Kategorie:BIBLIA SACRA:AT:Rich02

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Liber Judicum, Hebraice Sophetim. Caput II.

Das Buch der Richter Kap. 2


2. Religiöser Zustand der Israeliten. Ziel des Buches. (2,1-23) A. Der Engel Gottes erscheint dem Volke und wirft ihm vor, dass es die Chananiter nicht ausgetilgt und ihre Götzen nicht zerstört hat, und bedroht sie mit Strafe. Das Volk weint in Bußgesinnung. (V. 5) B. Nach kurzer Erwähnung der unmittelbar nach Josues Tode noch blühenden Frömmigkeit (V. 10a) zeigt der Verfasser, wie sich Götzendienst und Buße fortwährend gefolgt sind, und weist die Folgen beider nach.

1. Ascenditque Angelus Domini de Galgalis ad Locum flentium, et ait: Eduxi vos de Ægypto, et introduxi in terram, pro qua juravi patribus vestris: et pollicitus sum, ut non facerem irritum pactum meum vobiscum in sempiternum:
2. Ita dumtaxat ut non feriretis fœdus cum habitatoribus terræ hujus, sed aras eorum subverteretis: et noluistis audire vocem meam: cur hoc fecistis?

3. Quam ob rem nolui delere eos a facie vestra: ut habeatis hostes, et dii eorum sint vobis in ruinam.
4. Cumque loqueretur Angelus Domini hæc verba ad omnes filios Israel: elevaverunt ipsi vocem suam, et fleverunt.
5. Et vocatum est nomen loci illius: Locus flentium, sive lacrimarum: immolaveruntque ibi hostias Domino.

6. Dimisit ergo Josue populum, et abierunt filii Israel unusquisque in possessionem suam, ut obtinerent eam:

7. Servieruntque Domino cunctis diebus ejus, et seniorum, qui longo post eum vixerunt tempore, et noverant omnia opera Domini, quæ fecerat cum Israel.
8. Mortuus est autem Josue filius Nun, famulus Domini, centum et decem annorum,
9. Et sepelierunt eum in finibus possessionis suæ in Thamnathsare in monte Ephraim, a septentrionali plaga montis Gaas.
10. Omnisque illa generatio congregata est ad patres suos: et surrexerunt alii, qui non noverant Dominum, et opera quæ fecerat cum Israel.

11. Feceruntque filii Israel malum in conspectu Domini, et servierunt Baalim.
12. Ac dimiserunt Dominum Deum patrum suorum, qui eduxerat eos de terra Ægypti: et secuti sunt deos alienos, deosque populorum, qui habitabant in circuitu eorum, et adoraverunt eos: et ad iracundiam concitaverunt Dominum,

13. Dimittentes eum, et servientes Baal et Astaroth.
14. Iratusque Dominus contra Israel, tradidit eos in manus diripientium: qui ceperunt eos, et vendiderunt hostibus, qui habitabant per gyrum: nec potuerunt resistere adversariis suis:
15. Sed quocumque pergere voluissent, manus Domini super eos erat, sicut locutus est, et juravit eis: et vehementer afflicti sunt.
16. Suscitavitque Dominus judices, qui liberarent eos de vastantium manibus: sed nec eos audire voluerunt,

17. Fornicantes cum diis alienis, et adorantes eos. Cito deseruerunt viam, per quam ingressi fuerant patres eorum: et audientes mandata Domini, omnia fecere contraria.

18. Cumque Dominus judices suscitaret, in diebus eorum flectebatur misericordia, et audiebat afflictorum gemitus, et liberabat eos de cæde vastantium.

19. Postquam autem mortuus esset judex, revertebantur, et multo faciebant pejora quam fecerant patres eorum, sequentes deos alienos, servientes eis, et adorantes illos. Non dimiserunt adinventiones suas, et viam durissimam, per quam ambulare consueverunt.

20. Iratusque est furor Domini in Israel, et ait: Quia irritum fecit gens ista pactum meum, quod pepigeram cum patribus eorum, et vocem meam audire contempsit:
21. Et ego non delebo gentes, quas dimisit Josue, et mortuus est:

22. Ut in ipsis experiar Israel, utrum custodiant viam Domini, et ambulent in ea, sicut custodierunt patres eorum, an non.
23. Dimisit ergo Dominus omnes nationes has, et cito subvertere noluit, nec tradidit in manus Josue.



