Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg02: Unterschied zwischen den Versionen

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Kap. 2 ('''1''') Genauer nach dem Griech.: Als der Pfingsttag gekommen war. Das Pfingstfest war im A. B. das Fest der Ernte. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos34|2Mos 34,22]]''] Da die fünfzig Tage vom zweiten Osterfeiertage gezählt wurden (also in jenem Jahre vom ersten Tage der jüdischen Woche) unserem Sonntage, dem Auferstehungstage, so begreift sich die altchristliche Einrichtung, das Pfingstfest auf einen Sonntag fallen zu lassen. Am Pfingstfeste wurden bei den Juden zwei Brote als Erstlinge der Weizenernte dargebracht und in späteren Zeiten die Gesetzgebung auf dem Sinai gefeiert. So wurden heut dem Herrn die Erstlinge des Geistes dargebracht (denn der Geist brachte sofort Wirkungen hervor V. 14) und die Kirche gegründet. Alle [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg01|Apg 1,15]]''] erwähnten sind beisammen und empfangen den Heil. Geist. Die Überlieferung der Kirche von Jerusalem bezeichnete als Stätte der Geistessendung den [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg01|Apg 1,13]]''] erwähnten Versammlungssaal (Cyr. v. Jerus.). - ('''2''') Es erhob sich nicht ein wirklicher Sturmwind, so wenig wie ein körperliches Feuer herabstieg, sondern die äußere Erscheinung von Wind und Feuer sind Sinnbilder, durch welche der Heil. Geist sein Kommen und seine Gegenwart zu erkennen gab. Der Wind ist wegen seiner Unsichtbarkeit ein Bild des Geistes, mit dem er in der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache gleichen Namen führt. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh03|Joh 3,8]]'']. Ebenso ist das Feuer Sinnbild des Heil. Geistes, wegen seiner alles im Innersten durchdringenden, reinigenden und in seine eigene Natur umwandelnden Kraft. So erfüllte sich, was Johannes der Täufer von Christus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt03|Mt 3,11]]''] verkündet. Das Feuer erschien in Gestalt von Zungen, zur Andeutung der äußeren Wirksamkeit des Heil. Geistes, der Gabe der Sprachen, ist aber auch ein Sinnbild der Gegenwart Gottes. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos03|2Mos 3,2.6]]''] - ('''3''') Wohl hatten die Apostel den Heil. Geist empfangen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh20|Joh 20,22]]''] aber damals war ihnen nur die Gewalt der Sündenvergebung erteilt worden. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jes11|Jes 11,2]]''] Doch heute werden sie angetan mit der Kraft aus der Höhe, dass sie in der Folge mutig überall den Glauben verkünden (Eug. IV); heute wird in ihnen die heiligmachende Gnade vermehrt und sie erhalten jene besondere Gnade, welche im Sakramente der Firmung erteilt wird (Thom.). Heut wird auch [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh14|Joh 14,26]]''] erfüllt, denn der Geist macht sie unfehlbar in der Lehre. - ('''4''') Die Jünger redeten in den V. 9 – 11 aufgezählten Sprachen, damit es offenbar werde, dass alle Völker im Christentum die Seligkeit erlangen sollen. Diese Sprachengabe ist nicht zu verwechseln mit der anderen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg10|Apg 10,46]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor14|1Kor 14,2]]''] erwähnten Gabe des Heil. Geistes. Übrigens gehen auch die Ansichten über die Natur dieser Sprachengabe auseinander. Die einen sind der Ansicht, die Apostel hätten in ihrer Sprache geredet; seien jedoch von den Hörern allen Volkes durch die Erleuchtung des Heil. Geistes so verstanden worden, als hörten dieselben ihre eigene Sprache (Greg. Naz., Ökum.). Die meisten Erklärer indes sind der Meinung, dass der Heil. Geist den Aposteln die Gabe jeder Sprache verlieh (Cyr. v. Jerus., Aug., Leo, Greg. d. Gr.). Einige sind endlich der Ansicht, dass beide Arten der Sprachengabe am Pfingstfeste verliehen wurden (V. 37 die erstere, V. 6 die zweite). (Bed., Thom. v. Aqu.). - ('''5''') Das Beiwort gottesfürchtig kennzeichnet die Ursache ihrer Übersiedlung nach Jerusalem (Chrys.). - ('''6''') Nach Flav. Josephus kamen bis zu drei Millionen fremder Juden zu den Festzeiten nach Jerusalem. Die Parther sind wohl das jenseits des Euphrat wohnende, den Römern feindliche Volk, die Elamiter bewohnten eine Landschaft am persischen Meerbusen. Asien ist das Küstenland mit der Hauptstadt Ephesus. Libyen zerfiel in Unter- und Oberlibyen. Letzteres hieß das cyrenäische, weil Cyrene die bekannteste Stadt in Oberlibyen war. - ('''7''') Wahrscheinlich hatten sich auch die aus Rom Eingewanderten in Jerusalem ansässig gemacht. - ('''8''') Die großen Taten Gottes sind alles, was Gott von Moses bis auf Christus und jetzt durch die Ausgießung des Heiligen Geistes getan hat. Der menschliche Stolz hatte bewirkt, dass die Sprachen verwirrt wurden, und die Menschen getrennt. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos11|1Mos 11,7ff]]''] Der göttliche Geist macht, dass die verschiedensten Menschen gleichzeitig dasselbe verstehen, und eint sie. - ('''9''') Die Wiederholung der bereits V. 7 gegebenen Schilderung hebt die Darstellung. Griech.: Alle staunten und waren in Verlegenheit, nämlich wie sie sich diesen Vorgang erklären sollten. - ('''10''') Unter diesen sind wohl Juden von Jerusalem, Anhänger der Pharisäer, Feinde der Jünger, wie sie Feinde des Meisters gewesen. Sie gehören zu jenen, von denen der Psalmist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps01|Ps 1,1]]''] redet. Erscheinung und Wirkung des Heiligsten führen sie (wie die von [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk11|Lk 11,15]]''] Genannten) auf eine möglich niedrige und unheilige Ursache zurück. - ('''11''') Das Haupt der Kirche, der Verteidiger des Glaubens, des sichtbare Stellvertreter des unsichtbaren Hirten ist auch der Mund der Kirche (Chrys.) und ergreift zuerst das Wort. Die Ankündigung seiner Rede hat ebenso wie diese selbst etwas Feierliches. Es ist die erste Belehrung der soeben gestifteten Kirche an die Menschheit. - ('''12''') Der heil. Petrus redet wohl, zumal er sich besonders an die Bewohner von Jerusalem und Judäa wendet, aramäisch. Die Rede zerfällt in zwei Teile: V. 16 – 21 zeigt er, dass nicht Trunkenheit die Ursache der begeisterten und wunderbaren Rede sei, sondern die von Propheten vorhergesagte Geistesausgießung; V. 22 -36, dass Jesus der erwartete Messias sei, welcher auferstanden, und in den Himmel aufgestiegen ist, und den Heil. Geist gesendet hat. „Es ist die dritte Stunde“, morgens gegen 9 Uhr. Um diese Stunde, in der ersten der drei Gebetsstunden, zur Zeit des Morgenopfers ist niemand berauscht. - ('''13''') Die Worte werden aus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Joe02|Joel 2,28-31]]''] frei nach der Septuag. gegeben. - ('''14''') Die letzten Tage: die ganze Zeit von der Ankunft des Messias bis zum Ende der Welt. Sie ist die letzte, weil in ihr alle Hoffnungen und Vorhersagungen der Propheten ihre Erfüllung finden und sie die letzte Periode der Entwicklung des Reiches Gottes auf Erden ist. Sie ist für die Juden die letzte in dem Sinne, als vor dem Untergange von Jerusalem noch eine Gnadenfrist angeboten war. - ('''15''') Im Hebr. steht: meinen Geist. Die Übersetzung der Septuag. drückt aus, dass, wenn der Geist auch noch so reichlich mitgeteilt (ausgegossen) wird, dennoch seine Fülle von keinem Menschen erlangt wird. - ('''16''') Das Wort