Offenbarung

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Offenbarung des Johannes

Die Offenbarung bezeichnet sich selbst al seine Schrift des heil. Apostels Johannes (Diener Christi [Joh 1,1]), wie auch vor allem die Stelle [Offenb 1,9] auf den Lieblingsjünger des Herrn, mit Ausschluss jedes anderen Verfassers, weist. Demgemäß ist die Offenbarung von der ersten Zeit ihres Bekanntwerdens an stets in der Kirche als eine apostolische Schrift aufgenommen und, wenngleich in den Kämpfen gegen die Millenarier sich eine Zeit lang in Gelehrtenkreisen ein Zweifel gegen die Echtheit des Buches erhob, allgemein als kanonisch verehrt worden. Auch die neuere Kritik hat zu dem von dem heil. Dionymus von Alexandrien vorgebrachten und im Altertume bereits widerlegten Einwendungen gegen die Apostolicität der Offenbarung keine weiteren Gründe hinzuzufügen vermocht.
Der heil. Johannes nennt sein Buch Offenbarung, und zwar Offenbarung Jesu Christi, weil dieser sie vom Vater empfing und durch den Engel dem Apostel kundgab, damit er sie seinen Dienern verkündete. Da diese Offenbarung die Zukunft betrifft, wird sie auch Prophezeiung genannt. [Offenb 1,3, Offenb 22,7.19] Wenn gleich auch im Evangelium einige Prophezeiungen enthalten sind, so bilden diese doch nicht den Hauptgegenstand des Buches, während die Offenbarung (wenn man von den drei ersten Kapiteln absieht) einzig die Prophezeiung künftiger Dinge zum Gegenstande hat. Während die Propheten des A. B. das Erscheinen des Erlösers vorbereiteten und voraussagten, ist im N. T. das Heil bereits erschienen. Deshalb ist im N. B. die Prophetie nicht mehr ein Amt, sondern eine außerordentliche Gnadengabe, welche zur Zeit der Apostel den außerordentlichen Auftrag zu predigen gab, jedoch zugleich mit der Fähigkeit, gewisse zukünftige Ereignisse vorauszusagen. Vergl. [1Kor 14]. Das Einzige, was nach der Verkündigung des Evangeliums noch als Entwicklung des Christentums zu erwarten ist, ist die endliche Vollendung, auf diese allein also kam die Gabe der Prophezeiung sich im N. T. zu richten, soll sie der Kirche Gottes dienen. Auf diese Vollendung beziehen sich in der Tat auch alle Weissagungen des Herrn und der Apostel, die uns in der heil. Schrift erhalten sind. [Mt 24,2ff, Mk 13,1ff, Lk 17,20-27, Lk 19,41-44, Lk 21,5-36, 2Thes 2,1-12, 2Tim 3,1-9] u. a. Da aber bei der Vollendung über die ganze Menschheit außerordentliche Heimsuchungen kommen und von den Gläubigen ungewöhnliche Tugendübungen gefordert werden, wollte die göttliche Barmherzigkeit für jene Zeit als besonderes Gnadenmittel dieses Buch bieten. Ähnlich wie in den Prophezeiungen Ezechiels, Daniels, Zacharias die zukünftigen Dinge nicht mit einfachen Worten kundgetan, sondern durch symbolische Gesichte und Reden vorbedeutet werden, besteht die Offenbarung in geheimnisvollen Ereignissen, deren Bedeutung für uns zum großen Teil nicht mit Sicherheit feststeht und wohl erst durch die Erfüllung erschlossen werden wird. Die Schwierigkeit der Erklärung ist eine so große, dass wir drei Hauptklassen von bei den Katholiken vorkommenden Erklärungsweisen unterscheiden können, abgesehen von den besonderen Ansichten über Anordnung und Einteilung der Offenbarung. Die einen sehen als Inhalt dieses Buches die letzten Schicksale der Kirche zur Zeit des Antichrists an, derart dass die vorhergehenden Ereignisse, welche jene betreffen, nur kurz angedeutet werden. Dieser Erklärungsweise schnurstracks entgegengesetzt ist eine zweite, welche annimmt, dass die ersten Zeiten der Kirche, und insbesondere ihr Sieg über das Judentum und Heidentum den Gegenstand der Offenbarung bildet, so das nur in den beiden letzten Kapiteln die Endgeschichte der Kirche berührt wird. Eine dritte Auslegung findet in der Apokalypse des heil. Johannes die gesamte Geschichte der christlichen Kirche dargestellt, derart, dass kein einziges wichtigeres Ereignis übergangen ist.
