Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Mic02

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Prophetia Michææ. Caput II.

Prophezeiung des Michäas Kap. 2


d. Wegen der Ungerechtigkeit steht das Gericht bevor. (V. 5) e. Das auserwählte Volk soll sich nicht mit eitler Hoffnung trösten. (V. 11) f. Verheißung der Wiederherstellung.

1. Væ qui cogitatis inutile, et operamini malum in cubilibus vestris: in luce matutina faciunt illud, quoniam contra Deum est manus eorum.
2. Et concupierunt agros, et violenter tulerunt, et rapuerunt domos: et calumniabantur virum, et domum ejus, virum, et hereditatem ejus.

3. Idcirco hæc dicit Dominus: Ecce ego cogito super familiam istam malum: unde non auferetis colla vestra, et non ambulabitis superbi, quoniam tempus pessimum est.

4. In die illa sumetur super vos parabola, et cantabitur canticum cum suavitate, dicentium: Depopulatione vastati sumus: pars populi mei commutata est: quomodo recedet a me, cum revertatur, qui regiones nostras dividat?
5. Propter hoc non erit tibi mittens funiculum sortis in cœtu Domini.

6. Ne loquamini loquentes: Non stillabit super istos, non comprehendet confusio.
7. Dicit domus Jacob: Numquid abbreviatus est spiritus Domini, aut tales sunt cogitationes ejus? Nonne verba mea bona sunt cum eo, qui recte graditur?

8. Et e contrario populus meus in adversarium consurrexit: desuper tunica pallium sustulistis: et eos, qui transibant simpliciter, convertistis in bellum.
9. Mulieres populi mei ejecistis de domo deliciarum suarum: a parvulis earum tulistis laudem meam in perpetuum.
10. Surgite, et ite, quia non habetis hic requiem: propter immunditiam ejus corrumpetur putredine pessima.
11. Utinam non essem vir habens spiritum, et mendacium potius loquerer: stillabo tibi in vinum, et in ebrietatem: et erit super quem stillatur populus iste.
12. Congregatione congregabo Jacob totum te: in unum conducam reliquias Israel, pariter ponam illum quasi gregem in ovili, quasi pecus in medio caularum, tumultuabuntur a multitudine hominum.

13. Ascendet enim pandens iter ante eos: divident, et transibunt portam, et ingredientur per eam: et transibit rex eorum coram eis, et Dominus in capite eorum.



1. Wehe euch, die ihr auf Eitles sinnet und Böses übt auf euern Lagern;1 beim Morgengrauen vollführen sie es,2 denn wider Gott ist ihr Tun!3
2. Geht ihr Gelüsten nach Äckern, so rauben sie diese, nach Häusern, so reißen sie diese an sich;4 sie unterdrücken den Mann und sein Haus, den einzelnen und sein Erbe.5
3. Darum spricht der Herr also: Sehet, ich sinne wider dieses Geschlecht Unheil,6 dem ihr euren Nacken nicht entziehen werdet, und ihr werdet nicht hochmütig einherwandeln, denn eine gar schlimme Zeit wird dies sein.
4. An jenem Tage wird man über euch einen Spruch anheben und es wird ein Lied in klagender Weise gesungen werden7 also: Entvölkert und verwüstet sind wir, das Erbteil meines Volkes ist verhandelt; wie entweicht es mir, da der wiederkehrt, der unser Land zerteilt!8
5. Darum sollst du niemand haben, der dir die Messschnur zieht zu einem Lose in der Gemeinde des Herrn.9
6. Sprechet doch nicht, sagen sie.10 Es soll nicht Weissagung11 über sie ergehen, nicht wird sie die Schmach treffen.
7. Es spricht das Haus Jakob:12 Ist denn des Herrn Geist verkürzt oder sind dies seine Gedanken?13 Sind meine Worte nicht gütig gegen den, der gerecht wandelt?14
8. Mein Volk dagegen hat sich als Feind erhoben, vom Gewande habt ihr den Mantel weggerissen und die, welche arglos dahinziehen, habt ihr in Streit verwickelt.15
9. Die Frauen meines Volkes habt ihr aus dem Hause ihrer Wonne16 vertrieben,17 ihren Kindern habt ihr mein Lob18 auf immer geraubt.
10. Auf und fort! Denn hier habt ihr keine Ruhestätte, ob ihrer Befleckung verdirbt sie in heilloser Verderbnis.19
11. O wäre ich doch nicht ein Mann, der den Geist hat, sondern redete vielmehr Lüge, so würde ich dir zu Wein und Trunkenheit predigen;20 über einen solchen erfreut sich dieses Volk.21
12. Doch22 will ich dich sammeln, fürwahr, Jakob! alle die deinen, gewisslich in eines zusammenführen die Überreste Israels,23 sie gleichmachen einer Herde im Schafstall, wie Schafe inmitten der Hürde, und es wird ein fröhliches Menschengewimmel sein.24
13. Denn es wird heraufziehen von ihnen der Wegbereiter;25 sie werden durchbrechen, die Tore durchschreiten und einziehen26 und vor ihnen her zieht ihr König und der Herr an ihrer Spitze.27


