Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jer05

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Prophetia Jeremiæ. Caput V.

Die Prophezeiung des Jeremias Kap. 5


3. Dritte Rede. (5,1 – 6,30) A. Die vielfache Bosheit des Volkes und der Angesehensten (V. 9) B. Die vielfache Bosheit wird ihrer Strafe nicht entgehen. (V. 25) C. Die Ruchlosigkeit der Vornehmen und die Strafe für dieselben.

1. Circuite vias Jerusalem, et aspicite, et considerate, et quærite in plateis ejus, an inveniatis virum facientem judicium, et quærentem fidem: et propitius ero ei.
2. Quod si etiam Vivit Dominus, dixerint: et hoc falso jurabunt.

3. Domine oculi tui respiciunt fidem: percussisti eos, et non doluerunt: attrivisti eos, et renuerunt accipere disciplinam: induraverunt facies suas supra petram, et noluerunt reverti.

4. Ego autem dixi: Forsitan pauperes sunt et stulti, ignorantes viam Domini, judicium Dei sui.
5. Ibo igitur ad optimates, et loquar eis: ipsi enim cognoverunt viam Domini, judicium Dei sui: et ecce magis hi simul confregerunt jugum, ruperunt vincula.

6. Idcirco percussit eos leo de silva, lupus ad vesperam vastavit eos, pardus vigilans super civitates eorum: omnis, qui egressus fuerit ex eis, capietur: quia multiplicatæ sunt prævaricationes eorum, confortatæ sunt aversiones eorum.
7. Super quo propitius tibi esse potero? filii tui dereliquerunt me, et jurant in his, qui non sunt dii: saturavi eos, et mœchati sunt, et in domo meretricis luxuriabantur.

8. Equi amatores, et emissarii facti sunt: Unusquisque ad uxorem proximi sui hinniebat.
9. Numquid super his non visitabo? dicit Dominus, et in gente tali non ulciscetur anima mea?
10. Ascendite muros ejus, et dissipate, consummationem autem nolite facere: auferte propagines ejus, quia non sunt Domini.
11. Prævaricatione enim prævaricata est in me domus Israel, et domus Juda, ait Dominus.
12. Negaverunt Dominum, et dixerunt: Non est ipse: neque veniet super nos malum: gladium et famem non videbimus.
13. Prophetæ fuerunt in ventum locuti, et responsum non fuit in eis: hæc ergo evenient illis.

14. Hæc dicit Dominus Deus exercituum: Quia locuti estis verbum istud: ecce ego do verba mea in ore tuo in ignem, et populum istum in ligna, et vorabit eos.

15. Ecce ego adducam super vos gentem de longinquo domus Israel, ait Dominus: gentem robustam, gentem antiquam, gentem, cujus ignorabis linguam, nec intelliges quid loquatur.

16. Pharetra ejus quasi sepulcrum patens, universi fortes.
17. Et comedet segetes tuas, et panem tuum: devorabit filios tuos, et filias tuas: comedet gregem tuum, et armenta tua: comedet vineam tuam et ficum tuam: et conteret urbes munitas tuas, in quibus tu habes fiduciam, gladio.

18. Verumtamen in diebus illis, ait Dominus, non faciam vos in consummationem.
19. Quod si dixeritis: Quare fecit nobis Dominus Deus noster hæc omnia? dices ad eos: Sicut dereliquistis me, et servistis Deo alieno in terra vestra, sic servietis alienis in terra non vestra.


20. Annuntiate hoc domui Jacob, et auditum facite in Juda, dicentes:
21. Audi popule stulte, qui non habes cor: qui habentes oculos non videtis: et aures, et non auditis.
22. Me ergo non timebitis, ait Dominus: et a facie mea non dolebitis? Qui posui arenam terminum mari, præceptum sempiternum, quod non præteribit: et commovebuntur, et non poterunt: et intumescent fluctus ejus, et non transibunt illud:

23. Populo autem huic factum est cor incredulum et exasperans, recesserunt et abierunt.
24. Et non dixerunt in corde suo: Metuamus Dominum Deum nostrum, qui dat nobis pluviam temporaneam et serotinam in tempore suo: plenitudinem annuæ messis custodientem nobis.
25. Iniquitates vestræ declinaverunt hæc: et peccata vestra prohibuerunt bonum a vobis:
26. Quia inventi sunt in populo meo impii insidiantes quasi aucupes, laqueos ponentes, et pedicas ad capiendos viros.