Die meisten heiligen Väter waren der Ansicht, dass die Offenbarung des heil. Johannes die letzten Zeiten der Kirche betrifft; so Irenäus, Hippolytus, Augustinus, Viktorinus Petav., Primasius, Beda. Doch bieten die ersten drei Kapitel Mahnungen an die Gemeinden Asiens, welche zur Zeit des Apostels bestanden. Die Erklärung der Apokalypse als Geschichte der gesamten christlichen Kirche scheint in keiner eise zu befriedigen. Wohl verkündeten die Propheten das Leben des Messias und offenbarten die Güter seines Reiches, aber einzig um das Volk über die Ankunft des Erlösers zu belehren und seine Sehnsucht nach diesem zu wecken. Wozu aber sollte eine Offenbarung von Verfolgungen dienen, deren Erfüllung erst erkannt wird, nachdem diese längst vorübergegangen sind? Auch ist es nicht wahrscheinlich, dass der Herr, der gesagt, dass nicht einmal die Engel im Himmel Tag und Stunde wissen [Mk 13,32ff], die Zeit seiner Wiederkehr hier genau bestimmt haben sollte. Endlich müssen jene Ausleger, welche in der Offenbarung die gesamte Entwicklung der Kirche zu finden meinen, willkürlich annehmen, dass bereits eine von ihnen angenommene Reihe von Zeitaltern vorübergegangen und das letzte angebrochen sei. Auch die andere Art der Erklärung, wonach die ersten Zeiten der Kirche vorausverkündet seien, lässt sich schwer aus dem Buche selbst heraus als vollberechtigt nachweisen.
Wenn wir nach der Aufgabe fragen, welche die Apokalypse hat, so antwortet uns diese selbst, dass Gott ihre Niederschreibung befohlen [Offenb 1,11.19, Offenb 22,10]. Wollen wir also das Ziel derselben erfassen, so müssen wir in die Absicht Gottes selbst eindringen, welcher dem Apostel die symbolischen Gesichte offenbarte. Zum Teil wenigstens wird uns diese in dem Buche selbst offenbart. In den sieben Briefen nämlich, welche an die Gemeinden Asiens gerichtet sind, werden den Gläubigen zwei Dinge vor allem an´s Herz gelegt: Den Glauben rein und unversehrt zu bewahren, und: alle Verfolgungen und Heimsuchungen, denen sie für den Glauben ausgesetzt seien, standhaft zu ertragen. Von inneren und äußeren Feinden bedrängt, konnten die ersten Christen in Zweifel verfallen, ob Gott ihnen die verheißene Hilfe wahrhaft gewähren wolle. Wie man schon dreißig Jahre früher spottend gefragt: Wo ist seine Verheißung oder seine Ankunft? [2Petr 3,4], so tönte es jetzt gewiss noch öfter ihnen höhnend entgegen. Die ersten Christen konnten nicht, wie wir, auf 20 Jahrhunderte des sich immer wieder erneuernden Kampfes, aber auch stets um so herrlicheren Triumphes der Kirche zurückblicken, darum stärkt der letzte noch lebende Apostel ihren Glaubensmut durch die Beschreibung des letzten Triumphes und verheißt ihnen siebenmal Anteil an den Früchten desselben, wenn sie siegen würden.