weissagen bedeutet ebenso jede übernatürliche Erkenntnis des Verborgenen, wie jede von Gott angeredete Rede, durch welche der Nächste erbaut und belehrt wird. - ('''17''') „Gesichte“: sie werden Übernatürliches sehen oder doch auf übernatürliche Weise das aus der Offenbarung Bekannte erkennen. „Traumgesicht“: es ist selbstverständlich an Träume zu denken, die von Gott verursacht sind, und eine höhere Wahrheit erkennen lassen. „Meine“ in V. 15 ist nicht im hebr. Texte Joels und ist nicht notwendig, da es sonst leicht scheinen könnte, als ob die V. 17 Genannten nicht Diener Gottes wären. Der Sinn ist: Nicht allein über die Israeliten (die Kinder), sondern auch über die dem Volke Israel sich anschließenden Heiden (Knechte und Mägde), werde ich meinen Geist ausgießen. - ('''18''') Zu den Bildern des Propheten vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt24|Mt 24,29]]'']. Da der heil. Petrus wohl nur die Erfüllung der Vorhersagung des Propheten dartun will, ist V. 19ff wahrscheinlich nur angeführt, um die ganze Stelle wiederzugeben. Deshalb ist es nicht notwendig, die Frage zu stellen, worauf diese Worte von dem Apostelfürsten bezogen werden, ob auf die Zerstörung Jerusalems oder auf das Weltende. - ('''19''') Der Tag, welcher sich als großer Tag des Herrn offenbaren wird, da der Herr selbst an ihm erscheint. - ('''20''') Unter „des Herrn Namen“ kann man hier den Namen Jesus verstehen. Vergl. V. 38; [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,12]]'']. - ('''21''') Griech.: Gesetzeslosen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor09|1Kor 9,21]]''] die Heiden, welche die Hinrichtung vollzogen. Die Bitterkeit des Vorwurfes mildert der heil Petrus wie einst Joseph den Tadel des Frevels seiner Brüder [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos45|1Mos 45,5]]''], durch den Hinweis, wie auch diese Tat höchster Bosheit von Gott vorhergesehen und zu weisem Ende geordnet wurde. - ('''22''') Griech.: Nachdem er die Schmerzen des Todes gelöst, d. i. aufgehoben hatte. Der Tod ist gleichsam in Wehen gedacht, bis er Christus in der Auferstehung wieder herausgab (Chrys.). Sehr wahrscheinlich ist, da der heil. Petrus aramäisch sprach, dass er nicht nach der Septuag. zitierte, sondern nach dem Grundtexte „Fallstricke des Todes“ sagte - ('''23''') [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps15|Ps 15,8]]''] - ('''24''') Hebr.: meine Seele. - ('''25''') Griech.: dem Totenreiche überlassen. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Petr03|1Petr3,19]]'']. - ('''26''') Die Verwesung schauen ist dasselbe, wie ihr unterworfen werden. Die beiden Glieder des Verses entsprechen den beiden Teilen des vorhergehenden Verses. - ('''27''') Im Hebr. steht das Futurum. In der Vulgata ist die Tatsache als schon eingetreten gedacht. - ('''28''') Das Folgende scheint eine Verkleinerung Davids einzuschließen, deshalb wählt Petrus einen beruhigenden Übergang. - ('''29''') David heißt Erzvater als Stammherr [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Sam07|2Sam 7,12]]''] und Gründer des königlichen Hauses, an welches die Verheißung des Messias geknüpft war. David ist gestorben und hat die Verwesung gesehen, also gilt die Prophezeiung von dem Messias. - ('''30''') Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist ein Beweis, dass Jesus der Messias ist, da er in der innigsten Verbindung mit Gott ist und (V. 36) diese Aussendung Gott selbst zugeschrieben wird. - ('''31''') Beweis aus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps109|Ps 109,1]]'']. Über die Partikel „bis“ vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt01|Mt 1,Anm. 24]]'']. Gott hat den Herrn zum Messias gemacht, indem er dem menschgewordenen Worte das Amt des Erlösers übergab. Zum Herrn hat Gott Jesus gemacht, da in der Menschwerdung die göttliche Natur sich mit der menschlichen so vereinigte, dass dieselbe Person Gott und Mensch zugleich war. Jetzt aber hat Gott ihn als Herrn und Christus vor aller Welt geoffenbart durch die Auferstehung und Geistessendung. - ('''32''') Sie erkennen, dass Israel seinen Erlöser gekreuzigt hat, und richten an den heil. Petrus die einst auch dem heil. Johannes gestellte Frage. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk03|Lk 3,10]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk12|Lk 12,14]]''] - ('''33''') Mit dem Worte: im Namen Jesu Christi wird nicht etwa die Taufformel ausgedrückt, denn diese enthält der Befehl des Herrn. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt28|Mt 28,19]]''] Der Name Jesu ist vielmehr die Zusammenfassung des Glaubens, und somit ist „Im Namen Jesu“ im Glauben und Gehorsam gegen Jesus, der dieses Mittel der Heiligung eingesetzt hat. Die Worte des heil. Petrus weisen auf einen tiefgreifenden Unterschied zwischen der christlichen Taufe und der des heil. Johannes hin: die Buße muss als notwendige Bedingung der christlichen Taufe vorausgehen, während die Taufe des heil. Johannes gleichsam die Pforte zur Buße bildete. - ('''34''') Wahrscheinlich bezeichnet der heil. Petrus hier die Heiden (Theoph., Ökum.) Vergleiche denselben Ausdruck [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Eph02|Eph 2,17]]'']. Andere Ausleger denken an die von Jerusalem entfernt lebenden Israeliten. - ('''35''') Mit dem Eifer des Apostels bezeugt Petrus die Wahrheit, welche rettet; mit der Liebe eines Vaters und Bruders mahnt er die zu Rettenden. Nach dem Griech. „beschwor und bat“ der Apostel, wohl die angebotene Gnade zu ergreifen. - ('''36''') Wie die Worte: „so viele der Herr berufen wird V. 39 die Notwendigkeit der göttlichen Gnade zeigen, so weisen diese auf die Freiheit des Menschen hin, den Glauben anzunehmen oder zurückzuweisen. - ('''37''') Sie ließen sich von den Aposteln weiter unterrichten und hielten an ihrer Lehre fest. - ('''38''') Griech.: In der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. D. h. sie waren geeint durch Glauben, brüderliches Zusammenhalten und Gottesdienst. Werden die Worte getrennt, so bedeutet die Gemeinschaft wohl das die erste Christengemeinde auszeichnende gemeinsame brüderliche Leben. Das „Brotbrechen“ ist ein dem Berichte über das letzte Abendmahl entlehnter Ausdruck [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt26|Mt 26,24]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mk14|Mk 14,22]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk22|Lk 22,19]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor11|1Kor 11,24]]''] vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor10|1Kor 10,16]]''] Das Brotbrechen im Verein mit dem Gebete entspricht unserer heutigen Messe, deren Feier hier also zum ersten Male erwähnt wird. - ('''39''') Eine solche Furcht hatten auch die Wunder des Heilandes hervorgerufen. Das Pfingstereignis, Petri Predigt und die folgenden Wunder ließen eine besondere Nähe Gottes fühlen und riefen daher auch Furcht wach. - ('''40''') Das Griech. kann bedeuten: Sie versammelten sich öfter oder: Sie waren eines Sinnes. - ('''41''') Der Glaubensmut drängte einige, auch die äußere Gleichheit unter den Brüdern herzustellen. