Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Offenb05

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Apocalypsis beati Joannis Apostoli.

Die Offenbarung des heiligen Johannes. Kap. 5


2. Erste Hälfte des zweiten Teiles (5,1 – 11,14) A. Die sechs ersten Siegelgesichte (5,1 – 6,17) a. Einleitendes Gesicht (V. 1 – 14): Der auf dem Throne Sitzende hält ein verschlossenes Buch, das niemand öffnen kann. (V. 3) Den hierüber betrübten Apostel tröstet einer der Ältesten: Denn plötzlich erscheint das Lamm inmitten der Ältesten, wie getötet. (V. 6) Dieses nimmt das Buch und öffnet es unter dem Jubel der vier Wesen und der 24 Ältesten, welche dem Lamme ihre Anbetung darbringen.

1. Et vidi in dextera sedentis supra thronum, librum scriptum intus et foris, signatum sigillis septem.
2. Et vidi Angelum fortem, prædicantem voce magna: Quis est dignus aperire librum, et solvere signacula ejus?

3. Et nemo poterat neque in cœlo, neque in terra, neque subtus terram aperire librum, neque respicere illum.
4. Et ego flebam multum, quoniam nemo dignus inventus est aperire librum, nec videre eum.
5. Et unus de senioribus dixit mihi: Ne fleveris: ecce vicit leo de tribu Juda, radix David, aperire librum, et solvere septem signacula ejus.

6. Et vidi: et ecce in medio throni et quatuor animalium, et in medio seniorum, Agnum stantem tamquam occisum, habentem cornua septem, et oculos septem: qui sunt septem spiritus Dei, missi in omnem terram.
7. Et venit: et accepit de dextera sedentis in throno librum.
8. Et cum aperuisset librum, quatuor animalia, et viginti quatuor seniores ceciderunt coram Agno, habentes singuli citharas, et phialas aureas plenas odoramentorum, quæ sunt orationes sanctorum:
9. Et cantabant canticum novum, dicentes: Dignus es Domine accipere librum, et aperire signacula ejus: quoniam occisus es, et redemisti nos Deo in sanguine tuo ex omni tribu, et lingua, et populo, et natione:

10. Et fecisti nos Deo nostro regnum, et sacerdotes: et regnabimus super terram.
11. Et vidi, et audivi vocem Angelorum multorum in circuitu throni, et animalium, et seniorum: et erat numerus eorum millia millium,
12. Dicentium voce magna: Dignus est Agnus, qui occisus est, accipere virtutem, et divinitatem, et sapientiam, et fortitudinem, et honorem, et gloriam, et benedictionem.
13. Et omnem creaturam, quæ in cœlo est, et super terram, et sub terra, et quæ sunt in mari, et quæ in eo: omnes audivi dicentes: Sedenti in throno, et Agno: benedictio, et honor, et gloria, et potestas in sæcula sæculorum.

14. Et quatuor animalia dicebant: Amen. Et viginti quatuor seniores ceciderunt in facies suas: et adoraverunt viventem in sæcula sæculorum.

