Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ju11

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Liber Judith. Caput XI.

Das Buch Judith. Kap. 11


Judith wird von Holofernes befragt, warum sie die Flucht ergriffen hat. (V. 3) Sie antwortet, sie sei von Gott zu ihm entsendet, ihm einen herrlichen Sieg über die Israeliten vorauszusagen, weil diese Gott durch ihre Sünden beleidigt hätten. (V. 13) Sie werde bei ihm bleiben, um ihm den Tag des Sieges anzuzeigen, sobald ihr Gott denselben auf ihr Gebet offenbart habe. (V. 17) Voller Freude über diese Nachricht erklärt Holofernes, er wolle ihren Gott, wenn die Ereignisse wirklich statthätten, als wahren Gott anerkennen.

1. Tunc Holofernes dicit ei: Æquo animo esto, et noli pavere in corde tuo: quoniam ego nunquam nocui viro, qui voluit servire Nabuchodonosor regi:

2. Populus autem tuus, si non contempsisset me, non levassem lanceam meam super eum.
3. Nunc autem dic mihi, qua ex causa recessisti ab illis, et placuit tibi ut venires ad nos?
4. Et dixit illi Judith: Sume verba ancillæ tuæ, quoniam si secutus fueris verba ancillæ tuæ, perfectam rem faciet Dominus tecum.
5. Vivit enim Nabuchodonosor rex terræ, et vivit virtus ejus, quæ est in te ad correptionem omnium animarum errantium: quoniam non solum homines serviunt illi per te, sed et bestiæ agri obtemperant illi.

6. Nuntiatur enim animi tui industria universis gentibus, et indicatum est omni sæculo, quoniam tu solus bonus, et potens es in omni regno ejus, et disciplina tua omnibus provinciis prædicatur.

7. Nec hoc latet, quod locutus est Achior, nec illud ignoratur, quod ei jusseris evenire.
8. Constat enim, Deum nostrum sic peccatis offensum, ut mandaverit per prophetas suos ad populum, quod tradat eum pro peccatis suis.

9. Et quoniam sciunt se offendisse Deum suum filii Israel, tremor tuus super ipsos est.
10. Insuper etiam fames invasit eos, et ab ariditate aquæ jam inter mortuos computantur.

11. Denique hoc ordinant, ut interficiant pecora sua, et bibant sanguinem eorum:
12. Et sancta Domini Dei sui quæ præcepit Deus non contingi, in frumento, vino, et oleo, hæc cogitaverunt impendere, et volunt consumere quæ nec manibus deberent contingere: ergo quoniam hæc faciunt, certum est quod in perditionem dabuntur.

13. Quod ego ancilla tua cognoscens fugi ab illis, et misit me Dominus hæc ipsa nuntiare tibi.
14. Ego enim ancilla tua Deum colo, etiam nunc apud te: et exiet ancilla tua, et orabo Deum,
15. Et dicet mihi quando eis reddat peccatum suum, et veniens nuntiabo tibi, ita ut ego adducam te per mediam Jerusalem, et habebis omnem populum Israel, sicut oves, quibus non est pastor, et non latrabit vel unus canis contra te:


16. Quoniam hæc mihi dicta sunt per providentiam Dei.
17. Et quoniam iratus est illis Deus, hæc ipsa missa sum nuntiare tibi.

18. Placuerunt autem omnia verba hæc coram Holoferne, et coram pueris ejus, et mirabantur sapientiam ejus, et dicebant alter ad alterum:
19. Non est talis mulier super terram in aspectu, in pulchritudine, et in sensu verborum.
20. Et dixit ad illam Holofernes: Benefecit Deus, qui misit te ante populum, ut des illum tu in manibus nostris:

21. Et quoniam bona est promissio tua, si fecerit mihi hoc Deus tuus, erit et Deus meus, et tu in domo Nabuchodonosor magna eris, et nomen tuum nominabitur in universa terra.



