Kategorie:Vulgata:NT:Mt05

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Version vom 10. November 2011, 21:14 Uhr von Hannelore (Diskussion | Beiträge) (Fußnote)
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Das Evangelium nach Matthäus

BERGPREDIGT

Kapitel 5

Seligpreisung der Berufenen

1 Als er die Scharen sah, stieg er auf den Berg, und nachdem er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm, 2 und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 3 »Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. 5 Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen. 6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden. 7 Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. 8 Selig, die lauteren Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. 9 Selig die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. 10 Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn sie werden Gott schauen. 11 Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch alles Böse gegen euch sagen um meinetwillen. 12 Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Ebenso nämlich haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.

Jüngerberuf

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz schal geworden ist, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts weiter, als daß es hinausgeworfen und zertreten wird von den Menschen. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt nicht verborgen bleiben, die droben liegt auf dem Berge. 15 Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. 16 So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist.

Himmelreich und Gesetz

17 Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer daher eines von diesen kleinsten Geboten aufhebt und so die Menschen lehrt, der wird als Kleinster gelten im Himmelreich; wer sie aber tut und lehrt, der wird als Großer gelten im Himmelreich. 20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weitaus größer sein wird als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht hineinkommen in das Himmelreich.

Versöhnende Liebe

21 Ihr habt gehört, daß gesagt wurde zu den Alten: ›Du sollst nicht töten‹ (2 Mos 20,13; 5 Mos 5,17). Wer tötet, wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer zu seinem Bruder sagt: Du Tor! wird dem Hohen Rat verfallen sein; wer sagt: Du Narr! wird der Feuerhölle verfallen sein. 23 Wenn du daher deine Gabe zum Altare bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe! 25 Verständige dich mit deinem Gegner ohne Zögern, solange du noch mit ihm auf dem Wege bist, damit dich nicht der Gegner dem Richter und der Richter dem Gerichtsdiener übergibt und du in den Kerker geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du kommst nicht heraus von dort, bis du bezahlt hast den letzten Heller.

Heiligkeit der Ehe

27 Ihr habt gehört, daß gesagt wurde [zu den Alten]: ›Du sollst nicht ehebrechen‹ (2 Mos 20,14; 5 Mos 5,18). 28 Ich aber sage euch: Ein jeder, der eine Frau anblickt mit begehrlicher Absicht, hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem Herzen. 29 Wenn dein rechtes Auge dir zum Ärgernis wird, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. 30 Wenn deine rechte Hand dir zum Ärgernis wird, so haue sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle fahre.

Unauflösbarkeit

31 Es wurde auch gesagt: ›Wer seine Frau entläßt, gebe ihr einen Scheidebrief‹ (5 Mos 24,1). 32 Ich aber sage euch: Ein jeder, der seine Frau entläßt - nicht kommt in Frage Begründung mit Unzucht (5 Mos 24,1)! -, macht sie zur Ehebrecherin, und wer eine Entlassene heiratet, bricht die Ehe.

Wahrhaftigkeit

33 Wiederum habt ihr gehört, daß gesagt wurde zu den Alten: ›Du sollst nicht falsch schwören‹ (3 Mos 19,12); ›du sollst dem Herrn deine Schwüre halten‹ (4 Mos 30,3; 5 Mos 23,22). 34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, auch nicht beim Himmel, denn er ist ›der Thron Gottes‹, 35 auch nicht bei der Erde, denn sie ist ›der Schemel seiner Füße‹ (Is 66,1), auch nicht bei Jerusalem, denn es ist ›die Stadt des großen Königs‹ (Ps 48,3). 36 Auch nicht bei deinem Haupte sollst du schwören, weil du nicht ein einziges Haar weiß machen kannst oder schwarz. 37 Es sei euer Jawort ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.

Wahre Wiedervergeltung

38 Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ›Aug um Äug, Zahn um Zahn‹ (2 Mos 21,24; 5 Mos 19,21). 39 Ich aber sage euch: Wehrt euch nicht gegen den Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin! 40 Und wer dich vor Gericht bringen und deinen Leibrock nehmen will, dem lasse auch den Mantel! 41 Und wer dich nötigt zu einer einzigen Meile, mit dem gehe zwei! 42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

Liebe ohne Schranken

43 Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ›Du sollst deinen Nächsten lieben‹ (3 Mos 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde [, tut Gutes denen, die euch hassen,] und betet für sie, die euch verfolgen [und verleumden], 45 auf daß ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner das gleiche? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die Heiden das gleiche? 48 Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!


