Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jes01

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Prophetia Isaiiæ. Caput I.

Prophezeiung des Isaias Kap. 1


I. Erster Teil. Kap. 1-37 – Vorrede. (Kap. 1) A. Undank und Frevel des Volkes. (V. 9) B. Strafe: Verwerfung der Opfer. (Vers 20) C. Gottes Gerichte gereichen zur Auferstehung und zum Falle.

1. VISIO Isaiæ filii Amos, quam vidit super Judam et Jerusalem in diebus Oziæ, Joathan, Achaz, et Ezechiæ regum Juda.
2. Audite cœli, et auribus percipe terra, quoniam Dominus locutus est. Filios enutrivi, et exaltavi: ipsi autem spreverunt me.
3. Cognovit bos possessorem suum, et asinus præsepe Domini sui: Israel autem me non cognovit, et populus meus non intellexit.
4. Væ genti peccatrici, populo gravi iniquitate, semini nequam, filiis sceleratis: dereliquerunt Dominum, blasphemaverunt sanctum Israel, abalienati sunt retrorsum.

5. Super quo percutiam vos ultra, addentes prævaricationem? omne caput languidum, et omne cor mœrens.

6. A planta pedis usque ad verticem non est in eo sanitas: vulnus, et livor, et plaga tumens, non est circumligata, nec curata medicamine, neque fota oleo.

7. Terra vestra deserta, civitates vestræ succensæ igni: regionem vestram coram vobis alieni devorant, et desolabitur sicut in vastitate hostili.
8. Et derelinquetur filia Sion ut umbraculum in vinea, et sicut tugurium in cucumerario, et sicut civitas, quæ vastatur.
9. Nisi Dominus exercituum reliquisset nobis semen, quasi Sodoma fuissemus, et quasi Gomorrha similes essemus.

10. Audite verbum Domini principes Sodomorum, percipite auribus legem Dei nostri populus Gomorrhæ.
11. Quo mihi multitudinem victimarum vestrarum, dicit Dominus? plenus sum: holocausta arietum, et adipem pinguium, et sanguinem vitulorum, et agnorum, et hircorum nolui.

12. Cum veniretis ante conspectum meum, quis quæsivit hæc de manibus vestris, ut ambularetis in atriis meis?
13. Ne offeratis ultra sacrificium frustra: incensum abominatio est mihi. Neomeniam, et sabbatum, et festivitates alias non feram, iniqui sunt cœtus vestri:
14. Calendas vestras, et solemnitates vestras odivit anima mea: facta sunt mihi molesta, laboravi sustinens.
15. Et cum extenderitis manus vestras, avertam oculos meos a vobis: et cum multiplicaveritis orationem, non exaudiam: manus enim vestræ sanguine plenæ sunt.
16. Lavamini, mundi estote, auferte malum cogitationum vestrarum ab oculis meis: quiescite agere perverse,

17. Discite benefacere: quærite judicium, subvenite oppresso, judicate pupillo, defendite viduam.

18. Et venite, et arguite me, dicit Dominus: si fuerint peccata vestra ut coccinum, quasi nix dealbabuntur: et si fuerint rubra quasi vermiculus, velut lana alba erunt.

19. Si volueritis, et audieritis me, bona terræ comedetis.

20. Quod si nolueritis, et me ad iracundiam provocaveritis: gladius devorabit vos, quia os Domini locutum est.

21. Quomodo facta est meretrix civitas fidelis, plena judicii? justitia habitavit in ea, nunc autem homicidæ.

22. Argentum tuum versum est in scoriam: vinum tuum mistum est aqua.
23. Principes tui infideles, socii furum: omnes diligunt munera, sequuntur retributiones. Pupillo non judicant: et causa viduæ non ingreditur ad illos.

24. Propter hoc ait Dominus Deus exercituum fortis Israel: Heu, consolabor super hostibus meis, et vindicabor de inimicis meis.
25. Et convertam manum meam ad te, et excoquam ad purum scoriam tuam, et auferam omne stannum tuum.
26. Et restituam judices tuos ut fuerunt prius, et consiliarios tuos sicut antiquitus: post hæc vocaberis civitas justi, urbs fidelis.