Doch auch für uns hat die Offenbarung des heil. Johannes ihren Nutzen. Wie nämlich die Briefe und Evangelien, bei deren Abfassung die Apostel doch einzig die Christen ihrer Zeit, ja oft nur die Gläubigen einer einzelnen Gemeinde vor Augen hatten, durch Gottes Erbarmung ein Schatz seiner Kirche bis an das Ende der Tage geworden sind, so ist zwar die Mitteilung der Gesichte der Offenbarung zunächst für die Gemeinden Kleinasiens bestimmt, doch sollten sie auch der Kirche aller Zeiten ihren Segen mitteilen. Oder ist nicht auch die Offenbarung eine von Gott eingegebene Schrift, nützlich zur Belehrung, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit? [2Tim 3,16] Ist auch vieles in derselben so hoch, dass es unser Verständnis übersteigt, so muss eben gerade die Höhe der der Wahrheit, zu der wir uns nicht zu erheben vermögen, uns mit gläubiger Bewunderung der verborgenen Geheimnisse erfüllen. (H. Dionysius Al.) Doch es wäre andererseits falsch anzunehmen, nichts sei uns in der Offenbarung erschlossen. Können auch nicht alle Sinnbilder erklärt, noch der Hauptgegenstand mit vollkommener Sicherheit bezeichnet werden, eines ist doch nach übereinstimmender Meinung aller Ausleger sicher, dass uns der Sieg Christi und seiner Kirche vorausgesagt wird. Und so kann die Offenbarung uns auf gleiche Weise wie den ersten Christen in allen Schwierigkeiten und Verfolgungen Trost und Stärke gewähren. Doch damit ist der Nutzen, welche die Offenbarung den Christen bietet, nicht erschöpft. Wie viele Glaubenssätze werden in diesem Buche uns mit klaren Worten überliefert! Kein Abschnitt findet sich in demselben, der uns nicht die Erhabenheit und Göttlichkeit unseres Herrn im Himmel offenbarte, dessen Erniedrigung und Gehorsam bis zum Tode hier auf Erden die Evangelien beschreiben. Kein anderes Buch ferner berichtet uns so vieles von der Aufgabe und dem Amte der Engel, stellt uns die ewige Seligkeit und die Strafen der Verdammten mit gleich lebhaften Farben vor Augen. Wie viele Wahrheiten werden zudem in der Offenbarung gleichsam im Vorübergehen berührt! Gott wird uns als Schöpfer und Erhalter aller Dinge [Offenb 1,8, Offenb 4,8.11] gezeigt, dessen Vorsehung alles leitet [Offenb 7,2ff], dessen Wege gerecht und wahr sind [Offenb 15,3, Offenb 16,5ff], dessen Heiligkeit die Engel preisen und durch dessen Anschauung sie ewig selig sind [Offenb 22,4], vor dem nichts Beflecktes sich zeigen kann. [Offenb 21,27] Die besondere Vorsehung Gottes endlich, welche über seine Kirche, seine Braut [Offenb 21,9], wacht und ihre Feinde demütigt, erweist ihr Wirken von dem ersten Blatte des Buches bis zum letzten.
Wenn also auch die Offenbarung noch nicht ihr volles Licht in unsere Herzen eingießen kann, so ist sie uns doch überaus nützlich und ein würdiger Beschluss der Sammlung der heiligen Bücher. Wie das erste Buch derselben mit den Anfängen der Wirksamkeit Gottes nach außen begonnen, so stellt das letzte den Abschluss dieser Tätigkeit dar. Deshalb ist es nicht zufällig, wenn der Schluss der Offenbarung zu demselben Gedankenkreis zurückkehrt, von welchem der Anfang der Genesis ausging. Vergl. [1Mos 1,1] und [Offenb 21,1.5, 1Mos 3,8] und [Offenb 21,3, 1Mos 3,17ff] und [Offenb 21,4, 1Mos 2,9] und [Offenb 22,2, 1Mos 4,11] und [Offenb 22,3, 1Mos 4,15] und [Offenb 22,3.4]. So geht in Erfüllung, was Gott selbst in der Offenbarung sagt: „Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“


Heilige mit Namen Johannes


Personen Heilige