Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Job30

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Liber Job Caput XXX.

Das Buch Job. Kap. 30


b. Wie betrübt sei aber jetzt seine Lage! (Kap. 30) Von den Elendesten werde er jetzt verachtet und verspottet (V. 10) und finde, wenngleich Leiden von allen Seiten einstürmen, niemanden, der ihm beistehe. (V. 15) Ja, von den schlimmsten Übeln gepeinigt, scheine er selbst von Gott verlassen zu werden, obwohl er doch zuvor alle Betrübten zu trösten eifrig bemüht war. (V. 25) So sinkt er jetzt, der Trauer eine Beute, hoffnungslos dahin.

1. Nunc autem derident me juniores tempore, quorum non dignabar patres ponere cum canibus gregis mei:
2. Quorum virtus manuum mihi erat pro nihilo, et vita ipsa putabantur indigni.
3. Egestate et fame steriles, qui rodebant in solitudine, squallentes calamitate, et miseria:
4. Et mandebant herbas, et arborum cortices, et radix juniperorum erat cibus eorum.
5. Qui de convallibus ista rapientes cum singula reperissent, ad ea cum clamore currebant:
6. In desertis habitabant torrentium, et in cavernis terræ, vel super glaream:
7. Qui inter hujuscemodi lætabantur, et esse sub sentibus delicias computabant:
8. Filii stultorum et ignobilium, et in terra penitus non parentes.

9. Nunc in eorum canticum versus sum, et factus sum eis in proverbium.
10. Abominantur me, et longe fugiunt a me, et faciem meam conspuere non verentur.
11. Pharetram enim suam aperuit, et afflixit me, et frenum posuit in os meum.

12. Ad dexteram orientis calamitates meæ illico surrexerunt: pedes meos subverterunt, et oppresserunt quasi fluctibus semitis suis.

13. Dissipaverunt itinera mea, insidiati sunt mihi, et prævaluerunt, et non fuit qui ferret auxilium.
14. Quasi rupto muro, et aperta janua irruerunt super me, et ad meas miserias devoluti sunt.

15. Redactus sum in nihilum: abstulisti quasi ventus desiderium meum: et velut nubes pertransiit salus mea.

16. Nunc autem in memetipso marcescit anima mea, et possident me dies afflictionis.
17. Nocte os meum perforatur doloribus: et qui me comedunt, non dormiunt.
18. In multitudine eorum consumitur vestimentum meum, et quasi capitio tunicæ succinxerunt me.
19. Comparatus sum luto, et assimilatus sum favillæ et cineri.
20. Clamo ad te, et non exaudis me: sto, et non respicis me.

21. Mutatus es mihi in crudelem, et in duritia manus tuæ adversaris mihi.

22. Elevasti me, et quasi super ventum ponens elisisti me valide.

23. Scio quia morti trades me, ubi constituta est domus omni viventi.

24. Verumtamen non ad consumptionem eorum emittis manum tuam: et si corruerint, ipse salvabis.
25. Flebam quondam super eo, qui afflictus erat, et compatiebatur anima mea pauperi.
26. Exspectabam bona, et venerunt mihi mala: præstolabar lucem, et eruperunt tenebræ.
27. Interiora mea efferbuerunt absque ulla requie, prævenerunt me dies afflictionis.
28. Mœrens incedebam, sine furore consurgens, in turba clamabam.

29. Frater fui draconum, et socius struthionum.
30. Cutis mea denigrata est super me, et ossa mea aruerunt præ caumate.

31. Versa est in luctum cithara mea, et organum meum in vocem flentium.


1. Nun aber spotten meiner solche, die jünger sind an Jahren, deren Väter ich nicht für würdig hielt, sie den Hunden meiner Herde beizugesellen;1
2. deren Hände Kraft mir für nichts galt und die sogar des Lebens nicht wert geachtet wurden,2
3. die, vor Hunger und Armut kraftlos, dürres Land benagten,3 starrend von Jammer und Elend,
4. und Kräuter und Baumrinden kauten und deren Speise die Wacholderwurzel war.