1. Und ich sah auf der Rechten dessen, der auf dem Throne saß, ein Buch,1 das inwendig und auswendig beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt war.2
2. Und ich sah einen gewaltigen Engel,3 der mit mächtiger Stimme ausrief: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?4
3. Und niemand, weder im Himmel, noch auf Erden, noch unter der Erde,5 vermochte das Buch zu öffnen, noch es einzusehen.
4. Da weinte ich sehr, weil niemand würdig erfunden wurde, das Buch zu öffnen, noch es einzusehen.6
5. Aber einer von den Ältesten7 sprach zu mir: Weine nicht! Siehe, der Löwe aus dem Stamme Juda, die Wurzel Davids,8 hat gesiegt, das Buch zu öffnen und die sieben Siegel desselben zu lösen.
6. Und ich schaute, und siehe, inmitten des Thrones und der vier lebenden Wesen und inmitten der Ältesten9 stand ein Lamm10 wie getötet,11 und es hatte sieben Hörner und sieben Augen, dies sind die Geister Gottes, welche ausgesandt sind in alle Lande.12
7. Und es kam, und nahm13 das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne saß
8. Und als es das Buch geöffnet hatte, fielen die vier lebenden Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamme,14 jeder eine Harfe15 und goldene Schalen16 voll Rauchwerks haltend, welches die Gebete der Heiligen sind.17
9. Und sie sangen ein neues Lied18 und sprachen: Würdig bist du, Herr! das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du wurdest getötet und hast uns19 Gott mit seinem Blute erkauft20 aus allen Stämmen, und Sprachen, und Völkern, und Nationen.,21
10. und hast uns unserm Gott zu einem Königtume und zu Priestern gemacht; und wir werden herrschen auf der Erde.22
11. Und ich schaute und hörte die Stimme vieler Engel23 rings um den Thron her, und um die Wesen und die Ältesten; ihre Zahl war tausendmal tausend;24
12. und sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das getötet worden ist, zu empfangen25 die Macht, und Gottheit, und Weisheit, und Stärke, und Ehre, und Herrlichkeit und Lobpreisung.26
13. Und alle Geschöpfe,27 die im Himmel und auf Erden sind und unter der Erde und auf dem Meere und in demselben,28 alle hörte ich sagen: Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme sei der Preis und die Ehre, und die Herrlichkeit, und die Macht in alle Ewigkeit!29
14. Und die vier Wesen sprachen: Amen!30 Und die vierundzwanzig Ältesten fielen auf ihr Angesicht nieder und beteten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt.31

