Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Weish02

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Liber primus Sapientiæ. Caput II.

Das Buch der Weisheit Kap. 2


d. Die Sünder, welche die Unsterblichkeit leugnen und sich allen Lastern hingeben (V. 9), den Gerechten bedrücken und ihn dem schimpflichsten Tode überliefern wollen (V. 20), sind in schwerem Irrtum, da sie nicht erkennen, dass der Mensch für die ewige Seligkeit geschaffen, der zweite Tod aber erst durch den Neid des Teufels in die Welt gekommen ist.

1. Dixerunt enim cogitantes apud se non recte: Exiguum, et cum tædio est tempus vitæ nostræ, et non est refrigerium in fine hominis, et non est qui agnitus sit reversus ab inferis:


2. Quia ex nihilo nati sumus, et post hoc erimus tamquam non fuerimus: quoniam fumus flatus est in naribus nostris: et sermo scintilla ad commovendum cor nostrum:
3. Qua exstincta, cinis erit corpus nostrum, et spiritus diffundetur tamquam mollis aër, et transibit vita nostra tamquam vestigium nubis, et sicut nebula dissolvetur, quæ fugata est a radiis solis, et a calore illius aggravata:

4. Et nomen nostrum oblivionem accipiet per tempus, et nemo memoriam habebit operum nostrorum.
5. Umbræ enim transitus est tempus nostrum, et non est reversio finis nostri: quoniam consignata est, et nemo revertitur.

6. Venite ergo, et fruamur bonis quæ sunt, et utamur creatura tamquam in juventute celeriter.

7. Vino pretioso, et unguentis nos impleamus: et non prætereat nos flos temporis.
8. Coronemus nos rosis, antequam marcescant: nullum pratum sit, quod non pertranseat luxuria nostra.
9. Nemo nostrum exsors sit luxuriæ nostræ: ubique relinquamus signa lætitiæ: quoniam hæc est pars nostra, et hæc est sors.
10. Opprimamus pauperem justum, et non parcamus viduæ, nec veterani revereamur canos multi temporis.

11. Sit autem fortitudo nostra lex justitiæ: quod enim infirmum est, inutile invenitur.
12. Circumveniamus ergo justum, quoniam inutilis est nobis, et contrarius est operibus nostris, et improperat nobis peccata legis, et diffamat in nos peccata disciplinæ nostræ.

13. Promittit se scientiam Dei habere, et filium Dei se nominat.

14. Factus est nobis in traductionem cogitationum nostrarum.
15. Gravis est nobis etiam ad videndum, quoniam dissimilis est aliis vita illius, et immutatæ sunt viæ ejus.
16. Tamquam nugaces æstimati sumus ab illo, et abstinet se a viis nostris tamquam ab immunditiis, et præfert novissima justorum, et gloriatur patrem se habere Deum.
17. Videamus ergo si sermones illius veri sint, et tentemus quæ ventura sunt illi, et sciemus quæ erunt novissima illius.
18. Si enim est verus filius Dei, suscipiet illum, et liberabit eum de manibus contrariorum.

19. Contumelia et tormento interrogemus eum, ut sciamus reverentiam ejus, et probemus patientiam illius.

20. Morte turpissima condemnemus eum: erit enim ei respectus ex sermonibus illius.
21. Hæc cogitaverunt, et erraverunt: excæcavit enim illos malitia eorum.
22. Et nescierunt sacramenta Dei, neque mercedem speraverunt justitiæ, nec judicaverunt honorem animarum sanctarum.
23. Quoniam Deus creavit hominem inexterminabilem, et ad imaginem similitudinis suæ fecit illum.