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,34]]'']. Es bestand eine gemeinsame Kasse zur Unterstützung, in die manche Wohlhabende ihr ganzes Vermögen legten. Nicht alle indes verließen alles, wie [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg12|Apg 12,12]]''] und [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,36]]''] zeigen. Nur in der Muttergemeinde Jerusalem wurde dieses Ideal christlicher Lebensgemeinschaft auch unter den gewöhnlichen Gläubigen äußerlich verwirklicht. Bald gestaltete sich hier wie in den anderen Kirchen das gemeinsame Leben (Cönobium) zu dem von einzelnen besonders erwählten Stande der ausschließlich Gottgeweihten. - ('''42''') Im Tempel hatte Christus das Volk gelehrt, in der Zeit zwischen der Himmelfahrt und dem Pfingstfeste waren die Jünger in denselben hinaufgegangen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk24|Lk 24,53]]''], und auch nachher besuchten sie denselben. (V. 3,1) So erhielten sie Gelegenheit, dem jüdischen Volke das Heil zu verkünden. Die Vorbilder vermittelten den Übergang zur Wahrheit. Das heil. Opfer ward nach dem Griech. „zu Hause“ (im Gegensatze zu dem Tempel) gefeiert. Auch [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Roem16|Roem 16,5]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor16|1Kor 16,19]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Kol04|Kol 4,15]]''] (Philem. V. 2) kann so aufgefasst werden, dass unter der „Kirche“ ein Teil der Gläubigen zu verstehen ist, welche in dem genannten Hause ihre gottesdienstlichen Versammlungen abhielten, nicht aber, als ob dies Haus das gemeinsame Gotteshaus aller dort befindlichen Christen gewesen wäre. - ('''43''') Der Herr ist der Heiland. Nie duldet indes die Welt lange den Gottesfrieden. Wie der Meister [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt10|Mt 10,25]]''] musste die Kirche ihre Wohltaten mit Undank gelohnt sehen. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh10|Joh 10,32]]'']
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Kap. 2 ('''1''') Genauer nach dem Griech.: Als der Pfingsttag gekommen war. Das Pfingstfest war im A. B. das Fest der Ernte. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos34|2Mos 34,22]]''] Da die fünfzig Tage vom zweiten Osterfeiertage gezählt wurden (also in jenem Jahre vom ersten Tage der jüdischen Woche) unserem Sonntage, dem Auferstehungstage, so begreift sich die altchristliche Einrichtung, das Pfingstfest auf einen Sonntag fallen zu lassen. Am Pfingstfeste wurden bei den Juden zwei Brote als Erstlinge der Weizenernte dargebracht und in späteren Zeiten die Gesetzgebung auf dem Sinai gefeiert. So wurden heut dem Herrn die Erstlinge des Geistes dargebracht (denn der Geist brachte sofort Wirkungen hervor V. 14) und die Kirche gegründet. Alle [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg01|Apg 1,15]]''] erwähnten sind beisammen und empfangen den Heil. Geist. Die Überlieferung der Kirche von Jerusalem bezeichnete als Stätte der Geistessendung den [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg01|Apg 1,13]]''] erwähnten Versammlungssaal (Cyr. v. Jerus.). - ('''2''') Es erhob sich nicht ein wirklicher Sturmwind, so wenig wie ein körperliches Feuer herabstieg, sondern die äußere Erscheinung von Wind und Feuer sind Sinnbilder, durch welche der Heil. Geist sein Kommen und seine Gegenwart zu erkennen gab. Der Wind ist wegen seiner Unsichtbarkeit ein Bild des Geistes, mit dem er in der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache gleichen Namen führt. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh03|Joh 3,8]]'']. Ebenso ist das Feuer Sinnbild des Heil. Geistes, wegen seiner alles im Innersten durchdringenden, reinigenden und in seine eigene Natur umwandelnden Kraft. So erfüllte sich, was Johannes der Täufer von Christus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt03|Mt 3,11]]''] verkündet. Das Feuer erschien in Gestalt von Zungen, zur Andeutung der äußeren Wirksamkeit des Heil. Geistes, der Gabe der Sprachen, ist aber auch ein Sinnbild der Gegenwart Gottes. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Mos03|2Mos 3,2.6]]''] - ('''3''') Wohl hatten die Apostel den Heil. Geist empfangen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh20|Joh 20,22]]''] aber damals war ihnen nur die Gewalt der Sündenvergebung erteilt worden. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Jes11|Jes 11,2]]''] Doch heute werden sie angetan mit der Kraft aus der Höhe, dass sie in der Folge mutig überall den Glauben verkünden (Eug. IV); heute wird in ihnen die heiligmachende Gnade vermehrt und sie erhalten jene besondere Gnade, welche im Sakramente der Firmung erteilt wird (Thom.). Heut wird auch [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh14|Joh 14,26]]''] erfüllt, denn der Geist macht sie unfehlbar in der Lehre. - ('''4''') Die Jünger redeten in den V. 9 – 11 aufgezählten Sprachen, damit es offenbar werde, dass alle Völker im Christentum die Seligkeit erlangen sollen. Diese Sprachengabe ist nicht zu verwechseln mit der anderen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg10|Apg 10,46]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor14|1Kor 14,2]]''] erwähnten Gabe des Heil. Geistes. Übrigens gehen auch die Ansichten über die Natur dieser Sprachengabe auseinander. Die einen sind der Ansicht, die Apostel hätten in ihrer Sprache geredet; seien jedoch von den Hörern allen Volkes durch die Erleuchtung des Heil. Geistes so verstanden worden, als hörten dieselben ihre eigene Sprache (Greg. Naz., Ökum.). Die meisten Erklärer indes sind der Meinung, dass der Heil. Geist den Aposteln die Gabe jeder Sprache verlieh (Cyr. v. Jerus., Aug., Leo, Greg. d. Gr.). Einige sind endlich der Ansicht, dass beide Arten der Sprachengabe am Pfingstfeste verliehen wurden (V. 37 die erstere, V. 6 die zweite). (Bed., Thom. v. Aqu.). - ('''5''') Das Beiwort gottesfürchtig kennzeichnet die Ursache ihrer Übersiedlung nach Jerusalem (Chrys.). - ('''6''') Nach Flav. Josephus kamen bis zu drei Millionen fremder Juden zu den Festzeiten nach Jerusalem. Die Parther sind wohl das jenseits des Euphrat wohnende, den Römern feindliche Volk, die Elamiter bewohnten eine Landschaft am persischen Meerbusen. Asien ist das Küstenland mit der Hauptstadt Ephesus. Libyen zerfiel in Unter- und Oberlibyen. Letzteres hieß das cyrenäische, weil Cyrene die bekannteste Stadt in Oberlibyen war. - ('''7''') Wahrscheinlich hatten sich auch die aus Rom Eingewanderten in Jerusalem ansässig gemacht. - ('''8''') Die großen Taten Gottes sind alles, was Gott von Moses bis auf Christus und jetzt durch die Ausgießung des Heiligen Geistes getan hat. Der menschliche Stolz hatte bewirkt, dass die Sprachen verwirrt wurden, und die Menschen getrennt. