Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Joe02

Aus Vulgata
Wechseln zu: Navigation, Suche

Prophetia Joel. Caput II.

Prophezeiung des Joels Kap. 2


. Die Diener der Strafe Gottes. (V. 11) d. Die Buße. (V. 17) II. Teil. (2,18 – 3,21) A. Verheißung großer Gnadengaben.

1. Canite tuba in Sion, ululate in monte sancto meo, conturbentur omnes habitatores terræ: Quia venit dies Domini, quia prope est.

2. Dies tenebrarum, et caliginis, dies nubis, et turbinis: quasi mane expansum super montes populus multus et fortis: similis ei non fuit a principio, et post eum non erit usque in annos generationis et generationis.

3. Ante faciem ejus ignis vorans, et post eum exurens flamma: quasi hortus voluptatis terra coram eo, et post eum solitudo deserti, neque est qui effugiat eum.
4. Quasi aspectus equorum, aspectus eorum: et quasi equites sic current.
5. Sicut sonitus quadrigarum super capita montium exsilient, sicut sonitus flammæ ignis devorantis stipulam, velut populus fortis præparatus ad prœlium.

6. A facie ejus cruciabuntur populi: omnes vultus redigentur in ollam.
7. Sicut fortes current: quasi viri bellatores ascendent murum: viri in viis suis gradientur, et non declinabunt a semitis suis.
8. Unusquisque fratrem suum non coarctabit, singuli in calle suo ambulabunt: sed et per fenestras cadent, et non demolientur.
9. Urbem ingredientur, in muro current: domos conscendent, per fenestras intrabunt quasi fur.

10. A facie ejus contremuit terra, moti sunt cœli: sol et luna obtenebrati sunt, et stellæ retraxerunt splendorem suum.

11. Et Dominus dedit vocem suam ante faciem exercitus sui: quia multa sunt nimis castra ejus, quia fortia et facientia verbum ejus: magnus enim dies Domini, et terribilis valde: et quis sustinebit eum?

12. Nunc ergo dicit Dominus: Convertimini ad me in toto corde vestro in jejunio, et in fletu, et in planctu.
13. Et scindite corda vestra, et non vestimenta vestra, et convertimini ad Dominum Deum vestrum: quia benignus et misericors est, patiens et multæ misericordiæ, et præstabilis super malitia.
14. Quis scit si convertatur, et ignoscat, et relinquat post se benedictionem, sacrificium, et libamen Domino Deo vestro?

15. Canite tuba in Sion, sanctificate jejunium, vocate cœtum,

16. Congregate populum, sanctificate ecclesiam, coadunate senes, congregate parvulos, et sugentes ubera: egrediatur sponsus de cubili suo, et sponsa de thalamo suo.
17. Inter vestibulum et altare plorabunt sacerdotes ministri Domini: et dicent: Parce Domine, parce populo tuo: et ne des hereditatem tuam in opprobrium ut dominentur eis nationes: quare dicunt in populis: Ubi est Deus eorum?

18. Zelatus est Dominus terram suam, et pepercit populo suo:
19. Et respondit Dominus, et dixit populo suo: Ecce ego mittam vobis frumentum, et vinum, et oleum, et replebimini eis: et non dabo vos ultra opprobrium in gentibus.
20. Et eum, qui ab aquilone est, procul faciam a vobis: et expellam eum in terram inviam, et desertam: faciem ejus contra mare orientale, et extremum ejus ad mare novissimum: et ascendet fœtor ejus, et ascendet putredo ejus, quia superbe egit.

21. Noli timere terra, exsulta et lætare: quoniam magnificavit Dominus ut faceret.
22. Nolite timere animalia regionis: quia germinaverunt speciosa deserti, quia lignum attulit fructum suum, ficus, et vinea dederunt virtutem suam.

23. Et filii Sion exsultate, et lætamini in Domino Deo vestro: quia dedit vobis doctorem justitiæ, et descendere faciet ad vos imbrem matutinum et serotinum sicut in principio.

