Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jer20

Aus Vulgata
Wechseln zu: Navigation, Suche

Prophetia Jeremiæ. Caput XX.

Die Prophezeiung des Jeremias Kap. 20


E. Der Prophet wird geschlagen und in den Block geworfen. (V. 6) F. Jeremias Klage.

1. Et audivit Phassur filius Emmer sacerdos, qui constitutus erat princeps in domo Domini, Jeremiam prophetantem sermones istos.
2. Et percussit Phassur Jeremiam prophetam, et misit eum in nervum, quod erat in porta Benjamin superiori, in domo Domini.
3. Cumque illuxisset in crastinum, eduxit Phassur Jeremiam de nervo: et dixit ad eum Jeremias: Non Phassur vocavit Dominus nomen tuum, sed pavorem undique.
4. Quia hæc dicit Dominus: Ecce ego dabo te in pavorem, te et omnes amicos tuos: et corruent gladio inimicorum suorum, et oculi tui videbunt: et omnem Judam dabo in manum regis Babylonis: et traducet eos in Babylonem, et percutiet eos gladio.

5. Et dabo universam substantiam civitatis hujus, et omnem laborem ejus, omneque pretium, et cunctos thesauros regum Juda dabo in manu inimicorum eorum: et diripient eos, et tollent, et ducent in Babylonem.
6. Tu autem Phassur, et omnes habitatores domus tuæ ibitis in captivitatem: et in Babylonem venies, et ibi morieris, ibique sepelieris tu, et omnes amici tui, quibus prophetasti mendacium.

7. Seduxisti me Domine, et seductus sum: fortior me fuisti, et invaluisti: factus sum in derisum tota die, omnes subsannant me.

8. Quia jam olim loquor, vociferans iniquitatem, et vastitatem clamito: et factus est mihi sermo Domini in opprobrium, et in derisum tota die.

9. Et dixi: Non recordabor ejus, neque loquar ultra in nomine illius: et factus est in corde meo quasi ignis exæstuans, claususque in ossibus meis: et defeci, ferre non sustinens.

10. Audivi enim contumelias multorum, et terrorem in circuitu: Persequimini, et persequamur eum: ab omnibus viris, qui erant pacifici mei, et custodientes latus meum: si quo modo decipiatur, et prævalemus adversus eum, et consequamur ultionem ex eo.

11. Dominus autem mecum est quasi bellator fortis: idcirco qui persequuntur me, cadent, et infirmi erunt: confundentur vehementer, quia non intellexerunt opprobrium sempiternum, quod nunquam delebitur.

12. Et tu Domine exercituum probator justi, qui vides renes et cor: videam quæso ultionem tuam ex eis: tibi enim revelavi causam meam.

13. Cantate Domino, laudate Dominum: quia liberavit animam pauperis de manu malorum.
14. Maledicta dies, in qua natus sum: dies, in qua peperit me mater mea, non sit benedicta.
15. Maledictus vir, qui annuntiavit patri meo, dicens: Natus est tibi puer masculus: et quasi gaudio lætificavit eum.

16. Sit homo ille ut sunt civitates, quas subvertit Dominus, et non pœnituit eum: audiat clamorem mane, et ululatum in tempore meridiano:

17. Qui non me interfecit a vulva, ut fieret mihi mater mea sepulcrum, et vulva ejus conceptus æternus.

18. Quare de vulva egressus sum, ut viderem laborem et dolorem, et consumerentur in confusione dies mei?


1. Als nun Phassur, der Sohn Emmers, der Priester, der zum Obersten im Hause des Herrn bestellt war,1 den Jeremias diese Worte weissagen hörte,
2. schlug Phassur den Propheten Jeremias und legte ihn in den Block,2 der am oberen Benjaminstore,3 am Hause des Herrn war.