24. Invidia autem diaboli mors introivit in orbem terrarum:
25. Imitantur autem illum qui sunt ex parte illius.


1. Sie1 denken nämlich2 bei sich verkehrt und sagen: Kurz und verdrießlich3 ist die Zeit unsers Lebens und es gibt keine Rettung beim Ende des Menschen,4 auch ist keiner bekannt, der aus dem Totenreiche zurückgekehrt wäre.5 [Job 7,1, Job 14,1, 1Kor 15,32]
2. Denn aus nichts6 wurden wir geboren und werden nachher sein, als wären wir nicht gewesen; ist doch der Atem in unserer Nase ein Dunst7 und die Rede8 ein Fünkchen bei der Bewegung unsers Herzens.
3. Ist dieses erloschen, so wird unser Leib zu Asche und der Geist verfliegt wie dünne Luft; unser Leben verschwindet wie die Spur einer Wolke9 und zerfließt wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne verscheucht und von ihrer Wärme herabgedrückt worden.10
4. Auch unser Name wird zeitig vergessen werden und niemand wird unserer Werke gedenken.11
5. Denn12 wie das Vorübergehen eines Schattens13 ist unsere Lebenszeit und unser Ende kennt keine Wiederkehr, denn diese ist fest verschlossen und niemand kehrt zurück.14 [1Chr 29,15]
6. Darum15 kommet und lasset uns die gegenwärtigen16 Güter genießen, mit Hast das Geschaffene gebrauchen, so lange wir jung sind. [Jes 22,13, Jes 56,12]
7. Köstliche Weine und Salben wollen wir in Fülle gebrauchen und keine Lenzesblüte entgehe uns.
8. Mit Rosen17 wollen wir uns bekränzen, ehe sie verwelken; es gebe keine Flur, die unsere Lust nicht durchstreift.18
9. Keiner von uns gehe leer aus bei unserm Wohlleben, überall wollen wir Zeichen der Freude hinterlassen;19 denn dies ist unser Anteil und dies unser Los.
10. Lasset uns den armen Gerechten20 vergewaltigen und nicht der Witwe schonen noch Ehrfurcht haben vor den grauen Haaren hochbetagter Greise.
11. Unsere Macht gelte als Gesetz der Gerechtigkeit, den was schwach ist, erweist sich als unnütz.21
12. Lauern wir also dem Gerechten auf, denn er ist uns unnütz und steht unsern Werken entgegen und die Sünden wider das Gesetz22 wirft er uns vor und bringt uns in übeln Ruf wegen der Sünden gegen unsere Erziehung.23
13. Er rühmt sich,24 die Erkenntnis25 Gottes zu besitzen und nennt sich Gottes Sohn.26
14. Er ist zum offenen Ankläger unserer Gedanken27 geworden.
15. Schon sein Anblick ist uns lästig, denn unähnlich anderen ist sein Leben und seine Wege28 sind abgesondert.
16. Wir gelten ihm als Verworfene29 und er hält sich von unsern Wegen fern wie von Verunreinigung30 und zieht das Ende der Gerechten vor und rühmt sich, Gott zum Vater zu haben.31
17. Lasset uns denn sehen, ob seine Reden sich bewahrheiten,32 und lasset uns versuchen, was über ihn kommen wird, und wir werden erfahren, welches sein Ende sein wird.33
18. Denn ist er34 wahrhaft Gottes Sohn, so wird dieser sich seiner annehmen und ihn aus den Händen seiner Widersacher befreien. [Ps 21,9, Jer 11,19]
19. Durch Schmach und Marter wollen wir ihn prüfen, damit wir seine Unterwürfigkeit35 erkennen und seine Geduld erproben.
20. Zum schimpflichsten Tode wollen wir ihn verurteilen, denn Heimsuchung36 wird ihm zuteil werden nach seinen Worten.37
21. Solches denken sie und gehen irre, denn ihre Bosheit verblendet sie.
22. Sie erkennen die Geheimnisse Gottes38 nicht,39 hoffen nicht auf die Belohnung der Gerechtigkeit und erachten, dass heilige Seelen keinen Ehrenpreis finden.
23. Denn Gott hat den Menschen unsterblich40 erschaffen und ihn nach seinem Bilde und seiner Ähnlichkeit41 gemacht,42 [1Mos 1,27]
24. aber durch den Neid des Teufels43 ist der Tod in die Welt gekommen;
25. diesen aber ahmen alle nach,44 die auf seiner Seite stehen.45