27. Sicut decipula plena avibus, sic domus eorum plenæ dolo: ideo magnificati sunt et ditati.

28. Incrassati sunt et impinguati: et præterierunt sermones meos pessime. Causam viduæ non judicaverunt, causam pupilli non direxerunt, et judicium pauperum non judicaverunt.

29. Numquid super his non visitabo? dicit Dominus, aut super gentem hujuscemodi non ulciscetur anima mea?
30. Stupor et mirabilia facta sunt in terra:
31. Prophetæ prophetabant mendacium, et sacerdotes applaudebant manibus suis: et populus meus dilexit talia: quid igitur fiet in novissimo ejus?



1. Durchstreifet die Straßen Jerusalems, schauet und spähet, forschet auf ihren Plätzen,1 ob ihr jemand findet, der Recht übe und nach Treue frage,2 so will ich Jerusalem gnädig sein!3
2. Denn wenn sie auch sagen: So wahr der Herr lebt! So schwören sie darum doch falsch.4
3. Herr! deine Augen sehen auf Treue;5 du hast sie geschlagen, aber sie haben es nicht gefühlt; du hast sie zermalmt, aber sie wollten nicht Zucht annehmen; sie machten ihr Angesicht härter als Felsen und wollten sich nicht bekehren!6
4. Da sprach ich:7 Vielleicht sind es nur Arme und Betörte,8 welche den Weg des Herrn, das Recht ihres Gottes, nicht kennen;
5. so will ich denn zu den Vornehmen gehen und mit ihnen reden; denn diese kennen den Weg des Herrn, das Recht ihres Gottes; doch siehe, gerade sie haben das Joch allzumal zerbrochen, die Bande zerrissen.
6. Deshalb wird der Löwe aus dem Walde sie töten und der Wolf des Abends sie umbringen, der Panther lauert an ihren Städten; jeder, der aus denselben herausgeht, wird zerrissen;9 denn ihre Übertretungen sind vielfältig und ihre Treulosigkeiten haben überhandgenommen.
7. Weshalb sollte ich dir verzeihen können? Deine Söhne haben mich verlassen und schwören bei solchen, die keine Götter sind. Obwohl ich sie sättigte, brachen sie den Ehebund und trieben Unzucht im Hause der Buhlerin.10
8. Sie waren gleich geilen Pferden und Springhengsten,11 ein jeder wieherte nach dem Weib seines Nächsten. [Ez 22,11]
9. Sollte ich solches nicht ahnden, spricht der Herr, und sollte meine Seele an einem solchen Volke keine Rache nehmen?12
10. Erstürmet seine Mauern und reißet ein, nur vernichtet nicht vollends; reißet seine Sprossen hinweg, denn sie gehören nicht dem Herrn an.13
11. Denn treulos hat das Haus Israel und das Haus Juda gegen mich gehandelt, spricht der Herr.
12. Sie haben den Herrn verleugnet und gesagt: Er ist es nicht14 und über uns kommt kein Unglück, Schwert und Hunger werden wir nicht sehen!
13. Die Propheten haben in den Wind geredet und Gottes Ausspruch war nicht bei ihnen. Darum wird ihnen dies widerfahren.15
14. So spricht der Herr, der Gott der Heerscharen: Weil ihr solche Rede geführt habt, sehet, so will ich meine Worte in deinem Munde16 zu Feuer machen und dies Volk zu Holz und das Feuer soll sie verzehren.17
15. Siehe, Haus Israel!18 ich lasse über euch ein Volk von der Ferne19 herkommen, spricht der Herr, ein gewaltiges Volk, ein altes Volk, ein Volk, dessen Sprache du nicht kennest, das du nicht verstehst, was es spricht.20
16. Seine Köcher sind wie ein offenes Grab,21 aus Helden besteht es allzumal.
17. Aufzehren wird es deine Saaten und dein Brot, verschlingen22 deine Söhne und deine Töchter, aufzehren deine Schafe und deine Richter, aufzehren deine Weinberge und deine Feigenbäume und deine festen Städte, auf welche du dich verlässest, mit dem Schwerte verwüsten.23
18. Doch auch in jenen Tagen, spricht der Herr, werde ich euch nicht vollends der Vertilgung anheimfallen lassen.24
19. Und wenn ihr dann sagt:25 Warum hat der Herr, unser Gott, uns alles dies getan? So sprich zu ihnen:26 So wie ihr mich verlassen und einem fremden Gott in eurem Lande gedient habt, so sollt ihr in einem Lande, das nicht euer ist, Fremden dienstbar sein. [Jer 16,10]
20. Verkündet dies dem Hause Jakob, machet es kund in Juda und sprechet:
21. Höre, törichtes Volk, das ohne Verstand ist, die ihr Augen habt und nicht seht, Ohren und nicht hört!27
22. Mich also wollt ihr nicht fürchten, spricht der Herr, nicht Leid tragen28 vor mir? Der ich dem Meere den Sand zur Grenze gesetzt, zur ewigen Schranke, welche es nicht überschreiten darf; denn ob auch seine Fluten dagegen andrängen, vermögen sie doch nichts, und ob seine Wogen auch toben, können sie es doch nicht überschreiten.29
23. Doch dieses Volk hat ein ungläubiges30 und aufrührerisches Herz, sie haben sich abgewendet und mich verlassen
24. und sprachen nicht in ihrem Herzen:31 Lasset uns den Herrn, unsern Gott, fürchten, der uns den Frühregen und Spätregen gibt zu seiner Zeit und uns die Fülle der jährlichen Ernte sichert.32
25. Eure Frevel haben dies weggewendet33 und eure Sünden haben euch das Gute ferngehalten.
26. Denn es finden sich in meinem Volke Gottlose, die wie Vogelsteller auf der Lauer liegen, die Schlingen und Fallen legen, um Menschen zu fangen.34
27. Wie ein Fanggarn mit Vögeln angefüllt ist, so sind ihre Häuser mit Erlistetem erfüllt;35 daher sind sie groß und reich geworden,
28. dick und fett, und übertreten meine Gebote auf das ärgste. Die Rechtssache der Witwe entscheiden sie nicht, die Sache der Waisen ordnen sie nicht und verhelfen den Armen nicht zum Rechte.36 [Jes 1,23; Sach 7,10]
29. Sollte ich solches nicht ahnden, spricht der Herr, oder sollte ich an einem Volke wie dieses meine Seele nicht Rache nahmen?37
30. Entsetzliches und Schreckliches ist im Lande geschehen:38
31. Die Propheten weissagen Lügen und die Priester klatschen dazu in die Hände und mein Volk liebt es so.39 Was wird denn mit ihm am Ende geschehen?