27. Sion in judicio redimetur, et reducent eam in justitia:

28. Et conteret scelestos, et peccatores simul: et qui dereliquerunt Dominum, consumentur.
29. Confundentur enim ab idolis, quibus sacrificaverunt: et erubescetis super hortis, quos elegeratis.

30. Cum fueritis velut quercus defluentibus foliis, et velut hortus absque aqua.
31. Et erit fortitudo vestra, ut favilla stuppæ, et opus vestrum quasi scintilla: et succendetur utrumque simul, et non erit qui exstinguat.


1. Gesicht1 Isaias, des Sohnes des Amos, welches er über Juda2 und Jerusalem3 geschaut, in den Tagen Ozias, Joathans, Achaz und Ezechias, der Könige von Juda.
2. Höret, ihr Himmel! und horche auf, Erde!4 denn der Herr redet. Söhne habe ich aufgezogen und erhöht,5 sie aber haben mich verschmäht.6 [Hos 11,3]
3. Es kennt der Ochs seinen Eigentümer und der Esel die Krippe seines Herrn, Israel aber kennt mich nicht und mein Volk ist ohne Verständnis.7
4. Wehe dem sündigen Volk, dem Volke mit Missetat belastet, dem Geschlechte von Bösewichtern, den lasterhaften Söhnen! Sie haben den Herrn verlassen, den Heiligen Israels gelästert, sind nach rückwärts abgewendet.
5. Wohin soll ich euch ferner noch schlagen, da ihr Sünde auf Sünde häuft?8 Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz siech.9
6. Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Heiles an ihm, Wunden und Quetschungen und schwellende Beulen, nicht verbunden, nicht mit Heilmitteln versorgt noch mit Öl gelindert.
7. Euer Land ist verödet, eure Städte sind niedergebrannt, eure Fluren verzehren Fremde vor euern Augen und sie sind verödet wie durch feindliche Verheerung.10 [Jes 5,6]
8. Und die Tochter Sion11 steht verlassen wie eine Hütte im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfelde und wie eine Stadt, die verheert ist.12
9. Hätte der Herr der Heerscharen uns nicht einen Samen übriggelassen, so wären wir wie Sodoma geworden und Gomorrha würden wir gleichen. [Roem 9,29; 1Mos 19,24]
10. Höret des Herrn Wort, ihr Fürsten von Sodoma!13 vernimm das Gesetz unsers Gottes, Volk von Gomorrha!
11. Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr. Ich bin satt; Brandopfer von Widdern und das Fett von Mastvieh, das Blut von Rindern und Lämmern und Böcken begehre ich nicht.14 [Jer 6,20; Amos 5,21.22]
12. Wenn ihr vor mein Angesicht kommt,15 wer forderte dies von euch, dass ihr in meinen Vorhöfen umhergehet?16
13. Bringet nicht ferner unnütze Opfer mehr; Räucherwerk ist mir ein Greuel, Neumond, Sabbat und andere Feste ertrage ich nicht mehr, eure Versammlungen sind gottlos.
14. Eure Neumonde und eure Festlichkeiten hasst meine Seele; sie sind mir lästig geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen.17
15. Und wenn ihr eure Hände ausstreckt, werde ich mein Angesicht von euch abwenden; und wenn ihr noch so viel betet, werde ich euch doch nicht erhören, denn eure Hände sind voll Blutschuld. [Jes 59,3]
16. Waschet euch, reiniget euch, schaffet die Bosheit eurer Anschläge aus meinen Augen; lasset ab, verkehrt zu handeln!18 [1Petr 3,11]
17. Lernet Gutes tun, trachtet nach dem, was Recht ist, kommet dem Unterdrückten zu Hilfe, verschaffet der Waise ihr Recht, verteidiget die Witwe!19
18. Alsdann kommet und rechtet mit mir!20 spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie doch weiß werden wie Schnee; und wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie weiß werden wie Wolle.21
19. Wenn ihr willig seid22 und auf mich hört, so werdet ihr die Güter des Landes genießen.
20. Wenn ihr aber nicht wollt und mich zum Zorne reizt, so wird das Schwert euch vertilgen; denn der Mund des Herrn hat gesprochen.
21. Wie ist zur Buhlerin geworden die treue Stadt, die voll des Rechtes war?23 Gerechtigkeit wohne in ihr, jetzt aber Mörder!
22. Dein Silber ist zu Schlacken geworden, dein Wein ist mit Wasser vermischt.24
23. Deine Fürsten sind treulos und Diebesgenossen; alle lieben Geschenke, haschen nach Vergeltungen; der Waise sprechen sie nicht Recht und die Sache der Witwe kommt nicht vor sie. [Jer 5,28]
24. Darum spricht der Herr, der Gott der Heerscharen, der Starke Israels:25 Wehe, ich will mich getrösten an meinen Feinden26 und Rache nehmen an meinen Widersachern!
25. Und ich werde meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken rein ausschmelzen und all dein Blei wegschaffen27
26. und ich werde dir wieder Richter geben, wie sie früher waren,28 und Ratgeber, wie von alters; alsdann wird man dich die Stadt der Gerechtigkeit nennen, die getreue Stadt.29
27. Sion wird durch Gericht erlöst und durch Gerechtigkeit wird es wiederhergestellt werden.30
28. Aber die Frevler und Sünder wird er allzumal vertilgen und die, welche den Herrn verlassen haben, werden vernichtet werden.
29. Denn sie werden zuschanden werden der Götzenbilder wegen, denen sie geopfert; und ihr werdet erröten über die Gärten, die ihr erwählt,31
30. wenn ihr wie Eichen sein werdet, deren Blätter abfallen, und wie ein Garten ohne Wasser.32
31. Und eure Kraft33 wird wie glimmende Wergasche sein und euer Tun wie ein Funke!34 beide werden zumal entbrennen und niemand wird sein, der lösche.