24. Et implebuntur areæ frumento, et redundabunt torcularia vino, et oleo.

25. Et reddam vobis annos, quos comedit locusta, bruchus, et rubigo, et eruca: fortitudo mea magna, quam misi in vos.

26. Et comedetis vescentes, et saturabimini: et laudabitis nomen Domini Dei vestri, qui fecit mirabilia vobiscum: et non confundetur populus meus in sempiternum.
27. Et scietis quia in medio Israel ego sum: et ego Dominus Deus vester, et non est amplius: et non confundetur populus meus in æternum.

28. Et erit post hæc: effundam spiritum meum super omnem carnem: et prophetabunt filii vestri, et filiæ vestræ:
Senes vestri somnia somniabunt, et juvenes vestri visiones videbunt.

29. Sed et super servos meos, et ancillas in diebus illis effundam spiritum meum.
30. Et dabo prodigia in cœlo, et in terra, sanguinem, et ignem, et vaporem fumi.
31. Sol convertetur in tenebras, et luna in sanguinem: antequam veniat dies Domini magnus, et horribilis.

32. Et erit: omnis qui invocaverit nomen Domini, salvus erit: quia in monte Sion, et in Jerusalem erit salvatio, sicut dixit Dominus, et in residuis, quos Dominus vocaverit.




