.17.20.21]. Es ist als ob man einem Unglücklichen sagte: Merkst du jetzt, dass Gott gerecht ist? – Ist dies ein Erweis wahrer Freundschaft und Liebe? - (4) Weil die Ungerechtigkeit naturnotwendig in das Verderben zieht. Eliphaz hatte den Tod der Kinder den Sünden des Vaters zugeschrieben. [Job 4,10.11, Job 5,4] Baldad last sie ihrer eigenen Schuld wegen umkommen. - (5) Dir indes steht noch ein Weg zum Heile offen. - (6) Mit allem Eifer, vergl. [Lk 21,38], hier also von ganzem Herzen zu Gott zurückkehren. Im zweiten Satzglied zeigt Baldad den ersten Schritt der Rückkehr, das Gebet. - (7) Diese Bekehrung muss sich auch im Leben erweisen. Nach Baldads Meinung ist Gottes Gerechtigkeit derart, dass der Tugend stets sofort Lohn, dem Laster Strafe folgt. Hebr.: Gewiss, er wird dann wachen über dich und die Wohnstätte deiner Gerechtigkeit (die rechte Ordnung zwischen dir und Gott wie dem Nächsten) zum alten Wohlstande zurückführen. – So klagt Baldad Job zugleich an, sein Haus sei eine Wohnstätte der Frevel, nicht der Frömmigkeit gewesen. - (8) Deine frühere Glückseligkeit soll im Vergleich zur nachfolgenden klein erscheinen. - (9) Wie Eliphaz seine Lehre aus einem Gesichte bekräftigte, so stützt Baldad die seine aus der Übereinstimmung der Vorfahren und Weisen. In V. 8 – 10 zeigt er die Vortrefflichkeit dieser Quelle. Willst du uns nicht glauben, so glaube wenigstens ihnen. Je mehr die Vorfahren dem Ursprung des Menschengeschlechtes nahe kommen, als desto weiser gelten sie. Hebr.: Und richte dein Herz auf die Forschung ihrer Väter. – Jene Alten haben fleißig geforscht und vortreffliche Weisheit gefunden. - (10) Unsere bisherige Erfahrung ist ja nur kurz und unzuverlässig und auch die Zukunft eilt wie ein Schatten vorüber. Gegensatz zu den langlebigen Patriarchen. (Chrys.) - (11) Im Hebr. fragend. - (12) Was jene Weisen auf Jobs Lage Anwendbares erforscht haben, sagt ihm jetzt das Bild (V. 11-19) und zwar mit den Worten, die ihm als überlieferte Lehre jener Wiesen bekannt sind. Wie das Gedeihen der Sumpf- und Wasserpflanzen durch Feuchtigkeit bedingt ist, so das Glück der Menschen durch Gottesfurcht. Wie jene im dürren Lande zugrunde gehen, vermöge ihrer eigenen Natur, ohne dass man sie von außen her zerstört, so der Mensch, wenn er von Gott gelassen. Die Sünde tötet den Sünder. - (13) Wege: Schicksal, Ausgang. Das Wort Heuchler bezieht sich wohl auf Jobs Opfer. - (14) Erst wenn er zu Fall gekommen ist, missfällt ihm seine Torheit, mit der er sich der Sünden ergab, und er merkt durch die Erfahrung, wie nichtig seine Hoffnung war. Spinnengewebe; hebr.: dem Spinnenhause gleich ist sein Vertrauen. - (15) Hebr.: er hält sich an ihm fest. – Wer könnte sich auf ein Spinnengewebe stützen? - (16) Rückkehr zum Bild der Pflanze, doch ist nur an eine Schlingpflanze zu denken. Subjekt ist der Gottlose, indem Bild und Sache vermischt werden. Trotz der Sonnenglut gedeiht er in saftig frischem Grün stehend und sein Geranke zieht sich über seinen Garten hin. Der Sinn des jetzigen latein. Textes ist: Er ist ein Baum, der zu blühen scheint, aber der verdorrt, wenn die Sonne heraufkommt, weil er kein Erdreich hat. - (17) Zwar streckt er seine Ausläufer weit aus, aber im Felsenboden vermögen sie nicht Wurzel zu fassen. - (18) Den Gottlosen. Vergl. [Job 7,10]. - (19) Der Ausgang des Weges des Gottlosen wird ironisch Freude genannt. Andere sollen seine Güter erben. Ein bitterer Schluss. - (20) Jetzt kehrt Baldad zu seiner früheren Behauptung zurück und macht die Anwendung von den Aussprüchen der Weisen auf Job. So wenig Gott dem Schuldlosen seine Fürsorge und seinen Schutz entzieht und sie einem gleichen Schicksal anheimfallen wie Job, ebenso wenig reicht Gott den Frevlern die Hand sie zu beschützen und zu behüten; deshalb werden sie von Unglück und Verderben ereilt zur Strafe für ihre Sünden, während die Frommen frei bleiben von Heimsuchungen. Was hast du also nicht zu erwarten, kehrst du zu Gott zurück! - (21) V. 21 führt den ersten Teil des V. 20, V. 22 den zweiten Teil desselben aus. Die dich hassen: die Gottlosen. – Baldad hält also Job für einen mit Recht von Gott bestraften Sünder, dessen Kinder bereits die volle Strafe ihrer Gottlosigkeit erreicht hat. Jobs früheres Glück war die schnell vorübergehende Glückseligkeit des Gottlosen, die mit jähem Sturze endet. Dass Job noch Schmerzen erduldet, erklärt sich daraus, dass er noch in Sünden und Halsstarrigkeit verbleibt.

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