Fußnote

5,7-7,29: Vgl. Luk 6,20-49. In der Bergpredigt bietet Matth in kurzer Zusammenordnung die Grundgedanken der ersten Predigt Jesu, vor allem in ihrem Unterschied zu der von den pharisäischen Schriftgelehrten vertretenen Gesetzesauffassung und Lebenshaltung. Sie ist eine Rechtfertigung gegenüber dem von den Schriftgelehrten erhobenen Vorwurf, Jesu Botschaft hebe das alttestamentliche Gesetz auf.
5,3: »Arme im Geiste« meint alle, die innerlich arm und erlösungsbedürftig sind; vgl. Is 61,1; Luk 4,18. Auch die übrigen »Seligkeiten« lehnen sich an alttestamentliche Weissagungen über den Segen des Gottesreiches an, dessen Kommen Jesus verkündet. • 13-16: Vgl. Mark 9,50; 4,21; Luk 14,34f; 8,16; 11,33. Wie ein verdorbenes Salz völlig wertlos geworden ist, so auch der seiner Aufgabe untreu gewordene Jünger, der rettend und erhaltend wirken sollte. Ist er treu, wirkt er wie eine hochgelegene Stadt und wie ein Licht, nämlich durch sein strahlendes, nicht zu übersehendes Beispiel. • 17-20: Jesus verwahrt sich gegen den Vorwurf des Umsturzes. Sein Gottesreich fordert nur Vertiefung und Vollendung. • 21-48: Die sechs Beispiele kennzeichnen die vorbehaltlose und lautere Nächstenliebe als die vollkommene Erfüllung des Gesetzes, vgl. 7,12. • 21-26: Die brüderliche Friedensbereitschaft ist Voraussetzung für das Gottesreich. Das wollen diese, im einzelnen nicht streng wörtlich anwendbaren Sätze sagen. • 29-30: Vgl. Matth 18,8f. • 32: Mit der nur bei Matth (vgl. 19,9) sich findenden Einschiebung will Jesus, oder wahrscheinlich der Evangelist, die jüdischen Leser darauf hinweisen, daß bei der eindeutigen Forderung nach Unauflösbarkeit der Ehe auch nicht mehr die Scheidungsgründe gelten, die von den Schriftgelehrten in der verschiedenen Ausdeutung von 5 Mos 24,1 angenommen wurden. Eine Einschränkung der Forderung Jesu im Fall von Ehebruch (= »Unzucht«) würde den Idealen der Bergpredigt widersprechen wie auch der eindeutigen Formulierung bei Mark 10,11; Luk 16,18; 1 Kor 7,10. Unsere Übersetzung versucht den Sinn der eingeschobenen, wörtlich nicht eindeutig zu fassenden Klausel zu geben. • 33-37: Mag damit auch der Eid nicht absolut verboten sein (vgl. Hebr 6,16), so bleibt er doch ein Zeichen, daß das Böse, d.h. Lüge und Mißtrauen, noch nicht überwunden ist. Jesus wendet sich vor allem gegen den Mißbrauch des Schwörens im täglichen Leben und gegen die kasuistische Klügelei der Schriftgelehrten, vgl. Matth 23,16ff; Jak 5,12. • 38-42: Stellt wie beim Eid das Ideal dar, ohne buchstäbliche Verpflichtung (vgl. Joh 18,22). Würden freilich alle Menschen danach handeln, wäre aller Rechtsstreit überwunden. • 43-48: »Nächster« war für den Juden nach 3 Mos 19,18; 5 Mos 10,19 der »Volksgenosse« und der sog. »Fremdling«. • 46: Die Zöllner waren bei den Juden nicht zuletzt wegen ihrer Zusammenarbeit mit der römischen Besatzungsmacht verhaßt. - Weitere Kapitel: 01 | 02 | 03 | 04 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |

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