Fußnote

Kap. 5 (1) Gott will sich erbarmen, wenn auch nur ein Gerechter sich findet, doch umsonst wird ein solcher gesucht. – Die Häufung der Ausdrücke macht die Rede eindrucksvoller. - (2) Hebr.: Und um Treue sich mühe. Ein Mann, der die Richtschnur des Rechts und des Rechten mit unerschütterlicher Standhaftigkeit und vollkommener Treue wahrt. - (3) Gott fordert für Jerusalem weniger als einst für das jüdische Sodoma. Wie beschämend, dass die Einwohner der auserwählten Stadt schlimmer sind als jenes Sündenpfuhls, und dass Gott ihnen umsonst ein reicheres Maß des Erbarmens anbietet! Die Einzahl ist gewählt, um zu bezeichnen, dass die Zahl der Gerechten in Jerusalem verschwindend klein ist, nicht um zu verneinen, dass Jeremias, Baruch, Josias und andere gerecht sind. - (4) Selbst die sich noch zu Jahve bekennen, sind ohne Wahrhaftigkeit, rufen den Herrn zum Zeugen an, ohne doch den Eid zu halten. Den Lebendigen anrufend, stellen sie ihn den nichtigen Götzen gleich, als könne er die ihm angetane Unbill nicht rächen. - (5) Hebr.: Jahve, deine Augen sind sie nicht auf Treue aus? Sept.: Deine Augen verlangen Treue zu schauen. - (6) Wohl hat Gott sein Missfallen zu erkennen gegeben durch Züchtigungen, doch diese haben nichts gefruchtet, die Schuldigen ließen keine Spur von Scham und Reue erkennen. - (7) Sie handeln nicht aus Unwissenheit, sondern aus Bosheit. Der Prophet hebt dies wirkungsvoll durch die Äußerung seiner Hoffnung hervor. - (8) Hebr.: Ich dachte wohl: Nur die Geringen sind es, diese betragen sich töricht, weil sie den Weg usw. - (9) Schon haben sie von den Feinden vieles leiden müssen, doch noch steht ihnen vieles Harte bevor. Der Wolf am Abend ist der Wolf, der, den Tag über hungernd, zu Abend auf beute ausgeht. Hebr. besser: Der Steppenwolf. - (10) Götzendienst und Unzucht treiben deine Söhne. Auch die Heiden verbanden beide Laster miteinander. [Roem 1,24ff] Obgleich ich sie sättigte: Vergl. [5Mos 32,15]. - (11) Hebr.: Wie wohlgenährte Hengste schweiften sie umher. - (12) Dies wäre gegen meine Heiligkeit. - (13) Israel sollte der Weinberg des Herrn sein, doch es hat fremden Samen aufgenommen: Was im Volke Gottes dem Herrn entgegengesetzt ist, soll durch das Gericht hinweggenommen werden. Ob die Bewohner als Weinstock gedacht sind, der sich an die Stadtmauern hält als an eine schirmende Wand? - (14) Der in ihnen redet, der uns so strafen sollte, wie die Propheten sagen. Es sind Worte des lästernden Volkes, das die Gesandten Gottes und damit ihn selbst [5Mos 18,15] zurückweist. - (15) Sie mögen zu Wind werden, oder: Schwert und Hunger, das Strafgericht, das sie uns verkünden, soll über sie kommen. - (16) O Prophet! - (17) Wirksamkeit des göttlichen Wortes, den Drohungen [5Mos 18,19] entsprechend. - (18) Das Folgende ist [5Mos 28,49] bereits angedroht. - (19) Was von weitem kommt, ist