1. Stoßet in die Posaune auf Sion, erhebet Klagegeschrei auf meinem heiligen Berge,1 dass alle Bewohner des Landes erbeben! Denn es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe,2
2. ein Tag der Finsternis und des Dunkels,3 ein Tag des Gewölkes und des Unwetters! Wie Morgenrot sich über die Berge ausbreitet, so kommt ein zahlreiches, starkes Volk,4 wie von Anbeginn keines war und nach ihm nicht sein wird bis in die fernsten Geschlechter.5
3. Vor ihm her ist verzehrendes Feuer und hinter ihm sengende Flamme,6 wie in Garten der Wonne ist das Land vor ihm her7 und hinter ihm öde Wüste, und keiner vermag ihm zu entrinnen.
4. Ihr Aussehen ist dem von Rossen gleich8 und wie Reiter rennen sie.
5. Gleich rasselnden Kriegswagen hüpfen sie über die Gipfel der Berge,9 wie prasselnde Feuerflammen, welche die Stoppeln verzehren, wie ein mächtiges, zum Kampfe gerüstetes Volk.
6. Vor ihnen erbeben die Völker, alle Angesichter glühen wie ein Topf.10
7. Wie Helden laufen sie daher, wie Krieger ersteigen sie die Mauern,11 Mann für Mann zieht seinen Weg, alle, ohne von ihrer Bahn abzuweichen.
8. Keiner stößt den andern, ein jeder zieht seine eigene Straße; sogar auch durch Fenster stürzen sie und lassen sich nicht abbringen.
9. Sie dringen in die Stadt ein, laufen auf den Mauern, erklimmen die Häuser, steigen durch die Fenster Dieben gleich ein.12
10. Vor ihnen her erzittert die Erde, erbeben die Himmel, Sonne und Mond verdunkeln sich und die Sterne verlieren ihren Glanz.13 [Jes 13,10; Joe 3,15; Ez 32,7; Mt 24,29]
11. Und der Herr lässt vor seinem Heere her seinen Donner erschallen, denn überaus groß ist sein Heerlager, gewaltig und sein Wort vollstreckend;14 denn groß ist der Tag des Herrn und überaus furchtbar, wer vermöchte ihn zu überstehen? [Jer 30,7; Amos 5,18; Zeph 1,15]
12. Auch jetzt15 spricht der Herr: Kehret um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten und Weinen und Wehklagen!16
13. Und zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider17 und bekehret euch zu dem Herrn, euerm Gott; denn18 er ist gnädig und barmherzig, geduldig und voller Güte und lässt sich des Übels19 gereuen.20 [Ps 85,5; Jonas 4,2]
14. Wer weiß,21 er möchte wiederum verzeihen und Segen hinter sich zurücklassen,22 Speise- und Trankopfer für den Herrn, euern Gott?23
15. Stoßet in die Posaune auf Sion, haltet ein heiliges Fasten,24 berufet eine Zusammenkunft, [Joe 1,14]
16. versammelt das Volk, heiliget die Gemeinde,25 vereiniget die Ältesten26 versammelt Kinder und Säuglinge,27 der Bräutigam komme aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Brautgemache!28
17. Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester,29 die Diener des Herrn, weinen30 und sprechen: Schone, Herr! schone deines Volkes31 und gib dein Erbe nicht der Beschimpfung preis, so dass die Völker über sie herrschen.32 Warum soll man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott?33
18. Da eiferte der Herr um sein Land und übte Schonung an seinem Volke.34
19. Und der Herr begann und sprach zu seinem Volke: Sehet, ich will euch Korn und Wein und Öl in Fülle spenden und euch nicht mehr zum Schimpfe werden lassen unter den Völkern.35
20. Den Feind von Mitternacht werde ich weit von euch wegtreiben und ihn in ein ödes und wüstes Land36 verstoßen, seinen Vortrab in das Ostmeer37 und seinen Nachtrab in das äußerste Meer stürzen und es soll Gestank sich von ihm erheben und Modergeruch von ihm aufsteigen, weil er so groß getan.38
21. Fürchte dich nicht, o Land! Frohlocke und freue dich!39 denn Herrliches vollbringt40 der Herr.
22. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes!41 denn es grünen die schönen Triften, denn die Bäume tragen ihre Frucht, Feigenbaum und Weinstock geben ihren Ertrag.
23. Auch ihr, Söhne Sions! Frohlocket und freuet euch in dem Herrn, euerm Gott,42 denn er gibt euch einen Lehrer der Gerechtigkeit43 und sendet euch Frühregen und Spätregen44 wie von Anbeginn45 hernieder.
24. Es füllen sich die Tennen mit Getreide und die Keltern strömen über von Wein und Öl.
25. Ich will euch Ersatz gewähren für die Jahre,46 welche Heuschrecken, Käfer, Kornbrand und Raupe gefressen haben, mein großes Heer,47 das ich wider euch entsandt habe.
26. Dann werdet ihr vollauf zu essen haben und satt werden und sollt den Namen des Herrn, eures Gottes, loben, der Wunderbares an euch getan, und mein Volk soll nimmermehr zuschanden werden.
27. Und ihr sollt inne werden, dass ich in Israels Mitte bin, bin ich doch der Herr, euer Gott, außer dem keiner ist, und auf ewig wird mein Volk nicht zuschanden werden.
28. Darnach48 aber wird es geschehen: Ich werde meinen Geist über alles Fleisch ausgießen,49 eure Söhne und eure Töchter werden weissagen,50 eure Greise Träume haben und eure Jünglinge Gesichte schauen. [Jes 44,3]
29. Ja, auch über meine Knechte und Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.51
30. Und ich werde Wunderzeichen am Himmel und auf der Erde erscheinen lassen, Blut und Feuer und Rauchsäulen.52
31. Die Sonne wird sich in Finsternis wandeln und der Mond in Blut, bevor der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. [Joe 2,10; Mt 24,29]
32. Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn53 anruft,54 wird gerettet werden; denn auf dem Berge Sion und zu Jerusalem soll Rettung sein,55 wie der Herr gesprochen hat,56 und unter den Übriggebliebenen für die, welche der Herr beruft.57 [Roem 10,13]