Fußnote

Kap. 1 (1) Die Propheten schauten mit dem Auge des Geistes die Zukunft. (Cyr., Al.) Der Name Seher deutet die Sicherheit und Gewissheit der Weissagung an. - (2) Das auserwählte Volk bildet den von Gott gesetzten Mittelpunkt der Weltgeschichte. - (3) Jerusalem umfasst in der prophetischen Sprache das Volk Gottes des Alten und des Neuen Bundes. - (4) Vergl. [5Mos 32,1]. Auf jene Handlung Moses weist der Prophet hin und klagt den zeugen, dass Moses dem Volke das Gesetz eingeschärft, und dessen unentwegten Wächtern und Rächern den Abfall vom Gesetze. (Basil.) Himmel und Erde waren Werkzeuge der göttlichen Großtaten bei der Befreiung aus Ägypten, sie wirkten bei der Verkündigung des Gesetzes mit [5Mos 4,36] und sind auch [Ps 49; Weish 16] Werkzeuge der göttlichen Strafgerichte. (Thom.) - (5) Der Ausdruck begreift alles in sich, was Gott für Israel getan seit dem Beginne seiner Geschichte. - (6) Sind von mir abgefallen. - (7) Sie stehen nicht Menschen, sondern selbst den stumpfsinnigsten Tieren nach. (Basil., Chrys.) - (8) Ist noch Hoffnung auf Besserung möglich? (Basil.) - (9) Die Züchtigung hat bereits die edelsten Teile getroffen, welche den übrigen Leben, Bewegung und Kraft vermitteln sollen, Königtum und Priestertum. (Cyr. Alex., Hier., Thom.) Das Bild der Wunden ist auf die Strafheimsuchungen durch Verwüstungen von Seiten der Feinde und ähnliche Unglücksfälle zu beziehen. (Bas., Chrys., Cyr.) - (10) Wie [3Mos 26,16.31.33; 5Mos 28,23] gedacht ist. - (11) Das Land wird als Mutter, die Einwohner als deren Söhne und Töchter angesehen. Durch einen leichten Übergang wird dann der Ausdruck Tochter, Jungfrau, Herrin auf die Stadt selbst übertragen. - (12) Die beiden ersten Vergleiche schildern Jerusalem in Bezug auf seine Umgebung, das dritte Glied den Schaden in seinem Innern. Anders das Hebr. im letzten Gliede. - (13) Vergl. [5Mos 32,32; Jer 23,14] u.a. - (14) Die Aufzählung begreift die verschiedenen Opferarten und opferfähigen Tiere nebst dem Hauptritus beim Ganz-, Fried- und Schuldopfer. Der Prophet betont den Geist des Gesetzes und den Willen des Gesetzgebers, nach dem der äußere Gottesdienst ein Symbol des inneren sein soll. - (15) Gebräuchliche Bezeichnung für den den männlichen Israeliten vorgeschriebenen Tempelbesuch an den drei hohen Festtagen. Der jetzige Tempelbesuch ist so geartet, dass ihn Gott nicht will. - (16) Sie nützen gleichsam die Vorhöfe nur ab. - (17) Vergl. [1Sam 15,22]. - (18) Die gehäuften Ausdrücke betonen