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos11|1Mos 11,7ff]]''] Der göttliche Geist macht, dass die verschiedensten Menschen gleichzeitig dasselbe verstehen, und eint sie. - ('''9''') Die Wiederholung der bereits V. 7 gegebenen Schilderung hebt die Darstellung. Griech.: Alle staunten und waren in Verlegenheit, nämlich wie sie sich diesen Vorgang erklären sollten. - ('''10''') Unter diesen sind wohl Juden von Jerusalem, Anhänger der Pharisäer, Feinde der Jünger, wie sie Feinde des Meisters gewesen. Sie gehören zu jenen, von denen der Psalmist [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps01|Ps 1,1]]''] redet. Erscheinung und Wirkung des Heiligsten führen sie (wie die von [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk11|Lk 11,15]]''] Genannten) auf eine möglich niedrige und unheilige Ursache zurück. - ('''11''') Das Haupt der Kirche, der Verteidiger des Glaubens, des sichtbare Stellvertreter des unsichtbaren Hirten ist auch der Mund der Kirche (Chrys.) und ergreift zuerst das Wort. Die Ankündigung seiner Rede hat ebenso wie diese selbst etwas Feierliches. Es ist die erste Belehrung der soeben gestifteten Kirche an die Menschheit. - ('''12''') Der heil. Petrus redet wohl, zumal er sich besonders an die Bewohner von Jerusalem und Judäa wendet, aramäisch. Die Rede zerfällt in zwei Teile: V. 16 – 21 zeigt er, dass nicht Trunkenheit die Ursache der begeisterten und wunderbaren Rede sei, sondern die von Propheten vorhergesagte Geistesausgießung; V. 22 -36, dass Jesus der erwartete Messias sei, welcher auferstanden, und in den Himmel aufgestiegen ist, und den Heil. Geist gesendet hat. „Es ist die dritte Stunde“, morgens gegen 9 Uhr. Um diese Stunde, in der ersten der drei Gebetsstunden, zur Zeit des Morgenopfers ist niemand berauscht. - ('''13''') Die Worte werden aus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Joe02|Joel 2,28-31]]''] frei nach der Septuag. gegeben. - ('''14''') Die letzten Tage: die ganze Zeit von der Ankunft des Messias bis zum Ende der Welt. Sie ist die letzte, weil in ihr alle Hoffnungen und Vorhersagungen der Propheten ihre Erfüllung finden und sie die letzte Periode der Entwicklung des Reiches Gottes auf Erden ist. Sie ist für die Juden die letzte in dem Sinne, als vor dem Untergange von Jerusalem noch eine Gnadenfrist angeboten war. - ('''15''') Im Hebr. steht: meinen Geist. Die Übersetzung der Septuag. drückt aus, dass, wenn der Geist auch noch so reichlich mitgeteilt (ausgegossen) wird, dennoch seine Fülle von keinem Menschen erlangt wird. - ('''16''') Das Wort weissagen bedeutet ebenso jede übernatürliche Erkenntnis des Verborgenen, wie jede von Gott angeredete Rede, durch welche der Nächste erbaut und belehrt wird. - ('''17''') „Gesichte“: sie werden Übernatürliches sehen oder doch auf übernatürliche Weise das aus der Offenbarung Bekannte erkennen. „Traumgesicht“: es ist selbstverständlich an Träume zu denken, die von Gott verursacht sind, und eine höhere Wahrheit erkennen lassen. „Meine“ in V. 15 ist nicht im hebr. Texte Joels und ist nicht notwendig, da es sonst leicht scheinen könnte, als ob die V. 17 Genannten nicht Diener Gottes wären. Der Sinn ist: Nicht allein über die Israeliten (die Kinder), sondern auch über die dem Volke Israel sich anschließenden Heiden (Knechte und Mägde), werde ich meinen Geist ausgießen. - ('''18''') Zu den Bildern des Propheten vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt24|Mt 24,29]]'']. Da der heil. Petrus wohl nur die Erfüllung der Vorhersagung des Propheten dartun will, ist V. 19ff wahrscheinlich nur angeführt, um die ganze Stelle wiederzugeben. Deshalb ist es nicht notwendig, die Frage zu stellen, worauf diese Worte von dem Apostelfürsten bezogen werden, ob auf die Zerstörung Jerusalems oder auf das Weltende. - ('''19''') Der Tag, welcher sich als großer Tag des Herrn offenbaren wird, da der Herr selbst an ihm erscheint. - ('''20''') Unter „des Herrn Namen“ kann man hier den Namen Jesus verstehen. Vergl. V. 38; [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,12]]'']. - ('''21''') Griech.: Gesetzeslosen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor09|1Kor 9,21]]''] die Heiden, welche die Hinrichtung vollzogen. Die Bitterkeit des Vorwurfes mildert der heil Petrus wie einst Joseph den Tadel des Frevels seiner Brüder [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:1Mos45|1Mos 45,5]]''], durch den Hinweis, wie auch diese Tat höchster Bosheit von Gott vorhergesehen und zu weisem Ende geordnet wurde. - ('''22''') Griech.: Nachdem er die Schmerzen des Todes gelöst, d. i. aufgehoben hatte. Der Tod ist gleichsam in Wehen gedacht, bis er Christus in der Auferstehung wieder herausgab (Chrys.). Sehr wahrscheinlich ist, da der heil. Petrus aramäisch sprach, dass er nicht nach der Septuag. zitierte, sondern nach dem Grundtexte „Fallstricke des Todes“ sagte - ('''23''') [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps15|Ps 15,8]]''] - ('''24''') Hebr.: meine Seele. - ('''25''') Griech.: dem Totenreiche überlassen. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Petr03|1Petr3,19]]'']. - ('''26''') Die Verwesung schauen ist dasselbe, wie ihr unterworfen werden. Die beiden Glieder des Verses entsprechen den beiden Teilen des vorhergehenden Verses. - ('''27''') Im Hebr. steht das Futurum. In der Vulgata ist die Tatsache als schon eingetreten gedacht. - ('''28''') Das Folgende scheint eine Verkleinerung Davids einzuschließen, deshalb wählt Petrus einen beruhigenden Übergang. - ('''29''') David heißt Erzvater als Stammherr [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:2Sam07|2Sam 7,12]]''] und Gründer des königlichen Hauses, an welches die Verheißung des Messias geknüpft war. David ist gestorben und hat die Verwesung gesehen, also gilt die Prophezeiung von dem Messias. - ('''30''') Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist ein Beweis, dass Jesus der Messias ist, da er in der innigsten Verbindung mit Gott ist und (V. 36) diese Aussendung Gott selbst zugeschrieben wird. - ('''31''') Beweis aus [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Ps109|Ps 109,1]]'']. Über die Partikel „bis“ vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt01|Mt 1,Anm. 24]]'']. Gott hat den Herrn zum Messias gemacht, indem er dem menschgewordenen Worte das Amt des Erlösers übergab. Zum Herrn hat Gott Jesus gemacht, da in der Menschwerdung die göttliche Natur sich mit der menschlichen so vereinigte, dass dieselbe Person Gott und Mensch zugleich war. Jetzt aber hat Gott ihn als Herrn und Christus vor aller Welt geoffenbart durch die Auferstehung und Geistessendung. - ('''32''') Sie erkennen, dass Israel seinen Erlöser gekreuzigt hat, und richten an den heil. Petrus die einst auch dem heil. Johannes gestellte Frage. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk03|Lk 3,10]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk12|Lk 12,14]]''] - ('''33''') Mit dem Worte: im Namen Jesu Christi wird nicht etwa die Taufformel ausgedrückt, denn diese enthält der Befehl des Herrn. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt28|Mt 28,19]]''] Der Name Jesu ist vielmehr die Zusammenfassung des Glaubens, und somit ist „Im Namen Jesu“ im Glauben und Gehorsam gegen Jesus, der dieses Mittel der Heiligung eingesetzt hat. Die Worte des heil. Petrus weisen auf einen tiefgreifenden Unterschied zwischen der christlichen Taufe und der des heil. Johannes hin: die Buße muss als notwendige Bedingung der christlichen Taufe vorausgehen, während die Taufe des heil. Johannes gleichsam die Pforte zur Buße bildete. - ('''34''') Wahrscheinlich bezeichnet der heil. Petrus hier die Heiden (Theoph., Ökum.) Vergleiche denselben Ausdruck [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Eph02|Eph 2,17]]'']. Andere Ausleger denken an die von Jerusalem entfernt lebenden Israeliten. - ('''35''') Mit dem Eifer des Apostels bezeugt Petrus die Wahrheit, welche rettet; mit der Liebe eines Vaters und Bruders mahnt er die zu Rettenden. Nach dem Griech. „beschwor und bat“ der Apostel, wohl die angebotene Gnade zu ergreifen. - ('''36''') Wie die Worte: „so viele der Herr berufen wird" V. 39 die Notwendigkeit der göttlichen Gnade zeigen, so weisen diese auf die Freiheit des Menschen hin, den Glauben anzunehmen oder zurückzuweisen. - ('''37''') Sie ließen sich von den Aposteln weiter unterrichten und hielten an ihrer Lehre fest. - ('''38''') Griech.: In der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. D. h. sie