Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Offenb12

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Apocalypsis beati Joannis Apostoli.

Die Offenbarung des heiligen Johannes. Kap. 12


2) Fünf die Verhältnisse während der zweiten Hälfte der letzten Weltwoche schildernde Gesichte. (12,1 – 14,5) A. Zwei die Gottesgemeinde betreffende Gesichte. (12,1 – 17): a. Erstes Gesicht. (V. 1 – 6) Ein Weib, mit der Sonne bekleidet, erscheint, die einen Sohn gebären soll, welcher alle Völker mit eisernem Zepter beherrschen wird. Zugleich erscheint ein blutroter Drache, welcher dem Weibe und ihrem Sohne nachstellt. Der Sohn und das Weib werden entrückt. B. Zweites Gesicht. (V. 7 – 17): Der Drache wird mit seinen Engeln von Michael besiegt und auf die Erde herabgestürzt, infolge dessen im Himmel großer Jubel entsteht. (V. 12) Der Drache aber geht, nachdem er zur Erde niedergestürzt, vergeblich das Weib verfolgt hat, fort, um gegen die übrigen von ihrem Geschlechte, welche die Gebote Gottes halten, den Kampf zu beginnen. (V. 17)

1. Et signum magnum apparuit in cœlo: Mulier amicta sole, et luna sub pedibus ejus, et in capite ejus corona stellarum duodecim:
2. Et in utero habens, clamabat parturiens, et cruciabatur ut pariat.

3. Et visum est aliud signum in cœlo: et ecce draco magnus rufus habens capita septem, et cornua decem: et in capitibus ejus diademata septem,
4. Et cauda ejus trahebat tertiam partem stellarum cœli, et misit eas in terram, et draco stetit ante mulierem, quæ erat paritura: ut cum peperisset, filium ejus devoraret.

5. Et peperit filium masculum, qui recturus erat omnes gentes in virga ferrea: et raptus est filius ejus ad Deum, et ad thronum ejus,
6. Et mulier fugit in solitudinem ubi habebat locum paratum a Deo, ut ibi pascant eam diebus mille ducentis sexaginta.
7. Et factum est prœlium magnum in cœlo: Michael, et Angeli ejus prœliabantur cum dracone, et draco pugnabat, et angeli ejus:
8. Et non valuerunt, neque locus inventus est eorum amplius in cœlo.
9. Et projectus est draco ille magnus, serpens antiquus, qui vocatur diabolus, et satanas, qui seducit universum orbem: et projectus est in terram, et angeli ejus cum illo missi sunt.

10. Et audivi vocem magnam in cœlo dicentem: Nunc facta est salus, et virtus, et regnum Dei nostri, et potestas Christi ejus: quia projectus est accusator fratrum nostrorum, qui accusabat illos ante conspectum Dei nostri die ac nocte.
11. Et ipsi vicerunt eum propter sanguinem Agni, et propter verbum testimonii sui, et non dilexerunt animas suas usque ad mortem.
12. Propterea lætamini cœli, et qui habitatis in eis. Væ terræ, et mari, quia descendit diabolus ad vos, habens iram magnam, sciens quod modicum tempus habet.
13. Et postquam vidit draco quod projectus esset in terram, persecutus est mulierem, quæ peperit masculum:

14. Et datæ sunt mulieri alæ duæ aquilæ magnæ ut volaret in desertum in locum suum, ubi alitur per tempus et tempora, et dimidium temporis a facie serpentis.
15. Et misit serpens ex ore suo post mulierem, aquam tamquam flumen, ut eam faceret trahi a flumine.

16. Et adjuvit terra mulierem, et aperuit terra os suum, et absorbuit flumen, quod misit draco de ore suo.

17. Et iratus est draco in mulierem: et abiit facere prœlium cum reliquis de semine ejus, qui custodiunt mandata Dei, et habent testimonium Jesu Christi.