3. Doch als der andere Morgen angebrochen war, nahm Phassur den Jeremias aus dem Blocke.4 Da5 sprach Jeremias zu ihm: Nicht mehr Phassur nennt dich der Herr, sondern Schrecken ringsum.6
4. Denn also spricht der Herr: Siehe, ich werde dich dem Schrecken preisgeben, dich und alle deine Freunde;7 vor deinen Augen sollen sie durch das Schwert ihrer Feinde fallen; ganz Juda aber will ich in die Hand des Königs von Babylon8 überliefern, dass er sie nach Babylon wegführe und mit dem Schwerte töte.
5. Und alle Habe dieser Stadt und all ihren Erwerb und alle Kostbarkeiten und alle Schätze von Juda will ich in die Hand ihrer Feinde überliefern und diese sollen sie plündern und fortschleppen und nach Babylon fortführen.
6. Du aber, Phassur! Und alle Bewohner deines Hauses, ihr werdet in die Gefangenschaft gehen und du wirst nach Babylon kommen und dort sterben und begraben werden, samt allen deinen Freunden, denen du Lügen geweissagt hast.9
7. Du, Herr! hast mich dahingezogen und ich ward hingezogen, du bist stärker gewesen denn ich und hast übermocht, aber ich bin zum Spott geworden den ganzen Tag, alle verlachen mich.10
8. Denn schon seit langer Zeit rede ich, rufe: Unrecht! Und schreie: Verwüstung!11 aber das Wort des Herrn ist mir zur Beschimpfung und zum Spott geworden den ganzen Tag.
9. Sprach ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken noch ferner in seinem Namen reden, so ward es in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, eingeschlossen in meine Gebeine; ich ward kraftlos und unvermögend, es zu ertragen.12
10. Denn ich hörte die Schmähungen vieler13 und Schrecknis ringsum: Verfolget ihn, lasset uns ihn verfolgen! So hörte ich von allen, die sonst mit mir in Frieden lebten, und sie lauerten meiner Seite auf: Vielleicht lässt er sich hintergehen, dass wir ihn überwältigen und Rache an ihm nehmen können!
11. Aber der Herr ist mit mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger zu Falle kommen und machtlos sein; sie werden schmachvoll zuschanden werden, weil sie in ewige Schande nicht erwogen haben, die niemals getilgt werden wird.14 [Jer 23,40]
12. Nun, Herr der Heerscharen! Du Prüfer des Gerechten, der du Nieren und Herz siehst, lass mich doch deine Rache an ihnen schauen,15 denn dir habe ich meine Sache befohlen. [Jer 11,20; Jer 17,10]
13. Singet dem Herrn, preiset den Herrn, denn er rettet das Leben des Armen aus der Gewalt der Bösen!16
14. Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren ward; der Tag, an dem mich meine Mutter geboren, bleibe ungesegnet!17
15. Verflucht sei der Mann, der meinem Vater die Botschaft brachte und sprach: Ein Kind, ein Knäblein ist dir geboren! Als verursachte er ihm damit eine große Freude.
16. Jener Mann werde wie die Städte, die der Herr von Grund aus umgekehrt hat, ohne dass es ihn reute!18 Er hörte Geschrei am Morgen und Kriegsruf zur Mittagszeit,
17. weil er mich nicht tötete im Mutterleibe, dass meine Mutter mir zum Grabe geworden und ihr Leib ewig schwanger geblieben wäre!
18. Warum bin ich doch aus dem Mutterleibe hervorgegangen, dass ich Mühsal und Schmerz schaue und sich meine Tage in Schmach verzehren?19