Fußnote

Kap. 2 (1) Die Gottlosen. [Weish 1,16] - (2) Dass sie würdig sind, dem Tode zu verfallen, zeigen ihre Gedanken und Worte. - (3) Voller Beschwerden. - (4) Nichts vom Menschen wird gerettet. - (5) Der Schluss ist falsch. Da er aber gewollt ist, ist nur zu antworten, was Abraham [Lk 16,13] sagt. – Einige erklären das Griech im Sinne von erlösen: Ein Erlöser vom Totenreiche hat sich noch nicht gefunden. - (6) Von selbst. Griech.: von ungefähr ohne Eingreifen eines höheren Wesens. - (7) Durch das Atmen findet sich das physische Leben an. Das Hauptorgan des Atmens ist die Nase. - (8) Das innere Wort. - (9) Die Wolke verschwindet, ohne eine Spur zu hinterlassen. – Dass der Mensch in seinem menschlichen Leben und Handeln von den Organen des Körpers wesentlich abhängt, ist jenen ein willkommener Anhaltspunkt, das Wesen des Menschen selbst in diese Erscheinungen zu setzen. - (10) Sind wir ohne Plan einer göttlichen Vorsehung entstanden durch zufälliges Zusammentreffen der Atome, so kann man nicht auf ein unvergängliches Sein der Seele schließen und aus dem natürlichen Verlangen nach Glückseligkeit folgen, dass die Vorsehung, die uns in dieses Dasein gesetzt, dem Menschen auch zu der ihm zukommenden Entwicklung und Seligkeit führen werde. Der Augenschein lehrt ferner, dass mit dem Tode von der Seele nichts mehr zu sehen ist. Die Erfahrung lehrt sodann auch, dass noch keiner aus der Unterwelt zurückgekehrt ist. Nun ist endlich auch klar, dass das Denken ein rein physikalischer Vorgang ist, durch das Herz ähnlich hervorgebracht, wie durch den Anschlag des Feuersteins der Funke, und das Atmen wie der Rauch des Brandes. Oberflächliche Betrachtung des Lebens bietet ihnen Stoff zur Beschönigung ihrer inneren Herzensbosheit, und so verhüllen sie ihr schlechtes Leben scheinbar mit dem Mantel der Vernünftigkeit und Rechtmäßigkeit. - (11) Im Griech. steht dieser Vers vor: unser Leben verschwindet. - (12) Koordiniert zu V. 2ff. Neuer Grund zur Veranschaulichung der Vergänglichkeit des Menschen, insbesondere des Andenkens. - (13) Unselbständig und unwirklich. - (14) Man stirbt nicht zweimal, und ist jemand gestorben, kann man nicht mehr zurückkehren. - (15) Praktische Konsequenzen des Systems: Lasset uns genießen (V. 6-10), die Schwachen unterdrücken (V. 10-12), den Gerechten, der uns in unserem Glücke stört, vernichten. (V. 12-21) - (16) Griech.: Die wirklichen gegenwärtigen Güter. – Gegensatz: die übersinnlichen Güter, insbesondere die zukünftigen. - (17) Eigentlich: Rosenknospen, die sich noch nicht zerblätternde Rose. - (18) Zahlreiche Anklänge an solchen Reden finden sich bei den griechischen Dichtern. - (19) Vergl. [Weish 5,13]. - (20) Den sogenannten Gerechten. Arm – hilflos. Die Grausamkeit geht mit der Wollust Hand in Hand. Doch auch im Atheismus liegt das „Recht des Stärkeren“. Die Fülle der sinnlichen Freuden reicht nur für wenige, und ist das Ich einmal der Mittelpunkt aller Bestrebungen, so kommt der Nebenmensch nur so weit in Betracht, als er diesen dient. Nur wer in dem Mitmenschen das Kind desselben himmlischen Vaters sieht und in übernatürlichen Gütern das höchste Gut findet, vermag dem Nächsten voll