Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Mic04

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Prophetia Michææ. Caput IV.

Prophezeiung des Michäas Kap. 4


d. Erhöhung des Berges Gottes. (V. 5) e. Wiederherstellung des Volkes und der königlichen Gewalt. (V. 8) f. Der Weg zur Wiederherstellung.

1. Et erit: In novissimo dierum erit mons domus Domini præparatus in vertice montium, et sublimis super colles: et fluent ad eum populi.

2. Et properabunt gentes multæ, et dicent: Venite, ascendamus ad montem Domini, et ad domum Dei Jacob: et docebit nos de viis suis, et ibimus in semitis ejus: quia de Sion egredietur lex, et verbum Domini de Jerusalem.


3. Et judicabit inter populos multos, et corripiet gentes fortes usque in longinquum: et concident gladios suos in vomeres, et hastas suas in ligones: non sumet gens adversus gentem gladium: et non discent ultra belligerare.


4. Et sedebit vir subtus vitem suam, et subtus ficum suam, et non erit qui deterreat: quia os Domini exercituum locutum est.
5. Quia omnes populi ambulabunt unusquisque in nomine Dei sui: nos autem ambulabimus in nomine Domini Dei nostri in æternum et ultra.
6. In die illa, dicit Dominus, congregabo claudicantem: et eam, quam ejeceram, colligam: et quam afflixeram:

7. Et ponam claudicantem in reliquias: et eam, quæ laboraverat, in gentem robustam: et regnabit Dominus super eos in monte Sion, ex hoc nunc et usque in æternum.

8. Et tu turris gregis nebulosa filiæ Sion usque ad te veniet: et veniet potestas prima, regnum filiæ Jerusalem.

9. Nunc quare mœrore contraheris? Numquid rex non est tibi, aut consiliarius tuus periit, quia ccomprehendit te dolor sicut parturientem?
10. Dole, et satage filia Sion qusi parturiens: quia nunc egredieris de civitate, et habitabis in regione, et venies usque ad Babylonem, ibi liberaberis: ibi redimet te Dominus de manu inimicorum tuorum.

11. Et nunc congregatæ sunt super te gentes multæ, quæ dicunt: Lapidetur: et aspiciat in Sion oculus noster.

12. Ipsi autem non cognoverunt cogitationes Domini, et non intellexerunt consilium ejus: quia congregavit eos quasi fœnum areæ.
13. Surge, et tritura filia Sion: quia cornu tuum ponam ferreum, et ungulas tuas ponam æreas: et comminues populos multos, et interficies Domino rapinas eorum, et fortitudinem eorum Domino universæ terræ.



1. Und es wird geschehen,1 in der letzten Zeit2 wird der Berg des Hauses des Herrn auf dem Gipfel der Berge stehen und erhaben sein über die Hügel3 und die Völker werden zu ihm strömen.
2. Und viele Völker werden zu ihm eilen und sprechen:4 „Kommet, lasset uns hinaufziehen zum Berge des Herrn und zu dem Hause des Gottes Jakobs,5 dass er seine Wege uns lehre und wir wandeln auf seinen Pfaden;“ denn von Sion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.6
3. Und er wird unter vielen Völkern Gerichte halten und die starken Völker bis in weite Ferne strafen, da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Spieße zu Hippen, kein Volk wird mehr wider das andere das Schwert ergreifen und nicht mehr werden sie Krieg führen lernen.7
4. Dann wird ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum ungestört sitzen,8 denn der Mund des Herrn der Heerscharen9 hat gesprochen.
5. Ja, alle Völker werden, ein jedes im Namen seines Gottes wandeln;10 wir aber werden im Namen des Herrn,11 unseres Gottes, wandeln ewig du immerdar.
6. An jenem Tage, spricht der Herr, werde ich die Hinkenden sammeln und die, welche ich verstoßen, und die, welche ich gezüchtigt hatte, vereinigen.12
7. Und ich werde die Hinkenden zum Überreste13 machen und die, welche bedrängt waren, zum starken Volke;14 und der Herr wird über sie herrschen auf dem Berge Sion von nun an bis in Ewigkeit. [Zeph 3,19; Dan 7,14; Lk 1,32]
8. Du aber, dunkler Herdenturm15 der Tochter Sion! An dich wird gelangen, ja, an dich wird gelangen die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.16
9. Warum nun verzehrst du dich im Grame?17 Hast denn du keinen König oder ist dein Ratgeber18 umgekommen, dass dich Schmerz ergreift wie eine Gebärende?
10. Ja, leide Schmerz19 und winde dich, Tochter Sion, wie eine Gebärende, denn jetzt wirst du aus der Stadt ausziehen und auf dem Felde wohnen müssen und bis nach Babylon gebracht werden.20 Dort wirst du Rettung finden, dort wird dich der Herr aus der Hand deiner Feinde erlösen.21
11. Nun zwar haben sich wider dich viele Völker gesammelt,22 die da sprechen: Es werde gesteinigt23 und unser Auge weide sich an Sion!
12. Sie aber kennen des Herrn Gedanken nicht und fassen seinen Ratschluss nicht,24 dass er sie zusammenhäufe wie Heu auf der Tenne.25
13. Auf26 und drisch, Tochter Sion! Denn ich will dein Horn27 eisern machen und deine Hufe ehern, dass du viele Völker zermalmest und dem Herrn ihren Raub weihest28 und ihre Macht dem Gebieter der ganzen Erde.