Fußnote

Kap. 2 (1) Wohl ist das Gericht nahe [Joe 1,15], indes kann es doch durch Buße Aufschub erfahren oder gänzlich aufgehoben werden. Vergl. [Jer 26,19] und [Joe 2,14.17]. Gott redet. Die Aufforderung ist an die Priester gerichtet. Vergl. [4Mos 10,1ff]. Die auf Moria in die Posaune stoßen sollen. - (2) Schon hat Gott mannigfache Strafen verhängt, andere werden folgen, so ein allgemeines Gericht herbeiführend. - (3) Durch die Finsternis strafte Gott in Ägypten die Widerspenstigen [2Mos 10,22], auf dem Berge Sinai war Finsternis, um Gottes Majestät zu verherrlichen. Wie ist das Licht Freude und Glück, so bedeutet Nacht und Finsternis Unglück und Heimsuchung. - (4) Wer ist dieses Rächervolk? Einige erkennen auch in ihm die Heuschrecken, indes ist mit Recht zu bezweifeln, ob hier allein an diese zu denken ist, da die Heuschreckenplage den kommenden Tag des Herrn anzeigen sollte. [Joe 1,15] Berücksichtigt man ferner V. 10, 11, 30, 31 sowie [Joe 3,15], so ist wohl nicht zu bezweifeln, dass der Prophet unter dem Bilde der gegenwärtig verwüstenden Heuschrecken andere Feindesscharen versteht, andere und härtere Gerichte Gottes. Die Beschreibung des Propheten entspricht den Drohungen Moses [5Mos 28,49ff]. Ob nun dies Gericht noch durch standhafte Bekehrung gänzlich oder wenigstens bedingungsweise, solange Israel treu bleibt, aufgehoben wird, ob es allmählich kommt und mehrere Geschlechter trifft, sagt der Prophet nicht. Er stellt nur die allgemeine Richtschnur für das Handeln Gottes auf, ohne ein bestimmtes Volk im Auge zu haben, das Gottes Ratschlüsse vollzieht. – Das Morgenrot ist Bild der Schnelligkeit und eine Anspielung auf den Schein, der im Sonnenglanze von den Heuschrecken widerstrahlt. - (5) Vergl. [2Mos 10,14]. Ein Unglück übertraf immer das vorhergehende, das Gericht durch die Chaldäer dasjenige durch die Assyrier, das durch die Römer vollstreckt beide. - (6) Die Rächer werden so beschrieben, dass sie wahrhaft Gottes Hand kundtun. [Ps 96,3; Ps 17,9] - (7) Eden wird eine Wüste. - (8) Hebr.: Wie Rosse, so rennen sie. Das Bild ist von den Heuschrecken hergenommen. - (9) Vergl. [Offenb 9,9]. - (10) Der Grund folgt V. 7. - (11) Das Laufen ermüdet sie nicht, kein Hindernis vermag sie aufzuhalten. - (12) Auch dies ist nach dem Vorbilde der Heuschrecken beschrieben. In V. 8, 9 wird in unserer Vulgata zweimal das Eindringen durch die Fenster erwähnt. V. 8 muss nach dem Hebr. lauten: Sie stürzen durch die Schwerter. Wenn man sie auch mit Waffen angreift, werden sie dennoch nicht aufgehalten. - (13) Die Umstände, welche im Folgenden geschildert werden, sind diejenigen, welche dem Weltgerichte zukommen; diese also werden mit einem besonderen Gerichte hier verliehen, da ein jedes besondere Gericht eine Stufe und Vorbereitung zu jenem und selbst sein Abbild ist, da es in dasselbe übergeht. - (14) Hebr.: Denn überaus groß ist seine Kriegsschar, denn gewaltig der Vollstrecker seines Befehls, denn groß ist usw. - (15) Hebr.: Auch jetzt noch. Obwohl ihr bereits die ersten Zeichen der Rache Gottes erfahrt, obwohl der Tag Gottes schon naht und die Verkündigung der Rache schon erfolgt ist, will Gott derselben dennoch Einhalt tun. Was ich gedroht, soll euch schrecken (Hier.), soll euch zur Buße bewegen. (Chrys.) - (16) Durch freiwillige Bußübungen sollen sie Gott besänftigen und durch diese Strafe an sich selbst beweisen, dass sie ihre Verbrechen von ganzem Herzen verabscheuen. - (17) Seid nicht zufrieden mit äußeren