Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Gal02

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Epistola beati Pauli Apostoli ad Galatas.

Der Brief des heiligen Apostels Paulus an die Galater Kap. 2


2. Übereinstimmung des Evangeliums des heil. Paulus mit der Lehre der übrigen Apostel (2,1 – 21): a. Das Evangelium des Völkerapostels ist von den Autoritäten der Kirche im Apostelkonzile gutgeheißen worden (V. 10): 1. Durch die von den Aposteln zurückgewiesene Forderung der Beschneidung des Titus. (V. 5) 2. Durch die Anerkennung der Lehre und Würde des heil. Paulus seitens der Säulen der Kirche. (V. 10) b. Das Evangelium des heil. Paulus ist in der Streitfrage mit Petrus bewährt erfunden (V. 21): 1. Anfang der Streitfrage und Tadel des heil. Petrus. (V. 14) 2. Beweis für die Berechtigung des Tadels: Das Gesetz ist abgeschafft. (V. 21)

1. Deinde post annos quatuordecim, iterum ascendi Jerosolymam cum Barnaba, assumpto et Tito.
2. Ascendi autem secundum revelationem: et contuli cum illis Evangelium, quod prædico in gentibus, seorsum autem iis, qui videbantur aliquid esse: ne forte in vacuum currerem, aut cucurrissem.
3. Sed neque Titus, qui mecum erat, cum esset gentilis, compulsus est circumcidi:
4. Sed propter subintroductos falsos fratres, qui subintroierunt explorare libertatem nostram, quam habemus in Christo Jesu, ut nos in servitutem redigerent.
5. Quibus neque ad horam cessimus subjectione, ut veritas Evangelii permaneat apud vos:

6. Ab iis autem, qui videbantur esse aliquid, (quales aliquando fuerint, nihil mea interest. Deus personam hominis non accipit) mihi enim qui videbantur esse aliquid, nihil contulerunt.

7. Sed econtra cum vidissent quod creditum est mihi Evangelium præputii, sicut et Petro circumcisionis:

8. (Qui enim operatus est Petro in Apostolatum circumcisionis, operatus est et mihi inter gentes)
9. Et cum cognovissent gratiam, quæ data est mihi, Jacobus, et Cephas, et Joannes, qui videbantur columnæ esse, dextras dederunt mihi, et Barnabæ societatis: ut nos in gentes, ipsi autem in circumcisionem:
10. Tantum ut pauperum memores essemus, quod etiam sollicitus fui hoc ipsum facere.
11. Cum autem venisset Cephas Antiochiam: in faciem ei restiti, quia reprehensibilis erat.
12. Prius enim quam venirent quidam a Jacobo, cum gentibus edebat: cum autem venissent, subtrahebat, et segregabat se timens eos, qui ex circumcisione erant.
13. Et simulationi ejus consenserunt ceteri Judæi, ita ut et Barnabas duceretur ab eis in illam simulationem.

14. Sed cum vidissem quod non recte ambularent ad veritatem Evangelii, dixi Cephæ coram omnibus: Si tu, cum Judæus sis, gentiliter vivis, et non judaice: quomodo Gentes cogis judaizare?
15. Nos natura Judæi, et non ex Gentibus peccatores.
16. Scientes autem quod non justificatur homo ex operibus legis, nisi per fidem Jesu Christi: et nos in Christo Jesu credimus, ut justificemur ex fide Christi, et non ex operibus legis: propter quod ex operibus legis non justificabitur omnis caro.


17. Quod si quærentes justificari in Christo, inventi sumus et ipsi peccatores, numquid Christus peccati minister est? Absit.
18. Si enim quæ destruxi, iterum hæc ædifico: prævaricatorem me constituo.

19. Ego enim per legem, legi mortuus sum, ut Deo vivam: Christo confixus sum cruci.
20. Vivo autem, jam non ego: vivit vero in me Christus. Quod autem nunc vivo in carne: in fide vivo Filii Dei, qui dilexit me, et tradidit semetipsum pro me.
21. Non abjicio gratiam Dei. Si enim per legem justitia, ergo gratis Christus mortuus est.