waren geeint durch Glauben, brüderliches Zusammenhalten und Gottesdienst. Werden die Worte getrennt, so bedeutet die Gemeinschaft wohl das die erste Christengemeinde auszeichnende gemeinsame brüderliche Leben. Das „Brotbrechen“ ist ein dem Berichte über das letzte Abendmahl entlehnter Ausdruck [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt26|Mt 26,24]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mk14|Mk 14,22]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk22|Lk 22,19]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor11|1Kor 11,24]]''] vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor10|1Kor 10,16]]''] Das Brotbrechen im Verein mit dem Gebete entspricht unserer heutigen Messe, deren Feier hier also zum ersten Male erwähnt wird. - ('''39''') Eine solche Furcht hatten auch die Wunder des Heilandes hervorgerufen. Das Pfingstereignis, Petri Predigt und die folgenden Wunder ließen eine besondere Nähe Gottes fühlen und riefen daher auch Furcht wach. - ('''40''') Das Griech. kann bedeuten: Sie versammelten sich öfter oder: Sie waren eines Sinnes. - ('''41''') Der Glaubensmut drängte einige, auch die äußere Gleichheit unter den Brüdern herzustellen. Vergl. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,34]]'']. Es bestand eine gemeinsame Kasse zur Unterstützung, in die manche Wohlhabende ihr ganzes Vermögen legten. Nicht alle indes verließen alles, wie [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg12|Apg 12,12]]''] und [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Apg04|Apg 4,36]]''] zeigen. Nur in der Muttergemeinde Jerusalem wurde dieses Ideal christlicher Lebensgemeinschaft auch unter den gewöhnlichen Gläubigen äußerlich verwirklicht. Bald gestaltete sich hier wie in den anderen Kirchen das gemeinsame Leben (Cönobium) zu dem von einzelnen besonders erwählten Stande der ausschließlich Gottgeweihten. - ('''42''') Im Tempel hatte Christus das Volk gelehrt, in der Zeit zwischen der Himmelfahrt und dem Pfingstfeste waren die Jünger in denselben hinaufgegangen [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Lk24|Lk 24,53]]''], und auch nachher besuchten sie denselben. (V. 3,1) So erhielten sie Gelegenheit, dem jüdischen Volke das Heil zu verkünden. Die Vorbilder vermittelten den Übergang zur Wahrheit. Das heil. Opfer ward nach dem Griech. „zu Hause“ (im Gegensatze zu dem Tempel) gefeiert. Auch [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Roem16|Roem 16,5]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:1Kor16|1Kor 16,19]], [[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Kol04|Kol 4,15]]''] (Philem. V. 2) kann so aufgefasst werden, dass unter der „Kirche“ ein Teil der Gläubigen zu verstehen ist, welche in dem genannten Hause ihre gottesdienstlichen Versammlungen abhielten, nicht aber, als ob dies Haus das gemeinsame Gotteshaus aller dort befindlichen Christen gewesen wäre. - ('''43''') Der Herr ist der Heiland. Nie duldet indes die Welt lange den Gottesfrieden. Wie der Meister [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Mt10|Mt 10,25]]''] musste die Kirche ihre Wohltaten mit Undank gelohnt sehen. [''[[:Kategorie:BIBLIA SACRA:NT:Joh10|Joh 10,32]]'']
  
 
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Aktuelle Version vom 11. September 2019, 09:29 Uhr

Actus Apostolorum

Die Apostelgeschichte - Kap. 2

2. Gründung und erste Anfänge der Kirche zu Jerusalem. (Kap. 2) Ausgießung des Heil. Geistes. (V. 13) Pfingstrede des heil. Petrus. (V. 36) Wirkung der Rede des heil. Petrus. (V. 40) Die ersten Gläubigen und ihr Leben.

1. Et cum complerentur dies Pentecostes, erant omnes pariter in eodem loco:
2. Et factus est repente de cœlo sonus, tamquam advenientis spiritus vehementis, et replevit totam domum ubi erant sedentes.
3. Et apparuerunt illis dispertitæ linguæ tamquam ignis, seditque supra singulos eorum:
4. Et repleti sunt omnes Spiritu sancto, et cœperunt loqui variis linguis, prout Spiritus sanctus dabat eloqui illis.
5. Erant autem in Jerusalem habitantes Judæi, viri religiosi ex omni natione, quæ sub cœlo est.
6. Facta autem hac voce, convenit multitudo, et mente confusa est, quoniam audiebat unusquisque lingua sua illos loquentes.
7. Stupebant autem omnes, et mirabantur, dicentes: Nonne ecce omnes isti, qui loquuntur Galilæi sunt,
8. Et quomodo nos audivimus unusquisque linguam nostrum, in qua nati sumus?
9. Parthi, et Medi, et Ælamitæ, et qui habitant Mesopotamiam, Judæam, et Cappadociam, Pontum, et Asiam,
10. Phrygiam, et Pamphyliam, Ægyptum, et partes Libyæ, quæ est circa Cyrenen, et advenæ Romani.
11. Judæi quoque, et Proselyti, Cretes, et Arabes: audivimus eos loquentes nostris linguis magnalia Dei.
12. Stupebant autem omnes, et mirabantur ad invicem dicentes: Quidnam vult hoc esse?
13. Alii autem irridentes dicebant: Quia musto pleni sunt isti.
14. Stans autem Petrus cum undecim levavit vocem suam, et locutus est eis: Viri Judæi, et qui habitatis Jerusalem universi, hoc vobis notum sit, et auribus percipite verba mea.
15. Non enim, sicut vos æstimatis, hi ebrii sunt, cum sit hora diei tertia:
16. Sed hoc est, quod dictum est per prophetam Joel:
17. Et erit in novissimis diebus (dicit Dominus) effundam de Spiritu meo super omnem carnem: et prophetabunt filii vestri, et filiæ vestræ, et juvenes vestri visiones videbunt, et seniores vestri somnia somniabunt.
18. Et quidem super servos meos, et super ancillas meas in diebus illis effundam de Spiritu meo, et prophetabunt:
19. Et dabo prodigia in cœlo sursum, et signa in terra deorsum, sanguinem, et ignem, et vaporem fumi:
20. Sol convertetur in tenebras, et luna in sanguinem, antequam veniat dies Domini magnus et manifestus.
21. Et erit: omnis, quicumque invocaverit nomen Domini, salvus erit.
22. Viri Israelitæ, audite verba hæc: Jesum Nazarenum, virum approbatum a Deo in vobis, virtutibus et prodigiis, et signis, quæ fecit Deus per illum in medio vestri, sicut et vos scitis:
23. Hunc definito consilio, et præscientia Dei traditum, per manus iniquorum affligentes interemistis:
24. Quem Deus suscitavit, solutis doloribus inferni, juxta quod impossibile erat teneri illum ab eo.
25. David enim dicit in eum: Providebam Dominum in conspectu meo semper: quoniam a dextris est mihi ne commovear:
26. Propter hoc lætatum est cor meum, et exsultavit lingua mea, insuper et caro mea requiescat in spe:
27. Quoniam non derelinques animam meam in inferno, nec dabis Sanctum tuum videre corruptionem.
28. Notas mihi fecisti vias vitæ: et replebis me jucunditate cum facie tua.
29. Viri fratres, liceat audenter dicere ad vos de patriarcha David quoniam defunctus est, et sepultus: et sepulcrum ejus est apud nos usque in hodiernum diem.
30. Propheta igitur cum esset, et sciret quia jurejurando jurasset illi Deus de fructu lumbi ejus sedere super sedem ejus:
31. Providens locutus est de resurrectione Christi, quia neque derelictus est in inferno, neque caro ejus vidit corruptionem.
32. Hunc Jesum resuscitavit Deus, cujus omnes nos testes sumus.
33. Dextera igitur Dei exaltatus, et promissione Spiritus sancti accepta a Patre, effudit hunc, quem vos videtis, et auditis.
34. Non enim David ascendit in cœlum: dixit autem ipse: Dixit Dominus Domino meo, sede a dextris meis.
35. Donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum.
36. Certissime sciat ergo omnis domus Israel, quia et Dominum eum, et Christum fecit Deus, hunc Jesum, quem vos crucifixistis.