Fußnote

Kap. 4 (1) Nach den bereits gegebenen Weissagungen kann die Theokratie nicht auf ewig darniederliegen. Gottes Bund ist ein ewiger und er selbst hat ein ewiges Reich in dem Hause David eingesetzt, deshalb muss aus Zerstörung und Fall sich eine neue Form erheben. Diese Erneuerung beschreibt der Prophet so, dass er dem dreifachen Untergang [Mic 3,12] eine dreifache Erneuerung in umgekehrter Folge entgegenstellt. - (2) Hebr.: In der letzten Zeit aber wird der Berg des Hauses Jahves fest gegründet stehen als der höchste unter den Bergen und erhaben sein über die Höhen. „Die letzte Zeit“ ist im Sprachgebrauch der Heiligen Schrift diejenige Zeit, welche der Zeit, um die es handelt, nachfolgt, mag dieselbe vor dem Messias oder hinter dessen Erscheinen fallen, die Zeit des Messias oder das Ende der Welt sein. Wann die Zeit des Messias gemeint ist, wann eine andere bedeutet wird, ist aus der Sache, sowie aus dem, was im Kontexte vorangeht und folgt, zu schließen. Die letzte Zeit ist also nicht so Superlativ als Komparativ. Vergl. [1Mos 49]. Bei den Propheten indes wird diese Redeform nach dem Zugeständnis selbst der Nationalisten stets von jener Periode gebraucht, welche durch die vorgehende Zeit vorbereitet wird und der keine weitere Entwicklung folgen wird, der messianischen Zeit. Vergl. [Hebr 9,11]. Ebenso ist [1Petr 1,5.20; 2Petr 3,3; 1Joh 2,18; Judas 1,18] aufzufassen. Diese ist das Ende der Zeiten, insofern Christus das Ende des Gesetzes. [1Kor 10,11; Roem 10,4] In ihr wird der Tempelberg, dessen Verwüstung der Prophet soeben vorhergesagt, fest und dauernd gegründet sein. Der Seher braucht hier die gleichen Worte, mit welchen [2Sam 7,26] und [1Koe 2,45] der Thron Davids als auf ewig gegründet bezeichnet wird. - (3) An erhabenster Stelle, alles überragend, alles Irdische unter sich lassend. Seine Herrlichkeit und sein Ruhm wird so strahlend sein, dass, wie einst die Stämme Israel zu ihm zu pilgern pflegten, so jetzt die Völker (alle Völker) mit Eifer zu ihm strömen werden. Die Erhöhung des Berges des Hauses Gottes ist keine physische, sondern wird durch die Kenntnis und Schätzung, die sich bei allen verbreitet, bewirkt, wie V. 2 zeigt. Da nämlich alle Völker nicht physisch zu einem Tempel zusammenströmen können, ist auch die Erhöhung eine geistige. Es wird dem Propheten ein Symbol vor Augen gestellt, in dem ihm der Zustand der messianischen Zeit gezeigt wird. Der Tempelberg bezeichnet einen Ort, an dem der wahre Gott verehrt ward, hatte er sich doch diesen Berg als seinen besonderen Sitz erwählt. Mithin ist der Tempelberg ein Symbol der Verehrung des wahren Gottes und es wird gesagt, dass diese bei allen Völkern blühen wird, dass die Religion des wahren Gottes überall gekannt und hochgehalten werden wird. Dieses Bild war für den Propheten naheliegend und drückt Gottes Absichten am besten aus. Die alte Theokratie, welche den Tempelberg zu ihrem Mittelpunkt hatte, wird so wachsen und sich umgestalten, dass sie zu allen Völkern dringt und diese an sich zieht. Aus dem Alten Bunde wird ein Neuer erstehen als dessen Vollendung, so dass er zu ihm in gewissem Verhältnisse und in innerer Verbindung steht. Die alte Theokratie war auf ein Volk beschränkt, die neue ersteht auf dem Fundamente der alten, doch in größerer Vollkommenheit, erhabenerer Anlage, weitester Verbreitung. Es ist die Kirche Christi, welche an die Stelle der Synagoge tritt. (Cyr., Theod., Theoph.) Der heilige Hieronymus erkannte auch die besondere Anbetung und Verehrung Christi in dieser Weissagung. - (4) Die Völker werden die Würde jenes von Gott hocherhabenen Wahrzeichens erkennen und seine Bedeutung als Mittelpunkt und Quelle der Religion