1. Hierauf, vierzehn Jahre1 darnach, ging ich wiederum nach Jerusalem hinauf mit Barnabas, und nahm auch den Titus mit.2
2. Ich ging aber hin, einer Offenbarung folgend, und legte ihnen das Evangelium vor,3 das ich unter den Heiden verkünde,4 insbesondere aber denen, die in Ansehen standen,5 dass ich nicht etwa vergeblich liefe, oder gelaufen wäre.6
3. Aber nicht einmal7 Titus, der bei mir war, wurde, obschon er ein Heide war, gezwungen, sich beschneiden zu lassen.
4. Wegen der eingeschlichenen falschen Brüder aber,8 welche sich eingedrängt hatten, um unserer Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, aufzulauern, damit sie uns in Knechtschaft brächten;
5. diesen gaben wir auch nicht einen Augenblick durch Unterwerfung nach, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch Bestand habe.
6. Diejenigen dagegen, welche in Ansehen standen (wer sie sonst gewesen sind, tut für mich nichts zur Sache;9 Gott sieht nicht auf das Ansehen der Person), auch diese, welche in Ansehen standen, haben mich nichts Neues gelehrt; [Roem 2,11]
7. sondern im Gegenteile, als sie sahen, dass mir das Evangelium bei den Unbeschnittenen anvertraut ist, wie dem Petrus bei den Beschnittenen,10
8. (denn der mit Petrus wirksam war zum Apostelamte bei den Beschnittenen, war auch mit mir wirksam unter den Heiden)
9. und da sie die Gnade erkannten, die mir verliehen ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, welche als Säulen galten,11 mir und Barnabas die Hand zur Gemeinschaft,12 dass wir uns an die Heiden, sie aber sich an die Beschnittenen wendeten;
10. nur sollten wir der Armen eingedenk sein, was auch wirklich zu tun ich mich beeifert habe.
11. Als aber Kephas13 nach Antiochia gekommen war,14 widerstand ich ihm in´s Angesicht,15 weil er tadelnswert war.16
12. Denn bevor einige von Jakobus her kamen,17 aß er mit den Heiden;18 als sie aber gekommen waren, zog er sich zurück und sonderte sich ab, aus Furcht vor denen, die aus der Beschneidung waren.
13. Und seiner Verstellung19 schlossen sich die übrigen Juden an, so dass sogar Barnabas zu der gleichen Verstellung von ihnen verleitet wurde.
14. Da ich aber sah, dass sie nicht recht wandelten,20 entsprechend der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas in Gegenwart aller: Wenn du, obwohl du ein Jude bist, in heidnischer und nicht in jüdischer Weise lebst, wie kannst du die Heiden zwingen jüdische Gebräuche zu beobachten?21
15. Wir sind von Geburt Juden, und nicht Sünder aus den Heiden her.22
16. Weil wir aber wissen, dass der Mensch nicht gerechtfertigt wird durch Werke des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so haben auch wir den Glauben an Christus Jesus angenommen, damit wir gerechtfertigt werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch Werke des Gesetzes, weil durch Werke des Gesetzes kein Mensch gerechtfertigt werden wird.23
17. Wenn wir nun aber, die wir in Christo gerechtfertigt zu werden suchen, selbst auch als Sünder erfunden wurden, ist dann Christus etwa ein Helfer der Sünde?24 Das sei ferne!
18. Denn wenn ich das, was ich niedergerissen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich als Übertreter dar.25
19. Durch das Gesetz bin ich ja dem Gesetze abgestorben, damit ich Gott lebe;26
ich bin mit Christus an das Kreuz geheftet.27
20. Ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.28 Sofern ich aber jetzt im Fleische lebe,29 lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat.
21. Ich verwerfe die Gnade Gottes30 nicht. Denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.31