37. His autem auditis, compuncti sunt corde, et dixerunt ad Petrum, et ad reliquos Apostolos: Quid faciemus, viri fratres?
38. Petrus vero ad illos: Pœnitentiam (inquit) agite, et baptizetur unusquisque vestrum in nomine Jesu Christe in remissionem peccatorum vestrorum: et accipietis donum Spiritus sancti.
39. Vobis enim est repromissio, et filiis vestris, et omnibus, qui longe sunt, quoscumque advocaverit Dominus Deus noster.
40. Aliis etiam verbis plurimis testificatus est, et exhortabatur eos, dicens: Salvamini a generatione ista prava.
41. Qui ergo receperunt sermonem ejus, baptizati sunt: et appositæ sunt in die illa animæ circiter tria millia.
42. Erant autem perseverantes in doctrina Apostolorum, et communicatione fractionis panis, et orationibus.
43. Fiebat autem omni animæ timor: multa quoque prodigia, et signa per Apostolos in Jerusalem fiebant, et metus erat magnus in universis.
44. Omnes etiam, qui credebant, erant pariter, et habebant omnia communia.
45. Possessiones et substantias vendebant, et dividebant illa omnibus, prout cuique opus erat.
46. Quotidie quoque perdurantes unanimiter in templo, et frangentes circa domos panem, sumebant cibum cum exsultatione, et simplicitate cordis,
47. Collaudantes Deum, et habentes gratiam ad omnen plebem. Dominus autem augebat qui salvi fierent quotidie in idipsum.

1. Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle einmütig an demselben Orte.1

2. Da entstand plötzlich vom Himmel herab ein Brausen, gleich dem eines daherfahrenden gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen.
3. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und es ließ sich auf einen jeden von ihnen nieder.2
4. Und es wurden alle mit dem Heiligen Geiste erfüllet,3 und fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden, so wie der Heilige Geist ihnen verlieh auszusprechen.4 [Mt 3,11, Joh 7,39]
5. Es waren aber in Jerusalem Juden wohnhaft, gottesfürchtige Männer,5 aus allen Völkern, die unter dem Himmel sind.
6. Als nun dieses Getöse entstand, kam die ganze Menge zusammen, und ward bestürzt; denn es hörte sie ein jeder in seiner Sprache reden.

7. Es waren aber alle außer sich, und sprachen voll Verwunderung zueinander: Sehet, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer?
8. Wie hören wir denn ein jeder unsere eigene Sprache, in der wir geboren sind?
9. Parther,6 Meder, Elamiter und Bewohner von Mesopotamien, von Judäa, Cappadocien, Pontus und Asien,
10. von Phrygien und Pamphylien, Ägypten und den Landstrichen Libyens bei Cyrene, und Fremdlinge aus Rom,7
11. Juden sowohl wie Bekehrte, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkündigen.8
12. Und alle staunten, und sprachen voll Verwunderung9 zueinander: Was mag dies wohl bedeuten?
13. Einige aber spotteten, und sagten: Sie sind voll süßen Weines!10
14. Da stand Petrus auf mit den Elfen, und seine Stimme erhebend sprach er zu ihnen:11 Ihr Männer von Judäa, und alle ihr Bewohner von Jerusalem, kund sei euch dieses und vernehmet meine Worte!12
15. Diese sind nicht trunken, wie ihr meinet, es ist ja erst die dritte Stunde des Tages;
16. sondern dies ist, was durch den Propheten Joel gesagt ist:13
17. Es wird geschehen in den letzten Tagen14 (spricht der Herr), ich werde von meinem Geiste15 über alles Fleisch ausgießen; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen,16 eure Jünglinge werden Gesichte schauen, und euren Greisen werden Traumgesichte erscheinen.17
18. Ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geiste ausgießen, und sie werden weissagen.
19. Und ich werde Wunderzeichen am Himmel oben, und Zeichen auf der Erde unten geben, Blut und Feuer, Dampf und Rauch.18
20. Die Sonne wird in Dunkel verwandelt werden und der Mond in Blut, ehedenn der große und offenbare Tag des Herrn19 kommt.
21. Dann wird es geschehen: Ein jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.20
22. Ihr Männer von Israel! höret diese Worte: Jesus von Nazareth, einen Mann, dem Gott unter euch Zeugnis gab durch Machterweise, Wunder und Zeichen, welche Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr auch selbst wisset,
23. diesen, der nach dem festgesetzten Ratschlusse und dem Vorherwissen Gottes überliefert ward, habt ihr durch die Hände der Gottlosen21 an´s Kreuz geschlagen und getötet.
24. Gott aber hat ihn auferweckt, von dem Schmerze des Totenreiches22 ihn befreiend, wie es denn unmöglich war, dass er von demselben festgehalten würde.
25. Denn David sagt von ihm:23 Ich sah den Herrn vor meinen Augen allezeit; denn er ist mir zur Rechten, damit ich nicht wanke.

26. Darum freute sich mein Herz, und meine Zunge frohlockte,24 ja auch mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen.
27. Denn du wirst meine Seele nicht im Totenreiche25 lassen, noch zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung schaue.26
28. Du hast mir die Pfade des Lebens kundgetan,27 du wirst mich mit Wonnen erfüllen vor deinem Angesichte.
29. Ihr Brüder!28 Es sei mir gestattet, freimütig zu euch zu reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf den heutigen Tag29 [3Koe 2,10]
30. Weil er nun ein Prophet war, und wusste, dass ihm Gott mit einem Eide geschworen, es werde einer seiner Nachkommen auf seinem Throne sitzen,
31. so hat er in die Zukunft schauend von der Auferstehung Christi gesprochen, dass dieser nämlich nicht im Totenreiche gelassen ward, noch sein Fleisch die Verwesung schaute.
32. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeuge.
33. Nachdem er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist, und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er diesen ausgegossen, wie ihr sehet und höret.30
34. Denn David ist nicht in den Himmel aufgefahren; er sagt aber selbst: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,
35. bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.31
36. So wisse denn das ganze Haus Israel unfehlbar gewiss, dass Gott ihn zum Herrn und Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuziget habet.
37. Als sie dies hörten, wurden sie im Herzen zerknirscht, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder?32
38. Petrus aber sprach zu ihnen: Tuet Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi33 zur Vergebung eurer Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39. Denn euch gilt die Verheißung, und euren Kindern und allen, die ferne sind,34 so viele immer der Herr, unser Gott, berufen wird.
40. Noch mit sehr vielen anderen Worten legte er Zeugnis ab,35 und ermahnte sie, indem er sprach: Rettet euch hinweg von diesem verderbten Geschlechte!
41. Diejenigen, welche sein Wort annahmen,36 wurden getauft. Und es wurden an jenem Tage hinzugetan bei dreitausend Seelen.
42. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel,37 in der Gemeinschaft des Brotbrechens und in den Gebeten.38
43. Und es kam Furcht über alle Seelen; auch geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel in Jerusalem, und die Furcht war bei allen groß.39
44. Auch hielten sich alle Gläubigen zusammen,40 und hatten alles gemeinsam.41
45. Ihr Hab und Gut verkauften sie, und teilten davon allen mit, nach eines jeden Bedürfnis.
46. Auch verharrten sie täglich einmütig im Tempel,42 und brachen das Brot von Haus zu Haus und nahmen Speise in Freudigkeit und Einfalt des Herzens,
47. und lobten Gott, und alles Volk43 war ihnen wohlgeneigt. Der Herr aber führte täglich diejenigen, welche selig werden sollten, der Gemeinde zu.