gerecht zu werden. - (21) Wenn man sie fragt, mit welchem Rechte sie das tun, was V. 10 geschildert ist, antworten sie: Mit dem Rechte des Stärkeren – wie die wilden Tiere. Daraus, dass der Schwache nichts vermag, zeigt sich, dass ihm in der Welt kein Platz gebührt. - (22) Das Gesetz Moses. - (23) Steigerung der Motive des Hasses: Er dient uns zu nichts in unserer Lust, ja er stört uns darin – sein Denken und sein Wesen ist gegen unser Treiben gerichtet – seine Worte halten uns unsere Verfehlungen vor – er bringt uns in den Ruf, dass wir zuchtlos leben (gegen unsere religiösen Bildung). - (24) Er verheißt mit Zuversicht. Griech.: Er verkündet laut und feierlich. - (25) Verbunden mit Liebe und Tat. - (26) Behauptet, von Gott als dessen Kind angesehen und geliebt zu werden. - (27) Anschauungen. In unserem Gewissen weckt er Vorwürfe, vor den Menschen zieht er uns Beschämung zu. - (28) Religiöse Anschauung und Lebensweise. Vergl. [Apg 24,14]. - (29) Griech.: Schlacken, Unreinheit. - (30) Wie von (levitisch) verunreinigenden Dingen. - (31) Vergl. V. 13. Das wahre Glück erwartet er nach dem Tode, und dies deshalb, weil er sich Gottes als Vaters rühmt. - (32) Ob sein Ende glücklich (V. 17), ob Gott sein schützender Vater ist. (V. 18) - (33) Doppelübersetzung? - (34) Griech.: Wenn der Gerechte der Sohn Gottes ist. – Diese Stelle hat im Heilande ihre Erfüllung gefunden. [Mt 27,40.43] Zwar fordert der Zusammenhang nicht mit Notwendigkeit, diese Stelle von Christus zu verstehen, aber könnte das Wort auch von jedem Gerechten gesagt werden, so wäre dieser nur typisch ein Vorbild des Gerechtesten der Gerechten. Von Christus verstehen Tertull., Klem. Alex., Orig., Euseb., Cyrill Alex., Laktant., Ambros., Aug. u.a. diese Stelle. - (35) Unter Gott und seinen ehrfurchtsvollen Glauben an die Belohnungen des ewigen Lebens. Griechisch besser: Sanftmut. - (36) Gnadenvolle Heimsuchung. - (37) Wie er sich gerühmt hat. - (38) Besonders die auf das zukünftige Leben bezüglichen Ratschlüsse Gottes. - (39) Aus verschuldeter Verblendung. - (40) Zur Unsterblichkeit, zu seligen Unsterblichkeit. - (41) Griech.: Zum Abbilde seiner Wesenheit. Die Vulgata gibt mehr die Stellen [1Mos 1,27] und [1Mos 5,1] wieder, auf welche der Text anspielt, als diesen selbst. - (42) Die Ebenbildlichkeit ist insofern Ursache der seligen Unsterblichkeit, als jeder Mensch zwar Gott durch seine Vernunft ähnlich ist und ihn erkennen und lieben kann, indes der Gerechte Gott außerdem wirklich, wenn auch noch unvollkommen erkennt und liebt. Diese Erkenntnis und Liebe aber wird im Himmel eine volle. Für diese hat Gott den Menschen bestimmt. (Thom.) - (43) Der Gott um die Ehre, die er von den Menschen erhielt, die Menschen um ihre Unsterblichkeit an Seele und Leib und um den Platz beneidete, den sie an seiner Stelle in der Ewigkeit einnehmen sollen. - (44) Griech.: versuchen ihn, suchen ihn, den Verlust der seligen Unsterblichkeit, sich selbst zu bereiten. Diese Ähnlichkeit der Handlungsweise mit dem Teufel gibt die Vulg. in ihrer Übersetzung wieder. - (45) Die sich ihm gleichsam als Eigentum verkauft haben.


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