Fußnote

Kap. 2 (1) Die Partikel „darauf“, welche der heil. Paulus dreimal wiederholt [Apg 1,18.21, Apg 2,1] verteilt das Leben des Völkerapostels seit seiner Bekehrung in verschiedene aufeinander folgende Abschnitte: Reise nach Arabien und Aufenthalt in Damaskus – Reise nach Jerusalem und Apostolat in Syrien und Cilicien. – Neue Reise nach Jerusalem. Wie also drei Jahre [Gal 1,18.21, Gal 2,1] die Zeit der Reise nach Arabien und des Aufenthaltes in Damaskus bestimmen, so 14 die Zeit der apostolische Wirksamkeit in Syrien und Cilicien. Seit der Bekehrung im Jahre 34 waren also 17, seit der ersten Reise nach Jerusalem im Jahre 37 waren 14 Jahre verflossen, mithin fällt die zweite Reise nach Jerusalem, zum Apostelkonzil, in das Jahr 51. - (2) Wenngleich der heil. Paulus nur Titus als Begleiter ausdrücklich mit Namen nennt, hatte er doch wohl noch andere außer Barnabas. [Apg 15,2] - (3) Nach Lukas ist er von den Antiochenern gesendet, aber wie der heil. Petrus von Kornelius eingeladen, dennoch auf Befehl des Heil. Geistes sich nach Cäsarea begab [Apg 10,19], so war Paulus durch eine göttliche Offenbarung belehrt sich nach Jerusalem zu begeben, wohin die Antiochener ihn entsendeten. Die Ursache der Offenbarung war wohl die Streitfrage über die Notwendigkeit der Beschneidung. - (4) Der Zusatz: „unter den Heiden“ ist gemacht, um anzudeuten, dass die Frage über die Freiheit von den legalen Vorschriften des alten Bundes, die er von Anbeginn seines Apostolates an verkündet und auch damals noch verkündete, erörtert wurde. - (5) Paulus verhandelte zuerst in einer öffentlichen Versammlung vor der versammelten Gemeinde und dann insbesondere mit den Aposteln und Vorstehern. Was in dieser Verhandlung mit den Aposteln geschah, berichtet Paulus, während der heil. Lukas eine zweite öffentliche Verhandlung beschreibt, in welcher die Apostel den Gläubigen ihre und der Vorsteher Beschlüsse mitteilten. [Apg 15,7-22] Übrigens bezeichnet der Ausdruck: „die in Ansehen standen“ die gesamten Autoritäten der Kirche von Jerusalem, Apostel und Bischöfe, nicht die V. 9 genannten Apostel allein, die Säulen der Gesamtkirche sind. - (6) Die Kirche zu Jerusalem soll von dem durch Paulus gepredigten Evangelium Kenntnis nehmen und prüfen, ob wirklich seine apostolischen Arbeiten sämtlich nutzlos und vergeblich seien, wie seine Gegner behaupteten (Aug., Phot.). Wird die lat. Übersetzung durch: damit wiedergegeben, so ist der Sinn, dass der Apostel anderen die Überzeugung verschaffen will, dass das, was er gepredigt, mit der Lehre der anderen Apostel übereinstimmte (Theod.). - (7) Nicht nur erklärte man, ich sei nicht vergeblich gelaufen, sondern usw. Einige Christen forderten also die Beschneidung des Titus, doch stimmten die Apostel nicht zu (Chrys.). Der Grund dafür folgt in V. 4. - (8) Ohne alles Recht haben sie sich heimlich eingedrängt. So wollen sie ausspüren, wo sie einen Angriff versuchen und wie sie uns in Knechtschaft des Gesetzes bringen können. Ohne Zweifel hatte Paulus auf seiner zweiten Reise das Dekret des Apostelkonzils verkündet. Hätten die Apostel die Beschneidung des Titus gestattet, so würden die falschen Lehrer gesucht haben, den Gläubigen einzureden, auch die aus dem Heidentum Bekehrten müssten sich der Beschneidung unterwerfen. Wohl dachten