18. Et stetit supra arenam maris.


1. Und1 es erschien ein großes Zeichen2 im Himmel: Ein Weib mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen.3
2. Und sie war gesegneten Leibes,4 und rief in Geburtswehen, und hatte große Pein, um zu gebären.
3. Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel; siehe, ein großer, feuerroter Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, und auf seinen Köpfen sieben Diademe;5
4. und sein Schweif riss den dritten Teil der Sterne des Himmels herab und warf sie zur Erde.6 Und der Drache trat vor das Weib, das im Begriffe war zu gebären, um, wenn sie geboren hätte,7 ihr Kind zu verschlingen.
5. Und sie gebar einen Sohn, einen mannhaften,8 der alle Völker mit eisernem Stabe beherrschen soll.9 Und ihr Sohn ward entrückt zu Gott und zu seinem Throne.10
6. das Weib aber floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hatte, dass sie daselbst tausendzweihunderundsechzig Tage ernährt würde.11
7. Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel:12 Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel stritten,
8. aber sie obsiegten nicht,13 und keine Stätte ward mehr für sie gefunden im Himmel.14
9. Und jener große Drache ward hinabgeworfen, die alte Schlange, welcher Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt verführt;15 er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.16
10. Da hörte ich eine starke Stimme im Himmel17 rufen: Jetzt ist das Heil18 und die Kraft,19 und das Reich20 unserem Gotte geworden, und die Macht21 seinem Gesalbten; denn hinabgeworfen22 ist der Ankläger unserer Brüder, der sie vor unserm Gott verklagte Tag und Nacht.23
11. Und sie haben ihn besiegt um des Blutes des Lammes willen, und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und haben ihre Seelen nicht geliebt bis zum Tode.24
12. Darum25 freuet euch, ihr Himmel, und die ihr darin wohnet!26 Wehe der Erde und dem Meere; denn der Teufel ist zu euch hinabgestiegen mit großem Grimme, da er weiß, dass er eine kurze Frist hat!
13. Und als der Drache sah, dass er auf die Erde herabgeworfen war,27 verfolgte er das Weib, welches den Knaben geboren hatte.
14. Da wurden dem Weibe die zwei Flügel des großen Adlers gegeben,28 dass sie in die Wüste fliege an ihren Ort, wo sie genährt wird durch eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, geborgen vor der Schlange.
15. Die Schlange aber schoss aus ihrem Rachen hinter dem Weibe her Wasser wie einen Strom,29 dass sie von dem Strome fortgerissen würde.
16. Doch die Erde half dem Weibe, denn sie tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen geschossen hatte.30
17. Da ward der Drache zornig über das Weib, und ging hin Krieg zu führen mit den übrigen31 ihres Samens, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu Christi haben.
18. Und er stellte sich auf den Sand des Meeres.32

