Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Tob04

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Liber Tobiæ Caput IV.

Das Buch Tobias. Kap. 4


II. Reise des jungen Tobias nach Medien unter der Führung des Engels Raphael. Befreiung des älteren Tobias von seiner Heimsuchung und Saras von ihrem Unglück. (4,1- 13,23) 1. Raphael bietet sich dem jungen Tobias als Reisegefährten an. (4,1 – 5,28) A. Da der ältere Tobias seinen Tod nahe glaubt, empfiehlt er seinem Sohne treue Kindesliebe gegen dessen Mutter, Beobachtung des Gesetzes und Spendung von Almosen (V. 20) und trägt ihm auf, das Gabel geborgte Geld zu holen.

1. Igitur cum Tobias putaret orationem suam exaudiri ut mori potuisset, vocavit ad se Tobiam filium suum,
2. Dixitque ei: Audi fili mi verba oris mei, et ea in corde tuo quasi fundamentum construe.
3. Cum acceperit Deus animam meam, corpus meum sepeli: et honorem habebis matri tuæ omnibus diebus vitæ ejus:
4. Memor enim esse debes, quæ et quanta pericula passa sit propter te in utero suo.
5. Cum autem et ipsa compleverit tempus vitæ suæ, sepelias eam circa me.

6. Omnibus autem diebus vitæ tuæ in mente habeto Deum: et cave ne aliquando peccato consentias, et prætermittas præcepta Domini Dei nostri.
7. Ex substantia tua fac eleemosynam, et noli avertere faciem tuam ab ullo paupere: ita enim fiet ut nec a te avertatur facies Domini.


8. Quo modo potueris ita esto misericors.
9. Si multum tibi fuerit, abundanter tribue: si exiguum tibi fuerit, etiam exiguum libenter impertiri stude.
10. Præmium enim bonum tibi thesaurizas in die necessitatis.
11. Quoniam eleemosyna ab omni peccato, et a morte liberat, et non patietur animam ire in tenebras.

12. Fiducia magna erit coram summo Deo eleemosyna omnibus facientibus eam.
13. Attende tibi fili mi ab omni fornicatione, et præter uxorem tuam nunquam patiaris crimen scire.

14. Superbiam nunquam in tuo sensu, aut in tuo verbo dominari permittas: in ipsa enim initium sumpsit omnis perditio.
15. Quicumque tibi aliquid operatus fuerit, statim ei mercedem restitue, et merces mercenarii tui apud te omnino non remaneat.
16. Quod ab alio oderis fieri tibi, vide ne tu aliquando alteri facias.


17. Panem tuum cum esurientibus et egenis comede, et de vestimentis tuis nudos tege.
18. Panem tuum, et vinum tuum super sepulturam justi, constitue, et noli ex eo manducare, et bibere cum peccatoribus.
19. Consilium semper a sapiente perquire.
20. Omni tempore benedic Deum: et pete ab eo, ut vias tuas dirigat, et omnia consilia tua in ipso permaneant.
21. Indico etiam tibi fili mi dedisse me decem talenta argenti, dum adhuc infantulus esses, Gabelo, in Rages civitate Medorum, et chirographum ejus apud me habeo:
22. Et ideo perquire quo modo ad eum pervenias, et recipias ab eo supra memoratum pondus argenti, et restituas ei chirographum suum.
23. Noli timere fili mi: pauperem quidem vitam gerimus, sed multa bona habebimus si timuerimus Deum, et recesserimus ab omni peccato, et fecerimus bene.


1. Da nun1 Tobias glaubte, sein Gebet, sterben zu können, werde erhört,2 rief er seinen Sohn Tobias zu sich
2. und sprach zu ihm:3 Höre, mein Sohn! die Worte meines Mundes und lege sie als Grundfeste in dein Herz.
3. Wenn Gott meine Seele zu sich genommen hat, so begrabe meinen Leib und halte deine Mutter alle Tage ihres Lebens in Ehren; [2Mos 20,12, JSir 7,29]
4. denn du musst eingedenk sein, welche und wie große Gefahren sie um deinetwillen in ihrem Mutterleibe erduldet hat.4
5. Wenn aber auch sie die Zeit ihres Lebens vollendet hat, so begrabe sie neben mir.5
6. Alle Tage deines Lebens habe Gott im Herzen und hüte dich, jemals in eine Sünde einzuwilligen und die Gebote des Herrn, unseres Gottes, außer acht zu lassen.6
7. Gib von deinem Vermögen Almosen und wende dein Auge von keinem Armen ab, denn so wird es geschehen, dass sich auch von dir des Herrn Angesicht nicht abwendet. [Spr 3,9, JSir 4,1, JSir 14,13, Lk 14,13]
8. Soweit du nur vermagst, sei barmherzig. [JSir 35,11]
9. Wenn du viel hast, so gib reichlich; wenn du wenig hast, so suche auch das wenige gerne mitzuteilen.
10. Denn du sammelst dir einen guten Lohn für den Tag der Not.7
11. Das Almosen befreit ja von aller8 Sünde und vom Tode und lässt nicht zu, dass die Seele in die Finsternis9 komme. [JSir 29,15]
12. Eine große Zuversicht gibt das Almosen vor Gott dem Höchsten allen, die es geben.
13. Hüte dich, mein Sohn! vor aller Unzucht, begnüge dich mit deinem Weibe und gestatte dir nie etwas Lasterhaftes.10 [1Thes 4,3]
14. Lass den Stolz niemals in deinem Sinne oder in deinem Worte herrschen,11 denn von ihm hat alles Verderben seinen Anfang genommen. [1Mos 3,5]
15. Wer für dich etwas arbeitet, dem gib alsbald seinen Lohn,12 und der Lohn deines Arbeiters bleibe ja nicht bei dir.13 [3Mos 19,13, 5Mos 24,14]
16. Siehe zu, dass du niemals das, was du nicht willst, dass dir von einem andern widerfahre, einem andern tuest.14 [Mt 7,12, Lk 6,31]
17. Iss dein Brot mit den Hungernden und Dürstigen und mit deinen Kleidern bedecke die Nackten. [Lk 14,13]
18. Dein Brot und deinen Wein verwende auf das Begräbnis des Gerechten15 und iss und trink davon nicht mit den Sündern.16