die innere sittliche Läuterung und Reinigung. Hebr.: Reinigt euch, entfernt die Bosheit eurer Taten, bringet ins rechte Geleise die Gewalttätigen, führet der Witwe Sache. - (19) Das Gute wird nach der Seite der Gerechtigkeit hin vielfach näher bestimmt. - (20) Auf Grund der entwickelten Gottesnorm bietet ihnen Gott gleichsam einen neuen Vertrag an. - (21) Die Vergleichung mit Scharlach und Purpur ist durch den Schluss von V. 15 veranlasst. Doch vergleiche auch [Offenb 17,4; Offenb 3,4.5; Offenb 7,14]. Die Rechtfertigung wird als eine Tilgung des alten Zustandes und zugleich als Neugestaltung und Umschaffung in einen neuen glänzenden Stand versinnbildet. - (22) Vergl. [5Mos 30,15.19]. - (23) Buhlen: fremden Göttern nachgehen. Das Volk Israel ist von Gott als Braut angenommen. Mit der Treue gegen Gott verfiel auch die Treue gegen die Menschen. - (24) Der Adel der Geburt soll sich im Adel der Gesinnung betätigen, daher der Vergleich mit edlen Produkten und edlen Metallen. - (25) Die Häufung der Gottesnamen gibt der Rede Nachdruck und entfaltet die Strafmacht des Allgewaltigen, des verschmähten Bundesgottes. - (26) Die hier gewählte Redeweise zeigt, wie sehr die göttliche Gerechtigkeit durch das Übermaß der Frevel zur strafrechtlichen Offenbarung gedrängt wird und stellt eine erschütternde Züchtigung in Aussicht. - (27) Das Strafgericht ist eine Läuterung und Scheidung. Bleiteile finden sich im Silbererze. - (28) Die Richter der Vorzeit, des Anbeginnes (hebr.) sind die großen Helden der Geschichte Israels Moses, Josue, Gedeon, Samuel, David, die das Volk im rechten Geiste leiteten. - (29) Diese Verheißung ist ein für die fernere Entwicklung Israels geltendes Grundgesetz, das in schwächeren Umrissen durch Zorobabel, Esdras, Nehemias, die Machabäer, voll und ganz aber durch den Messias verwirklicht ward. - (30) Aus Gottes Strafgerichten ersprießt als Frucht die Gerechtigkeit, beides bedingt und vermittelt sich. - (31) Ihr, das Volk, das sich dereinst so feierlich Gott zum Herrn erwählt. [5Mos 7,6; Jos 24,15ff] - (32) Die Verödung der Kultusstätte findet ein Spiegelbild in der Vernichtung des blühenden Wohlstandes der Götzendiener. Vergl. auch [Jer 2,8]. - (33) Der Inbegriff alles dessen, worauf ihre eure Hoffnung setzt, soll sich als nichtig erweisen und euer Tun selbst das unabwendbare Unglück aus sich erzeugen. - (34) Hebr.: Und es wird der Vermögende zum Werge und sein Werk zum Funken.

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