Fußnote

Kap. 20 (1) Er hatte die Oberaufsicht über den Tempel, ähnlich wie der [Apg 4,1] und [Jer 5,24] erwähnte Beamte. Der Sohn Emmers: etwa ein Abkömmling der Familie Immers, der 16. Priesterordnung [1Chr 24,14]? Doch nach [Jer 21,1] war er wohl in der Tat der Sohn Immers. - (2) Er nahm an, Jeremias habe die dem Tempel schuldige Ehre verletzt und das Volk aufgeregt. Und doch hatte Jeremias sich bereits vor allen als Prophet erwiesen und war von ihnen nach [5Mos 18,15ff] zu hören und zu verehren. Vielleicht ließ Phassur ihm der Bestimmung [5Mos 18,15ff] gemäß vierzig Rutenstreiche geben. Block: eigentlich Verdrehung, weil die Gefangenen in dieses Marterwerkzeug mit verschränkten Gliedern gelegt wurden. - (3) Dies war ein Stadttor. Die Septuaginta bietet diesen Namen nicht, was auf ein Verderbnis des jetzigen hebräischen Textes hinweist. - (4) Entweder seine Tat bereuend oder hoffend, der Prophet werde nun eingeschüchtert sein. Ähnlich handelte der Hohepriester gegen die Apostel [Apg 5,40]. - (5) In das Gefängnis geworfen, schweigt Jeremias und besiegt das Unrecht durch Stillschweigen; freigelassen verhehlt er dennoch nicht, was kommen wird, damit der falsche Prophet wenigstens ferner nicht sündige und Gottes Erbarmen anflehe. - (6) Der Name bedeutet zugleich das Eintreten der durch denselben bezeichneten Sache. Diese wird V. 4 dargelegt. - (7) Hebr.: Ich werde dich zum Schrecken machen dir selbst und allen deinen Freunden. - (8) So bezeichnet der Prophet den von Norden kommenden Feind mit Namen. - (9) Da Phassur hier den Lügenpropheten beigezählt wird, ist leicht erklärlich, warum er den Propheten ergriffen, aber auch, warum er, von seinem bösen Gewissen gepeinigt, ihn alsbald wieder freigelassen. Wann dies alles geschehen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Da aber Sophonias dieses Amt unter König Sedekias bekleidete, vergl. [Jer 29,25.26] ist es wahrscheinlich, dass diese Weissagung in Erfüllung ging, als Jechonias und andere Vornehme in die Gefangenschaft weggeführt wurden. Vergl. [Jer 29,25.26; 2Koe 24,14-16]. - (10) Der Prophet hat Gottes Berufung zum Prophetenamte zuerst Widerstand geleistet [Jer 1,6], aber Gottes Mahnung und Verheißung nachgegeben, da der Herr ihn gleichsam zur Annahme zwang. Nachdem er nun im Vertrauen auf Gottes Schutz das Amt übernommen, ist er nicht allein nicht sicher vor seinen Feinden, sondern muss sogar deren Spottreden ohne Aufhören über sich ergehen lassen. – Ein wenig Kleinmut und Ängstlichkeit ist seinen Worten sicher beigemischt. - (11) Hebr.: Denn so oft ich rede, muss ich schreien, Frevel und Gewalttat! muss ich rufen. Das Volk verhöhnt ihn, weil es meint, was nicht sofort kommt, werde überhaupt nicht eintreten. - (12) Das Wort Gottes ist Feuer, Jeremias kann dies nicht in seinem Herzen bewahren, notwendig bricht das Feuer hervor und sucht zu entflammen; so muss er, von Gott angetrieben, immer von neuem üble Verkündigungen aussprechen. Auch diese Worte zeigen ein gewisses Zögern und Kleinmut des Propheten. - (13) Hebr. Ich habe viele gehört, - Schrecken (umgab mich) ringsum. – Zeiget an, so wollen wir ihn anzeigen (den Behörden als Aufrührer). Alle, die mir befreundet, lauern mir auf: Vielleicht usw. - (14) Denn sie waren nicht weise, mit ewiger Schmach (werden sie beschämt werden), die nicht vergessen wird. – Welche Zuversicht mitten in der Verfolgung! Ja, wenn Gott für uns, wer mag wider uns sein? Die Feinde sind von wahrer Weisheit verlassen, sonst würden sie den wahren Propheten und seine Verkündigungen anerkennen und den Untergang auf dem vom Propheten angegebenen Wege entgehen. Nun aber steht ihnen Schmach und Verwirrung bevor, wenn das in Erfüllung geht, was Jeremias vorausgesagt. Und dass diese Beschämung sie treffen wird, wenn sie halsstarrig bleiben, weiß der Prophet aus der Wahrhaftigkeit Gottes. - (15) Gott kennt das Herz des Propheten und weiß, wie treu und gewissenhaft derselbe das ihm aufgegebene Wort verkündet. Gottes Sache, nicht die seine vertretend, kann er mit Recht erwarten, dass er Herr sich erheben wird, seine eigene Sache zu rächen. - (16) Da er die göttliche Hilfe schon öfter erfahren hat, vergl. [Jer 11,18], führt er an, wie er den Herrn gepriesen. - (17) Nicht stärker als Elias in ähnlicher Lage [1Koe 19,4] offenbart er seine Betrübnis fast mit gleichen Worten wie Job, in hyperbolischer Rede die Gewalt seines Schmerzes offenbarend. (Ephrem.) Der folgende Vers enthält eine weitere Ausführung des gleichen Gedankens: Wäre ich doch nie geboren! - (18) Sodoma und Gomorrha. - (19) Sein Schmerz wird durch das Unglück seines Volkes gemehrt. Vergl. [1Mak 2,7]. Ohne Zweifel darf man bei den Männer des Alten Bundes nicht die Vollkommenheit des Neuen suchen, die nur das Vorbild Christi und seine Gnade den Aposteln verleihen konnte. Dass der Schmerz in heftigeren Worten seinen Ausdruck findet, ist die Sitte des Orients (Ephr.), wie auch das Zerreißen der Kleider, das sich mit Staub Bestreuen und Ähnliches der größeren Lebhaftigkeit der Morgenländer entspricht.

- Weitere Kapitel: 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | 46 | 47 | 48 | 49 | 50 | 51 | 52 |

Diese Kategorie enthält zurzeit keine Seiten oder Medien.