Fußnote

Kap. 12 (1) Die vier ersten Gesichte gehören paarweise zusammen. Das erste und zweite schildern die Verhältnisse der Kirche während der zweiten Hälfte der letzten Jahrwoche, das dritte und vierte die Verhältnisse der antichristlichen Weltmacht während der gleichen Zeit. Das fünfte endlich zeigt die Kirche in dem Stande, in dem sie sich am Schlusse der letzten Weltwoche, nach der Vollendung der großen Trübsal befinden wird. - (2) Was Johannes sah, wird hier und [Offenb 15,1] ausnahmsweise ein Zeichen genannt, eine Erscheinung, welche über das, was von ihr selbst gesagt wird, hinaus noch etwas Anderes bedeutet. Das Zeichen ist groß, besonderen Eindruck machend, daher bedeutsam, wichtig. Es zeigt sich im Himmel, im Gegensatze zu Land und Meer. V. 9, 12, 13. - (3) Das Weib steht in der Sonne, wie in einer Lichtmasse, die es ganz einhüllt; hat den Mond unter den Füßen und eine Krone, von zwölf Sternen geziert. Ein Lichtkörper umgibt sie, auf einem kleineren steht sie, Lichtkörper bilden ihren Kranz; so erscheint sie im vollsten Lichtglanze. So hat das Weib mit Christi Erscheinung [Offenb 1,13-16] und Gottes [Offenb 4,3] eine gewisse Ähnlichkeit; doch ist das Licht nicht sein Eigentum, sondern ihm nur als Gewand, als Schmuck verliehen. Sind die Lichter nun Himmelslichter, so weist dies darauf hin, dass Gott ihr dies himmlische Licht gegeben. Darum verfolgt sie auch der Fürst der Finsternis. Dieses Weib bildet den Gegensatz zu der großen Buhlerin [Offenb 17,4]. Die Krone, welche in der Offenbarung stets den Sieger schmückt (vergl. [Offenb 4,4, Offenb 16,2, Offenb 14,14] anders als der Drache V. 3 und die Buhlerin [Offenb 17,4]), ist mit zwölf Sternen geschmückt. Die Zwölfzahl ist die Zahl des Volkes Gottes, dessen Führer einst die zwölf Patriarchen, später die zwölf Apostel waren. Das Weib ist also das Bild des Volkes Gottes. (Viktorin.) Die Vision erinnert an [1Mos 37,9]. – Sofern Maria als Mutter des Herrn die Mutter des wahren Israel war und in der Endgeschichte der Kirche sich der Anfang derselben wieder abspiegelt, kann dieser Teil des Gesichtes auch auf sie angewendet werden. - (4) Der heil. Seher sieht das Weib, die Kirche der Letztzeit (nach anderen die judenchristliche Kirche. Siehe unten Anm. 31) gleichsam in Geburtswehen den Messias noch einmal aus sich zu gebären, das er herrsche auf Erden. Vergl. [Mt 24,8]. Das Kind wird geboren, aber noch ist die Gewalt des Satans zu groß, als dass Christus darauf herrschen könnte. Das Kind wir von seinen Verfolgungen und Nachstellungen zu Gott entrückt, und die Kirche auf Erden bleibt noch in einer Welt, die im Argen liegt. Doch nicht vergebens war es, was geschehen. Im Himmel wird zunächst der große Kampf ausgekämpft, für den die Erde noch nicht vorbereitet war. Christus ist, wenn auch als schwaches Kind, von neuem in seiner Kirche, dies gibt dem Erzengel im Himmel Macht, den Teufel anzugreifen und zu besiegen. Dort oben überwunden, wendet der Verführer sich nun auf die Erde, allein von da an hat die Kirche einen sicheren Ausblick auf den Ausgang. Das Verhältnis Gottes zu seinem Volke wird im A. T. oft unter dem Bilde des Ehebundes dargestellt. Die Beschreibung des Volkes Gottes als gekrönte Siegerin passt auf das, was [Offenb 11,1-3] von der Kirche in den Kämpfen der ersten Hälfte der letzten Weltwoche gesagt wird. Schwere Krisen werden in der heil. Schrift oft unter dem Bilde von Geburtswehen dargestellt, die Anfänge der Endzeit vergleicht der Heiland selbst damit [Mt 24,8]. - (5) Der Satan tritt [1Mos 3,4] zuerst als Schlange auf. Diese Gestalt soll ihn also als Feind der Menschheit von Anfang an erweisen. Da er indes hier als Zeichen erscheint, nicht als persönliches Wesen, so ist er hier Repräsentant und Urheber aller gottwidrigen, christenfeindlichen Macht auf Erden. (Beda, Viktorin., Thom.) Der Drache erscheint rot, in der Farbe des Zornes und des Blutes, vergl. [Offenb 6,4], denn er ist ein Menschenmörder von Anfang an [Joh 8,44] und die von ihm geleitete Weltmacht ist trunken vom Blut der Märtyrer. [Offenb 17,6] Im Ganzen hat er