die Apostel hierbei an alle aus dem Heidentume Bekehrten, aber deshalb kann Paulus auch V. 5 sagen: Bei euch. Obgleich also Titus nicht beschnitten war, behandelten ihn die Apostel dennoch als vollen Christen, dem nichts fehlte. [Gal 3,3] Auch das Evangelium des heil. Paulus ward nicht als unvollständig erfunden (V. 6), sondern die Säulen der Kirche erkannten sein Apostolat als durch göttliche Gnaden bestätigt, an (V. 7, 8) ihn aber als wahren Apostel, mit dem sie sich innigst vereinten und über die Verteilung der Länder verständigten, in denen jeder tätig sein sollte. (V. 9, 10) Wenngleich der heil. Lukas von diesem allem nichts ausdrücklich berichtet, schildert er doch, wie Paulus der Übereinkunft gemäß unter den Heiden arbeitet und von seinen apostolischen Reisen nach Jerusalem zurückgekehrt, auf´s innigste mit dieser Kirche verbunden. - (9) Wie hoch ihr Ansehen auf dem Konzil gewesen sein mag, ist ohne Bedeutung und kümmert mich nicht, denn Gott schaut nur auf die inneren Gaben. Was diese angeht, sind die, welche in Jerusalem hochstehen, nicht über mir; denn sie fügten meiner Lehre nichts bei, noch verbesserten sie dieselbe, obwohl sie wussten, dass ich nach Jerusalem gekommen war, sie zu befragen, und obgleich sie es tun mussten, wenn meine Lehre der Christi nicht entsprach (Chrys.). - (10) Paulus vergleicht sein Apostelamt nur mit dem des heil. Petrus und stellt sich ihm gleich im Amte. Ohne Zweifel erwähnt er ihn deshalb allein von allen Aposteln, weil sein Primat in der ganzen Kirche bekannt war. Petrus hatte als erster, zwölf Jahre noch vor dem Konzil, den Heiden das Wort des Herrn verkündet [Apg 15,14], und Paulus selbst hatte auf seiner ersten Reise in jenen Städten, an welche dieser Brief gerichtet ist, stets zuerst den Juden das Evangelium angeboten. Der Apostel berichtet also hier lediglich die damalige Wirksamkeit der Apostel. Wie Petrus viele Kirchen unter bekehrten Juden errichtet hat, so Paulus unter den Heiden, und dies mit vielen außerordentlichen Gnaden, welche von Gottes Beistand Zeugnis geben. - (11) Den Aposteln war nicht die Sorge für eine einzelne Kirche, sondern die Verbreitung des Evangeliums auf dem ganzen Erdkreise anvertraut, auf ihnen beruht deshalb die ganze Kirche. Jakobus, Sohn des Alphäus, steht voran, weil die judaisierenden Christen seinen Namen missbrauchten, um Paulus zu bekämpfen. - (12) Wenngleich, wie [Apg 11,22.29ff] erzählt wird, eine gewisse Verbindung zwischen den heidenchristlichen Kirchen und Jerusalem bestand, so ließ Gott doch die heidenchristlichen Kirchen sich mehren und stark werden, ehe er die letzten Ruinen der Scheidewand, welche die Heiden von den Juden getrennt hatte und die durch Christi Tod beseitigt war, entfernte. Die Apostel geben sich die Rechte, damit nicht die verschiedene Übung auch ein verschiedenes Evangelium schien. – Da Juden und Heiden in den Schafstall Christi zu führen waren, die in Palästina wohnenden Juden aber vor allem Verkehr mit Heiden mehr zurückschreckten, wurden die Arbeitsfelder so verteilt, dass die einen besonders in Palästina, die anderen vorzüglich unter den Heiden das Evangelium verkünden sollten. Übrigens sollte diese Abmahnung nur für einige Zeit gelten. Ein neuer Beweis der Übereinstimmung des heil. Paulus mit den übrigen Aposteln: Wir