Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jer08

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Prophetia Jeremiæ. Caput VIII.

Die Prophezeiung des Jeremias Kap. 8


D. Umsonst rühmen sie sich des Gesetzes. (V. 13) E. Unvermeidliches Verderben droht.

1. In illo tempore, ait Dominus: Ejicient ossa regum Juda, et ossa principum ejus, et ossa sacerdotum, et ossa prophetarum, et ossa eorum, qui habitaverunt Jerusalem, de sepulcris suis:


2. Et expandent ea ad solem, et lunam, et omnem militiam cœli, quæ dilexerunt, et quibus servierunt, et post quæ ambulaverunt, et quæ quæsierunt, et adoraverunt: non colligentur, et non sepelientur: in sterquilinium super faciem terræ erunt.

3. Et eligent magis mortem quam vitam omnes qui residui fuerint de cognatione hac pessima in universis locis, quæ derelicta sunt, ad quæ ejeci eos, dicit Dominus exercituum.

4. Et dices ad eos: Hæc dicit Dominus: Numquid qui cadit, non resurget? et qui aversus est, non revertetur?

5. Quare ergo aversus est populus iste in Jerusalem aversione contentiosa? Apprehenderunt mendacium, et noluerunt reverti.
6. Attendi, et auscultavi: nemo quod bonum est loquitur, nullus est qui agat pœnitentiam super peccato suo, dicens:
Quid feci? Omnes conversi sunt ad cursum suum, quasi equus impetu vadens ad prœlium.
7. Milvus in cœlo cognovit tempus suum: turtur, et hirundo, et ciconia custodierunt tempus adventus sui: populus autem meus non cognovit judicium Domini.
8. Quomodo dicitis: Sapientes nos sumus, et lex Domini nobiscum est? vere mendacium operatus est stylus mendax Scribarum.
9. Confusi sunt sapientes, perterriti et capti sunt: verbum enim Domini projecerunt, et sapientia nulla est in eis.

10. Propterea dabo mulieres eorum exteris, agros eorum heredibus: quia a minimo usque ad maximum omnes avaritiam sequuntur: a propheta usque ad sacerdotem cuncti faciunt mendacium.

11. Et sanabant contritionem filiæ populi mei ad ignominiam, dicentes: Pax, pax: cum non esset pax.

12. Confusi sunt quia abominationem fecerunt: quinimo confusione non sunt confusi, et erubescere nescierunt: idcirco cadent inter corruentes, in tempore visitationis suæ corruent, dicit Dominus.

13. Congregans congregabo eos, ait Dominus: non est uva in vitibus, et non sunt ficus in ficulnea, folium defluxit: et dedi eis quæ prætergressa sunt.


14. Quare sedemus? convenite, et ingrediamur civitatem munitam, et sileamus ibi: quia Dominus Deus noster silere nos fecit, et potum dedit nobis aquam fellis: peccavimus enim Domino.


15. Exspectavimus pacem, et non erat bonum: tempus medelæ, et ecce formido.
16. A Dan auditus est fremitus equorum ejus, a voce hinnituum pugnatorum ejus commota est omnis terra: et venerunt, et devoraverunt terram, et plenitudinem ejus: urbem et habitatores ejus.
17. Quia ecce ego mittam vobis serpentes regulos, quibus non est incantatio: et mordebunt vos, ait Dominus.

18. Dolor meus super dolorem, in me cor meum mœrens.
19. Ecce vox clamoris filiæ populi mei de terra longinqua: Numquid Dominus non est in Sion, aut rex ejus non est in ea? Quare ergo me ad iracundiam concitaverunt in sculptilibus suis, et in vanitatibus alienis?

