Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Koh02

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Ecclesiastes, Qui ab Hebræis Coheleth appellatur. Caput II.

Ekklesiastes oder Prediger. Von den Hebräern Koheleth genannt. Kap. 2


2. Eitel ist die Wollust, eitel die Pracht. (Kap. 2) A. Eitel ist die Wollust. (V. 3) B. Eitel ist die Pracht, auch mit menschlicher Weisheit gepaart. (V. 11) C. Ist zwischen Torheit und Weisheit kein Unterschied? (V. 18) D. Weitere Ausführung des Satzes (V. 11): Eitel ist die Pracht.

1. Dixi ego in corde meo: Vadam, et affluam deliciis, et fruar bonis. Et vidi quod hoc quoque esset vanitas.

2. Risum reputavi errorem: et gaudio dixi: Quid frustra deciperis?

3. Cogitavi in corde meo abstrahere a vino carnem meam, ut animum meum transferrem ad sapientiam, devitaremque stultitiam, donec viderem quid esset utile filiis hominum: quo facto opus est sub sole numero dierum vitæ suæ.

4. Magnificavi opera mea, ædificavi mihi domos, et plantavi vineas,
5. Feci hortos, et pomaria, et consevi ea cuncti generis arboribus,
6. Et exstruxi mihi piscinas aquarum, ut irrigarem silvam lignorum germinantium,
7. Possedi servos et ancillas, multamque familiam habui: armenta quoque, et magnos ovium greges ultra omnes qui fuerunt ante me in Jerusalem:
8. Coacervavi mihi argentum, et aurum, et substantias regum, ac provinciarum: feci mihi cantores, et cantatrices, et delicias filiorum hominum, scyphos, et urceos in ministerio ad vina fundenda:
9. Et supergressus sum opibus omnes, qui ante me fuerunt in Jerusalem: sapientia quoque perseveravit mecum.
10. Et omnia, quæ desideraverunt oculi mei, non negavi eis: nec prohibui cor meum quin omni voluptate frueretur, et oblectaret se in his, quæ præparaveram: et hanc ratus sum partem meam, si uterer labore meo.

11. Cumque me convertissem ad universa opera, quæ fecerant manus meæ, et ad labores, in quibus frustra sudaveram, vidi in omnibus vanitatem et afflictionem animi, et nihil permanere sub sole.
12. Transivi ad contemplandam sapientiam, erroresque et stultitiam (quid est, inquam, homo, ut sequi possit regem Factorem suum?)
13. Et vidi quod tantum præcederet sapientia stultitiam, quantum differt lux a tenebris.

14. Sapientis oculi in capite ejus: stultus in tenebris ambulat: et didici quod unus utriusque esset interitus.

15. Et dixi in corde meo: Si unus et stulti et meus occasus erit, quid mihi prodest quod majorem sapientiæ dedi operam? Locutusque cum mente mea, animadverti quod hoc quoque esset vanitas.
16. Non enim erit memoria sapientis similiter ut stulti in perpetuum, et futura tempora oblivione cuncta pariter operient: moritur doctus similiter ut indoctus.
17. Et idcirco tæduit me vitæ meæ videntem mala universa esse sub sole, et cuncta vanitatem et afflictionem spiritus.
18. Rursus detestatus sum omnem industriam meam, qua sub sole studiosissime laboravi, habiturus heredem post me,
19. Quem ignoro, utrum sapiens an stultus futurus sit, et dominabitur in laboribus meis, quibus desudavi et sollicitus fui: et est quidquam tam vanum?

20. Unde cessavi, renuntiavitque cor meum ultra laborare sub sole.

21. Nam cum alius laboret in sapientia, et doctrina, et sollicitudine, homini otioso quæsita dimittit: et hoc ergo, vanitas, et magnum malum.