5. Aus den Tälern rafften sie solches auf, und wenn sie eines gefunden, liefen sie mit Geschrei hinzu.
6. In öden Schluchten wohnten sie und in Erdhöhlen oder in Felsenritzen.4
7. Sie erfreuten sich noch an solchen Dingen und hielten es für eine Lust, unter Dornen zu sein,
8. die Kinder von Toren und Ehrlosen,5 die nimmermehr sich im Lande sehen lassen durften.
9. Nun bin ich für sie zum Spotte geworden und bin ihnen zum Sprichworte gemacht.
10. Sie verabscheuen mich und fliehen fern von mir6 und scheuen sich nicht, mir in das Angesicht zu speien;
11. denn er hat seinen Köcher geöffnet und mir Leid angetan und einen Zaum in meinen Mund gelegt.7
12. Als mein Leid begann, erhoben sich plötzlich zur Rechten meine Unglücksfälle,8 brachten meine Füße zu Falle und kamen über mich auf ihren Wegen9 wie Meeresfluten.
13. Sie unterwühlten meine Pfade,10 legten mir Hinterhalt und überwältigten mich und es war niemand, der Hilfe brachte.11
14. Wie durch einen Mauerriss und ein offenes Tor brachen sie über mich herein und drangen heran zu meinem vielfältigen Elende.
15. Ich bin zu nichts geworden,12 du hast wie der Sturm mein Verlangen hinweggerafft und wie eine Wolke ist mein Glück dahingeschwunden.13
16. Und jetzt zehrt sich meine Seele in mir ab und die Tage der Trübsal nehmen von mir Besitz.
17. Nachts durchbohrten Schmerzen mein Gebein; und die an mir nagen, schlummern nicht.14
18. Durch ihre Menge ist mein Gewand15 verzehrt und wie die Halsöffnung des Unterkleides schnüren sie mich ein.
19. Ich bin dem Kote gleich geworden und ähnlich dem Staub und der Asche.
20. Ich rufe zu dir und du erhörst mich nicht, ich stehe da und du siehst mich nicht an.16
21. Du hast dich für mich in einen Grausamen verwandelt17 und mit harter Hand befeindest du mich.
22. Du hobst mich empor und setztest mich wie auf den Wind18 und zerschmettertest mich mit Gewalt.
23. Ich weiß, du wirst mich dem Tode überliefern, dorthin, wo allem, was da lebt, das Haus bestellt ist.
24. Doch streckst du deine Hand nicht zu ihrer Vernichtung aus, und wenn sie hinsinken, so wirst du sie retten!19
25. Einst weinte ich über den, der betrübt war, und meine Seele trug Mitleiden mit dem Armen.20
26. Ich harrte des Glückes und es kam mir Unglück, ich harrte auf Licht und Finsternis brach herein.
27. Mein Inneres kochte ohne alle Ruhe,21 Tage der Trübsal haben mich ereilt.
28. Ich ging trauernd einher ohne Grimm,22 in der Versammlung trat ich auf und schrie.23
29. Ich ward ein Bruder den Drachen und ein Genosse den Straußen.24
30. Meine Haut ist schwarz geworden an mir und meine Gebeine sind verdorrt vor Glut.
31. Meine Zither ist zur Klage geworden und meine Schalmei zu Jammertönen.25