20. Transiit messis, finita est æstas, et nos salvati non sumus.

21. Super contritione filiæ populi mei contritus sum, et contristatus, stupor obtinuit me.

22. Numquid resina non est in Galaad? aut medicus non est ibi? quare igitur non est obducta cicatrix filiæ populi mei?



1. Zu jener Zeit, spricht der Herr, wird man die Gebeine der Könige von Juda und die Gebeine seiner Fürsten, die Gebeine der Priester und die Gebeine der Propheten und die Gebeine der Bewohner von Jerusalem aus ihren Gräbern herauswerfen
2. und sie hinstreuen vor der Sonne und dem Monde und dem ganzen Himmelsheere, welche sie geliebt und denen sie gedient, denen sie nachgewandelt sind und die sie aufgesucht und angebetet haben;1 nicht sollen sie wieder aufgesammelt und nicht begraben werden, sondern sollen zu Dünger auf der Oberfläche der Erde werden.
3. Und alle, welche noch übrig bleiben werden2 von diesem ganz bösen Geschlecht an allen Orten3 der Verlassenheit, an die ich sie verstoße, werden lieber sterben wollen als am Leben bleiben, spricht der Herr der Heerscharen.
4. So sprich denn zu ihnen: So spricht der Herr: Wird der, welcher fällt, nicht wieder aufstehen? Oder der, welcher sich abwendet, sich nicht wieder umwenden?4
5. Warum hat sich denn dies Volk zu Jerusalem abgewendet und verharrt in der Abkehr?5 Sie halten fest an der Lüge6 und wollen nicht umkehren.
6. Ich habe aufgemerkt und gelauscht; niemand redet,7 was gut ist, keiner tut Buße über seine Sünde, dass er spräche: Was habe ich getan? Alle wenden sich ihrem Laufe zu, einem Rosse gleich, das ungestüm in den Kampf stürzt.
7. Der Reiher am Himmel kennt seine Zeit, die Turteltaube, die Schwalbe und der Storch8 halten die Zeit ihres Kommens ein, aber mein Volk kennt das Recht des Herrn nicht.
8. Wie könnt ihr sagen:9 Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn?10 Wahrlich, zur Lüge11 hat es der Lügengriffe der Schriftgelehrten gemacht.12
9. Die Weisen werden beschämt, erschreckt und gefangen werden, denn sie haben das Wort des Herrn verworfen und es ist keine Weisheit in ihnen.
10. Darum werde ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre Äcker andern nach ihnen, denn vom Geringsten bis zum Größten sind alle der Habsucht ergeben, vom Propheten bis zum Priester üben alle Lüge. [Jes 56,11; Jer 6,13]
11. Sie wollten den Schaden der Tochter meines Volkes schandvoll heilen, indem sie sprachen: Friede, Friede! wo doch kein Friede war.
12. Sie wurden zuschanden, weil sie Greuel verübt, doch sie wurden nicht schamrot, vielmehr verstanden sie nicht sich zu schämen; darum werden sie unter den Fallenden fallen und zur Zeit ihrer Heimsuchung werden sie zu Boden stürzen,13 spricht der Herr.
13. Alle will ich zusammen wegraffen, spricht der Herr, keine Traube soll an dem Weinstocke und keine Feige an dem Feigenbaume bleiben, ja, auch die Blätter sollen abfallen14 und ich gebe ihnen, was eingedrungen ist.15
14. Warum sitzen wir denn noch still?16 Sammelt euch und lasset uns in die feste Stadt ziehen und dort in Stille weilen!17 Denn der Herr, unser Gott, hat uns verstummen lassen und hat uns Gallentrank zu trinken gegeben, weil wir wider den Herrn gesündigt haben. [Jer 9,15]
15. Wir hofften auf Frieden18 und es kam nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung und siehe, Schrecken kam. [Jer 14,19]
16. Von Dan her19 wird das Schnauben seiner20 Rosse vernommen, von dem lauten Wiehern seiner Streitrosse erbebt das ganze Land; sie kommen und verschlingen das Land und dessen Fülle, die Stadt und ihre Bewohner.21
17. Denn siehe, ich werde Schlangen, Basilisken unter euch senden, gegen welche es keine Beschwörung gibt,22 und diese werden euch beißen, spricht der Herr.23
18. Ein Schmerz kommt mir über den andern,24 mein Herz trauert in mir!
19. Siehe, laut ertönt das Klagegeschrei der Tochter meines Volkes aus fernem Lande: „ Ist denn der Herr nicht in Sion oder ist sein König nicht in ihm?“25 Warum haben sie mich denn durch ihre geschnitzten Bilder und durch fremde Nichtigkeiten zum Zorne gereizt?26
20. Vorüber ist die Ernte, zu Ende ist der Sommer und uns ist keine Hilfe geworden!27
21. Tief bin ich betrübt über das große Elend der Tochter meines Volkes,28 ich gehe voll Trauer einher, Entsetzen hat mich ergriffen.
22. Ist denn kein Balsam mehr in Galaad?29 oder ist kein Arzt mehr dort? Warum ward die Wunde der Tochter meines Volkes nicht verbunden?30