19. Suche allezeit bei einem Weisen Rat.17
20. Preise18 Gott zu aller Zeit und bitte ihn, dass er deine Wege lenke und dass alle deine Pläne in ihm verbleiben.19
21. Auch teile ich dir mit, mein Sohn, dass ich, als du noch ein kleines Kind warst, dem Gabel in Rages, der Stadt der Meder, zehn Talente Silber gegeben und eine Verschreibung von ihm bei mir habe.
22. Deswegen trachte darnach, zu ihm zu gelangen und das oben erwähnte Gewicht Silber wieder von ihm zu erlangen und ihm seine Verschreibung zurückzustellen.
23. Fürchte dich nicht, mein Sohn! Wir führen zwar ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes20 erhalten, wenn wir Gott fürchten und alle Sünden meiden und Gutes tun. [Roem 8,17]


Fußnote

Kap. 4 (1) Anknüpfend an die Beendigung des Gebetes [Tob 3,6]. - (2) Tobias glaubt in menschlicher Beschränkung, sein Gebet werde dadurch erhört, dass Gott ihn von der Erde wegnimmt. Doch Gott gewährt entweder das, um was wir bitten, oder etwas Besseres, und so wurde auch Tobias Bitte erfüllt. - (3) V. 2 folgt im Griech., als Schluss nach V. 20. Lege sie als Grundfeste in dein Herz, präge sie deinem Herzen unvergänglich ein. - (4) Vergl. [2Mak 7,27, JSir 7,29]. Wie vollkommen hat Tobias allen Groll gegen seine Frau überwunden! - (5) Vergl. [1Mos 49,29ff]. - (6) Dies hatte Tobias seinen Sohn von Jugend auf gelehrt: [Tob 1,10]. In diesem feierlichen Augenblicke gesprochen, werden diese Mahnungen dem Sohne als letzter Wille des Vaters besonders heilig sein. Die Mahnungen lassen sich auf sechs zurückführen: Religiosität (V. 6), Almosen und Barmherzigkeit überhaupt (V. 7-13, V. 17, V. 18), Weisheit im Handeln, die verbunden ist mit Gebet, und Befragen von Weisen. (V. 19, V. 20) Das Griech. fügt noch die Mahnung hinzu, nach dem Beispiele der Patriarchen ein Weib aus der Verwandtschaft zu nehmen, die Warnung vor Trunkenheit und eine eindringlichere Aufforderung zur Weisheit im Handeln. Bezeichnend für Tobias ist, dass er die Werke der Liebe zweimal empfiehlt V. 10-12 und V. 17-18. - (7) Jede Not, insbesondere aber jener Zeitpunkt, in dem der Mensch sich von allem Irdischen trennen muss und nichts ihm folgt als seine guten Werke. Vergl. [Ps 40,1]. - (8) „Aller“ hat nur die Vulgata, doch stimmen die anderen Texte dem Sinne nach überein. An sich befreit das Almosen nur von der lässlichen Sünde, von der Todsünde aber nur, insoweit es zur Nachlassung disponiert und nach der Vergebung zur Genugtuung für die zeitlichen Strafen sowie zur Befestigung in der heiligmachenden Gnade beiträgt. Wenn auch das Gleiche von jedem guten Werke gesagt werden kann, hat doch das Erbarmen gegen den Mitmenschen eine besondere Beziehung zur Barmherzigkeit Gottes. Vergl. [Lk 11,4]. Der Tod ist der ewige Tod als Folge der Sünde. - (9) Finsternis: Ewige Verdammnis. Vor zeitlicher Finsternis hat ja sein Almosengeben Tobias nicht bewahrt. (Aug.) - (10) Im Griech. ist dieser Mahnung eine Belehrung über die Notwendigkeit, eine Frau aus der Verwandtschaft zu wählen, beigefügt. - (11) Jede Sünde besteht in der Abkehr von Gott, also in einer Erhebung des eigenen Ich über die ihm gebührende Stellung und Abhängigkeit von Gott. - (12) Im Lat. drückt das restituere diese Pflicht noch schärfer aus. - (13) Als ob es ein dir anvertrautes Geld wäre. - (14) Vergl. [Mt 7,12]. Der Inbegriff aller Pflichten gegen den Mitmenschen. - (15) Begrabe die Toten und veranstalte den Hinterbliebenen das übliche Totenmahl. Man spendete so den Hinterlassenen zeitliche Hilfe und geistigen Trost. - (16) Wenn lebende Sünder dich einladen. (Gegensatz zu V. 18a) - (17) Das ganze Leben hindurch. Doch da aller Menschen Einsicht beschränkt ist, nimm auch zum Gebete deine Zuflucht, und damit das Gebet Erhörung finde, preise Gott allezeit. - (18) Preisen: Gott verehren und zu ihm beten. - (19) Hebraismus: Bestand haben, gedeihen. - (20) Zeitliches, doch besonders ewiges.

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