haben uns den Erdkreis für die Predigt geteilt, doch die Sorge für die Armen in Judäa sollte uns gemeinsam sein. Wäre unter uns Streit und Krieg gewesen, die anderen Apostel hätten dies nicht angenommen (Chrys.). - (13) Das ganze Altertum (außer Klem. von Alexand. allein) stimmt darin überein, dass dieser Kephas kein anderer ist, als der heil. Petrus. Da aber in der hier berichteten Tatsache eine große Schwierigkeit zu liegen schien, nahm Orig., dem Chrys. und Hier. folgten, an, Paulus habe nach Übereinkunft mit Petrus denselben nur scheinbar getadelt. Dann aber fiele auf die heil. Schrift selbst ein Irrtum zurück, da sie bezeugt, dass Petrus nicht recht wandelte (Aug.). - (14) Der Apostel zeigt, dass er nicht nur auf dem Konzil als gleichberechtigt anerkannt ward, sondern dass er auch als Gleichberechtigter im Apostolat dem Apostelfürsten Petrus gegenüber gehandelt habe. - (15) Der Ausdruck besagt nichts weiter als: öffentlich und frei widerstehen, also in Gegenwart aller. (V. 14) - (16) Wegen seines Verhaltens. (Vergl. V. 14) Damit ist aber nicht gesagt, dass Petrus gesündigt habe. - (17) Hausgenossen des Jakobus, welche wie er selbst Eiferer um das Gesetz waren [Apg 21,20], aber noch keine volle Kenntnis dieser Frage und ihrer Lösung besaßen, da sie die Heidenchristen von der Beobachtung des Gesetzes befreiten, die Judenchristen zu derselben zwangen. Sie glaubten sich noch an das Gesetz gebunden, und der heil. Petrus hielt die Zeit noch nicht für gekommen, ihnen ihre volle Freiheit in Christus zu offenbaren, sondern glaubte, es sei besser, sich im Verkehr mit den Heidenchristen einige Schranken zu setzen, d. i. nicht mehr mit ihnen zu speisen. Da nun aber mit der Feier der heil. Geheimnisse Liebesmahle verbunden waren, musste sich diese seine Trennung auch bei denselben offenbaren. Überall zwar waren die Liebesmahle gemeinsam unter Wahrung des Aposteldekretes, die Judenchristen und Jerusalem indes, welche in ihrer Vaterstadt nur reine Speisen auftragen ließen, glaubten in Antiochia denselben Titus beobachten zu müssen. Da der heil. Petrus sich ihnen ganz besonders widmete, fürchtete er ihnen Ärgernis zu geben, wenn er mit den Heidenchristen speiste. So kam selbst in die religiösen Versammlungen eine Sonderung, welche der Anfang einer größeren Spaltung werden konnte. - (18) Was Petrus von dem Gesetze, seiner Verpflichtung und seinem Werte hielt, hatte er bereits mehrfach offenbart. [Apg 11,1ff, Apg 15,8ff] Ebenso aß er, nach Antiochia gekommen, regelmäßig mit den Heidenchristen, nur das Aposteldekret beobachtend. Er stimmte also mit Paulus überein, dass nicht allein die bekehrten Heiden, sondern auch die Judenchristen nicht mehr an das Gesetz gebunden seien und wenngleich das Konzil hierüber nichts ausdrücklich bestimmt, sondern einzig die „Brüder unter den Heiden“ im Auge gehabt hatte [Apg 15,23], billigte er dennoch die Lehre des heil. Paulus über diese Sache. Deshalb gab Petrus diese Lebensweise nur gleichsam gezwungen auf. - (19) Der Apostel nennt das Verhalten des heil. Petrus und der übrigen Verstellung, insofern die äußere Handlung nicht mit ihrem inneren Urteile übereinstimmte: sie waren überzeugt, dass die mosaischen Ritualvorschriften sie nicht verpflichteten und handelten doch, indem sie sich von den Heidenchristen