dieselben Embleme wie sein Werkzeug, das Tier. [Offenb 13,1] Doch während dies zehn Diademe auf zehn Hörnern hat, hat der Drache 7 Köpfe, 10 Hörner und 7 Diademe. Über das Verhältnis der Köpfe zu den Diademen wird nichts gesagt, weil dies für die Entwicklung ohne Einfluss ist. Die Diademe bezeichnen Herrschermacht, da Horn alle Mittel derselben. Bezeichnet die Zahl sieben das, was durch Gottes Zutun sich in der Zeit entwickelt und geschieht, die Zahl zehn aber die Allgemeinheit, so wird durch diese Zahlen dargestellt, dass auch das Böse allezeit unter Gottes Aufsicht und Leitung steht und dem Bösen die ganze Welt dienstbar ist. Der Drache ist also die urbildliche Erscheinung jener widergöttlichen Macht, welche durch das Tier dargestellt wird. - (6) Die große Macht des Drachen, selbst über das Höchste der Welt, und sein Begehren, alles in den Abgrund hinabzuziehen, wird veranschaulicht, indem jener den dritten Teil der Sterne vom Himmel reißt, selbst in die über die Erde erhabene Schöpfung verderbend eingreifend. Betreffs des dritten Teiles vergl. [Offenb 8,7-12, Offenb 9,15.18]. - (7) Manche Ausleger sehen hierin eine Anspielung auf Herodes und den Bethlehemitischen Kindermord. Vielleicht ist vielmehr an das Heranreifen der Endgemeinde zur vollen Heiligkeit zu denken, an ihre volle Loslösung von der Welt, vor welcher der Herr nicht als Richter erscheint. Dies Verhältnis dass die Kirche, erst wenn sie nach [Offenb 11] die Überwinderin geworden, den Weltenrichter gleichsam aus sich gebiert, ist [Offenb 12,1] dargestellt. Die Entrückung stellt dar, wie es dem Satan unmöglich ist zu verhindern, dass der Heiland als Richter der Welt und der Weltmacht hervortritt, weil der Herr auch als Weltenrichter sicher ist bei Gott. - (8) [Jer 20,15] - (9) Vergl. [Offenb 19,15]. - (10) Die Himmelfahrt des Herrn bietet gemäß [Offenb 3,21] gleichsam die Farben zu diesem Gemälde, das auf [Dan 7,13.14] beruht. Die Gläubigen werden zum Throne Gottes entrückt genannt, insofern sie den Qualen und Versuchungen wie dem Rachen des Drachens, der ihre Seele verschlingen wollte, entrissen und im Himmel aufgehoben sind, als Erben Gottes, als Miterben Christi, d. i. als Teilnehmer derselben Herrlichkeit. - (11) Wie einst der Prophet Elias auf Gottes Geheiß in die Wüste ging und dort von Raben ernährt ward, ähnlich geschieht es hier der Kirche in der letzten Drangsalszeit, die schematisch [Offenb 9,Anm.19] als 1260 Tage dauernd, das ist sich durch die ganze zweite Hälfte der letzten Weltwoche erstreckend angegeben wird. Die Flucht des Weibes sieht Johannes auf der Erde, wie V. 13ff zeigt, wo dieselbe weiter beschrieben wird. - (12) Indem das Weib die Flucht ergreift, geschieht noch im Himmel etwas mit dem dort befindlichen Drachen, was das Gesicht V. 7 – 12 vorstellt. Das Weib hatte den Himmel verlasen, aber nicht der Drache. Gegen diesen beginnt der Erzengel Michael den Kampf (vergl. [Dan 10,13.21, Dan 12,1] Jud V. 9) und tritt für das Volk Gottes in der großen Trübsal ein. Dass aber der Drache wirklich bisher eine Stelle im Himmel gehabt, folgt aus dieser visionären Darstellung in keiner Weise, sondern einzig, dass er bei besonderen Veranlassungen Zutritt hatte, einzelne Fromme oder das Volk Gottes vor dem Allmächtigen zu verklagen, wie [Sach 3,1.2] zeigt. – Der Kampf hat im griech. Text nicht den Beisatz groß. - (13) Die Anschläge des Teufels werden zu Nichts werden. Da dieselben aber nicht sowohl irdische als überweltliche Verwicklungen herbeiführen, wird als Schauplatz derselben der Himmel gezeigt, und das die Kirche auf Erden vorstellende Weib in der Vision erscheint dort. In V. 6 hingegen werden Dinge dargestellt, welche infolge jener überweltlichen Vorgänge der Kirche auf Erden widerfahren werden, deshalb zeigen die Gesichte als Schauplatz, ebenso wie V. 13ff, die Erde. Dass aber das, was auf Erden geschieht, die Fortsetzung dessen ist, was V. 1 – 5 im Himmel geschah, zeigte die Person des Weibes, welche in V. 1 und 6 dieselbe ist. Was für den Sohn die Entrückung, ist für das Weib die Flucht: Die Sicherstellung vor dem