Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Koh04

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Ecclesiastes, Qui ab Hebræis Coheleth appellatur. Caput IV.

Ekklesiastes oder Prediger. Von den Hebräern Koheleth genannt. Kap. 4


B. Eitel ist der Schmerz der Neidischen. (V. 6) 2. Eitel ist die Menschenflucht (V. 16), sei es aus Habsucht (V. 8), sei es aus Hochmut. 2. Wiederholung und Nutzanwendung derselben Wahrheiten. (4,17 – 5,7) A. Die sich über die Ungerechtigkeit auf Erden Entrüstenden. (4,17 – 5,7)

1. Verti me ad alia, et vidi calumnias, quæ sub sole geruntur, et lacrimas innocentium, et neminem consolatorem: nec posse resistere eorum violentiæ, cunctorum auxilio destitutos.

2. Et laudavi magis mortuos, quam viventes:
3. Et feliciorem utroque judicavi, qui necdum natus est, nec vidit mala quæ sub sole fiunt.

4. Rursum contemplatus sum omnes labores hominum, et industrias animadverti patere invidiæ proximi: et in hoc ergo vanitas, et cura superflua est.

5. Stultus complicat manus suas, et comedit carnes suas, dicens:
6. Melior est pugillus cum requie, quam plena utraque manus cum labore, et afflictione animi.
7. Considerans reperi et aliam vanitatem sub sole:
8. Unus est, et secundum non habet, non filium, non fratrem et tamen laborare non cessat, nec satiantur oculi ejus divitiis: nec recogitat, dicens: Cui laboro, et fraudo animam meam bonis? in hoc quoque vanitas est, et afflictio pessima.

9. Melius est ergo duos esse simul, quam unum: habent enim emolumentum societatis suæ:
10. Si unus ceciderit, ab altero fulcietur væ soli: quia cum ceciderit, non habet sublevantem se.
11. Et si dormierint duo, fovebuntur mutuo: unus quomodo calefiet?

12. Et si quispiam prævaluerit contra unum, duo resistunt ei: funiculus triplex difficile rumpitur.

13. Melior est puer pauper et sapiens, rege sene et stulto, qui nescit prævidere in posterum.

14. Quod de carcere, catenisque interdum quis egrediatur ad regnum: et alius natus in regno, inopia consumatur.
15. Vidi cunctos viventes, qui ambulant sub sole cum adolescente secundo, qui consurget pro eo.

16. Infinitus numerus est populi omnium, qui fuerunt ante eum: et qui postea futuri sunt, non lætabuntur in eo: sed et hoc, vanitas et afflictio spiritus.
17. Custodi pedem tuum ingrediens domum Dei, et appropinqua ut audias. Multo enim melior est obedientia, quam stultorum victimæ, qui nesciunt quid faciunt mali.


1. Ich wandte mich zu andern Dingen und sah die Bedrückungen, welche unter der Sonne vorgehen, die Tränen der Unschuldigen und dass sie keinen Tröster haben und deren Gewalttätigkeit nicht widerstehen können, allerseits der Hilfe beraubt.
2. Da pries ich die Toten glücklicher als die Lebendigen,1
3. doch für glücklicher als beide hielt ich den, der noch nicht geboren ist und der das Böse nicht sieht, das unter der Sonne geschieht.
4. Wiederum erwog ich alle die Mühen der Menschen und bemerkte, dass geschäftiges Wirken dem Neide2 der Menschen ausgesetzt ist; auch darin ist also Eitelkeit und unnütze Sorge.
5. Der Tor3 legt seine Hände zusammen und verzehrt sein eigenes Fleisch und spricht:
6. Besser ist eine Handvoll in Ruhe als beide Hände voll mit Arbeit und Herzensharm.4
7. Ich dachte weiter nach und fand eine andere Eitelkeit unter der Sonne:5
8. Da ist einer, ohne einen anderen neben sich, ohne6 Sohn und ohne Bruder, und doch hört er nicht auf zu arbeiten und seine Augen sättigen sich nicht am Reichtume und es kommt ihm nicht in den Sinn zu sagen: Für wen arbeite ich7 und entziehe meiner eigenen Seele das Gute? Auch darin ist Eitelkeit und leidige Plage.
9. Besser ist es also, dass zwei zusammen sind als einer; denn sie haben doch einen Vorteil von ihrer Gemeinschaft.8
10. Fällt der eine,9 so unterstützt ihn der andere; wehe dem,10 der allein ist! Denn wenn er fällt, hat er keinen, der ihm aufhelfe.
11. Auch wenn zwei beisammen schlafen, erwärmt einer den andern;11 wie soll der einzelne warm werden?
12. Und wenn jemand Herr wird12 über einen einzelnen, so werden ihm doch zwei Widerstand leisten können; eine dreifache Schnur zerreißt nicht so leicht.13
13. Besser ist ein armer aber weiser Jüngling als ein alter aber törichter König, der für die Zukunft nicht Vorsorge zu treffen weiß.14
14. Denn aus Gefängnis und Ketten gelangt zuweilen jemand15 zur Königswürde, wohingegen ein anderer, der in der Königswürde geboren ist, in Armut verkommt.16
15. Ich sah, dass alle Lebenden unter der Sonne mit dem andern Jüngling17 wandelten, der statt seiner18 die Stelle einnehmen wird.
16. Kein Ende schien die Schar derer zu haben, die vor ihm gewesen;19 jedoch auch die nachher sein werden, haben keine Freude an ihm; aber20 auch dies ist Eitelkeit und Geistesplage.21
17. Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und nahe dich, um zu hören; denn viel besser ist Gehorsam als die Opfer der Toren,22 die nicht wissen, was sie Schlimmes tun.23 [1Sam 15,22, Hos 6,6]