zurückzogen, als ob sie noch an dieselben gebunden wären. Ähnlich „verstellte sich“ auch Paulus. [Apg 21,20ff] Aber war auch Handlung und Ursache derselben bei Paulus und Petrus gleich, die Folgen der Handlung waren doch verschiedene. Das Beispiel des Hauptes der Kirche zog alle nach sich, und da auch Barnabas mit den Judenchristen sich von Paulus zurückzogen, durfte er nicht länger schweigen. - (20) Sie wandelten auf dem rechten Wege, aber nicht recht, d. i. nicht entsprechend der Wahrheit. Der Fehler lag im Wandel, nicht in der Lehre (Tert.). Wäre der Fehler in der Lehre gewesen, wie hätte Paulus nachweisen können, dass sie in derselben übereinstimmten? Da der Irrtum allen schadete, genügte es nicht, ihn insgeheim zu bessern (Aug.). - (21) Jüdische Gebräuche beobachten: Sich den Vorschriften des Gesetzes, insbesondere über den Unterschied der Speisen unterwerfen. Zwingen: moralisch, da du die Heidenchristen gleichsam als unrein erniedrigst, müssen sie zu der Meinung kommen, dass die Beobachtung des Mosaischen Gesetzes ihnen eine größere Vollkommenheit und Würde mitteilen würde und sie dieselbe mithin auf sich nehmen sollen, um den Judenchristen gleich zu stehen. Wie groß war das Ansehen des heil. Petrus in der jungen Kirche! Paulus, ihren Apostel, der sie, unter ihnen weilend, durch so viele Jahre nicht nur durch Beispiele, sondern auch durch Worte belehrt hatte, und der lehrte, dass das ganze Gesetz abgeschafft sei, verließen die Heidenchristen, sobald Petrus durch sein verändertes Verhalten nicht mehr mit ihnen übereinzustimmen schien! Ja, Paulus hielt auch selbst sein Ansehen nicht für genügend, um die Antiochener zurückzuhalten und von der vermeintlichen Meinung des heil. Petrus abzuwenden, da er sich bemüht, dass Petrus erklären soll, er stimme mit ihm überein. Das Wort „Verstellung“ (V. 13) ist mithin in sehr weitem Sinne zu nehmen. Hätte Paulus gemeint, dass Petrus dadurch sündigte, so hätte er ihn gleich anfangs mahnen müssen; er tat dies aber erst, als die Folgen sich zeigten und die Einheit der Kirche gefährdet ward. Der heil. Paulus entdeckte diese Gefahr zuerst, darum erhob er seine Stimme. - (22) Die Rede des heil. Paulus wird weiter geführt. Nicht zufrieden mit seiner Frage will Paulus auch den Judenchristen, welche mit Petrus „Verstellung geübt“, und die der Meinung zu sein schienen, die Beobachtung des Gesetzes sei notwendig, zeigen, dass dieselbe mit dem Glauben an Christus in Widerspruch steht. – Wir: zunächst Paulus und Petrus, sodann auch die übrigen anwesenden Judenchristen. Der Apostel nennt die Heiden Sünder, weil sie den wahren Gott nicht kannten, während die Juden das Gesetz, Auserwählung als Gottesvolk und die Verheißungen hatten. - (23) Wie hoch die Judenchristen auch das Gesetz vor ihrer Bekehrung gestellt hatten, jetzt war es ihnen aus der göttlichen Offenbarung klar geworden, dass dasselbe nicht die Gerechtigkeit wirkt, die vor Gott Wert hat. Durch die Beifügung: „nicht durch Werke des Gesetzes“ erklärt Paulus den Sinn des von ihm angeführten [Ps 142,2]. Vergl. [Roem 3,20]. Das Wort „rechtfertigen“ bedeutet gerecht machen. Dieser Bedeutung verwandt ist eine andere, davon abgeleitete: jemanden (im Gerichte) für gerecht erklären. Auch dies kann Gott, der die Wahrheit und Gerechtigkeit selbst