Zeichen, sondern reißt euere Herzen von der Sünde los, zerreißet diese durch Schmerz und Zerknirschung. Damit sei eine volle Zuwendung es Herzens zu Gott verbunden. - (18) Der Prophet fügt wirksame Beweggründe bei: Er ist euer Gott, der für sein Volk Sorge trägt und der dessen höchstes Gut ist, und was frohe Hoffnung und Zuversicht wecken muss, er ist voller Gnade, Erbarmen, Langmut und Milde, um die Bestrafung zu verschieben und reichere Gnaden zu gewähren. Vergl. [2Mos 34,6]. - (19) Der Heimsuchung. - (20) Der Prophet fordert Schmerz, verbunden mit der Hoffnung auf Vergebung um der Barmherzigkeit Gottes willen. Der Prophet bietet hier die Beschreibung wahrer Buße. - (21) Ich mahne euch zur Buße und, da ich weiß, dass Gott barmherzig ist [Ps 50,1.2], auch zum Vertrauen auf sein Erbarmen. Doch da ich die Tiefe des Reichtums und der Weisheit und Erkenntnis Gottes nicht zu durchdringen vermag, wünsche ich vielmehr als dass ich vorschnell behaupte (Hieron.), umso mehr als ihr sonst in eurer Buße nachlassen würdet. - (22) Wenn Gott richtet, steigt er gleichsam auf die Erde herab. Die Heimsuchung durch die Heuschrecken ist ein Gericht. Vielleicht gibt er der Erde die Früchte zurück, die ihr geraubt sind. - (23) Erinnerung aus [Joe 1,9]. - (24) Damit alle Herzen Bußgesinnung annehmen und Gott durch öffentliche und feierliche Bitte zum Erbarmen bewegt werde, sagt er gemeinsames Fasten und öffentliche Gebete an. - (25) Alle sollen von levitischer Unreinheit frei sein. Vergl. [2Chr 30,17.18]. - (26) Kein Alter suche Entschuldigung. - (27) Allen Alters Menschen sollen in den Tempel kommen, damit aller Weinen und Flehen Gottes Herz leichter rühre, insbesondere aber der Jammer der Kinder. - (28) Alle sollen an der Trauer teilnehmen, auch diejenigen, welche das Gesetz von öffentlichen Lasten ausnahm. - (29) Die Mittler zwischen Gott und Menschen sollen in aller Namen beten und zum Ausdrucke bringen, was alle fühlen, zwischen dem Vorhof des Heiligtums und dem Brandopferaltar stehend, gegen das Heiligtum gewendet. - (30) Die Tränen unterstützen die Bitte. - (31) Es handelt sich um deine Sache, schon dein Volk, dass du dir erwählt und durch so viele Wunder als das Deinige bezeugt hast. - (32) Auf dich selbst fällt dieser Schimpf zurück. - (33) Dessen sie sich als ihres Helfers rühmten. - (34) Allgemeine Norm des Handelns Gottes: Gott lässt sein Volk nicht untergehen, sondern, nachdem er Strafe vollzogen, zerstört er die Strafwerkzeuge, sein Volk aber überhäuft er mit zeitlichen und geistigen Gnaden, es so auf höhere, messianische Güter vorbereitend. Was V. 18-27 dargestellt wird, hat sich in der Geschichte des Volkes Gottes immer von neuem wiederholt. Der Herr eiferte – sie haben geklagt, dass es um seine Ehre gehe, er offenbart seine Liebe und entreißt das Land der Verwüstung. Sie haben gefleht: Übe Schonung, der Herr hat Schonung geübt, das Volk als das seine anerkannt. - (35) Auch darin erhört er ihr Flehen. V. 17. Nicht mehr: So lange ihr in dieser Gesinnung beharrt. So nach [3Mos 26; 5Mos 28] u.a. - (36) Die Heuschrecken kommen nach Gottes Anordnung in der Wüste um, damit der Gestank von ihren Leichen nicht Krankheiten hervorrufe. - (37) Das Tote Meer. - (38) Mit der Entfernung der Heuschrecken ist der Sinn der Verheißungen noch nicht erschöpft. Denn da Joel die allgemein gültige Weise Gottes zu verfahren vorstellt, warum nicht auch an dieser Stelle? In dem Vorbilde der Heuschrecken wird zum Ausdruck gebracht, wie