22. Quid enim proderit homini de universo labore suo, et afflictione spiritus, qua sub sole cruciatus est?

23. Cuncti dies ejus doloribus, et ærumnis pleni sunt, nec per noctem mente requiescit: et hoc nonne vanitas est?
24. Nonne melius est comedere et bibere, et ostendere animæ suæ bona de laboribus suis? et hoc de manu Dei est.
25. Quis ita devorabit, et deliciis affluet ut ego?
26. Homini bono in conspectu suo dedit Deus sapientiam, et scientiam, et lætitiam, peccatori autem dedit afflictionem, et curam superfluam, ut addat, et congreget, et tradat ei qui placuit Deo: sed et hoc vanitas est, et cassa sollicitudo mentis.


1. Ich sprach in meinem Herzen: Ich will hingehen und Freude in Fülle erlangen und das Gute genießen;1 aber ich sah, dass auch dies Eitelkeit war.
2. Das Lachen hielt ich für Verirrung und zur Freude sprach ich: Warum täuschest du dich vergeblich?2
3. Da gedachte ich in meinem Herzen, mein Fleisch des Weines3 zu entwöhnen, um mein Herz zur Weisheit zu lenken und die Torheit zu meiden,4 bis ich ersehen möchte, was für die Menschenkinder nützlich, was ihnen zu tun obliege die Zahl ihrer Lebenstage hindurch unter der Sonne.
4. Ich5 unternahm große Werke,6 baute mir Häuser und pflanzte Weinberge,
5. legte Gärten und Parke an und pflanzte in denselben Bäume aller Art;
6. ich legte mir Wasserbehälter an, um daraus den Wald der aufsprossenden Bäume zu bewässern;
7. ich hatte7 Knechte und Mägde und viele Hausgenossen, dazu Rinder und große Schafherden, mehr als alle, die vor mir zu Jerusalem gewesen;
8. ich häufte mir Silber und Gold auf und die Schätze von Königen und Ländern; ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und was den Menschenkindern Lust bereitet, Becher und Gefäße, die zum Weinschenken dienen;8
9. ich übertraf an Besitz alle, die vor mir in Jerusalem waren, auch blieb mir die Weisheit9 zur Seite.
10. Und nichts von dem, was meine Augen verlangten, versagte ich ihnen und ich wehrte meinem Herzen nicht, jede Lust zu genießen und sich zu freuen an dem, was ich herbeigeschafft hatte; und ich erachtete es als meinen Anteil, die Früchte meiner Mühe zu genießen.10
11. Als ich aber alle Werke überschaute, die meine Hände zustande gebracht hatten, und die Mühen, mit denen ich mich vergeblich angestrengt hatte, sah ich in allen Eitelkeit und Geistesplage, und dass nichts von Dauer sei unter der Sonne.11
12. Da wandte ich meinen Blick darauf, Weisheit, Irrtum und Torheit zu betrachten. (Denn, sagte ich, was ist der Mensch, dass er dem Könige, seinem Schöpfer, folgen könnte?)12
13. Und ich erkannte, dass die Weisheit13 so weit den Vorzug vor der Torheit verdient, wie das Licht vor der Finsternis unterschieden ist.
14. Der Weise hat Augen in seinem Kopfe, der Tor wandelt im Finstern; gleichwohl lernte ich auch, dass beider Endgeschick das gleiche ist.14 [Koh 8,1, Spr 17,24]
15. Und so sprach ich in meinem Herzen: Wenn mein und des Toren Endgeschick gleich ist, was nützt es mir da,15 größere Mühe auf die Weisheit zu verwenden? Da sprach ich denn in meinem Herzen: Ich habe bemerkt, dass auch dies Eitelkeit ist!
16. Denn dem Weisen bleibt so wenig ein Andenken auf ewig wie dem Toren und die Folgezeit bedeckt alles auf gleiche Weise mit Vergessenheit, es stirbt der Weise wie der Tor dahin.16
17. Darum ward ich des Lebens überdrüssig,17 da ich sah, dass alles unter der Sonne unvollkommen und alle Eitelkeit und Geistesplage sei.
18. Wiederum18 hatte ich Missfallen an all meinen Mühen, mit denen ich mich unter der Sonne so eifrig abgeplagt,19 da ich einen Erben nach mir haben werde,
19. von dem ich nicht weiß, ob er weise oder töricht sein wird; und doch wird er Macht erhalten über mein mühevolles Werk, mit dem ich mich abgeplagt und abgemüht habe.20 Ist wohl etwas so eitel?
20. Darum ließ ich ab und mein Herz beschloss, sich nicht weiter zu mühen unter der Sonne.21
21. Denn22 wenn jemand mit Weisheit und Umsicht und Tüchtigkeit arbeitet und das, was er erworben, einem müßigen23 Menschen hinterlässt, so ist auch dies Eitelkeit und ein großes Übel!
22. Was für einen Nutzen hat denn der Mensch von all seiner Mühsal und Bekümmernis des Geistes, mit der er sich unter der Sonne abmühte?24
23. Alle seine Tage sind voll Schmerzen und Gram, selbst in der Nacht hat sein Herz keine Ruhe. Ist nicht auch dies Eitelkeit?
24. Ist es denn nicht besser, man isst und trinkt und tut sich gütlich von dem Ertrage seiner Arbeit?25 Auch das steht in Gottes Hand!
25. Wer kann essen und im Genusse schwelgen wie ich?26
26. Einem Menschen, welcher in seinen Augen gut erscheint, gibt Gott Weisheit, Erkenntnis und Freude; über den Sünder aber lässt er Trübsal kommen und übermäßige Sorge, anzuhäufen und anzusammeln und es dem zu vererben, der Gott gefällig ist,27 doch auch das ist Eitelkeit und vergebliche Sorge des Herzens.28