Fußnote

Kap. 2 (1) Die zur Kräftigung bestimmte Nacht, die den Menschen durch ihre Ruhe frommstimmt, missbrauchen jene zur Ausübung von Schlechtigkeiten. - (2) Als ob es keinen Aufschub duldete. - (3) Nach dem Hebr. wird ihre Begierde zu sündigen dadurch gesteigert, dass sie sich bewusst sind, mächtig zu sein: denn mächtig ist ihre Hand. - (4) Das erste, was der Seher tadelt, sind die Sünden gegen die Gerechtigkeit, die der Grundstein des öffentlichen Lebens ist, und deren häufige Verletzung auf eine tiefe Sittenverderbnis schließen lässt. - (5) Auch die zeitlichen Güter empfinden es gleichsam schmerzlich, wenn sie ungerecht besessen oder den rechtmäßigen Herren mit Gewalt weggenommen werden. - (6) Wie jene Böses sinnen. - (7) Ein solches Trauerlied wird man in klagender Weise singen und es wird gleichsam zum Sprichwort werden. - (8) Drei Dinge werden im Klageliede ausgesprochen: Die Macht ist gebrochen, das dem Volke als Zeichen der Freundschaft Gottes verheißene Erbteil ist weggenommen (verhandelt), ja den Feinden des Volkes überliefert. So ist gleichsam die Auserwählung zum Volke Gottes, dessen Unterpfand das Land war, aufgehoben. Hebr.: Es ist geschehen, wird man sprechen, gänzlich sind wir vergewaltigt, den Anteil meines Volkes tauscht er aus; wie entweicht es mir doch! Den Abtrünnigen teilt er unsere Äcker zu. - (9) Vergl. V. 3. Durch das Los wurden einst den Stämmen Anteile zugewiesen und den einzelnen mit der Messschnur zugemessen. - (10) Was der Prophet verkündet, ist dem Volke nicht angenehm. Darum treten falsche Propheten auf, welche Frieden und Glück verheißen und die wahren Propheten verfolgen. Ähnliches geschah zur Zeit des Jeremias [Jer 28,1.2] und des Ezechiel. [Ez 13,10.16] Auch Michäas weist auf solche hin. [Mic 2,11] – Hebr.: Prophezeiet nicht; prophezeien sie. - (11) Trauriges soll nicht verkündet werden. - (12) Das Volk hört auf die falschen Propheten und tröstet sich mit eitlen Gründen. - (13) Ihr sagt: Gott ist gut, die Gefangenschaft wird uns nicht ereilen. Sollte seine Barmherzigkeit, dies ich gegen alle so reich erweist, nur für uns verkürzt und in Strenge gewandelt sein? Oder sind seine Gedanken wie die der Menschen, dass er Zorn im Herzen bewahrte und plötzlich Rache suchte? (Hier.) Kurz, verkürzt ist der zornige, rachsüchtige Geist, das Gegenteil von Langmut. - (14) Antwort Gottes. Ich bin gütig und meine Worte sind gütig, teilen den Menschen frohe Verheißungen mit, aber meine Güte ist mit Gerechtigkeit und Heiligkeit gepaart. Vergl. [Ps 17,26.27]. - (15) Doch das auserwählte Volk ist keines, das gerecht wandelt, es hat sich gegen Gott empört, wie seine Gewalttaten gegen Friedfertige zeigen, während Gott solche verbietet. Hebr.: Risset ihr den Mantel solchen, die arglos usw. - (16) Die man liebt, weil man sie lange besessen, und umso mehr liebt, als die Gefahr droht, sie zu verlieren. - (17) Entweder