unbekannt und darum umso schreckenvoller. - (20) Wie man vergeblich zu einem Tauben redet, weil er nicht hört, so auch zu einem, der die Sprache nicht versteht. Kein Flehen kann jenes Volk erweichen, kein Erbarmen sein Herz berühren. - (21) Bereit, alle zu verschlingen. - (22) Töten. - (23) Vergl. [5Mos 28,32ff]. - (24) Gemäß der Verheißung [5Mos 30,2ff]. - (25) Sie wähnen sich unschuldig und können sich nicht genug verwundern, dass ihr Gott ihnen solches zusendet, der falschen Zuversicht gemäß, welche der Prophet [Jer 7,4] eingehender rügt. - (26) Der Sünde entspricht die Strafe. - (27) Sie haben alles, was ihnen die Erkenntnis des wahren Gottes vermitteln kann: Das Gesicht, um aus den erschaffenen Dingen und aus den Schicksalen und Einrichtungen ihres Volkes den wahren Gott zu erkennen, ein Herz, aus den Mahnungen und Belehrungen der Gesandten Gottes ihre Kenntnis zu vertiefen. - (28) Hebr.: Beben. - (29) Das gewaltig brausende Meer hält Gott durch bloßen Sand in Schranken, welches Wunder der Allmacht des Herrn! - (30) Hebr.: Widerspenstiges. - (31) Wenigstens des Nutzens halber sollten sie Gott verehren. - (32) Der Frühregen ist zur Bestellung, der Spätregen zur Ernte notwendig. Hebr.: Die festbestimmten Wochen der Ernte wird er uns einhalten. Gemeint sind die Wochen zwischen Osterfest und Pfingsten, während welcher nach dem Gesetze die Ernte vor sich gehen sollte. Was aber war dazu notwendiger als dass Gott selbst diese Termine einhielt? - (33) Eure Verschuldungen haben die Ordnung Gottes ins Wanken gebracht. In letzter Zeit war die Ernte durch das Ausbleiben von Regen mehrfach verspätet und stark beeinträchtigt. - (34) Wie die Vogelsteller ihre Fallen aufstellen, so fangen sie Menschen wie rechtlose Vögel. - (35) Das Bild lehnt sich an V. 26 an, ist aber ein neues. Ihre Häuser sind wie ein Vogelkäfig, voller Güter, die sie mit Trug erworben haben. - (36) Hebr.: Recht schaffen sie nie, das Recht der Waisen, dass sie glücklich seien, und die Sache der Armen schlichten sie nicht. Und doch ist Schutz der Armen und Waisen Bedingung des Glückes und der Wohlfahrt. - (37) Da sie so boshaft mich verachten (V. 22), von mir abgefallen sind und widerspenstig sind gegen mich (V. 23) mit List und Trug (V. 26, V. 27), durch Hochmut und Anmaßung und durch Verachtung jeglichen Rechtes (V. 28) alles Maß überschritten haben. Die von Gott gesetzten Schranken, welche selbst das Meer anerkennt, achten sie nicht. - (38) Kurzes Schlusswort der ganzen Rede. - (39) Das Volk wendet sich von den Propheten ab, welche Gott sendet und schenkt den falschen Propheten Glauben, welche ihm Gutes verheißen und seine Laster nicht rügen. Die Priester stehen mit den falschen Propheten im Bunde. So freut man sich daran, sich gegenseitig zu täuschen. Vergl. [Mic 2,11].

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