Fußnote

Kap. 4 (1) Ähnliche Klagen sind bei den Klassikern besonders häufig. Bei solchen Aussprüchen ist besonders der Affekt zu beachten, der im Ausdruck über das rechte Maß hinausgeht. Aber gerade dies will der Prediger zeigen, dass der Affekt zu mäßigen ist. - (2) Dem Eifer, es einander zuvorzutun. - (3) Der, welchen die Eifersucht peinigt. - (4) Vergl. [Koh 9,11]. Von Gottes Anordnung hängt alles ab. - (5) Zwei Fehler pflegen zur Menschenflucht zu führen: Habsucht (V. 4, 7, 8) und Hochmut. (V. 13ff) Dass der Prediger sich über beide so ausführlich verbreitet, liegt wohl daran, dass er das Entgegengesetzte einschärfen will: dass die Menschen durch gegenseitigen Verkehr wie durch Verwandtschaft verbunden sein müssen. - (6) Hebr.: auch ohne. - (7) Ein solcher denkt nur an sich und seine Gedanken schweifen nicht über seine Person hinaus. - (8) Die Mahnung geht an den Habsüchtigen, nicht einsam zu bleiben, sondern sich an die Menschen anzuschließen zu hilfsbereiter Gemeinschaft. - (9) In. V. 10-12 werden je zwei Menschenpaare untereinander verglichen. - (10) Hebr.: ihm, dem einen usw. - (11) Ein durch die kalten Nächte Palästinas nahegelegtes Beispiel, vielleicht mit Rücksicht darauf, dass der Arme nur sein Oberkleid hatte als Decke. [2Mos 22,26]. - (12) Hebr.: Und wenn jemand ihn, den einen, angreift, so werden ihrer zwei ihm Widerstand leisten. - (13) Stehen ihrer zwei, drei zusammen, so ist der Erfolg sicherer. - (14) Richtiger nach dem Hebr.: der sich nicht mehr weiß belehren zu lassen. Ein Fürst, der vor Alter menschenscheu oder aus Stolz unzugänglich ist, lässt sich nicht Rat erteilen und stürzt ins Verderben, weil er nicht Rat annimmt. Den Gegensatz dazu bildet ein armer, aber weiser Jüngling. Der König ist dem Habsüchtigen in der Zurückgezogenheit vom Verkehr mit Menschen ähnlich. - (15) Der Jüngling. (V. 3) - (16) Hebr.: Wenngleich er (der Jüngling) in seinem (des alten Königs) Reich als Armer geboren ward. Er war noch nicht so alt wie die Regierungszeit des Königs an Jahren betrug. - (17) Hebr.: mit dem Jünglinge, dem zweiten. - (18) Statt des alten Königs. - (19) Richtiger: Kein Ende schien die Schar derer zu haben, die vor ihm (dem Jünglinge) standen. - (20) Denn. - (21) Also auch die Weisheit des Jünglings. (V. 13) - (22) Wenn du in Gottes Gegenwart trittst. Vergl. [1Mos 28,17]. Komme nicht unvorbereitet vor sein Antlitz. Besser ist es, Gott um Worte der Gebote zu bitten als alle Werke der Frömmigkeit der Toren zu erfüllen. - (23) Hebr. allenfalls: Gott weiß nicht. Der Plural bezeichnet alsdann Gottes Majestät: Gott weiß nichts Böses zu tun.

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