Fußnote

Kap. 2 (1) Wenn der Menschengeist des Hohen satt ist, pflegt er sich in das Niedrigste zu versenken, um dann erst das in der Mitte Liegende zu erwählen, das die Begier der Augen ausmacht. Hebr.: Ich will dich, (nämlich mich, Selbstanrede) erproben mit (Sinnen-) Freude, genieße das Gute (ob mein Herz vielleicht darin sein Glück findet). - (2) Hebr.: Vom Lachen sprach ich: Es ist unsinnig, und von der Freude: Was schafft sie? – Die sinnliche Freude erweist sich als trügerisch. - (3) Hier für die sinnliche Lust im Allgemeinen gesetzt. (Hier., Greg. Thaum.) - (4) Hebr.: und während mich mein Herz mit Weisheit lenkt, die ausgelassene Sinnlichkeit (die Torheit V. 13, V. 14) zu zügeln. – So geht er denn mit der zuvor für die sinnliche Lust verlassenen Weisheit ein neues Bündnis ein. Doch so sehr die Ziele, denen er die (menschliche) Weisheit zuwendet, über die Torheit erhaben sind (V. 13ff), so sind diese Ziele doch nicht die letzten für die Menschen; nicht vermögen sie in diesen ihre höchste Aufgabe, Ruhe, Befriedigung des Herzens und Seligkeit zu finden. - (5) Ich – für mich, alles zu meiner Ehre. Daher wird im Folgenden das nicht genannt, was er zu Gottes Ehre getan. Eine gewisse Ironie liegt darin, dass auf die Ankündigung „großer Werke“ doch nur kleinere folgen. - (6) V. 4-6 große Werke, V. 7-8 Reichtümer, V. 9 Zusammenfassung beider. Salomon sucht das Glück in Ruhm und Luxus mit einer gewissen irdischen Weisheit. - (7) Hebr.: Kaufte mir. - (8) Hebr.: reichlich und im Überfluss. Vergl. [1Koe 10,4]. Daneben ging die V. 1 erwähnte Freude, wenn auch jetzt nicht mehr als Führerin, her. Demgemäß endet wohl V. 8 mit Gastmählern. Die Tatenlosigkeit, der Reichtum, der Ruhm, der verkehr mit fremden Völkern haben Salomons frühere Selbstbeherrschung und Bescheidenheit in Ehrgeiz verwandelt und ihn fremden Völkern geneigt gemacht, so dass er zuletzt deren Götzendienst teilte. Dieses Ende wird zwar nicht erwähnt, wohl aber der Weg, der zu demselben führte. - (9) Die menschliche Weisheit, die mich den Ruhm suchen ließ. - (10) Im ehrbaren Genuss nach der Beurteilung der Menschen. Doch war im Glanz und Luxus Eitelkeit. - Die letzten Worte des Verses lauten im Hebräischen: Und mein Herz hatte Freude an aller meiner Mühe und dies war mein Anteil von aller meiner Mühe. - (11) Eine größere Eitelkeit als in der [Weish 1,17]. Ebenso war auch die Ergötzung der Sinne V. 2 mit einem minder edlen Worte bezeichnet. – Zur Zeit dieses Abirrens kamen ihm Zweifel, ob wohl zwischen der menschlichen Weisheit und der Torheit ein Unterschied