würdigen. - (5) Zu Gott, der sich in der Familie und dem Stamme Jakob offenbart und dort seine Lehre und seine Gesetze, nach denen der Mensch sein Leben einrichten soll, niedergelegt hat. Dass Gott der Lehrer ist und dass das Gesetz Gottes im Werke erfüllt wird, sind zwei Dinge, welche zu den Kennzeichen der messianischen Zeit gerechnet zu werden pflegen. - (6) Ein neues Gesetz wird in Jerusalem gegeben werden, das sich nicht auf die engen Grenzen eines Volkes beschränken wird, wie das von Moses gegebene, sondern über den ganzen Erdkreis erschallen wird. – Man kann in dieser Prophezeiung die Kennzeichen der Kirche einzeln erkennen. Es ist dies Einheit und das wirksame Mittel zur Bewahrung derselben, da alle zu einem Berge zusammenströmen. Die Heiligkeit wird in der fröhlichen gegenseitigen Aufmunterung der Völker beschrieben, denn sie vertrauen, dass sie von Gott belehrt werden und die empfangene Lehre in ihrem Leben und ihren Sitten zum Ausdruck bringen. Wie anders klingt das Wort: „Kommet, lasset uns hingehen“ als das andere: Das Gesetz ist wegen der Übertretungen gegeben [Gal 3,19], die Kraft der Sünde ist das Gesetz. [1Kor 15,56] Vergl. auch [Roem 5,20] und [Roem 7,5]. Die Katholizität (Allgemeinheit) wird bezeichnet im Zusammenströmen aller Völker, vergl. [Jes 2,2], die Apostolizität, weil die Völker sich an den Gott Jakobs anschließen, an den Gott, der in einem bestimmten Volk, einer Familie, Vereinigung sich kundtut. Wie im Alten Bunde wer Gottes Verheißungen teilhaftig werden wollte, sich dem Volke Israel durch einen äußeren Ritus anschließen musste, so muss in diesem neuen Gottesreich sich jeder der Gemeinschaft anschließen, welcher der Messias seine Lehre und sein Ansehen übertragen hat, dem Kollegium der Apostel, das lebendig und in ununterbrochener Reihenfolge in der Kirche Christi sich darstellt. Dieser muss er durch äußeren Ritus und innere Unterwerfung, durch Gehorsam und Ehrfurcht verbunden werden und in dieser lebenspendenden Vereinigung muss er verharren. Vergl. auch [Jes 4,3; Jes 44,5; Ps 86,4-6]. Dass die Kirche Christi aber sichtbar sein muss und als von Christus eingesetzt von allen leicht erkannt werden, ist leicht aus dem Sinnbilde des Berges zu schließen, der über alle Berge erhöht aller Augen auf sich zieht und aller Herzen an sich reißt. Auch die Festigkeit, dass kein Feind die Kirche Gottes erschüttern kann, mögen Stürme um ihren Fuß toben, deutet das Bild an. - (7) Gott wird unter den Völkern Recht sprechen, alle Streitsachen werden vor ihm gebracht. Ist er aber von allen als Richter anerkannt und sein Gesetz allgemeine Richtschnur, so kann keine Ursache mehr sein zum Kriege. Darum werden die Kriegswaffen Werkzeuge des Friedenslebens, das glücklich dahinfließt in Bearbeitung der Äcker und Weinberge. Das verkündete und angenommene Gesetz Gottes hat eine solche Kraft und Wirksamkeit in sich, dass es die Leidenschaften, die Quelle aller Begierden, auslöscht. – Der Prophet schildert, was geschieht, wenn Gott als höchster Richter anerkannt ist. Ein auf beiden Seiten gerechter Krieg ist unmöglich, also wenn Gottes Gesetz herrscht, auch ein Krieg überhaupt. Wo die Glückseligkeit der Völker zu suchen ist, zeigt der Prophet; wird indes die Bedingung nicht erfüllt, so ist auch das Friedensglück nicht zu erhoffen. Wenn etwas in der Heiligen Schrift der Synagoge oder der Kirche verheißen wird, gilt die Verheißung nicht unbedingt allen, die zu diesen sich rechnen, sondern den wahren Verehrern Gottes. Vergl. [Roem 8]. - (8) So pflegten die Hebräer die höchste Glückseligkeit dieses Lebens zu beschreiben, vergl. [1Koe 4,25; Sach 3,10; 1Mak 14,12]. Ein ruhiges und glückliches Leben wird