dadurch, dass ihr ihre Verstoßung herbeiführtet, oder durch List, ungerechtes Urteil usw. - (18) Was Gott ihnen zum Wohle des Leibes und der Seele bestimmt hat. Gott ist ein besonderer Beschützer der Waisen. - (19) Die Befleckung des heiligen Landes durch die vielen Frevel ruft Gottes Zorn herab. - (20) Aber ich bin ein Prophet Gottes und rede auf seine Eingebung die Wahrheit. Darum will ich dir meine Weissagung verkünden in berauschendem Wein, der dich zu Falle bringt. Und du musst es hören, was ich dir von deiner Gefangenschaft voraussage, du magst es wollen oder nicht. (Vulg.) - (21) Hebr.: Wenn jemand, der dem Winde (Eitlem) nachläuft und Trug übt, dir vorlöge: Ich will dir von Wein und Rauschtrank reden (weissagen), das wäre ein Seher für dieses Volk! Vergl. [Jer 28,6] und [1Koe 22,15]. Der hebräische Text ist klarer. - (22) Glaubet nicht, dass ich nur ein Unglücksprophet bin. Nein, aus der Züchtigung soll die Besserung des Volkes folgen, damit es die messianischen Güter empfange, welche so oft schon verheißen sind. Schon [3Mos 26,41; 5Mos 30,2] ist die Gefangenschaft, aber auch die Wiederherstellung des Volkes angedeutet. Die Wiederherstellung soll bei der Verkündigung der Gefangenschaft ein Trost für die Frommen sein, eine Leuchte in der Nacht der Heimsuchungen. Vergl. [Jes 8,17.20]. - (23) Nur was von Israel übrig ist, wird der Einladung Gottes Folge leisten. Das Volk wird nicht verworfen werden, aber die einzelnen mögen nicht darauf vertrauen, dass sie von den Patriarchen abstammen, ihre Verschuldung könnte sie abschneiden. - (24) Doch wenn die übrig Bleibenden auch nur gering sind an Zahl, wird Gott dennoch sich ein zahlreiches Volk sammeln, das er mit seiner besonderen Sorge und Vorsehung behütet. Das Bild vom Schafstall weist auf den Schutz hin, der die neue Herde des Herrn gegen die Angriffe der Feinde sicher stellt. Inmitten der Hürde: Bild der Fürsorge des Hirten, der der Herde alles bietet, wessen sie zu ihrem Wohle bedarf. Mit innigem Dank und höchster Freude genießen die Menschen diese Güter. - (25) Nachdem er das Glück der neuen Herde des Herrn beschrieben, gibt er an, wie dasselbe herbeigeführt wird. Hebr.: Heraufziehen wird der Durchbrecher vor ihnen her: der, welcher die Hindernisse niederwirft und die Gefängnisse öffnet. - (26) Unter seiner Führung durchbrechen und durchschreiten (auch die Gefangenen) das Tor und ziehen ein. Sie durchbrechen: sie müssen mit dem Herrn, dem Befreier und Sieger nach Hause zurückkehren. Vergl. [Jes 52,12]. - (27) Wie einst beim Auszuge aus Ägypten. Die Rückkehr unter Zorobabel war ein Schwacher Anfang der Erfüllung dieser Verheißung, doch die volle und wahre Erfüllung ist erst durch den Erlöser zuteil geworden, der unser Erzhirt ist. Vergl. [Hebr 12,2]. Auch die [Roem 11,25] erwähnte letzte Zurückführung des Volkes Israel gehört hierher.

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