sei. - (12) Dieser Teil des Textes ist kaum unversehrt. Vielleicht etwa: Denn wer ist unter den Menschen, der sich vor dem Könige zu verbergen und seinem Auge zu entziehen vermag? Vergl. [Koh 1,12]. – Die Übersetzung Schöpfer ist viel mehr Erklärung des heiligen Hieronymus (der hier Greg. v. Nyssa folgt) als Wiedergabe des Textes: Des Menschen Weisheit ist es, der wahren Weisheit zu folgen. - (13) Die menschliche Weisheit, die sich auf irdische Dinge beschränkt und in nichts zerfließt, wenn der Tod naht. (V. 14) - (14) Beim Tode bleibt ihm nichts. - (15) Das Hebr. fügt bei: in Zukunft, nämlich: wenn ich sterbe, in der Ewigkeit. Vergl. [Lk 12,20]. - (16) Ausruf aus damaliger Zeit. - (17) Hebr.: Ich hasste das leben. Das Leben der Menschen überhaupt, erst in V. 18 kommt er auf seine eigene Person zu sprechen. - (18) Da er alles V. 4-10 Aufgezählte mit Weisheit getan, hat er vorstehend über diese selbst eine Erwägung angestellt. Nunmehr zeigt er, dass alle V. 4-10 genannten Dinge wahrhaft eitel sind. - (19) Im Sinne des früheren Zeitpunktes. - (20) Weise gehandelt habe (mit weltlicher Weisheit). - (21) Es sind Worte der Verzweiflung. Zwei Gründe sind es, aus denen alle menschliche Tätigkeit eitel ist: Der Mensch müht sich nicht für sich – vielleicht folgen ihm unwürdige Erben. - (22) Reflexion, die der Verfasser als solcher macht, d.i. seine jetzige Meinung. - (23) Hebr.: Denn da ist ein Mensch… und hinterlässt… einem Menschen, der sich darum nicht gemüht. - (24) Nicht alle, die sich mühen, werden getadelt, sondern die, welche sich so mühen, dass die Frucht ihrer Mühen unter der Sonne rein irdisch bleibt und sie um dieselbe allzu besorgt sind. [Koh 11] - (25) Es ist ja von Gott zum Genusse gegeben, also darf es auch nach der Absicht Gottes genossen werden. Essen und trinken bezeichnen die Befriedigung der Bedürfnisse und ehrbaren Wünsche. - (26) Hebr.: denn wer kann essen oder geschäftig sein? Das steht nicht bei mir (sondern bei Gott). - (27) Wenn Gott nicht bei der Verteilung der Güter viele Gründe außer dem folgenden hätte, würde er als höchster Lenker der Welt der Tugend Lohn, dem Laster Strafe vorbehalten und es würde, wer ohne maß arbeitet, vielmehr für einen anderen als für sich tätig sein, hingegen wer sich weise beschränkt, die Habe des Habsüchtigen erlangen. Hier wird, was bisweilen geschieht, als Richtschnur aufgestellt und daraus der Schluss gezogen. - (28) Nicht Gottes Weise zu handeln ist eitel, sondern die übermäßige Sorge des Menschen ist unnütz.

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