Fußnote

Kap. 5 (1) Nicht ein Gerichtsbuch, sondern ein Buch, in dem die Schicksale der Welt beschrieben sind. Das Buch ist versiegelt zum Zeichen, dass sein Inhalt bisher unbekannt bleiben sollte und geblieben ist. - (2) Mit sieben Siegeln ist es versiegelt, weil der in ihm beschriebene Inhalt, die Entwicklung des Heilsrates bis zur Vollendung, sich in von Gott bemessener Zeit durch Taten Gottes verwirklichen wird. Wie die sieben Siegel angebracht sind, ist nicht ganz ersichtlich. Nur eines wird gesagt: Die sieben Siegel werden der Reihe nach [Offenb 6,1] eröffnet. Besteht das Buch aus sieben Pergamentrollen mit je einem Siegel, oder ist nur ein Pergament, das da, wo es auf das Holz aufgewickelt zu Ende ist, mit sieben Siegeln versehen ist? Das Letztere ist wahrscheinlicher, da der Inhalt des Buches sich aus dem Erbrechen der Siegel darstellt, ohne dass von einer Öffnung der Buchrolle selbst die Rede ist. Das Beschriebensein der Buchrollen auf beiden Seiten zeigt den reichen Inhalt, den die eine, innere Seite nicht zu fassen vermag. - (3) Sein Ruf soll durch die gesamte Schöpfung dringen. - (4) Derjenige, welcher die Siegel wegnimmt, und damit das Buch öffnet, soll zugleich derjenige sein, durch den der Inhalt des Buches, die in ihm beschriebene Sache zum Vollzuge und so auch zur Offenbarung kommt. Nur um eine Mitteilung zu machen, musste das Lamm nicht allein würdig sein, nicht erst gesiegt haben, geschlachtet sein, um einer bloßen Mitteilung willen bricht nicht die gesamte Schöpfung in Jubel aus. Die Würdigkeit ist die Voraussetzung des Könnens und zwar nicht allein der Macht zu öffnen, sondern auch auszuführen. - (5) Die gesamte Schöpfung wird, wie [Offenb 2,10] in drei große Regionen geteilt: Himmel, Erde, Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen. - (6) Der Apostel weint nicht aus Kleinglauben oder weil er fürchtete, dass nun die Mitteilung des Buches nicht statthaben werde. Da ihm [Offenb 1,19] und [Offenb 4,1] eine Offenbarung über das Ende verheißen, und diese ihm durch Christus zu Teil werden sollte, der zudem im Gesichte neben ihm stand, konnte er nicht schließen, die Offenbarung vermöchte ihm nicht zu Teil zu werden, auch nicht durch den Herrn, der sie verheißen. Der Apostel ist tief ergriffen bei dem Gedanken, wie es um die Welt stünde, wenn der Heilsrat nicht zur Vollendung käme, ja wie traurig es steht, dass die Menschen alle Gott, seinem Heile und seiner Wahrheit so fern sind. - (7) Einer von denen, welcher den Sieg Christi an sich erfahren und bewährt hatten und die darum die Bedeutung dieses Sieges auch für das Ende erkannten, redet hier, wo der Erlöser und sein Reich in Betracht kommt. - (8) Christus ist der Löwe aus dem Stamme Juda: [1Mos 49,9], weil er in seiner heiligsten von Juda stammenden Menschheit als der wahre, von Alters her verheißene Messias siegreich gestritten hat. Wurzel Davids [Jes 11,10] ist er als mit siegreicher Kraft aus der Wurzel Davids aufwachsender Sprößling. Die bloße Anschauung der Person des Überwinders ist so überwältigend für den Ältesten, dass ihm die Schilderung derselben zur Hauptsache wird, und die Eröffnung, dass er das Buch öffnen kann, dahinter zurücktritt. - (9) Das doppelte „inmitten“ bezeichnet in hebräischer Weise die beiden Grenzen, innerhalb deren das Lamm steht, den Raum, dessen Mittelpunkt der Thron mit den vier Wesen ist, und welcher nach außen durch den Kreis der Ältesten umschlossen wird. Damit wird die Erhabenheit des Lammes über alle Geschöpfe und seine Teilnahme an der göttlichen Weltregierung angedeutet. Von der Stellung des Lammes zum gläsernen Meere ist hier keine Erwähnung getan. - (10) Ein gewaltiger Löwe ist angekündigt, ein Lämmlein (so nach dem Griech.) erscheint. - (11) Es erscheint als solches, dessen Wundmale das einstmalige Geschlachtetsein erkennen lassen. (Andr. Caesar.) So hatte einst Isaias den Messias im Gesichte geschaut [Jes 53,6], so der Täufer ihn vor sich gesehen. [Joh 1,29.36] Die Wundmale hat der Herr zur Freude der Erlösten und zum Schrecken seiner Feinde behalten, ist ihm doch für das Todesleiden die Gewalt gegeben, das Buch zu öffnen, das Gericht über die Menschen zu halten, die Seinigen in die Seligkeit einzuführen, kurz, alle Gewalt im Himmel und auf Erden. [Mt 28,18] - (12) Die sieben Hörner sind das Symbol seiner vollkommenen Macht; die sieben Augen sind der Heil. Geist (Beda), der nach [Offenb 3,1] Christus, nach [Offenb 4,5] dem Vater zugehört und auf die ganze Welt ausgesendet wird, zu allen Zeiten die Kirche zu erleuchten, zu heiligen und zu leiten. Kraft der Symbole der Augen wird der Geist als alles durchschauend bezeichnet. Es