verheißen. - (9) Des höchsten Herrn von Himmel und Erde. Gott setzt seine Macht und Treue zum Pfande. - (10) Ihr ganzes Leben nach dem Willen ihre Gottes einrichten. - (11) In dem, was Gott von sich offenbart, in seiner Treue, Kraft, Hilfe und demgemäß in seiner Wesenheit, die sich in seinem Namen Jahve offenbart. - (12) Vergl. [Mic 2,12]: Das Volk wird unter dem Bilde einer kranken und zerstreuten Herde dargestellt, in dem Zustande in welchem sie sich infolge der Sünde befindet. - (13) Dieser Überrest, diese Auserwählten werden nach Gottes Ratschluss zum messianischen Heile geführt, während der größere Teil dies zurückweist. - (14) Wenn die Zahl der Auserwählten auch nicht groß ist, sollen diese doch ein starkes Volk sein, durch keine Gefahr, keinen Angriff ihrer Würde zu berauben. - (15) Hebr.: Herdenturm, Hügel der Tochter Sion. Auf dem Hügel Sion lag die Burg, die Stadt Davids im Süden des Tempelberges Sion. Dieser Hügel ist also Bild der davidischen Herrschaft, die Burg wird Herdenturm genannt, weil der theokratische König Hirt des Volkes Israel ist und Israel die Herde des Herrn, wie auch David selbst aus dem Hirtenstande vorbedeutend zur Königswürde berufen ward. - (16) Die frühere Herrschaft wird, wie David verheißen [2Sam 7,5; 2Sam 23,3], wiederkehren zum Berge Sion. Das doppelte „Gelangen“ besagt, dass das Reich Davids seinen alten Glanz verloren hatte und es selbst gleichsam unterbrochen war (Vergl. V. 9 u. a. St.), so aber, dass bei dem Stamme Davids das Recht verblieb und die Hoffnung auf Wiederherstellung nicht unterging. Das [1Mos 49,10] versprochene Zepter wird nicht weichen, d.i. es bleibt, auch wenn es gleichsam verborgen ist. Vergl. [Ez 17,22]. Wohl können einzelne theokratische Könige verworfen werden, aber die gnadenvolle Verheißung wird nicht vom Hause David genommen. - (17) Hebr.: Nunmehr, warum schreiest du so laut? Der Seher sieht Sion in bitterstem Schmerze aufschreien, weil das reich zerstört und die Königswürde verfallen ist. - (18) Deine sichere Hoffnung. - (19) Der Schmerz ist gerecht, trage ihn, denn er wird herrliche Frucht zeitigen. - (20) Die Stadt wird von den Feinden erobert, die Einwohner in die Gefangenschaft weggeführt und in fremdem Lande lange ohne Häuser bleiben, in elenden Hütten wohnen und bis nach Babel geschleppt werden. Zur Zeit des Michäas waren die Assyrer übermächtig, doch der Prophet erklärt, was er [Mic 2,10] gesagt, nach der Erleuchtung, die Gott gewährt. - (21) Unter Cyrus wurden, eine Vorbereitung auf das messianische Heil, die Anfänge zur Wiederherstellung gelegt. In der Androhung des äußersten Elendes weiß der Prophet Trost einzumischen. - (22) Zweiter Grund der Bedrängnisse Sions, der Hass der feinde gegen die heilige Stadt, welche Gott zu seinem Sitze erwählt hat. - (23) Hebr.: es werde entweiht: seiner heiligen Würde beraubt und befleckt. Vulg.: Sie werde als Ehebrecherin gesteinigt und gestraft. - (24) Doch Gottes Plan und Absicht sind andere, weit alle menschliche Erwartung übertreffend. - (25) Hebr.: Dass er sie zusammenhäuft wie Garben auf der Tenne. - (26) Betrübt hat Sion auf der Erde gesessen. Jetzt soll es Mut fassen und Kräfte sammeln. - (27) Bild der Kraft, wenngleich dies mit dem anderen Bilde des Dreschens nicht in Verbindung gebracht wird. - (28) Die Völker sollen niedergeworfen werden, damit die Beute Gott geweiht werde. Das ist die Eigenart des Sieges Sions, dass alles in Gottesdienst übergeht, dem jene vom Volke Gottes zu weihen ist. Es ist von der Zeit des Messias die Rede; doch wird ein allgemeines Gesetz ausgesprochen, das zu allen Zeiten des Gottesreiches Geltung hat.

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