Fußnote

Kap. 2 (1) Genauer nach dem Griech.: Als der Pfingsttag gekommen war. Das Pfingstfest war im A. B. das Fest der Ernte. [2Mos 34,22] Da die fünfzig Tage vom zweiten Osterfeiertage gezählt wurden (also in jenem Jahre vom ersten Tage der jüdischen Woche) unserem Sonntage, dem Auferstehungstage, so begreift sich die altchristliche Einrichtung, das Pfingstfest auf einen Sonntag fallen zu lassen. Am Pfingstfeste wurden bei den Juden zwei Brote als Erstlinge der Weizenernte dargebracht und in späteren Zeiten die Gesetzgebung auf dem Sinai gefeiert. So wurden heut dem Herrn die Erstlinge des Geistes dargebracht (denn der Geist brachte sofort Wirkungen hervor V. 14) und die Kirche gegründet. Alle [Apg 1,15] erwähnten sind beisammen und empfangen den Heil. Geist. Die Überlieferung der Kirche von Jerusalem bezeichnete als Stätte der Geistessendung den [Apg 1,13] erwähnten Versammlungssaal (Cyr. v. Jerus.). - (2) Es erhob sich nicht ein wirklicher Sturmwind, so wenig wie ein körperliches Feuer herabstieg, sondern die äußere Erscheinung von Wind und Feuer sind Sinnbilder, durch welche der Heil. Geist sein Kommen und seine Gegenwart zu erkennen gab. Der Wind ist wegen seiner Unsichtbarkeit ein Bild des Geistes, mit dem er in der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache gleichen Namen führt. Vergl. [Joh 3,8]. Ebenso ist das Feuer Sinnbild des Heil. Geistes, wegen seiner alles im Innersten durchdringenden, reinigenden und in seine eigene Natur umwandelnden Kraft. So erfüllte sich, was Johannes der Täufer von Christus [Mt 3,11] verkündet. Das Feuer erschien in Gestalt von Zungen, zur Andeutung der äußeren Wirksamkeit des Heil. Geistes, der Gabe der Sprachen, ist aber auch ein Sinnbild der Gegenwart Gottes. [2Mos 3,2.6] - (3) Wohl hatten die Apostel den Heil. Geist empfangen [Joh 20,22] aber damals war ihnen nur die Gewalt der Sündenvergebung erteilt worden. [Jes 11,2] Doch heute werden sie angetan mit der Kraft aus der Höhe, dass sie in der Folge mutig überall den Glauben verkünden (Eug. IV); heute wird in ihnen die heiligmachende Gnade vermehrt und sie erhalten jene besondere Gnade, welche im Sakramente der Firmung erteilt wird (Thom.). Heut wird auch [Joh 14,26] erfüllt, denn der Geist macht sie unfehlbar in der Lehre. - (4) Die Jünger redeten in den V. 9 – 11 aufgezählten Sprachen, damit es offenbar werde, dass alle Völker im Christentum die Seligkeit erlangen sollen. Diese Sprachengabe ist nicht zu verwechseln mit der anderen [Apg 10,46, 1Kor 14,2] erwähnten Gabe des Heil. Geistes. Übrigens gehen auch die Ansichten über die Natur dieser Sprachengabe auseinander. Die einen sind der Ansicht, die Apostel hätten in ihrer Sprache geredet; seien jedoch von den Hörern allen Volkes durch die Erleuchtung des Heil. Geistes so verstanden worden, als hörten dieselben ihre eigene Sprache (Greg. Naz., Ökum.). Die meisten Erklärer indes sind der Meinung, dass der Heil. Geist den Aposteln die Gabe jeder Sprache verlieh (Cyr. v. Jerus., Aug., Leo, Greg. d. Gr.). Einige sind endlich der Ansicht, dass beide Arten der Sprachengabe am Pfingstfeste verliehen wurden (V. 37 die erstere, V. 6 die zweite). (Bed., Thom. v. Aqu.). - (5) Das Beiwort gottesfürchtig kennzeichnet die Ursache ihrer Übersiedlung nach Jerusalem (Chrys.). - (6) Nach Flav. Josephus kamen bis zu drei Millionen fremder Juden zu den Festzeiten nach Jerusalem. Die Parther sind wohl das jenseits des Euphrat wohnende, den Römern feindliche Volk, die Elamiter bewohnten eine Landschaft am persischen Meerbusen. Asien ist das Küstenland mit der Hauptstadt Ephesus. Libyen zerfiel in Unter- und Oberlibyen. Letzteres hieß das cyrenäische, weil Cyrene die bekannteste Stadt in Oberlibyen war. - (7) Wahrscheinlich hatten sich auch die aus Rom Eingewanderten in Jerusalem ansässig gemacht. - (8) Die großen Taten Gottes sind alles, was Gott von Moses bis auf Christus und jetzt durch die Ausgießung des Heiligen Geistes getan hat. Der menschliche Stolz hatte bewirkt, dass die Sprachen verwirrt wurden, und die Menschen getrennt. [1Mos 11,7ff] Der göttliche Geist macht, dass die verschiedensten Menschen gleichzeitig dasselbe verstehen, und eint sie. - (9) Die Wiederholung der bereits V. 7 gegebenen Schilderung hebt die Darstellung. Griech.: Alle staunten und waren in Verlegenheit, nämlich wie sie sich diesen Vorgang erklären sollten. - (10) Unter diesen sind wohl Juden von Jerusalem, Anhänger der Pharisäer, Feinde der Jünger, wie sie Feinde des Meisters gewesen. Sie gehören zu jenen, von denen der Psalmist [Ps 1,1] redet. Erscheinung und Wirkung des Heiligsten führen sie (wie die von [Lk 11,15] Genannten) auf eine möglich niedrige und unheilige Ursache zurück. - (11) Das Haupt der Kirche, der Verteidiger des Glaubens, des sichtbare Stellvertreter des unsichtbaren Hirten ist auch der Mund der Kirche (Chrys.) und ergreift zuerst das Wort. Die Ankündigung seiner Rede hat ebenso wie diese selbst etwas Feierliches. Es ist die erste Belehrung der soeben gestifteten Kirche an die Menschheit. - (12) Der heil. Petrus redet wohl, zumal er sich besonders an die Bewohner von Jerusalem und Judäa wendet, aramäisch. Die Rede zerfällt in zwei Teile: V. 16 – 21 zeigt er, dass nicht Trunkenheit die Ursache der begeisterten und wunderbaren Rede sei, sondern die von Propheten vorhergesagte Geistesausgießung; V. 22 -36, dass Jesus der erwartete Messias sei, welcher auferstanden, und in den Himmel aufgestiegen ist, und den Heil. Geist gesendet hat. „Es ist die dritte Stunde“, morgens gegen 9 Uhr. Um diese Stunde, in der ersten der drei Gebetsstunden, zur Zeit des Morgenopfers ist niemand berauscht. - (13) Die Worte werden aus [Joel 2,28-31] frei nach der Septuag. gegeben. - (14) Die letzten Tage: die ganze Zeit von der Ankunft des Messias bis zum Ende der Welt. Sie ist die letzte, weil in ihr alle Hoffnungen und Vorhersagungen der Propheten ihre Erfüllung finden und sie die letzte Periode der Entwicklung des Reiches Gottes auf Erden ist. Sie ist für die Juden die letzte in dem Sinne, als vor dem Untergange von Jerusalem noch eine Gnadenfrist angeboten war. - (15) Im Hebr. steht: meinen Geist. Die Übersetzung der Septuag. drückt aus, dass, wenn der Geist auch noch so reichlich mitgeteilt (ausgegossen) wird, dennoch seine Fülle von keinem Menschen erlangt wird. - (16) Das Wort weissagen bedeutet ebenso jede übernatürliche Erkenntnis des Verborgenen, wie jede von Gott angeredete Rede, durch welche der Nächste erbaut und belehrt wird. - (17) „Gesichte“: sie werden Übernatürliches sehen oder doch auf übernatürliche Weise das aus der Offenbarung Bekannte erkennen. „Traumgesicht“: es ist selbstverständlich an Träume zu denken, die von Gott verursacht sind, und eine höhere Wahrheit erkennen lassen. „Meine“ in V. 15 ist nicht im hebr. Texte Joels und ist nicht notwendig, da es sonst leicht scheinen könnte, als ob die V. 17 