sind sieben Hörner, um dadurch auf die Aufgabe derselben hinzuweisen, die Kirche zu schützen, deren Repräsentanten die sieben Gemeinden sind. - (13) Nehmen passt wegen des Zusammenhanges, der sie über alle Geschöpfe hervorragende Herrlichkeit des Lammes hervorhebt, besser als empfangen, was seine Unterordnung unter Gott ausdrücken würde. Das Lamm kann das Buch aus dem V. 5 angeführten Grunde nehmen. - (14) Nach [Offenb 6,1] öffnete das Lamm die Siegel der Reihe nach, so das Buch erschließend. Es ist also hier der angefangene Akt gemeint. Die 24 Ältesten fallen nieder, sobald sie sehen, dass das Lamm die Siegel lösen kann und bereits das erste zu lösen sich anschickt. Wie in [Offenb 4] ein Wechsellobgesang Gott dargebracht ist, so hier dem Lamme, vor dem sich die vier Wesen und die Ältesten anbetend (vergl. V. 13 und [Offenb 22,1]) niederwerfen. Auf den Lobgesang respondieren die Engelscharen (V. 12), und alle Geschöpfe nehmen denselben so auf, dass dem auf dem Throne Sitzenden und dem Lamme zugleich das am Schlusse gleichsam zusammengefasste Loblied erklingt, bis es in dem Amen der vier Wesen verklingt, welche das Lob des thronenden Gottes [Offenb 4,8] und mit den Ältesten zugleich [Offenb 5,9] das Lob des Lammes angestimmt hatten. Die 24 Ältesten wieder pflichten demselben durch ihr Niederfallen bei. So kehrt der Kreislauf in seinen Anfang zurück und nichts in der heiligen Gemeinde bleibt ohne Beteiligung an seinem Orte: Von den am Throne, der Stätte der göttlichen Gnadengegenwart, stehenden Cherubim geht der Preis aus, dringt vom Himmel auf die Erde, und kehrt, nachdem kein Mund schweigend geblieben, zur ewigen Gnadenstätte zurück. - (15) Jeder der Ältesten. - (16) Die mit Räucherwerk gefüllten Schalen haben eine der Zither entsprechende symbolische Bedeutung. Das Räucherwerk ist Symbol des Gebetes, teils wegen des Aufsteigens (Andacht), teils wegen des lieblichen Wohlgeruches, der gleichsam die Erhörung verbürgt. Welcher Art die Gebete sind, ob Bittgebete, wird nicht gesagt. - (17) Die Heiligen sind die Christen. - (18) Die neue Gnadentat ist die Enthüllung des göttlichen Endrates zunächst durch Weissagung, alsdann mit der Tat. Nach anderen galt der erste Lobgesang dem Schöpfer, gilt der andere dem Erlöser. - (19) „Herr“ und „uns“ fehlen im Griech. - (20) Aus dem Machtbereich des Feindes. Die Engel schließen sich den Ältesten an. - (21) Die Vierzahl bedeutet die Universalität. - (22) In Gottes Reich als Priester und Könige. Inwiefern die Erlösten schon jetzt Könige sind, siehe [Offenb 20,4ff], wie auf der neuen Erde [Offenb 21]. Könige sind sie dem äußeren Stande, Priester der inneren Würde nach. (Thom.) Auf Erden herrschen die Christen, indem sie über das Fleisch, die Welt und den Teufel siegen, im Himmel aber herrschen sie mit Christus. - (23) Die Engel nahmen Anteil an allem, was die Menschen angeht [Lk 5,7.10] (Thom.) Der Kreis der Vision erweitert sich, indem jetzt die Engel in den Lobgesang einfallen. Sie bilden den weitesten Kreis um den Thron Gottes, so dass die Erlösten demselben näher sind. Vergl. [Hebr 2,5ff] - (24) Eigentlich Zehntausende von Zehntausenden und Tausende von Tausenden. Die Unbestimmtheit zeigt die Unzählbarkeit an. Die erste Zahl reichte noch nicht aus, daher häuft er sie noch. [Dan 7,10] ist die umgekehrte Ordnung in der Zahlenangabe. - (25) Das „Nehmen“ des V. 9 wird in anderer Weise wieder aufgenommen: Das Lamm ist würdig von allen Menschen in seiner Macht gepriesen zu werden. - (26) Die sieben Ausdrücke werden im Griech. durch einen vorgestellten Artikel gleichsam zu einer Gesamtvorstellung verbunden. Die Siebenzahl deutet das Vollmaß an. Da es sich um das Lob des Lammes handelt, stehen Macht, Reichtum (so das Griech.; der lat. Text hat wohl durch einen Schreibfehler divinitatem, statt divitias), Weisheit, Macht voran. Vergl. [Offenb 4,11] und [Offenb 7,12]. - (27) In V. 3, wo von den vernunftbegabten Wesen die Rede war, wurden die Geschöpfe nach drei Orten geteilt, hier stimmt die gesamte Schöpfung (die Vierzahl, indem, wie [2Mos 20,4], das Meer besonders aufgeführt wird) ein, und die Lobgesänge [Offenb 4, Offenb 5] schließen sich in einen gewaltigen Einklang zusammen. - (28) Im Griech. steht der Plural, werden alle die vier Teile der Geschöpfe wieder zusammengefasst. - (29) Die vier Momente der Lobpreisung entsprechen der vierfachen Gliederung der Gesamtschöpfung. - (30) Als höchste Engel bestätigen sie den Lobpreis. - (31) Nach dem Amen bleibt dem Ältesten nichts mehr als stumme Anbetung, welche sie Gott und dem Lamme (vergl. V. 13) darbringen.

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