Drachen. - (14) Was im Gegenbilde gemeint ist, sagt V. 10. - (15) Der große Drache: Als solcher war er von V. 3 an im Gesichte erschienen. Die alte Schlange heißt er als Verführer des Menschengeschlechtes. [1Mos 3,1-5] Teufel und Satan, Verkläger und Widersacher. Welcher die ganze Welt verführt: wie [Offenb 13] V. 14 [Offenb 20,8.10] zeigen. Die Darlegung findet ihre ganze Bedeutung erst im Zusammenhange mit dem folgenden V. 17. Die gehäuften Benennungen beschreiben das Wesen des Feindes so vollständig wie möglich, um einerseits zu zeigen, was er nun auf Erden gegen die Gläubigen tun werde (V. 12ff), andererseits hervorzuheben, dass, so mannigfach auch seine feindliche Wirksamkeit sein mag, er doch ein schon von Grund aus besiegter Widersacher ist. – Der Vision liegt in der Darstellung die Tatsache des Sturzes der gefallenen Engel zugrunde, die zwar mit dem vorliegenden Zusammenhange nichts zu tun hat, aber deren äußere Form die auszudrückende Wahrheit annimmt. - (16) Nunmehr vermag er die Frommen nicht mehr zu verklagen. - (17) Eine starke Himmel feiert im Himmel das, was soeben vor den Augen des heil. Johannes geschehen (V. 7 – 9), und zeigt ihm dessen Bedeutung als einen auch den Gläubigen zu Teil gewordenen Sieg über den Widersacher des Herrn und seines Reiches; aber dieselbe Stimme ruft auch Wehe über die ganze Erde. (Grund V. 12b) Die Stimme kommt von Himmelsbewohnern, und zwar von Brüdern der noch auf Erden weilenden Gläubigen, also nicht von Engeln, vergl. [Offenb 22,9], sondern von bereits in die Seligkeit eingegangenen Menschen. - (18) Die gleiche Formel [Offenb 11,15], doch ist hier hinzugefügt: Jetzt. In [Offenb 11,15] hieß es: Das Reich ist dem Herrn und seinem Gesalbten zugefallen, hier heißt es, dass dies jetzt geschehen ist. Das jetzt bezieht sich auf das V. 8, V. 9 Erzählte: Nachdem Michael den Sieg über den Satan, den V. 1 – 5 vorbereitete, davongetragen. Auch hier ist der Lobpreis proleptisch, da erst [Offenb 12,1-9] das Reich Gottes der Verwirklichung näher bringen und nach V. 12 der Teufel noch kurze Zeit Macht hat (1260 Tage, wie V. 6 besagt). Vergl. [Mt 24,22]. Während bei dem Lobpreise [Offenb 11,15] das vor Augen stand, was das Gericht der Welt und ihrem Reiche bringen soll, ist hier von der Christenheit und dem die Rede, was ihr zu Teil werden soll. Das Heil ist der Inbegriff aller Gerechtigkeit und Seligkeit, wie sie von Gott durch Christus den Menschen bereitet, von dem Drachen aber gewehrt wird. - (19) Die Kraft Gottes hat sich in dem Siege über den Drachen erwiesen. - (20) Die königliche Herrlichkeit Gottes, die ihm als Inhaber der unbedingten Macht eigen ist und die er besonders in dem Schaffen und Mitteilen des Heiles beweist. - (21) Die Christus von Gott verliehene Machtvollkommenheit. - (22) Der Grund der Lobpreisung ist das V. 8, V. 9 Berichtete, denn der Versuch des Drachen (V. 3ff) ging darauf aus, das Heil zunichte zu machen, der Kraft Gottes zu trotzen, sich gegen seine königliche Herrlichkeit aufzulehnen und die Macht Christi, ja diesen selbst zu vernichten. - (23) Hier wir eine neue, V. 3 nicht erwähnte und mit jenem Ereignisse nur in mittelbaren Zusammenhange stehende Eigenschaft des Satans erwähnt: Er ist Ankläger der Gläubigen. Der Satan hat seinen Platz im Himmel verloren, insofern er die, welche Christus wahrhaft angehören und die wahrhaft Brüder der Heiligen im Himmel sind, nicht mehr vor Gott verklagen kann. Zwar vermag auch jetzt schon die Anklage Satans nichts gegen die wahren Glieder der Kirche, da Christus unser Fürsprecher im Himmel ist, der unsere Ankläger zu Schanden macht, vergl. [Hebr 7,25, Hebr 8,1], doch, so lange noch Untreue und Abfall in der Kirche ist, hat der Satan noch Grund zur Anklage. Erst wenn die Kirche einzig aus Bewährten [Eph 4,13] bestehen wird, ist sie der Anfechtung und Anklage des Satans enthoben. Daher V. 11: (Dann) haben sie ihn besiegt durch das Blut des Lammes, durch welches die Knechtschaft, in der die Menschen waren, gelöst und der Zugang zu Gott eröffnet ist, und auf Grund des Wortes ihres Zeugnisses, durch welches