Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Tob03

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Liber Tobiæ Caput III.

Das Buch Tobias. Kap. 3


Tobias wendet sich in seinem Unglück in heiligem Gebet an Gott, um den Tod bittend. (V. 6) 2. Bedrängnis und Gebet Saras. (V. 7-23) A. An demselben Tage, an dem Tobias der Ältere von seiner Frau, wird fern von ihm Sara von einer Magd geschmäht, weil sieben Männer, denen sie nacheinander gegeben, in der Hochzeitsnacht von einem bösen Geiste getötet waren. (V. 10) B. Sara flieht in ihrer Betrübnis zu Gott und bittet ihn gleichfalls inständig, sie eher sterben als noch weiter diese Schande tragen zu lassen. (V. 23) 3. Erfolg des Gebetes des Tobias und der Sara. (V. 24, V. 25) Beider Gebete erhört Gott und sendet den Engel Raphael, beiden zugleich zu helfen.

1. Tunc Tobias ingemuit, et cœpit orare cum lacrimis,
2. Dicens: Justus es Domine, et omnia judicia tua justa sunt, et omnes viæ tuæ, misericordia, et veritas, et judicium.
3. Et nunc Domine memor esto mei, et ne vindictam sumas de peccatis meis, neque reminiscaris delicta mea, vel parentum meorum.
4. Quoniam non obedivimus præceptis tuis, ideo traditi sumus in direptionem, et captivitatem, et mortem, et in fabulam, et in improperium, omnibus nationibus, in quibus dispersisti nos.

5. Et nunc Domine magna judicia tua, quia non egimus secundum præcepta tua, et non ambulavimus sinceriter coram te:
6. Et nunc Domine secundum voluntatem tuam fac mecum, et præcipe in pace recipi spiritum meum: expedit enim mihi mori magis, quam vivere.
7. Eadem itaque die contigit ut Sara filia Raguelis in Rages civitate Medorum, et ipsa audiret improperium ab una ex ancillis patris sui,

8. Quoniam tradita fuerat septem viris, et dæmonium nomine Asmodæus occiderat eos, mox ut ingressi fuissent ad eam.
9. Ergo cum pro culpa sua increparet puellam, respondit ei, dicens: Amplius ex te non videamus filium, aut filiam super terram, interfectrix virorum tuorum!

10. Numquid et occidere me vis, sicut jam occidisti septem viros? Ad hanc vocem perrexit in superius cubiculum domus suæ: et tribus diebus, et tribus noctibus non manducavit, neque bibit:
11. Sed in oratione persistens cum lacrimis deprecabatur Deum, ut ab isto improperio liberaret eam.
12. Factum est autem die tertia, dum compleret orationem, benedicens Dominum,
13. Dixit: Benedictum est nomen tuum Deus patrum nostrorum: qui cum iratus fueris, misericordiam facies, et in tempore, tribulationis peccata dimittis his, qui invocant te.
14. Ad te Domine faciem meam converto, ad te oculos meos dirigo.
15. Peto Domine ut de vinculo improperii hujus absolvas me, aut certe desuper terram eripias me.
16. Tu scis Domine, quia nunquam concupivi virum, et mundam servavi animam meam ab omni concupiscentia.
17. Nunquam cum ludentibus miscui me: neque cum his, qui in levitate ambulant, participem me præbui.
18. Virum autem cum timore tuo, non cum libidine mea consensi suscipere:

19. Et, aut ego indigna fui illis, aut illi forsitan me non fuerunt digni: quia forsitan viro alii conservasti me.

20. Non est enim in hominis potestate consilium tuum.
21. Hoc autem pro certo habet omnis, qui te colit, quod vita ejus, si in probatione fuerit, coronabitur: si autem in tribulatione fuerit, liberabitur: et si in correptione fuerit, ad misericordiam tuam venire licebit.

22. Non enim delectaris in perditionibus nostris: quia post tempestatem tranquillum facis: et post lacrimationem et fletum, exsultationem infundis.
23. Sit nomen tuum Deus Israel benedictum in sæcula.
24. In illo tempore exauditæ sunt preces amborum in conspectu gloriæ summi Dei:
25. Et missus est Angelus Domini sanctus Raphael, ut curaret eos ambos, quorum uno tempore sunt orationes in conspectu Domini recitatæ.