Fußnote

Kap. 30 (1) Gegensatz: Mich, einen solchen verlachen jetzt die jüngeren, und zwar aus dem elendsten Volke, deren Väter ich nicht einmal als Hunde für meine Herde gebrauchen mochte. - (2) V. 2-4 enthält die Beschreibung ihres jammervollen Standes, die dem Affekte des Sprechenden gemäß sich in Wiederholungen ergeht. - (3) An der Erde liegend, suchen sie in der Erde ihre schmale Hungerkost. - (4) Als elendes Gesindel von jedem gehasst und als Diebe gefürchtet, deshalb überall davongejagt, müssen sie in Höhlen wohnen, armselig und verfolgt. - (5) Ihre äußere Lage entspricht ihrer moralischen Verworfenheit. - (6) Sie, denen nichts zu schrecklich, scheuen vor mir; wie furchtbar ist meine Krankheit! - (7) Nach dem heutigen hebr. Texte lautet der Vers: Denn meine Sehne hat er gelöst und mich gebeugt (mich kraftlos und wehrlos gemacht) und sie benehmen sich (meiner nicht achtend) zügellos. Vulgata: Gott hat ihn mit seinen Pfeilen durchbohrt und wie ein wildes Pferd gezähmt, was Wunder, wenn auch die Menschen ihn verfolgen, da Gott ihnen gleichsam vorangeht? - (8) Traten meine Bedränger hinzu. - (9) Den Folgen der Unglücksfälle. Hebr.: Meine Füße stoßen sie hinweg und schütten wider mich ihre Verderbensstraßen auf. - (10) Auf denen ich schreiten wollte, sie haben meine Bemühungen zunichte gemacht. - (11) Hebr.: sie, die keinen Helfer haben. Es mag sich ihrer niemand annehmen, sprichwörtliche Bezeichnung großer Verächtlichkeit. - (12) Außer dem, was er von den Feinden leidet, quälen ihn Heimsuchungen von Gott und Schrecken (V. 15-17) und Qualen. (18ff) - (13) Hebr.: Schrecknisse haben sich gegen mich gewendet, dem Sturmwinde gleich jagen sie meine Herrlichkeit dahin. - (14) Hebr.: die Nacht durchbohrt meine Gebeine und trennt sie von mir los und meine Nager (die bohrenden Schmerzen) ruhen nicht. - (15) Mein Haut und mein Fleisch, das Schmerz und Würmer verzehren. Wie das Kleid sich an den Hals anschließt und den ganzen Körper bis zu den Füßen bedeckt, so bin ich ganz bedeckt mit Wunden. - (16) Das ist das Schlimmste in seinem Leiden, dass Gott die Beteuerungen seiner Unschuld nicht zu hören scheint. Siehst du auch meine Schmerzen, du hilfst dennoch nicht. - (17) Im Gegensatze zu den Beweisen deines früheren Wohlwollens. - (18) Ich bin wie ein Mensch geworden, den der Sturmwind erhebt, um ihn dann plötzlich in den Abgrund zu schleudern und zu zerschmettern. - (19) Hebr.: Jedoch wird im Sturze jemand seine Hand nach Rettung ausstrecken oder bei seinem Untergange nicht um Hilfe rufen? Vulgata: Mich tötest du, während du meine Feinde dem Tode entreißest. - (20) Er hat Unglücklichen geholfen, so dürfte er jetzt wohl von Gott und Menschen Erbarmen und Hilfe erwarten. - (21) War schmerzlich erregt. Die heftige Bewegung wird mit dem Aufwallen siedenden Wassers verglichen. - (22) Hebr.: geschwärzt von der Krankheit. - (23) Ich bin wie einer, der vor versammeltem Gerichte über ungerechte Misshandlung klagen und um Hilfe rufen muss. - (24) Der Schakal (Vulg. Drache) und Strauß erheben besonders des Nachts ihre Stimme. „Bruder“ und „Genosse“ drückt hier die Ähnlichkeit der äußeren Verhältnisse aus. - (25) Von Gott sich verlassen glaubend, von den Menschen sich verachtet sehend, von den grimmigsten Schmerzen gepeinigt, welch Leidensbild bietet Job! Zither und Schalmei sind sonst Mittel zur Erheiterung und Äußerung der Freude; an ihre Stelle ist die Stimme des Wehklagens und Weinens getreten. - Weitere Kapitel: 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 |

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