Fußnote

Kap. 8 (1) Die Strafe ist beschämend ebenso für die Götter, welche ihre Verehrer nicht vor dieser Schmach zu bewahren vermochten, wie für ihre Anhänger. Jetzt senden sie nicht mehr Wohlgerüche, sondern Gestank zum Heere des Himmels empor, und Sonne, Mond und Sterne zeigen gleichsam mit ihrem Lichte, wieviel Unreinheit mit elenden Leichnamen innewohnt. Vergl. [Baru 2,24]. - (2) Mit dem Lose der Überlebenden verglichen ist das Schicksal der Toten fast selig zu preisen. - (3) Hebr.: An allen Orten, an welche ich die Übrigbleibenden verstoßen habe. - (4) Hebr.: Wer sich abwendet, mit ewiger Abkehr? – Wer in eine Grube fällt, bemüht sich herauszukommen, und wer vom rechten Wege abgekommen ist, auf denselben zurückzukommen, warum also wollen sie sich abzuwenden suchen? - (5) Hebr.: abwendig in ewiger Abspenstigkeit. - (6) Trug. - (7) Gott hat gleichsam gelauscht, ob jemand auch nur mit leiser und furchtsamer Stimme etwas sagt, doch umsonst. Sie eilen im Gegenteil im ungestümen Laufe allem Bösen nach. - (8) Hebr. Auch der Storch am Himmel kennt seine Fristen und Turteltaube, Schwalbe und Kranich halten die Zeit ihrer Ankunft ein. – Die Tiere folgen ihrem natürlichen Instinkte und handeln deshalb ihrer Natur gemäß, doch mein Volk erkennt das ihm gegebene und verkündete Gesetz nicht an. Die vernunftlosen Wesen folgen dem Triebe, die vernunftbegabten weisen Gottes Anregung zurück und verachten sein Gesetz. - (9) Sie beobachten das Gesetz nicht und scheinen es fast nicht zu kennen, und dennoch preisen sie dessen Weisheit und rühmen sich, dass sie das Gesetz von Gott erhalten und Gegenstand seiner besonderen Vorsehung geworden sind. - (10) Sie halten sich für sicher durch den Schutz des Gesetzes, als ob Gott nicht in demselben den Widerspenstigen die schlimmsten Strafen angedroht hätte. So töricht wie ihr Vertrauen auf den Tempel, ebenso verkehrt ist die Zuversicht, die sie auf das Gesetz gründen. - (11) Sie haben Grundsätze aufgestellt, welche mit dem Gesetze des Herrn nichts gemein haben, und haben dieses verkehrt. (V. 9) Es treten uns hier die ersten Spuren jener menschlichen Überlieferungen entgegen, mit denen Pharisäer und Schriftgelehrte zur Zeit Christi das Gesetz verkehrten. [Mk 7,8-13] Wie die falschen Propheten und Lehrer ihre Lehren schriftlich überlieferten, so war auch das Gesetz Gottes niedergeschrieben. - (12) Hebr.: Betrüglich arbeitet der Schriftgriffel der Schriftgelehrten. - (13) Wohl damit niemand dem Untergange entrinne. - (14) Ein doppelter Grund: Weil die Pflanzung Gottes, sein Feigenbaum und Weinstock, nicht nur keine Frucht trägt, sondern selbst die Blätter abfallen (schlimmer als bei dem Feigenbaum [Mt 21,19]), also unnütz den Platz einnimmt, soll sie verworfen werden, weil sie den Herrn verworfen hat. - (15) Hebr.: Ich sende ihnen solche, die über sie kommen. - (16) Geschrei der Verzweifelnden: Warten wir nicht erst die Ankunft der Feinde ab, fliehen wir in die festen Städte. Vergl. [Jer 4,5]. - (17) Hebr.: Dort untergehen. - (18) Getäuscht durch die Verheißungen der falschen Propheten. - (19) Vom Norden her. - (20) Des Feindes. - (21) Es gibt kein Mittel, den Angriff und die Wut der Feinde abzuwenden. - (22) Wie der Basilisk, eine spannenlange Schlange, sich nicht beschwören lässt, so sind die Feinde unversöhnlich. - (23) Von Dan kommt dieses Verderben, weil dieser Stamm zur Abgötterei der Kälber verführte. (Ephr.) - (24) Hebr.: O hätte ich Linderung für meinen Schmerz! – Worte des Propheten. (Ephr., Thom.) - (25) Schon sieht der Prophet das Volk in der Verbannung, von Gott verworfen und den Feinden überliefert, als ob Jahve nicht sein König wäre und nie einen Sitz und Thron auf Sion errichtet hätte. Wie konnte solches dem auserwählten Volke Gottes zustoßen fragt es selbst. Vergl. [Jer 7,4]. - (26) Gott weist ihre Verwunderung zurück und zeigt die Grundlosigkeit ihrer Klage. - (27) Zweite Klage des Volkes aus dem Lande der Wegführung. Die Ernte ist die Zeit des Getreides, von Ostern an der Sommer, die Zeit der Weinlese; also Frühling und Herbst, das ganze Jahr. Sie warten von Jahr zu Jahr, doch vergeblich, die Verbannung dauert fort. - (28) Der Prophet wird über das Schicksal seines Volkes von Schmerz ergriffen. Hebr.: Um des Bruches der Tochter meines Volkes willen bin ich gebrochen. - (29) Sprichwort. Als Ort ist statt Galaad hier Sion einzusetzen. - (30) Gott hat nichts unterlassen, Sion zu heilen, er gab Heilmittel und sandte solche, welche dieselben anwenden sollten, doch die Judäer verschlossen ihr Ohr der Predigt. (Ephr.) Die Worte beziehen sich auf die Zeit und die Stadt des Exils, welches das Volk nicht hat abwenden wollen. (V. 19)

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