1. Und der Engel des Herrn1 kam von Galgala2 herauf zu dem Orte der Weinenden3 und sprach:4 Ich habe euch aus Ägypten geführt und in das Land gebracht, welches ich euern Vätern zugeschworen habe; und ich habe verheißen, meinen Bund mit euch in Ewigkeit nicht zu brechen,
2. wenn ihr nur kein Bündnis mit den Bewohnern dieses Landes schließt,5 sondern ihre Altäre zerstört;6 aber ihr habt nicht auf meine Stimme hören wollen. Warum habt ihr dies getan?
3. Darum habe ich sie auch nicht vor euch vertilgen wollen, damit ihr Feinde habet7 und ihre Götter euch zum Falle werden.
4. Als der Engel des Herrn diese Worte zu allen Söhnen Israels redete, erhoben sie ihre Stimme und weinten.
5. Daher nannte man den Namen dieses Ortes: Ort der Weinenden oder der Tränen: und sie brachten daselbst dem Herrn Opfer dar.8
6. Als nämlich Josue das Volk entlassen hatte,9 zogen die Söhne Israels hin, ein jeder in sein Erbe, um es in Besitz zu nehmen. [Jos 24,28]
7. Und sie dienten dem Herrn, so lange er am Leben war und die Ältesten,10 welche noch lange Zeit nach ihm lebten und alle Taten des Herrn kannten, welche er an Israel getan hatte.
8. Josue aber, der Sohn Nuns, der Diener des Herrn, starb, hundert und zehn Jahre alt, [Jos 24,29]
9. und sie begruben ihn an der Grenze seines Erbbesitzes zu Thamnathsare auf dem Gebirge Ephraim, auf der Nordseite des Gebirges Gaas.
10. Und jenes ganze Geschlecht ward zu seinen Vätern gesammelt11 und andere traten auf, welche den Herrn und seine Taten, welche er an Israel getan hatte, nicht kannten.12
11. Da taten die Söhne Israels, was böse war in den Augen des Herrn,13 und dienten den Baalen.14
12. Und sie verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus dem Lande Ägypten geführt hatte,15 und gingen fremden Göttern nach, den Göttern der Völker, welche ringsum sie her wohnten, und beteten diese an und reizten den Herrn zum Zorne,
13. indem sie ihn verließen und dem Baal und den Astarten dienten.
14. Da zürnte der Herr über Israel und gab sie in die Hände von Räubern, welche sie gefangen nahmen und an ihre Feinde verkauften, die ringsum wohnten; und sie konnten ihren Feinden nicht standhalten,
15. sondern, wohin sie sich immer wenden mochten, war die Hand des Herrn gegen sie, wie er gesprochen und ihnen geschworen hatte;16 und so wurden sie hart bedrängt.
16. Da ließ der Herr Richter erstehen, welche sie aus der Hand der Bedrücker befreiten; aber auch auf diese wollten sie nicht hören,
17. sondern buhlten mit fremden Göttern und beteten dieselben an. Gar bald verließen sie den Weg, welchen ihre Väter gewandelt waren; und obschon sie die Gebote des Herrn hörten, so taten sie doch in allem das Gegenteil.17 [3Mos 17,7]
18. Wenn nun der Herr Richter erweckte, so war er in ihren Tagen barmherzig und hörte das Seufzen der Bedrängten und errettete sie von den Schlägen ihrer Bedränger.18
19. wenn aber der Richter gestorben war, so fielen sie wieder zurück und taten noch viel Schlimmeres als ihre Väter, indem sie fremden Göttern nachfolgten und ihnen dienten und sie anbeteten. Sie ließen von ihren Anschlägen und von ihrem verstockten Wandel nicht ab, den sie zu führen gewohnt waren.
20. Dann entbrannte der Zorn des Herrn über Israel und er sprach: Weil dieses Volk meinen Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen hatte, gebrochen und es verschmäht hat, meine Stimme zu hören,
21. so will auch ich die Völker nicht vertilgen, welche Josue noch übriggelassen hat, als er starb,19
22. um an ihnen Israel zu prüfen, ob sie den Weg des Herrn innehalten und darauf wandeln werden, wie ihre Väter ihn innegehalten haben, oder nicht.20
23. So ließ der Herr denn alle diese Völker übrig und wollte sie nicht sobald ausrotten und ließ sie nicht in die Gewalt Josues fallen.