1. Da seufzte Tobias und fing an, unter Tränen zu beten,
2. und sprach:1 Du bist gerecht, o Herr! und alle deine Gerichte sind gerecht und alle deine Wege sind Barmherzigkeit und Wahrheit und Recht.2
3. Und nun, Herr! gedenke meiner und nimm keine Rache wegen meiner Sünden und gedenke nicht meiner Vergehen oder derer meiner Eltern.3
4. Denn wir haben deinen Geboten nicht gehorcht, darum sind wir der Beraubung hingegeben worden, der Gefangenschaft, dem Tode, dem Spotte und dem Hohne aller Völker, unter welche du uns zerstreut hast.4 [5Mos 28,15]
5. Und nun, o Herr! groß sind deine Gerichte, weil wir nicht nach deinen Geboten getan haben und nicht aufrichtig vor dir gewandelt sind.5
6. So tue nun, Herr! mit mir nach deinem Willen und lass meinen Geist in Frieden aufgenommen werden, denn es ist mir besser, zu sterben als zu leben.6
7. An demselben Tage7 begab es sich, dass auch Sara, die Tochter Raguels, in Rages,8 einer Stadt der Meder, eine Beschimpfung von Seiten einer der Mägde ihres Vaters erfuhr;
8. denn sie war sieben Männern gegeben worden und ein böser Geist, mit Namen Asmodäus,9 hatte diese getötet, sobald sie zu ihr gegangen waren.
9. Da sie also der Magd wegen einer Verschuldung einen Verweis gab, antwortete ihr diese und sprach: Möchten wir doch nimmermehr einen Sohn oder eine Tochter von dir auf Erden sehen, du Mörderin deiner Männer!
10. Willst du auch mich töten, wie du schon sieben Männer getötet hast? Auf diese Rede hin ging sie in das Obergemach ihres Hauses10 und aß und trank nicht drei Tage und drei Nächte hindurch,
11. sondern verharrte im Gebete und flehte zu Gott unter Tränen, dass er sie von diesem Schimpfe befreien möchte.
12. Am dritten Tage aber, als sie ihr Gebet beschloss, pries sie Gott

13. und sprach:11 Gepriesen sei dein Name, du Gott unserer Väter! Der du, nachdem du zuvor gezürnt,12 Barmherzigkeit übest und zur Zeit der Trübsal13 die Sünden denen nachlässest, welche dich anrufen.
14. Zu dir, o Herr! wende ich mein Angesicht, zu dir erhebe ich meine Augen.
15. Ich bitte dich, o Herr! du wollest mich von der Fessel dieses Schimpfes freimachen oder mich wenigstens von der Erde wegnehmen.
16. Du weißt, Herr! dass ich niemals nach einem Manne verlangt und meine Seele rein bewahrt habe von aller Begierlichkeit.
17. Niemals habe ich mich unter die Mutwilligen14 gemischt, und mich zu denen gesellt, welche in Leichtfertigkeit wandeln.
18. Einen Mann aber zu nehmen, habe ich eingewilligt aus Furcht vor dir, nicht aus meiner Lust,15
19. und entweder war ich ihrer unwürdig oder sie sind vielleicht meiner nicht wert gewesen, weil du mich vielleicht einem andern Manne vorbehalten hast.16
20. Denn dein Ratschluss steht nicht in des Menschen Gewalt.
21. Das aber halt jeder für gewiss, der dich verehrt, dass sein Leben, wenn er erprobt ist, gekrönt werden wird, und dass er, wenn er der Züchtigung unterworfen gewesen, zu deiner Barmherzigkeit wird kommen dürfen.17
22. Du hast ja kein Gefallen an unserm Verderben, denn nach dem Sturme schaffst du Stille und nach dem Weinen und Wehklagen flößest du uns Frohlocken ein.
23. Dein Name, o Gott Israels, sei gepriesen in Ewigkeit!18
24. Zu jener Zeit ward das Gebet beider19 vor der Herrlichkeit des allerhöchsten Gottes20 erhört
25. und ein Engel des Herrn, der heilige Raphael,21 ward gesandt, beide zu heilen, deren Gebet zu einer Zeit vor das Angesicht Gottes gebracht ward.22