sie sich zu dem Lamme bekennen. - (24) Weil das Lamm sein Blut für sie vergossen und weil sie ihr Zeugnis von Christus standhaft bis zum Tode abgelegt. Der Kampf der Gläubigen ist ein sittlicher, indem der Sieg nur von ihnen, kraft des Blutes Christi, erworben werden kann. Sie sind in V. 11 so geworden, wie V. 1 das Weib darstellt. Satan hat dem Sohne nachgestellt, weil er in ihm den Weltenrichter erkannt, doch vergeblich. Alsdann hat er sich gegen das Weib gewendet, doch die Gläubigen sind in den Trübsalen der ersten Hälfte der letzten Weltwoche so heilig geworden, dass Satan sie nicht mehr vor Gott verklagen kann. Darum wird in der Mitte der letzten Zeit der Heiland als Weltenrichter gleichsam aus dem Schoße dieser Gemeinde hervorgehen. Kann denn der Teufel auch dem Herrn bei dem Throne Gottes nichts anhaben, so wird er doch die Endgemeinde verfolgen. Alsdann wird Michael den Feind angreifen, den Angreifer aus dem Himmel auf die Erde stürzen, dass er sie zwar noch verfolgen, aber nicht mehr bei Gott verklagen kann. Da Michael im Auftrage Gottes handelt, ist es Gott selbst, der, wenn die Christenheit der letzten Zeit sich in voller Heiligkeit zeigt, diese bezeugt und den Ankläger fortweist. - (25) Wegen des Siege über den Drachen und der Standhaftigkeit der Gläubigen. - (26) Die bereits der Macht Satans Entrückten. - (27) Diese Erzählung schließt an V. 6 an. Das Weib war geflohen, ehe das V. 7 – 12 Berichtete geschah. V. 6 fällt also mit [Offenb 13, Offenb 14] zusammen. - (28) Da Johannes das Weib zuerst im Himmel gesehen, die Flucht aber auf Erden statthatte, erhielt das Weib in der Vision die zwei Flügel des großen Adlers. Die Vision erinnert an die Verheißung Gottes [2Mos 19,4]. Die Erwähnung der Flügel hebt bestimmter hervor, dass diese Flucht der Kirche nicht eine Sache menschlicher Willkür oder gar menschlicher Zaghaftigkeit ist, sondern göttlichen Ratschlusses und göttlicher Veranstaltung; auch wird dadurch die Sicherheit und Schnelligkeit der Flucht versinnbildet. Mit den Flügeln gelangt das Weib in die Wüste an einen ihm von Gott zubereiteten Ort. Die Zeit ist dieselbe, wie V. 6, 12, 14. Vergl. [Dan 7,25, Dan 12,7]. Diese Zeit ist jene, von der auch [Offenb 11,2] redet, während [Offenb 12,3] die andere Hälfte der letzten Weltwoche betrifft. Die Wüste ist wohl eine Wüste der Völker. [Ez 20,34] - (29) Der Wasserstrom ist Abbild der Gefahr, welche der wütende Satan dem Weibe bereitet. Das Bild entspricht Stellen des A. T., wie [Ps 17,5.17, Ps 31,6, Ps 41,8, Ps 123,4]. - (30) Alle Vernichtungsversuche Satans sind vergeblich durch Gottes Schutz. - (31) Die Kirche vermag der Satan nicht zu überwältigen, deshalb richtet er sich gegen die einzelnen Glieder. Vergl. [Offenb 7,1ff]. Die Übrigen bilden den Gegensatz nicht zu dem Weibe, sondern zu dem Sohne des Weibes V. 5, der im Himmel geborgen ist. Das Weib hat also auf Erden noch Söhne, welche verfolgt werden. Diejenigen, welche für das Weib die alttestamentliche Gottesgemeinde, das wahre Israel, den heil. Rest [Jes 66,19] als Vorbild ansehen, und in ihr selbst die Fortsetzung dieser Gemeinde, die judenchristliche Gemeinde erblicken, finden in dem Bilde der Wüste und dem an das rote Meer erinnernden Wasser eine Bestätigung ihrer Ansicht. Nach ihrer Auslegung sind die hier gemeinten Übrigen also die Heidenchristen. Ach Beugung der Judenchristenheit bis zur Ankunft des Herrn richten sich die Verfolgungen des Satans nur gegen die Heidenchristen. Demgemäß sehen sie auch in der Zwölfzahl der Sterne die zwölf Patriarchen dargestellt. Wie der Drache seinen Kampf führt und welche Werkzeuge er dabei braucht, wird dem heil. Seher in den beiden Tieren [Offenb 13] gezeigt. - (32) Das Meer ist wohl [Dan 7,3], vergl. [Offenb 13,1], entsprechend, als das Völkermeer anzusehen. Die Schilderung (V. 1 – 17) hat diesen Augenblick eingeleitet. Der Krieg (V. 17) soll beginnen und Satan ist als der eigentliche Urheber der Trübsal, welche die Gläubigen noch vor der Ankunft des Herrn zu bestehen haben, bezeichnet.

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