Fußnote

Kap. 2 (1) Der Gott darstellende Engel des Herrn. Erst aus der Strafrede des Engels wird die Bedeutung der in [Rich 1] gegebenen historischen Übersicht klar. - (2) Das Heraufkommen von Gilgal zeigt, dass er in enger Beziehung zu der [Jos 5,13] erzählten Erscheinung des Engelfürsten steht. Jener verkündete nach der Beschneidung dem Volke den bevorstehenden Fall Jerichos. Hier erscheint der Engel des Herrn, da die Israeliten den Bund des Herrn gebrochen und die Chanaaniter verschont haben, ihnen die Strafe für ihren Ungehorsam kundzutun. - (3) Bochim, so nach diesem Ereignisse genannt. - (4) Das Folgende ist die Zusammenfassung einer längeren Rede. - (5) Vergl. [2Mos 23,32ff, 2Mos 34,12ff, 5Mos 7,2ff, Jos 23,12] - (6) [2Mos 34,13, 5Mos 7,5] - (7) Die Drohung war [4Mos 33,55, Jos 23,13] ausgesprochen, jetzt wird die Erfüllung derselben verhängt. - (8) An jedem Orte, wo der Herr seinem Volke erschien, konnten ihm Opfer dargebracht werden. – Der Abschnitt [Rich 2,6] bis [Rich 3,4] bietet eine allgemeine Erwägung, damit die einzelnen Tatsachen desto schneller gewürdigt werden. (Vergl. besonders [Rich 2,22, Rich 3,1.4].) - (9) Nach dem feierlich erneuerten Bunde mit Gott. - (10) Älteste sind im gesamten Morgenlande. So bei Pharao [1Mos 50,7], in Moab und Madian [4Mos 22,7], in Gabaon. [Jos 9,11] Auch Israel hatte schon vor dem Auszuge Älteste [2Mos 3,16, 2Mos 17,5], und selbst als Moses nach dem Rate Jethros [2Mos 18,14] die Siebzig zu seiner Hilfe aufgestellt, bleiben noch andere Älteste. Zur Zeit der Könige werden Älteste des Hauses Davids erwähnt [2Sam 12,17], ebenso in der Geschichte Roboams [1Koe 12,8], auch [1Chr 26,15]. Auch einzelne Städte haben Älteste [5Mos 19,12] u. a. es waren Älteste nicht den Jahren, sondern der Klugheit und den Sitten nach, Senatoren. - (11) Ihre Seelen gingen zu denen ihrer Väter. - (12) Das gesamte zur Zeit der Richter lebende Geschlecht. - (13) Bezeichnung des Götzendienstes. (Vergl. [Rich 3,12, Rich 4,1, Rich 6,1, Rich 13,1].) Andere bösen Taten werden in [Rich 17-21] aufgezählt. - (14) Und Astaroth [Rich 3,7]: Fremden Gottheiten. Baal ist ein Sonnengott und als solcher Träger und Prinzip des physischen Lebens und der zeugenden Naturkraft, die als Ausfluss seines Wesens betrachtet wurde. Astarte ist die allgemeine Bezeichnung der weiblichen Hauptgottheit der chananitischen Stämme, einer Mondgöttin, die als das verkörperte weibliche Naturprinzip verehrt ward. Die Abirrung der Israeliten bestand wohl nicht so in einer Verwerfung der Jahveverehrung als in der Vermischung derselben mit heidnischem Naturdienste. Vergl. [Rich 8,23, Rich 9,27]. Wie bei den Völkern, in deren Mitte die Israeliten lebten, die gegenseitige Anerkennung ihrer verschiedenen Götter sich darin zeigte, dass alle ihre höchste Gottheit mit demselben Namen Baal bezeichneten und nur das jedem Charakteristische durch einen Beisatz kennzeichneten, so wähnten wohl auch die Israeliten, den Baalen der umwohnenden mächtigen Völkerschaften neben Jahve dienen zu können. - (15) Sie verließen den Gott ihrer Väter, um einem fremden zu folgen, den Gott, der sich ihnen als Helfer erwiesen, um nichtigen Götzen zu dienen. - (16) Vergl. [5Mos 29,1]. Gott bleibt treu. - (17) Eigentlich: Nicht taten sie also wie ihre Väter Josue getan. (V. 7) - (18) Dieser Vers ist in der Vulgata nicht ganz genau wiedergegeben: Und wenn der Herr ihnen Richter aufstellte, so war der Herr mit dem Richter und rettete sie aus der Hand ihrer Feinde alle Tage des Richters, denn der Herr erbarmte sich usw. - (19) Vergl. [Jos 23,13]. - (20) Gott hatte verschiedene Ziele, indem er die Chananiter nicht in die Hand Israels gibt. V. 22 und [Rich 3,1] damit Israel geprüft werde. [Rich 2,3]: Damit Israel Feinde habe und deren Götter ihnen zum Falle werden [2Mos 23,29, 5Mos 7,22]: Damit das menschenleere Land nicht von wilden Tieren verwüstet werde. Einige von diesen Absichten Gottes waren wohl unbedingt und nicht an den Götzendienst Israels gebunden, wie z.B. die allmähliche Besitznahme des Landes. Doch hatte dieser Ratschluss die Wohlfahrt Israels zum unmittelbaren Ziele, so bezweckten die übrigen Absichten zunächst seine Züchtigung, freilich, um das Volk zur Bekehrung zu führen.

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