Genannten nicht Diener Gottes wären. Der Sinn ist: Nicht allein über die Israeliten (die Kinder), sondern auch über die dem Volke Israel sich anschließenden Heiden (Knechte und Mägde), werde ich meinen Geist ausgießen. - (18) Zu den Bildern des Propheten vergl. [Mt 24,29]. Da der heil. Petrus wohl nur die Erfüllung der Vorhersagung des Propheten dartun will, ist V. 19ff wahrscheinlich nur angeführt, um die ganze Stelle wiederzugeben. Deshalb ist es nicht notwendig, die Frage zu stellen, worauf diese Worte von dem Apostelfürsten bezogen werden, ob auf die Zerstörung Jerusalems oder auf das Weltende. - (19) Der Tag, welcher sich als großer Tag des Herrn offenbaren wird, da der Herr selbst an ihm erscheint. - (20) Unter „des Herrn Namen“ kann man hier den Namen Jesus verstehen. Vergl. V. 38; [Apg 4,12]. - (21) Griech.: Gesetzeslosen [1Kor 9,21] die Heiden, welche die Hinrichtung vollzogen. Die Bitterkeit des Vorwurfes mildert der heil Petrus wie einst Joseph den Tadel des Frevels seiner Brüder [1Mos 45,5], durch den Hinweis, wie auch diese Tat höchster Bosheit von Gott vorhergesehen und zu weisem Ende geordnet wurde. - (22) Griech.: Nachdem er die Schmerzen des Todes gelöst, d. i. aufgehoben hatte. Der Tod ist gleichsam in Wehen gedacht, bis er Christus in der Auferstehung wieder herausgab (Chrys.). Sehr wahrscheinlich ist, da der heil. Petrus aramäisch sprach, dass er nicht nach der Septuag. zitierte, sondern nach dem Grundtexte „Fallstricke des Todes“ sagte - (23) [Ps 15,8] - (24) Hebr.: meine Seele. - (25) Griech.: dem Totenreiche überlassen. Vergl. [1Petr3,19]. - (26) Die Verwesung schauen ist dasselbe, wie ihr unterworfen werden. Die beiden Glieder des Verses entsprechen den beiden Teilen des vorhergehenden Verses. - (27) Im Hebr. steht das Futurum. In der Vulgata ist die Tatsache als schon eingetreten gedacht. - (28) Das Folgende scheint eine Verkleinerung Davids einzuschließen, deshalb wählt Petrus einen beruhigenden Übergang. - (29) David heißt Erzvater als Stammherr [2Sam 7,12] und Gründer des königlichen Hauses, an welches die Verheißung des Messias geknüpft war. David ist gestorben und hat die Verwesung gesehen, also gilt die Prophezeiung von dem Messias. - (30) Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist ein Beweis, dass Jesus der Messias ist, da er in der innigsten Verbindung mit Gott ist und (V. 36) diese Aussendung Gott selbst zugeschrieben wird. - (31) Beweis aus [Ps 109,1]. Über die Partikel „bis“ vergl. [Mt 1,Anm. 24]. Gott hat den Herrn zum Messias gemacht, indem er dem menschgewordenen Worte das Amt des Erlösers übergab. Zum Herrn hat Gott Jesus gemacht, da in der Menschwerdung die göttliche Natur sich mit der menschlichen so vereinigte, dass dieselbe Person Gott und Mensch zugleich war. Jetzt aber hat Gott ihn als Herrn und Christus vor aller Welt geoffenbart durch die Auferstehung und Geistessendung. - (32) Sie erkennen, dass Israel seinen Erlöser gekreuzigt hat, und richten an den heil. Petrus die einst auch dem heil. Johannes gestellte Frage. [Lk 3,10, Lk 12,14] - (33) Mit dem Worte: im Namen Jesu Christi wird nicht etwa die Taufformel ausgedrückt, denn diese enthält der Befehl des Herrn. [Mt 28,19] Der Name Jesu ist vielmehr die Zusammenfassung des Glaubens, und somit ist „Im Namen Jesu“ im Glauben und Gehorsam gegen Jesus, der dieses Mittel der Heiligung eingesetzt hat. Die Worte des heil. Petrus weisen auf einen tiefgreifenden Unterschied zwischen der christlichen Taufe und der des heil. Johannes hin: die Buße muss als notwendige Bedingung der christlichen Taufe vorausgehen, während die Taufe des heil. Johannes gleichsam die Pforte zur Buße bildete. - (34) Wahrscheinlich bezeichnet der heil. Petrus hier die Heiden (Theoph., Ökum.) Vergleiche denselben Ausdruck [Eph 2,17]. Andere Ausleger denken an die von Jerusalem entfernt lebenden Israeliten. - (35) Mit dem Eifer des Apostels bezeugt Petrus die Wahrheit, welche rettet; mit der Liebe eines Vaters und Bruders mahnt er die zu Rettenden. Nach dem Griech. „beschwor und bat“ der Apostel, wohl die angebotene Gnade zu ergreifen. - (36) Wie die Worte: „so viele der Herr berufen wird" V. 39 die Notwendigkeit der göttlichen Gnade zeigen, so weisen diese auf die Freiheit des Menschen hin, den Glauben anzunehmen oder zurückzuweisen. - (37) Sie ließen sich von den Aposteln weiter unterrichten und hielten an ihrer Lehre fest. - (38) Griech.: In der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. D. h. sie waren geeint durch Glauben, brüderliches Zusammenhalten und Gottesdienst. Werden die Worte getrennt, so bedeutet die Gemeinschaft wohl das die erste Christengemeinde auszeichnende gemeinsame brüderliche Leben. Das „Brotbrechen“ ist ein dem Berichte über das letzte Abendmahl entlehnter Ausdruck [Mt 26,24, Mk 14,22, Lk 22,19, 1Kor 11,24] vergl. [1Kor 10,16] Das Brotbrechen im Verein mit dem Gebete entspricht unserer heutigen Messe, deren Feier hier also zum ersten Male erwähnt wird. - (39) Eine solche Furcht hatten auch die Wunder des Heilandes hervorgerufen. Das Pfingstereignis, Petri Predigt und die folgenden Wunder ließen eine besondere Nähe Gottes fühlen und riefen daher auch Furcht wach. - (40) Das Griech. kann bedeuten: Sie versammelten sich öfter oder: Sie waren eines Sinnes. - (41) Der Glaubensmut drängte einige, auch die äußere Gleichheit unter den Brüdern herzustellen. Vergl. [Apg 4,34]. Es bestand eine gemeinsame Kasse zur Unterstützung, in die manche Wohlhabende ihr ganzes Vermögen legten. Nicht alle indes verließen alles, wie [Apg 12,12] und [Apg 4,36] zeigen. Nur in der Muttergemeinde Jerusalem wurde dieses Ideal christlicher Lebensgemeinschaft auch unter den gewöhnlichen Gläubigen äußerlich verwirklicht. Bald gestaltete sich hier wie in den anderen Kirchen das gemeinsame Leben (Cönobium) zu dem von einzelnen besonders erwählten Stande der ausschließlich Gottgeweihten. - (42) Im Tempel hatte Christus das Volk gelehrt, in der Zeit zwischen der Himmelfahrt und dem Pfingstfeste waren die Jünger in denselben hinaufgegangen [Lk 24,53], und auch nachher besuchten sie denselben. (V. 3,1) So erhielten sie Gelegenheit, dem jüdischen Volke das Heil zu verkünden. Die Vorbilder vermittelten den Übergang zur Wahrheit. Das heil. Opfer ward nach dem Griech. „zu Hause“ (im Gegensatze zu dem Tempel) gefeiert. Auch [Roem 16,5, 1Kor 16,19, Kol 4,15] (Philem. V. 2) kann so aufgefasst werden, dass unter der „Kirche“ ein Teil der Gläubigen zu verstehen ist, welche in dem genannten Hause ihre gottesdienstlichen Versammlungen abhielten, nicht aber, als ob dies Haus das gemeinsame Gotteshaus aller dort befindlichen Christen gewesen wäre. - (43) Der Herr ist der Heiland. Nie duldet indes die Welt lange den Gottesfrieden. Wie der Meister [Mt 10,25] musste die Kirche ihre Wohltaten mit Undank gelohnt sehen. [Joh 10,32]

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