Gott, der immer für sein Volk eifert, die Werkzeuge seiner Gerechtigkeit, so oft er solche gebraucht, fortwirft. Schon früher hat Gott öfter sein Volk durch Einfälle feindlicher Völker heimgesucht, so dass er auch jetzt dies tun werde, hat der Prophet [Joe 2,2] verkündet. Doch der Eifer Gottes und die Verheißungen des Herrn sind dem Propheten eine Bürgschaft, dass auch jetzt durch die Heimsuchung diese Erneuerung kommen wird. Dass die Feinde von Norden das Land bedrohten, ist aus der Zeitgeschichte bekannt. - (39) Den Drohungen entgegengesetzte Verheißungen folgen. Stufenweise steigt der Prophet von den unbelebten Wesen zu den Tieren, von diesen zu den Menschen empor. - (40) Im Hebr. ist derselbe Ausdruck wie V. 20 am Ende; ein schöner Gegensatz. - (41) Die Fruchtbarkeit der Bäume und Weinberge hat auch für Tiere, insbesondere die Haustiere, seinen Nutzen. - (42) Die Verheißungen schließen sich eng an V. 19 an; 19a ist in 22 aufgehoben, 19b wird so erklärt, dass das Volk zu wahrer Gerechtigkeit erzogen werden soll (V. 23) und Gott preisen und loben V. 26 und durch die Erfahrung erkennen V. 27, dass er in ihrer Mitte weilt. – Sie sollen sich freuen in religiöser Freude, in Gott, dem Urheber der Wohltaten. Zwei solche werden genannt: Eine, welche die Quelle der Sünden verstopft und das Volk zu einem seiner Auserwählung würdigen Leben führt (Ausführung V. 26b, 27), die andere, dass der Frömmigkeit die Verheißung reichsten Glückes wird. (V. 24, 25, 26a) - (43) Du, mein Volk, musst dich freuen, dass Gott dir das Gesetz gegeben und es beständig durch Propheten erklären lässt, so dass du den wahren Weg zur Gerechtigkeit gehst. Vergl. [4Mos 23,23]. Auch fromme Könige hat dir Gott gegeben, z.B. [2Koe 18ff; 2Chr 19ff]. Vergl. [Jes 30,20]. Der Lehrer ist nicht Christus, sondern die Propheten nach der Gefangenschaft. Einige verstehen die Weissagung von Christus. - (44) Nach der Aussaat und vor der neuen Ernte. - (45) Wie früher. - (46) Die Kap. 4 erwähnte Plage hat sich öfter wiederholt. - (47) So nennt Gott es, weil es eine so große Niederlage bereitet hat. - (48) Nach der Zeit der Vorbereitung. Es folgt die messianische Periode. Demgemäß kann auch das Vorhergehende einigermaßen auf die Zeit bezogen werden, welche nach dem Gerichte über das rebellische Volk eine Vorbereitung auf die Zeit des Messias bildet. - (49) Das Wort weist auf eine Fülle der Ausgießung hin. Der Geist Gottes ist das Prinzip des Lebens, der Erleuchtung und des gottgefälligen Handelns. Der Geist Gottes schwebte einst auf den Wassern, die Welt bildend, er erfüllte die Propheten und schmückte sie mit allen Tugenden. Die reiche Ausgießung desselben bedeutet also neues und zwar göttliches Leben und Tugenden höherer Ordnung, die dem Menschen in reichlicherem Maße mitgeteilt werden. Und da der Geist Gottes auch früher schon verliehen war, sollen nun nicht nur das auserwählte Geschlecht, sondern alle Menschen dieser Gaben teilhaftig werden. So bilden Fülle und Allgemeinheit der Ausgießung das Charakteristische. Wenn nun der Geist Gottes den Menschen innerlich erfüllt und ihn zu neuem Leben erhebt, so ist dies jene Neuschaffung, welche erst das Neue Testament genauer erklärt. - (50) Einzelne Gnadengaben werden besonders genannt. Weissagungen sind von Gott eingegebene Reden zum Heile oder offenbaren selbst Zukünftiges. - (51) Kein Alter, kein Geschlecht soll ausgeschlossen sein, ja selbst kein Volk. (V. 28) Dass hier von der messianischen Periode