1. Alsdann sprach Holofernes zu ihr: Sei guten Muts und fürchte dich nicht in deinem Herzen! Denn ich habe niemals jemandem etwas zuleide getan, der dem Könige Nabuchodonosor dienen wollte.1
2. Gegen dein Volk aber würde ich, wenn es mich nicht verachtet hätte, meine Lanze nicht erhoben2 haben.
3. Nun aber sage mir, weswegen bist du von ihnen entwichen und hast zu uns kommen wollen?
4. Judith antwortete ihm: Vernimm die Worte deiner Magd; denn wenn du die Worte deiner Magd befolgst, so wird der Herr mit dir das Werk zu Ende führen.3
5. So wahr Nabuchodonosor, der König der Erde, lebt und so wahr seine Macht lebt,4 welche dir zur Züchtigung aller Betörten gegeben ist, so sind ihm durch dich nicht nur die Menschen untertan, sondern auch die Tiere des Feldes sind ihm gehorsam.
6. Denn zu allen Völkern ist die Kunde von der Klugheit deines Geistes gedrungen und der ganzen Welt ist es kund geworden, dass du allein in seinem ganzen Reiche der Gütige und Mächtige bist, und deine Anordnungen werden in allen Landen gepriesen.
7. Auch das ist nicht verborgen, was Achior geredet hat, und auch das weiß man, was du ihm hast widerfahren lassen. [Ju 5,5]
8. Denn es ist gewiss, dass unser Gott durch Sünden so beleidigt ward, dass er durch seine Propheten dem Volke hat verkündigen lassen, er werde es um seiner Missetaten willen preisgeben.5
9. Und weil die Söhne Israels wissen, dass sie ihren Gott beleidigt haben, so ist Schrecken vor dir über sie gekommen.
10. Überdies hat auch der Hunger sie überfallen, und da das Wasser ausgetrocknet ist, darf man sie bereits unter die Toten zählen.
11. Schon haben sie nun beschlossen, ihr Vieh zu töten und dessen Blut zu trinken.6
12. Und sie denken daran, die dem Herrn, ihrem Gott, geheiligten Dinge, welche Gott verboten zu berühren, Getreide, Wein und Öl zu verbrauchen und wollen das verzehren, was sie nicht einmal mit den Händen berühren sollten.7 Da sie also solches alles tun, ist es gewiss, dass sie dem Verderben überliefert werden.8
13. Als ich, deine Magd, dies erfuhr, bin ich von ihnen geflohen und der Herr hat mich gesandt, dir dies zu verkünden.
14. Denn ich, deine Magd, verehre Gott auch jetzt bei dir, und deine Magd wird hinausgehen9 und zu Gott beten
15. und er wird mir sagen, wann er ihnen ihre Sünden vergelten wird; dann werde ich kommen und es dir anzeigen. So10 werde ich dich mitten durch Jerusalem führen und du wirst das ganze Volk Israel erhalten wie Schafe, die keinen Hirten haben, und nicht ein Hund wird gegen dich bellen,11
16. denn dies alles ist mir durch Gottes Vorsehung gesagt worden.12
17. Und weil Gott über sie erzürnt ist, bin ich gesandt worden, dir eben dies kundzutun.
18. Alle diese Worte aber gefielen dem Holofernes und seinen Dienern und sie verwunderten sich über ihre Weisheit und einer sprach zu dem andern:
19. Dieser Frau ist keine auf Erden gleich an Gestalt und Schönheit und Weisheit der Reden.
20. Und Holofernes sprach zu ihr: Gott hat wohlgetan, dass er dich vor dem Volke hergesendet hat, dass du es in unsere Hände überlieferst.
21. Und weil deine Verheißung gut ist, so soll dein Gott, wenn er mir dies tut, auch mein Gott sein, und du wirst groß sein im Hause Nabuchodonosor und dein Name wird auf der ganzen Erde genannt werden.


Fußnote

Kap. 11 (1) Dies ist gegen die Wahrheit. Vergl. [Ju 3,9ff]. - (2) Krieg geführt. - (3) Zweideutig. In ihrem Sinne wird den Israeliten der Sieg zuteil. - (4) Orientalische Redeweise. (Vergl. [1Mos 42,15].) - (5) So bestätigt sie zunächst die Worte Achiors, um dann anzudeuten, dass die Juden den Geboten ihres Gottes treu werden wollen. - (6) Diese Nahrung war [3Mos 17,10] verboten. - (7) Erstlinge und Zehnten. - (8) Nach dem Griech. sagt Judith noch, dass die Juden nach Jerusalem geschickt haben, so dass sie also trotz der engen Umschließung noch mit der Außenwelt in Verbindung stehen. - (9) Vor das Lager. - (10) Infolge deines hierauf erfolgten Sieges. - (11) Der gleiche Ausdruck [2Mos 11,7]. Nicht der geringste Widerstand wird ihm geleistet werden. - (12) Indem sie andeutet, dass sie mit dem Gotte Israels in Verbindung steht, sichert sie sich ein religiöses Ansehen, das ihr die erbetene Freiheit verschafft, aus dem Lager zu gehen. Ob Judiths List zu verwerfen ist, sagt der Verfasser nicht. Immerhin bediente sich auch Moses und Aaron der List gegen Pharao [2Mos 5,1.3], ja selbst auf Gottes Befehl [2Mos 7,9], Aod gegen Eglon [Rich 3,20], Jahel gegen Sisara [Rich 4,18].

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