Fußnote

Kap. 3 (1) Alle Eigenschaften eines guten Gebetes finden sich hier vereint, Glaube, Demut, Beständigkeit, Andacht. (V. 3.5.6: So tue nun.) Durch seine Demut und Tränen verdiente Tobias die Heilung von der Blindheit und die Tröstung in der Armut [Tob 12,12] (Bernh.) - (2) In Gottes Handels ist die Barmherzigkeit stets mit Gerechtigkeit und Wahrheit verbunden. (Thom.) - (3) Vergl. [Weish 12,11]. Nur den Schuldigen wird eine Heimsuchung als Strafe auferlegt, als Heilmittel auch anderen als denen, die sich verfehlt haben. (Thom.) - (4) Durch diese und ähnliche Ausdrücke wird im Alten Testamente das Strafgericht über das Volk Israel bezeichnet. - (5) Nicht gerecht, nicht, deiner Vorschrift entsprechend, ungeteilten Herzens. - (6) Vergl. [Job 7,15, 1Koe 19,4, 2Kor 1,8]. Es ist dem Gerechten nicht verwehrt, sich den Tod mit Unterwerfung unter Gottes Willen zu wünschen, wenn das Leben sehr bitter ist. (Aug.) In jedem Falle kommt Gott ja auf das fromme Gebet zu Hilfe. Zudem besagen die Worte: „Im Frieden aufgenommen werden,“ dass Tobias auch aus diesem Leben scheiden möchte, um Gott nicht mehr zu beleidigen und um mit ihm vereint zu werden. Dass er unmittelbar in den Himmel zu kommen hofft, ist nicht gesagt. - (7) Da Sara drei Tage betete (V. 12), gilt das Gleiche wohl von Tobias. Der Greis betete, wie die Itala sagt und [Tob 3,7] zeigt, im Freien. - (8) Nach der Vulgata wohnte Sara in Rages (Rage) (doch kann dies Rages nicht dasselbe sein wie [Tob 1,16]), nach anderen Texten in dieser Stadt selbst. Mehrere Codd. der Vulgata haben den Namen Rages nicht, mit Recht. Nach der Itala [Tob 5,6] lag Rages zwei Tagereisen von Ekbatana. - (9) Den Namen des Dämons und die Verbindung des Namens mit dessen eigentlicher Aufgabe in der Geschichte des Tobias mag der Verfasser aus der Volkstradition entnommen haben. Gott kannte die die geschaffenen Geister individuell unterscheidenden Merkmale; die Offenbarung indes lehnt sich an die herkömmlichen Namen an, mit welchen die Menschen die guten und die bösen Geister bezeichnen. Asmodäus ist nur ein anderer allgemeiner Name für Teufel, hergeleitet aus dem Assyr. asmad vernichten, wenngleich der Name hier auf einen bestimmten Geist der Unzucht angewendet wird. – Nach dem Griech. empfand Sara die Schmähung ihrer Magd so bitter, dass die Versuchung an sie herantrat, sich zu erhängen. - (10) Ein bestimmtes abgesondertes Gemach auf dem Dache, das einen Ausgang in das Haus und einen solchen auf die Straße herab hatte. - (11) Während die übrigen Texte sehr eingehende Angaben über die zeitlichen Verhältnisse Saras und die Umstände des Gebetes Saras bieten, hebt die Vulgata mehr ihren Seelenzustand und das asketische Moment hervor. Der Hinweis auf die Reinheit ihres früheren Lebens (V. 16ff) und in ihrer Eheschließung, auf ihre Demut (V. 19) und ihre heldenmütige, aus dem Vertrauen auf Gottes Vorsehung entspringende Ergebung (V. 21) sowie die dreitägige Dauer ihres mit strengem Fasten verbundenen Gebetes machen sie ihrem Leidensgenossen Tobias ähnlich, mit dem sie auch außerordentliche Hilfe erlangen soll. Da in der Vulgata dies Gebet den Beschluss des Verharrens im Gebete durch die Tränen und das Ausstrecken der Arme nach dem Fenster, welches die Erhebung des Herzens zu Gott versinnbildet. Das Fenster hatte wohl die Richtung nach Jerusalem, wo der Tempel war. Vergl. [Dan 6,10]. - (12) Die Worte enthalten vielleicht eine Erinnerung an [Hab 3,2]. - (13) Die Trübsal, welche du in deinem Zorne verhängst, dient dazu, denjenigen Nachlass der Sünden zu verschaffen, die dich verehren. - (14) Parallelismus. Mutwillig sind die, welche mit dem anderen Geschlechte tändeln und schäkern und sich strafwürdig verhalten. - (15) Sie unterwarf sich dem Gebote der Eltern, aus ihrer Hand den Bräutigam annehmend. - (16) Die Demut Saras zeigt sich in der Alternative, während doch das über die Freier gekommene Strafgericht Gottes offenbar zeigte, wer schuldig war. Das eine weiß sie unumstößlich, dass Gott die Leiden nur zum Wohle der Seinen schickt und nicht in Ewigkeit zürnt, sondern die bewährten Gerechten krönt, dem Sünder nach Strafe und Buße verzeiht. (V. 21) - (17) Unsichtbare Gnadenwirkungen, deren Sicherheit die Erfahrung bestätigt. - (18) V. 19-23 fehlen in den anderen Texten. - (19) Das Gebet des Tobias und das Schlussgebet Saras V. 13-23. - (20) Vor Gott. Die Herrlichkeit Gottes ist die sich einst in der Wolkensäule, dann zwischen den beiden Cherubim offenbarende Majestät Gottes. - (21) Rapha heilen El Gott. - (22) Der Erzengel Raphael brachte wohl die Gebete vor Gott. Vergl. [Tob 12,12, Offenb 8,3ff]

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