die Rede, beweist erstlich die Erwähnung der Ausgießung des Geistes, welche die Propheten jener Zeit zuschreiben, sodann der Zusatz: Hiernach, der dem Worte des heiligen Petrus: In den letzten Tagen [Apg 2,16] entspricht: endlich die authentische Erklärung [Apg 2,16ff]. - (52) An die Ausgießung des Geistes schließt der Prophet die Beschreibung des Weltgerichtes, bei dem Gott fragt, wie wir seine Gaben gebraucht. Zugleich zeigt der Übergang zum Gerichte, dass nach diesem Gesetze kein anderes mehr zu erwarten, sondern dies von allen zu beobachten ist, welche selig werden wollen, wenn sie nicht einem furchtbaren Gerichte verfallen wollen. Die hier genannten Vorzeichen des Weltgerichtes finden ihre Erklärung [Mt 24,29; Mk 13,24.25; Lk 21,25.26] und [Offenb 6,12] sowie [Offenb 8,7.8.10.12; Offenb 9,2.18] und [Offenb 16,2-21]. Schon in den ägyptischen Plagen gebrauchte Gott Finsternis, Blut und verderbte Luft zur Züchtigung der Widerspenstigen. - (53) Den Gott eigenen Namen Jahve, der ist, den er mit Verheißungen den Menschen geoffenbart hat. Diesen hat er auch seinem Bündnisse vorgesetzt, dessen Festigkeit, Unveränderlichkeit und Erhabenheit zu kennzeichnen und dessen letztes Ziel, die Anschauung und den Genuss seiner göttlichen Wesenheit, kundzutun. - (54) An Gott, den Urheber des übernatürlichen Bundes, glauben, ihn bekennen und ihm als Urheber und Verheißer wegen der Erhabenheit der göttlichen Natur anhängen. - (55) Diese Anrufung zum Heile muss in Sion und in Jerusalem statthaben und wird gewährt, indem der Herr selbst ruft und einlädt. Wie Sion und Jerusalem die sichtbaren Sitze des alttestamentlichen Gottesreiches sind, so sind sie auch Symbol des erhabenen Gottesreiches, das durch die Ausgießung des Heiligen Geistes über die ganze Menschheit gegründet werden wird, derart, dass wer selig werden will, mit Herz und Geist Bürger und Einwohner jener Stadt und jenes Reiches Gottes sein muss. [Ps 88,4-6] Was Isaias und Michäas Berg Gottes [Jes 2,2; Mic 4,1], was Isaias durch den Bau, Umfang und Schmuck der Stadt [Jes 49,17; Jes 54,1] vorbildlich betreffs des Neuen Bundes lehrt, das wird hier gesagt: Auf dem Berge Sion und zu Jerusalem soll Rettung sein. - (56) Ähnliche Worte [Obadja 1,17] und [Jes 37,32]. - (57) Auch die, welche anderen vorhergehenden Gerichten des Herrn entgehen, sollen des Heiles teilhaftig werden, wenn sie nur von Gott berufen werden. Gott also zieht innerlich alle, die zum Heile gelangen. Vergl. [Jes 10,21.22]. Fassen wir kurz das gesagte zusammen: a. Eine Zeit der Vorbereitung geht der messianischen Zeit voraus. b. Diese wird durch eine reichliche und allgemeine Ausgießung der Gaben Gottes ausgezeichnet. c. Sie schließt mit dem großen und schrecklichen Tag des Herrn, dem gewaltige Umwälzungen auf Erden und am Himmel vorausgehen. d. Diejenigen werden gerettet, welche dem Herrn in Glauben und Liebe anhängen. e. Das Heil ist in Sion und Gott verleiht es durch innere Berufung und Hilfe. f. Wenige werden auserwählt sein. Bei Isaias steigt der Geist Gottes auf den Messias herab. [Jes 11,2] Joel bezeugt, dass auch die Glieder Christi mit dem Geiste Gottes erfüllt und gesalbt werden, Ezechiel bezeichnet reines Wasser als eine Mittelsursache und als seine Wirkung innere Erneuerung und Heiligung. [Ez 36,25-28] Dass ein neues Volk Gottes gleichsam aus Gott geboren werden soll, deutet Isaias an. [Jes 66,8.9]

- Weitere Kapitel: 01 | 03 |

Diese Kategorie enthält zurzeit keine Seiten oder Medien.