ist, nicht tun, wenn jemand nicht wirklich innerlich gerecht ist. Werke des Gesetzes: Das ganze Gesetz. (Aug.) Mithin ist der Glaube an Jesus Christus zwar zunächst die gläubige Annahme seiner Offenbarung, sodann aber auch alles dessen, was er uns gebracht hat. - (24) Wir Judenchristen haben erkannt, dass wir einzig durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt werden können und haben das Gesetz hintangesetzt, um an den Glauben an Christus, welcher die verdienstliche Ursache unserer Gerechtigkeit ist, die Rechtfertigung zu suchen. Wenn wir aber so, d. i. nach Hintansetzung des Gesetzes, die Gerechtigkeit suchend, Sünder, den Heiden ähnlich geworden und erfunden sind, so ist also Christus, um dessentwillen wir diesen Weg betreten und das Gesetz hintangesetzt haben, ein Helfer der Sünde, da er die Ursache und der Beförderer unserer (vorausgesetzten) Sünden ist? - (25) Jene versuchten zu beweisen, dass der, welcher das Gesetz nicht beobachtet, ein Sünder sei. Paulus wendete den Vorwurf auf seine Gegner zurück, indem er zeigt: Wer das Gesetz beobachtet, versündigt sich nicht allein gegen den Glauben, sondern auch gegen das Gesetz selbst. Das Gesetz wird als ein Gebäude aufgefasst, welches die zerstören, die es verwerfen, diejenigen wieder aufzubauen versuchen, welche es, nachdem sie es verworfen, derart wieder aufnehmen und es für so notwendig halten, dass sie es an die Stelle setzen, welche zuvor der Tod Christi inne hatte. Ohne weiter auf das in Antiochia Geschehene Rücksicht zu nehmen, legt der heil. Paulus die Lehre von der Auffassung des Gesetzes allgemein vor und spricht deshalb in der ersten Person. Derjenige übertritt das Gesetz, der es, nachdem es ihn selbst zum Glauben geführt und seine eigene Abschaffung nachgewiesen hat, dennoch an Stelle desselben setzen will. (Chrys., Theod.) - (26) Der Lehrmeister übt sein Amt, um nicht mehr notwendig zu sein, das Kind wird an der Brust genährt, um ihrer nicht mehr zu bedürfen, durch das Schiff kommen wir in das Vaterland und bedürfen des Schiffes nicht mehr (Aug.). - (27) Durch das Gesetz waren alle dem Fluche unterworfen, so dass Christus, als er für uns zum Fluche geworden unseren Fluch auf sich nahm, durch das Gesetz dem Tode überliefert und gekreuzigt ward. [Gal 3,10ff] Alle nun, die auf Christus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft und sterben, Christus vereint, mit ihm. [Roem 6,3ff] Also sterben sie durch das Gesetz; da nun dieses nur gilt, solange der Mensch lebt, werden sie durch diesen Tod, der durch das Gesetz eintritt, von dem Joche des Gesetzes befreit. [Roem 6,8ff] Nun erstehen aber die Getauften auch mit Christus zu neuem Leben, in dem sie nicht mehr sterben, sondern von dem Gesetze gelöst Gott dienen. - (28) Nicht mehr der alte Mensch, sondern wie die Rebe dem Weinstocke, bin ich Christus verbunden. - (29) Im sterblichen Leben, im Gegensatze zu dem übernatürlichen Leben. Jetzt: Im Gegensatze zur Zeit vor der Taufe. - (30) Das Opfer des Heilandes, der sich für uns dargebracht hat. - (31) Wenn der lebendige Glaube zur Rechtfertigung nicht genügt, sondern nur einen Teil der Ursache derselben bildet, den anderen aber das Gesetz, so leugne ich, dass die Verdienste Christi ausreichend sind.

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